Digitale Diagnosen
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Laura Wiesböck, geboren 1987, ist promovierte Soziologin und leitet die Gruppe »Digitalisierung und soziale Transformation« am Institut für Höhere Studien Wien. Neben wissenschaftlichen Artikeln beteiligt sie sich regelmäßig am öffentlichen Diskurs (SZ, Die Zeit, Der Standard). Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet (u. a. mit dem Käthe-Leichter- und dem Theodor-Körner-Preis). 2018 erschien »In besserer Gesellschaft. Der selbstgerechte Blick auf die Anderen« und bei Zsolnay »Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend« (2025).
Beiträge
Wahnsinn
Rezension zu dem Buch „Digitale Diagnosen“ Dieses Buch kam als Rezensionsexemplar durch vorablesen.de zu mir und ich habe mich mal wieder richtig darauf gefreut, einen Ratgeber zu diesem Thema zu lesen. In diesem Buch wird beschrieben, wie Themen wie „Trauma“, „ADHS“ und viele andere psychische Krankheitsbilder auf den Sozialen Netzwerken thematisiert werden. Leider fällt auf, dass viele Begrifflichkeiten falsch definiert werden. Beispielsweise werden Symptome willkürlich beschrieben beispielsweise: „10 Punkte an denen du erkennen kannst, dass du ADHS hast“. Auch hatte ich vorher noch nie von einem „Sad Girl Syndrom“ gehört. Dieses beschreibt, wie Frauen sich als besonders traurig verkaufen und mit dieser Traurigkeit hilfebedürftig (und damit sexy für Männer) zu wirken. Ich bin erschrocken darüber, wie selbst psychische Themen mittlerweile sich gut verkaufen lassen. T-shirts mit Aufschriften, Kaffeebecher, ja selbst Seminare, die dein „Problem“ beseitigen sollen, werde zu verrückten Preisen angeboten. Wenn man sich dann mal anschaut, ob diese „Speaker“ eine psychologische oder therapeutische Ausbildung haben, stellt man fest das dem nicht so ist. Genau das macht mich wütend. Wie unverantwortlich ist es denn, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, die wirklich ein schwerwiegendes Problem haben. Alles in allem war es ein sehr guter Ratgeber und ich gebe dem Buch 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

So, nachdem ich mir für meinen Umzug und danach aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Auszeit von der Online-Welt genommen habe, bin ich nun zurück - und werde es hoffentlich schaffen, jetzt wieder ein bisschen regelmäßiger zu posten. Natürlich war ich aber als reine Konsumentin nicht komplett offline. Wie wahrscheinlich alle anderen Menschen auch verbringe ich trotzdem zu viel Zeit auf Social Media und generell online. Und auch, wenn ich versuche, dort hauptsächlich Buch- und Autorinnencontent zu konsumieren, klappt das nicht immer. Hin und wieder postet mal wer aus dieser Blase was über andere Themen und wenn ich das dann like, wird natürlich mehr dazu angezeigt. Und so wurde ich irgendwann auch auf das Phänomen der Mental-Health-Seite von Instagram und co. aufmerksam. Und ich sags euch, Leute: Da gehts ab! Zeit- und Stressmanagement sowie allgemeine Mental Health Themen sind da noch die Spitze des Eisberges. Darunter? ADHS, Autismus, OCD, Dissoziative Persönlichkeitsstörungen ... mir war gar nicht so bewusst, wie viele Erkrankungen es so gibt. Als dann das Buch "Digitale Diagnosen" erschien, wusste ich direkt, dass ich es lesen möchte. Online sind psychische, aber auch körperliche Diagnosen und Gesundheit generell ein großes Thema, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Und natürlich habe auch ich mitbekommen, dass es scheinbar immer mehr Selbstdiagnosen gibt, die ohne die Bestätigung von Ärzten aufgestellt werden. Was ich hier gar nicht wirklich verurteilen möchte. Medical Gaslighting existiert leider, Ärzt:innen stehen oft unter viel Zeitdruck und Wartelisten bei Expert:innen sind oft sehr lang, wenn man nicht grade die Ressourcen hat, um auf eine private Versorgung auszuweichen. Gerade war der Mangel an Therapieplätzen für Kinder- und Jugendliche ja wieder ein Thema in den Nachrichten - kann man da wirklich Leute verurteilen, die sich selbst auf die Suche nach Antworten und Strategien machen? Schärfer verurteilen muss ich das große Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, die meiner Erfahrung nach oft mit diesem Thema einhergeht. Leute, nur weil ihr in der Lage dazu seid, ein paar Stichworte zu googeln oder (noch schlimmer!) in eine KI einzugeben, macht euch das nicht zu Mediziner:innen. Nur weil euch eine Strategie geholfen habt, seid ihr nicht Expert:innen. Ihr seid einfach nur Menschen, die mit dieser Erkrankung leben müssen, und vielleicht nicht mal das, weil ihr nämlich keine Mediziner:innen seid und euch deswegen vielleicht sogar mit der falschen Krankheit diagnostiziert habt. Und das kennen wir wohl wirklich alle, nicht mal unbedingt nur auf psychische Erkrankungen begrenzt. Schnell mal Symptome gegoogelt und schon befürchtet man einen Hirntumor (ich zumindest!). Ich saß zum Beispiel auch erst vor Kurzem beim Arzt, weil ich nach einen Vitamin-Mangel bei mir vermutet habe. Hatte ich auch. Aber dazu halt auch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die wahrscheinlich die Mängel erst verursacht hat und in einem frühen Stadium oft mit recht ähnlichen Symptomen kommt. Hätte ich einfach selbständig mit der Behandlung begonnen (Vitaminpräparate gibt es ja wirklich überall zu kaufen!), wäre diese Erkrankung weiter unter dem Radar geflogen und hätte wohl immer weiter Symptome verursacht - und das hätte sehr hässlich enden können. Deswegen: Wenn es euch nicht gut geht, dann geht zur Ärztin oder zum Arzt. Egal, ob das jetzt euren Körper oder eure Psyche betrifft. Und geht zur verdammten Vorsorge. Aber googelt eure Symptome nicht, postet sie nicht in Foren für Betroffene von bestimmten Krankheiten und dichtet euch doch bitte nicht selbst irgendwelche Krankheiten an. Die allermeisten von euch sind nicht aus der Medizin und können eure Vermutungen nicht von anderen Diagnosen mit ähnlichen Symptomen abgrenzen! Dafür fehlt euch nicht nur das Wissen, sondern auch die Werkzeuge - oder habt ihr ein verdammtes Ultraschallgerät daheim rumliegen? Oder die Tools für verlässliche Bluttests? Dass eine Selbstdiagnose oft falsch und teils sogar richtig gefährlich sein kann, dürfte den meisten Leuten klar sein. Aber warum finden sich dann online trotzdem so viele Personen, die sich selbst irgendwelche Krankheiten andichten? Wie ist dieser "Trend" entstanden? Die Autorin bietet mögliche Antworten auf diese Fragen und beleuchtet das Phänomen der Selbstdiagnose aus kultureller, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. Dadurch entsteht ein vielfältigeres Bild von diesem Phänomen als ich es persönlich erwartet hätte - und durch dieses Buch verstehe ich jetzt diese Entwicklung jetzt etwas besser. Beschrieben wird all das auf sehr spannende Art. Die Autorin beschreibt all die Aspekte, die hier mit rein spielen und das, ohne die Menschen zu verurteilen, die sich selbst diagnostizieren. Trotzdem wird auch ganz klar deutlich gemacht, warum eine nicht von einer Ärztin bestätigte Diagnose problematisch und gefährlich sein kann. Mein Fazit? Ein großartiges Buch durch das ich viel Neues lernen durfte. Großartig!
Auf den Punkt gebracht. Wie psychische Gesundheit auf Social Media unangemessen dargestellt wird und einfache Gefühlslagen pathologiesiert werden.
Gehört ihr auch zu den Menschen, die die Augen verdrehen, wenn wieder eine neue Self Care Sau durchs Dorf gejagt wird? Mir geht es tatsächlich manchmal so. Da werden „Negative People“ aus dem Leben „gecuttet“, man „healt“ und zeigt seine „Sad Girl Side“. Manches Mal wird mir was in die Timeline gespült, bei dem ich am liebsten sofort den Notarzt rufen würde oder man sich Sorgen macht, ob die Person in der Lage ist, ihre Depression in den Griff zu kriegen oder sich Hilfe zu holen. Man ist dann doch etwas beruhigt, wenn man sie am nächsten Tag schon wieder in bunt bedruckten T-Shirts mit coolen Sprüchen