Digitale Selbstüberwachung

Digitale Selbstüberwachung

Buch
3.02

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Beschreibung

Simon Schaupps Studie Digitale Selbstüberwachung stellt dabei die Self-Tracker_innen nicht als obsessive Nerds dar, sondern fragt nach den gesellschaftlichen Ursachen für diese Praxis: Welche politischen und ökonomischen Strukturen machen es notwendig, sich permanent selbst zu überwachen und zu optimieren? Um diese Frage zu beantworten, verfolgt Schaupp die Selbstoptimierung auf der Grundlage von Feedbackschleifen zu ihren historischen Wurzeln in der kybernetischen Steuerungstheorie zurück und skizziert eine Theorie des kybernetischen Kapitalismus. Dabei wird deutlich, dass die Allgegenwart miniaturisierter vernetzter Computer unsere Gesellschaft grundlegend verändert. Nicht nur verschmelzen Kommunikation und Warenproduktion immer mehr zu ein- und demselben Prozess, sondern es bildet sich auch eine neue Form sozialer Kontrolle heraus, die wesentlich auf permanenten (digitalen) Feedbacks gründet. Das Self-Tracking wird hier als Ausdruck der Entwicklung hin zu einem kybernetischen Kapitalismus analysiert, die verstehen sollte, wer die Funktionsweise von Herrschaft in hoch technisierten Gesellschaften durchschauen will.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Fachbücher
Sub-Genre
Gesellschaft & Sozialwissenschaften
Format
Buch
Seitenzahl
160
Preis
15.40 €

Beiträge

1
Alle
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Simon Schaupps Studie unternimmt den ambitionierten Versuch, Self-Tracking als Ausdruck eines kybernetischen Kapitalismus zu analysieren und dabei Foucaults Dispositivkonzept – konkretisiert als „technologisches Mikrodispositiv” – als theoretischen Rahmen fruchtbar zu machen. Das analytische Potenzial dieses Rahmens bleibt jedoch weitgehend unausgeschöpft, weil der Text sich in einem dichten Geflecht aus Metasprache verliert, bevor er überhaupt zur Sache kommt. Seitenlange theoretische Vorbereitungen ersetzen hier zu oft die eigentliche empirische Arbeit. Das gravierendste Problem des Buches ist sein struktureller Fokussverlust. Anstatt das angekündigte Kernthema – digitale Selbstüberwachung im Alltag – systematisch zu entfalten, verzettelt sich Schaupp in Exkursen, die den Leser unvermittelt in gänzlich andere Themenwelten katapultieren: Toyota und das Just-in-time-Prinzip tauchen auf (S. 95/96), wenige Seiten später folgt ein ebenso unvermittelter Schwenk in die Genderforschung (S. 123). Diese thematischen Sprünge mögen in einem breit angelegten Theorierahmen prinzipiell vertretbar sein – hier aber fehlt die argumentative Brücke, die sie mit der Hauptthese verbindet. Hinzu kommt eine problematische Beweisführung. Schaupp arbeitet erkennbar mit selektiv ausgewählten Belegen und lässt zentrale Behauptungen ohne ausreichenden Nachweis stehen. Formulierungen wie „offensichtlich” oder „scheint” kaschieren, was eigentlich empirisch gezeigt werden müsste. Besonders symptomatisch ist die selbstreferenzielle Rhetorik – das wiederholte „habe ich herausgearbeitet” suggeriert analytische Leistung, wo der Text sie schuldig bleibt, und verlagert die Beweislast in eine Eigenzuschreibung, die wissenschaftlich nicht trägt. Insgesamt leidet das Buch darunter, dass es eine genuine Fragestellung – die gesellschaftlichen Ursachen freiwilliger Selbstüberwachung – mit einem zu weit gespannten und methodisch unzureichend gesicherten Theorieapparat beantwortet. Das Ergebnis ist ein Essay, der breiter greift als er tief gräbt.

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