wie “I have crippling depressions“, im „Anxiety Chic“ die eigene Diagnose feiert. Nicht nur für diese Personen ist das hier highly recommended! Auch jene, die sich als selbsternannte Spezialisten in Bezug auf „Mental Health“ und „Self Care“ durch das Lesen von passenden Büchern, eine Indien, Reise oder das Nachahmen anderer Content Creator qualifiziert bekommen hier den Spiegel vorgehalten. Und letztendlich ist es natürlich auch für uns, die mit Bedacht an solche zur Schau gestellten pathologischen Zustände rangehen, den Vorteil in der Entdämonisierung psychischer Krankheiten sehen aber gleichzeitig Wissen, dass niemand durch Social Media geheilt wird, das Gegenteil ist meist der Fall. Laura Wiesböck hat die wesentlichen Dinge auf wenigen Seiten auf den Punkt gebracht. Es geht hier um den Missbrauch von Worten wie, Trigger, Trauma und Toxic bei deren Verwendung ich selbst auch immer mal wieder „Autsch“ rufen muss, dem Kultivieren eines „krankhaften Blicks“ auf Gefühle aber auch um die Pathologisierung emotionaler Zustände als Entlastungsstrategie. Mir hat dabei besonders gut gefallen, wie sie es mit aktuellen „Fällen“ anschaulicher macht und dass sie zwar warnt und zu mehr Aufmerksamkeit und Professionalität im Umgang mit psychischen Problemen rät, niemals aber mit dem ausgestreckten Zeigefinger das Verhalten anderer niedermacht. Immer dann, wenn sie darauf zu sprechen kam, dass heutzutage häufig Begriffe aus der Psychologie auf einfache Gefühle angewendet und damit die eigentlichen Erkrankungen abgewertet werden, hab ich sie gefeiert. Wir sollten da alle viel aufmerksamer mit umgehen. Auch da macht Sprache etwas! Intelligente Menschen sollten wissen, dass alles, was auf Social Media passiert, niemals vorbehaltslos geglaubt oder nachgeahmt werden sollte. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, auf die vielen tollen Themen in diesem Buch einzugehen. Es hat ja selbst nur 172 Seiten (inklusive der umfangreichen Quellenangaben.) aber es lohnt sich wirklich, gerade, wenn man hier als Content Creator tätig ist, es zu lesen und sich immer wieder bewusst zu machen, was man mit seinen Aussagen bewirkt. Die aller wenigsten hier sind autorisiert Diagnosen zu erstellen oder für Andere zu entscheiden wann Grenzen überschritten wurden oder Verhaltensweisen krankhaft sind. Aus der Distanz ist das selbst für Profis ein Problem. Ich empfehle das Buch also dringend Euch allen, die ihr hier auf Social Media unterwegs seid, für einen reflektierteren Blick auf euch selbst und Andere und einen bedächtigeren Umgang mit Sprache
Trauma, toxisch, triggern – wenn Social Media unsere Gefühlswelt etikettiert
In Digitale Diagnosen – Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend schaut die Soziologin Laura Wiesböck dorthin, wo es weh tut: in die Schnittstelle zwischen echter seelischer Not und Instagram-tauglicher Selbstdiagnose. Sie zeigt, wie Begriffe wie „Trauma“, „toxisch“ oder „Trigger“ in den sozialen Medien immer häufiger benutzt werden – manchmal hilfreich zur Enttabuisierung, oft aber verkürzt, dramatisiert oder als Lifestyle-Label.  Wiesböck schreibt klar, sachlich und gleichzeitig gut lesbar. Sie ordnet den Mental-Health-Hype ein in größere gesellschaftliche Zusammenhänge: Leistungsdruck, neoliberale Selbstoptimierung, Vereinzelung – und die Sehnsucht danach, das eigene Leiden endlich benennen zu können. Besonders stark ist das Buch, wenn sie zeigt, wie schnell aus Gefühlen „Symptome“ und aus Lebenskrisen vermeintlich feste Diagnosen werden – und welche Risiken das birgt, gerade für junge Menschen.  Digitale Diagnosen ist keine Abrechnung mit Psychotherapie oder echter psychischer Krankheit, sondern ein Plädoyer für Differenzierung: dafür, seelisches Leid ernst zu nehmen, ohne alles sofort pathologisieren zu müssen. Ein kluges, kompaktes und sehr zeitgemäßes Buch, das lange nachwirkt – besonders, wenn man selbst viel auf Social Media unterwegs ist.
Super interessante Lektüre!
Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich durch den SRF-Podcast „Philosophischer Stammtisch: ADHS: Störung, Varianz, Superkraft?“. Da dieses Thema mich bereits lange beschäftigt und Frau Wiesböck argumentativ zu gefallen wusste, bestellte ich das Buch umgehend - und wurde nicht enttäuscht. Die Autorin ist promovierte Soziologin, erhebt hier also keinen Anspruch auf eine psychologische oder medizinische Analyse, sie übt Kritik auf gesellschaftlicher Ebene. Das war erfrischend. Nach der kurzen Einleitung wird schnell klar, dass dieses Buch sehr fundiert und anspruchsvoll ist und einige Konzentration erfordert. Los geht’s mit dem Phänomen der „Sad Girl Culture“, welches für sich genommen schon eine eigene Diskussion verdient hat. Auch ADHS als Alibi für ineffizientes Verhalten ist spannend und diskussionswürdig. Der Autorin geht es immer wieder ausdrücklich nicht darum, diese Erkrankungen herunterzuspielen oder zu verharmlosen, sie möchte aber warnen vor eigenen, falschen Zuschreibungen. So geht es denn konsequent weiter mit dem Kapitel über die inflationäre Verwendung von psychologischen Begriffen wie z.B. „Trauma, Trigger und Narzisst“. Zu oft werden diese klar abzugrenzenden Begriffe falsch verwendet, was zu einer Abwertung und Entwertung führt. Das ist weder im Interesse der Betroffenen noch der gesunden Menschen, die einfach nur Kummer haben. Die nächsten beiden Kapitel sind auch interessant, fallen aber etwas ab und durch das Buch ziehen sich zwei Dinge, die ich als störend empfand: Das Gendern (kotz) und der klar linke Einschlag der Autorin (bei einer Soziologin nicht sehr überraschend, ich weiß). Doch ab hier nimmt das Buch wieder an Fahrt auf: Schönheitsideale werden entlarvt, die „New-Age-Spiritualität“ wird endlich mal ausführlich thematisiert und in der Tiefe kritisiert - auch anhand von Beispielen - und der Begriff des Healings, der nicht selten zur Erschließung neuer Märkte dient und deswegen so ungenau formuliert wird, wird ebenfalls hinterfragt. Das ist sehr erfrischend und lässt neu über dieses Thema nachdenken. Zum Ende des Buches gibt es dann ein großartiges Plädoyer für Menschlichkeit und das normale Leben und die Autorin relativiert die Nutzung von sozialen Medien auf eine angenehme Weise und nimmt somit die Macht dieser Fiktion. Am Ende leben wir unser Leben nun mal im hier und jetzt und existieren nicht im digitalen Raum bzw. bilden dort nur eine Version, ein Image unserer selbst ab. Fazit: Ein gewinnbringendes, intellektuell und wissenschaftlich ansprechendes und fundiertes Buch, welches bis auf dieses ständige Gendern und die regelmäßigen Verweise auf den schlimmen Kapitalismus und die antidemokratischen Bestrebungen unserer Zeit wirklich sehr lesenswert war.
In „Digitale Diagnosen“ beleuchtet die Soziologin Laura Wiesböck die inflationäre Nutzung psychologischer Begriffe in den sozialen Medien und hinterfragt kritisch, wie sich der aktuelle „Mental Health“-Trend auf unser gesellschaftliches Verständnis von psychischer Gesundheit auswirkt. Begriffe wie „Trauma“, „triggern“ oder „toxisch“ sind allgegenwärtig, oft entkoppelt von ihrem ursprünglichen klinischen Kontext und leichtfertig für Selbst- und Fremddiagnosen verwendet. Wiesböck analysiert mit beeindruckender Präzision, wo die Grenze zwischen Enttabuisierung und problematischer Verharmlosung verläuft und welche Risiken die digitale Popularisierung psychischer Diagnosen mit sich bringt. Das Buch ist hervorragend recherchiert und angenehm geschrieben – informativ, ohne überladen zu wirken. Besonders spannend fand ich das Kapitel zur „Illness Appropriation“, also der Vereinnahmung psychischer Erkrankungen, insbesondere im Kontext aktueller gesellschaftlicher Debatten über toxische Männlichkeit und die psychiatrische Einordnung von Tätern mit psychischen Erkrankungen. Das Buch regt dazu an, den eigenen Social-Media-Konsum sowie die dort präsentierten Inhalte kritisch zu hinterfragen. Ein kleiner Kritikpunkt für mich ist das Kapitel zu !Selfcare als Wohlstandsphänomen“. Während Wiesböck hier einen wichtigen Punkt trifft – dass Selbstfürsorge oft als Konsumtrend vermarktet wird –, bleibt für mich ein Aspekt unberücksichtigt: Selbstfürsorge ist ein essenzieller Bestandteil der psychischen Gesundheit und auch in therapeutischen Ansätzen zentral. Die Darstellung könnte den Eindruck erwecken, als sei persönliche Resilienzbildung nahezu bedeutungslos. Hier hätte ich mir eine stärkere Differenzierung oder Ergänzung zu konstruktiven Möglichkeiten gewünscht, mit denen Menschen ihre psychische Widerstandskraft stärken können. Die Länge des Buches ist ideal – nicht künstlich aufgebläht, sondern prägnant und auf den Punkt. Auch das Cover hat eine starke visuelle Wirkung, erinnert mich jedoch eher an psychedelische Drogen, was zunächst eine andere Thematik assoziieren lässt. Insgesamt ist „Digitale Diagnosen“ eine kluge, zeitgemäße Analyse eines hochaktuellen Themas. Wiesböck schafft es, die Debatte um Mental Health differenziert zu betrachten, auch wenn einzelne Aspekte noch tiefgehender hätten ausgearbeitet werden können. Wer sich mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung psychischer Gesundheit auseinandersetzen möchte, findet hier ein wichtiges Buch, das Denkanstöße liefert und zum kritischen Hinterfragen anregt. Fazit: Ein scharfsinniges Buch über den Einfluss von Social Media auf unsere Wahrnehmung von Mental Health – präzise, aufschlussreich und lesenswert.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Laura Wiesböck, geboren 1987, ist promovierte Soziologin und leitet die Gruppe »Digitalisierung und soziale Transformation« am Institut für Höhere Studien Wien. Neben wissenschaftlichen Artikeln beteiligt sie sich regelmäßig am öffentlichen Diskurs (SZ, Die Zeit, Der Standard). Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet (u. a. mit dem Käthe-Leichter- und dem Theodor-Körner-Preis). 2018 erschien »In besserer Gesellschaft. Der selbstgerechte Blick auf die Anderen« und bei Zsolnay »Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend« (2025).
Beiträge
Wahnsinn
Rezension zu dem Buch „Digitale Diagnosen“ Dieses Buch kam als Rezensionsexemplar durch vorablesen.de zu mir und ich habe mich mal wieder richtig darauf gefreut, einen Ratgeber zu diesem Thema zu lesen. In diesem Buch wird beschrieben, wie Themen wie „Trauma“, „ADHS“ und viele andere psychische Krankheitsbilder auf den Sozialen Netzwerken thematisiert werden. Leider fällt auf, dass viele Begrifflichkeiten falsch definiert werden. Beispielsweise werden Symptome willkürlich beschrieben beispielsweise: „10 Punkte an denen du erkennen kannst, dass du ADHS hast“. Auch hatte ich vorher noch nie von einem „Sad Girl Syndrom“ gehört. Dieses beschreibt, wie Frauen sich als besonders traurig verkaufen und mit dieser Traurigkeit hilfebedürftig (und damit sexy für Männer) zu wirken. Ich bin erschrocken darüber, wie selbst psychische Themen mittlerweile sich gut verkaufen lassen. T-shirts mit Aufschriften, Kaffeebecher, ja selbst Seminare, die dein „Problem“ beseitigen sollen, werde zu verrückten Preisen angeboten. Wenn man sich dann mal anschaut, ob diese „Speaker“ eine psychologische oder therapeutische Ausbildung haben, stellt man fest das dem nicht so ist. Genau das macht mich wütend. Wie unverantwortlich ist es denn, Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, die wirklich ein schwerwiegendes Problem haben. Alles in allem war es ein sehr guter Ratgeber und ich gebe dem Buch 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

So, nachdem ich mir für meinen Umzug und danach aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Auszeit von der Online-Welt genommen habe, bin ich nun zurück - und werde es hoffentlich schaffen, jetzt wieder ein bisschen regelmäßiger zu posten. Natürlich war ich aber als reine Konsumentin nicht komplett offline. Wie wahrscheinlich alle anderen Menschen auch verbringe ich trotzdem zu viel Zeit auf Social Media und generell online. Und auch, wenn ich versuche, dort hauptsächlich Buch- und Autorinnencontent zu konsumieren, klappt das nicht immer. Hin und wieder postet mal wer aus dieser Blase was über andere Themen und wenn ich das dann like, wird natürlich mehr dazu angezeigt. Und so wurde ich irgendwann auch auf das Phänomen der Mental-Health-Seite von Instagram und co. aufmerksam. Und ich sags euch, Leute: Da gehts ab! Zeit- und Stressmanagement sowie allgemeine Mental Health Themen sind da noch die Spitze des Eisberges. Darunter? ADHS, Autismus, OCD, Dissoziative Persönlichkeitsstörungen ... mir war gar nicht so bewusst, wie viele Erkrankungen es so gibt. Als dann das Buch "Digitale Diagnosen" erschien, wusste ich direkt, dass ich es lesen möchte. Online sind psychische, aber auch körperliche Diagnosen und Gesundheit generell ein großes Thema, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Und natürlich habe auch ich mitbekommen, dass es scheinbar immer mehr Selbstdiagnosen gibt, die ohne die Bestätigung von Ärzten aufgestellt werden. Was ich hier gar nicht wirklich verurteilen möchte. Medical Gaslighting existiert leider, Ärzt:innen stehen oft unter viel Zeitdruck und Wartelisten bei Expert:innen sind oft sehr lang, wenn man nicht grade die Ressourcen hat, um auf eine private Versorgung auszuweichen. Gerade war der Mangel an Therapieplätzen für Kinder- und Jugendliche ja wieder ein Thema in den Nachrichten - kann man da wirklich Leute verurteilen, die sich selbst auf die Suche nach Antworten und Strategien machen? Schärfer verurteilen muss ich das große Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, die meiner Erfahrung nach oft mit diesem Thema einhergeht. Leute, nur weil ihr in der Lage dazu seid, ein paar Stichworte zu googeln oder (noch schlimmer!) in eine KI einzugeben, macht euch das nicht zu Mediziner:innen. Nur weil euch eine Strategie geholfen habt, seid ihr nicht Expert:innen. Ihr seid einfach nur Menschen, die mit dieser Erkrankung leben müssen, und vielleicht nicht mal das, weil ihr nämlich keine Mediziner:innen seid und euch deswegen vielleicht sogar mit der falschen Krankheit diagnostiziert habt. Und das kennen wir wohl wirklich alle, nicht mal unbedingt nur auf psychische Erkrankungen begrenzt. Schnell mal Symptome gegoogelt und schon befürchtet man einen Hirntumor (ich zumindest!). Ich saß zum Beispiel auch erst vor Kurzem beim Arzt, weil ich nach einen Vitamin-Mangel bei mir vermutet habe. Hatte ich auch. Aber dazu halt auch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die wahrscheinlich die Mängel erst verursacht hat und in einem frühen Stadium oft mit recht ähnlichen Symptomen kommt. Hätte ich einfach selbständig mit der Behandlung begonnen (Vitaminpräparate gibt es ja wirklich überall zu kaufen!), wäre diese Erkrankung weiter unter dem Radar geflogen und hätte wohl immer weiter Symptome verursacht - und das hätte sehr hässlich enden können. Deswegen: Wenn es euch nicht gut geht, dann geht zur Ärztin oder zum Arzt. Egal, ob das jetzt euren Körper oder eure Psyche betrifft. Und geht zur verdammten Vorsorge. Aber googelt eure Symptome nicht, postet sie nicht in Foren für Betroffene von bestimmten Krankheiten und dichtet euch doch bitte nicht selbst irgendwelche Krankheiten an. Die allermeisten von euch sind nicht aus der Medizin und können eure Vermutungen nicht von anderen Diagnosen mit ähnlichen Symptomen abgrenzen! Dafür fehlt euch nicht nur das Wissen, sondern auch die Werkzeuge - oder habt ihr ein verdammtes Ultraschallgerät daheim rumliegen? Oder die Tools für verlässliche Bluttests? Dass eine Selbstdiagnose oft falsch und teils sogar richtig gefährlich sein kann, dürfte den meisten Leuten klar sein. Aber warum finden sich dann online trotzdem so viele Personen, die sich selbst irgendwelche Krankheiten andichten? Wie ist dieser "Trend" entstanden? Die Autorin bietet mögliche Antworten auf diese Fragen und beleuchtet das Phänomen der Selbstdiagnose aus kultureller, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. Dadurch entsteht ein vielfältigeres Bild von diesem Phänomen als ich es persönlich erwartet hätte - und durch dieses Buch verstehe ich jetzt diese Entwicklung jetzt etwas besser. Beschrieben wird all das auf sehr spannende Art. Die Autorin beschreibt all die Aspekte, die hier mit rein spielen und das, ohne die Menschen zu verurteilen, die sich selbst diagnostizieren. Trotzdem wird auch ganz klar deutlich gemacht, warum eine nicht von einer Ärztin bestätigte Diagnose problematisch und gefährlich sein kann. Mein Fazit? Ein großartiges Buch durch das ich viel Neues lernen durfte. Großartig!
Auf den Punkt gebracht. Wie psychische Gesundheit auf Social Media unangemessen dargestellt wird und einfache Gefühlslagen pathologiesiert werden.
Gehört ihr auch zu den Menschen, die die Augen verdrehen, wenn wieder eine neue Self Care Sau durchs Dorf gejagt wird? Mir geht es tatsächlich manchmal so. Da werden „Negative People“ aus dem Leben „gecuttet“, man „healt“ und zeigt seine „Sad Girl Side“. Manches Mal wird mir was in die Timeline gespült, bei dem ich am liebsten sofort den Notarzt rufen würde oder man sich Sorgen macht, ob die Person in der Lage ist, ihre Depression in den Griff zu kriegen oder sich Hilfe zu holen. Man ist dann doch etwas beruhigt, wenn man sie am nächsten Tag schon wieder in bunt bedruckten T-Shirts mit coolen Sprüchen wie “I have crippling depressions“, im „Anxiety Chic“ die eigene Diagnose feiert. Nicht nur für diese Personen ist das hier highly recommended! Auch jene, die sich als selbsternannte Spezialisten in Bezug auf „Mental Health“ und „Self Care“ durch das Lesen von passenden Büchern, eine Indien, Reise oder das Nachahmen anderer Content Creator qualifiziert bekommen hier den Spiegel vorgehalten. Und letztendlich ist es natürlich auch für uns, die mit Bedacht an solche zur Schau gestellten pathologischen Zustände rangehen, den Vorteil in der Entdämonisierung psychischer Krankheiten sehen aber gleichzeitig Wissen, dass niemand durch Social Media geheilt wird, das Gegenteil ist meist der Fall. Laura Wiesböck hat die wesentlichen Dinge auf wenigen Seiten auf den Punkt gebracht. Es geht hier um den Missbrauch von Worten wie, Trigger, Trauma und Toxic bei deren Verwendung ich selbst auch immer mal wieder „Autsch“ rufen muss, dem Kultivieren eines „krankhaften Blicks“ auf Gefühle aber auch um die Pathologisierung emotionaler Zustände als Entlastungsstrategie. Mir hat dabei besonders gut gefallen, wie sie es mit aktuellen „Fällen“ anschaulicher macht und dass sie zwar warnt und zu mehr Aufmerksamkeit und Professionalität im Umgang mit psychischen Problemen rät, niemals aber mit dem ausgestreckten Zeigefinger das Verhalten anderer niedermacht. Immer dann, wenn sie darauf zu sprechen kam, dass heutzutage häufig Begriffe aus der Psychologie auf einfache Gefühle angewendet und damit die eigentlichen Erkrankungen abgewertet werden, hab ich sie gefeiert. Wir sollten da alle viel aufmerksamer mit umgehen. Auch da macht Sprache etwas! Intelligente Menschen sollten wissen, dass alles, was auf Social Media passiert, niemals vorbehaltslos geglaubt oder nachgeahmt werden sollte. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, auf die vielen tollen Themen in diesem Buch einzugehen. Es hat ja selbst nur 172 Seiten (inklusive der umfangreichen Quellenangaben.) aber es lohnt sich wirklich, gerade, wenn man hier als Content Creator tätig ist, es zu lesen und sich immer wieder bewusst zu machen, was man mit seinen Aussagen bewirkt. Die aller wenigsten hier sind autorisiert Diagnosen zu erstellen oder für Andere zu entscheiden wann Grenzen überschritten wurden oder Verhaltensweisen krankhaft sind. Aus der Distanz ist das selbst für Profis ein Problem. Ich empfehle das Buch also dringend Euch allen, die ihr hier auf Social Media unterwegs seid, für einen reflektierteren Blick auf euch selbst und Andere und einen bedächtigeren Umgang mit Sprache
Trauma, toxisch, triggern – wenn Social Media unsere Gefühlswelt etikettiert
In Digitale Diagnosen – Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend schaut die Soziologin Laura Wiesböck dorthin, wo es weh tut: in die Schnittstelle zwischen echter seelischer Not und Instagram-tauglicher Selbstdiagnose. Sie zeigt, wie Begriffe wie „Trauma“, „toxisch“ oder „Trigger“ in den sozialen Medien immer häufiger benutzt werden – manchmal hilfreich zur Enttabuisierung, oft aber verkürzt, dramatisiert oder als Lifestyle-Label.  Wiesböck schreibt klar, sachlich und gleichzeitig gut lesbar. Sie ordnet den Mental-Health-Hype ein in größere gesellschaftliche Zusammenhänge: Leistungsdruck, neoliberale Selbstoptimierung, Vereinzelung – und die Sehnsucht danach, das eigene Leiden endlich benennen zu können. Besonders stark ist das Buch, wenn sie zeigt, wie schnell aus Gefühlen „Symptome“ und aus Lebenskrisen vermeintlich feste Diagnosen werden – und welche Risiken das birgt, gerade für junge Menschen.  Digitale Diagnosen ist keine Abrechnung mit Psychotherapie oder echter psychischer Krankheit, sondern ein Plädoyer für Differenzierung: dafür, seelisches Leid ernst zu nehmen, ohne alles sofort pathologisieren zu müssen. Ein kluges, kompaktes und sehr zeitgemäßes Buch, das lange nachwirkt – besonders, wenn man selbst viel auf Social Media unterwegs ist.
Super interessante Lektüre!
Aufmerksam auf dieses Buch wurde ich durch den SRF-Podcast „Philosophischer Stammtisch: ADHS: Störung, Varianz, Superkraft?“. Da dieses Thema mich bereits lange beschäftigt und Frau Wiesböck argumentativ zu gefallen wusste, bestellte ich das Buch umgehend - und wurde nicht enttäuscht. Die Autorin ist promovierte Soziologin, erhebt hier also keinen Anspruch auf eine psychologische oder medizinische Analyse, sie übt Kritik auf gesellschaftlicher Ebene. Das war erfrischend. Nach der kurzen Einleitung wird schnell klar, dass dieses Buch sehr fundiert und anspruchsvoll ist und einige Konzentration erfordert. Los geht’s mit dem Phänomen der „Sad Girl Culture“, welches für sich genommen schon eine eigene Diskussion verdient hat. Auch ADHS als Alibi für ineffizientes Verhalten ist spannend und diskussionswürdig. Der Autorin geht es immer wieder ausdrücklich nicht darum, diese Erkrankungen herunterzuspielen oder zu verharmlosen, sie möchte aber warnen vor eigenen, falschen Zuschreibungen. So geht es denn konsequent weiter mit dem Kapitel über die inflationäre Verwendung von psychologischen Begriffen wie z.B. „Trauma, Trigger und Narzisst“. Zu oft werden diese klar abzugrenzenden Begriffe falsch verwendet, was zu einer Abwertung und Entwertung führt. Das ist weder im Interesse der Betroffenen noch der gesunden Menschen, die einfach nur Kummer haben. Die nächsten beiden Kapitel sind auch interessant, fallen aber etwas ab und durch das Buch ziehen sich zwei Dinge, die ich als störend empfand: Das Gendern (kotz) und der klar linke Einschlag der Autorin (bei einer Soziologin nicht sehr überraschend, ich weiß). Doch ab hier nimmt das Buch wieder an Fahrt auf: Schönheitsideale werden entlarvt, die „New-Age-Spiritualität“ wird endlich mal ausführlich thematisiert und in der Tiefe kritisiert - auch anhand von Beispielen - und der Begriff des Healings, der nicht selten zur Erschließung neuer Märkte dient und deswegen so ungenau formuliert wird, wird ebenfalls hinterfragt. Das ist sehr erfrischend und lässt neu über dieses Thema nachdenken. Zum Ende des Buches gibt es dann ein großartiges Plädoyer für Menschlichkeit und das normale Leben und die Autorin relativiert die Nutzung von sozialen Medien auf eine angenehme Weise und nimmt somit die Macht dieser Fiktion. Am Ende leben wir unser Leben nun mal im hier und jetzt und existieren nicht im digitalen Raum bzw. bilden dort nur eine Version, ein Image unserer selbst ab. Fazit: Ein gewinnbringendes, intellektuell und wissenschaftlich ansprechendes und fundiertes Buch, welches bis auf dieses ständige Gendern und die regelmäßigen Verweise auf den schlimmen Kapitalismus und die antidemokratischen Bestrebungen unserer Zeit wirklich sehr lesenswert war.
In „Digitale Diagnosen“ beleuchtet die Soziologin Laura Wiesböck die inflationäre Nutzung psychologischer Begriffe in den sozialen Medien und hinterfragt kritisch, wie sich der aktuelle „Mental Health“-Trend auf unser gesellschaftliches Verständnis von psychischer Gesundheit auswirkt. Begriffe wie „Trauma“, „triggern“ oder „toxisch“ sind allgegenwärtig, oft entkoppelt von ihrem ursprünglichen klinischen Kontext und leichtfertig für Selbst- und Fremddiagnosen verwendet. Wiesböck analysiert mit beeindruckender Präzision, wo die Grenze zwischen Enttabuisierung und problematischer Verharmlosung verläuft und welche Risiken die digitale Popularisierung psychischer Diagnosen mit sich bringt. Das Buch ist hervorragend recherchiert und angenehm geschrieben – informativ, ohne überladen zu wirken. Besonders spannend fand ich das Kapitel zur „Illness Appropriation“, also der Vereinnahmung psychischer Erkrankungen, insbesondere im Kontext aktueller gesellschaftlicher Debatten über toxische Männlichkeit und die psychiatrische Einordnung von Tätern mit psychischen Erkrankungen. Das Buch regt dazu an, den eigenen Social-Media-Konsum sowie die dort präsentierten Inhalte kritisch zu hinterfragen. Ein kleiner Kritikpunkt für mich ist das Kapitel zu !Selfcare als Wohlstandsphänomen“. Während Wiesböck hier einen wichtigen Punkt trifft – dass Selbstfürsorge oft als Konsumtrend vermarktet wird –, bleibt für mich ein Aspekt unberücksichtigt: Selbstfürsorge ist ein essenzieller Bestandteil der psychischen Gesundheit und auch in therapeutischen Ansätzen zentral. Die Darstellung könnte den Eindruck erwecken, als sei persönliche Resilienzbildung nahezu bedeutungslos. Hier hätte ich mir eine stärkere Differenzierung oder Ergänzung zu konstruktiven Möglichkeiten gewünscht, mit denen Menschen ihre psychische Widerstandskraft stärken können. Die Länge des Buches ist ideal – nicht künstlich aufgebläht, sondern prägnant und auf den Punkt. Auch das Cover hat eine starke visuelle Wirkung, erinnert mich jedoch eher an psychedelische Drogen, was zunächst eine andere Thematik assoziieren lässt. Insgesamt ist „Digitale Diagnosen“ eine kluge, zeitgemäße Analyse eines hochaktuellen Themas. Wiesböck schafft es, die Debatte um Mental Health differenziert zu betrachten, auch wenn einzelne Aspekte noch tiefgehender hätten ausgearbeitet werden können. Wer sich mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung psychischer Gesundheit auseinandersetzen möchte, findet hier ein wichtiges Buch, das Denkanstöße liefert und zum kritischen Hinterfragen anregt. Fazit: Ein scharfsinniges Buch über den Einfluss von Social Media auf unsere Wahrnehmung von Mental Health – präzise, aufschlussreich und lesenswert.












