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„Diesseits vom Paradies“ ist nicht nur Fitzgeralds Debüt und Durchbruch gewesen, sondern zu allererst ein stark biografisch inspirierter Roman, der eine Generation im Aufbruch, während der Collegezeit und Kriegsjahre mitverfolgt. Protagonist ist Amory Blaine, dessen verwöhnte Kindheit, eitle Jugend und Collegejahre wir in diesem Coming-of-Age-Werk geboten bekommen. Die Erfahrungen seiner langen Schulzeit, seine unglaubliche Arroganz und Selbstsucht stehen ihn beim Heranreifen oftmals im Wege und auch seine Liebesaffären sind meist romantisch-überhöhter Natur. Er begegnet den verschiedensten Frauenfiguren, die er begehrt, liebt und doch wieder vergessen kann – bis auf Rosalind, die – der Dramatik des Ganzen vollkommen angemessen – in einem Einakter mitten im Werk eingeführt wird. Fitzgeralds Personenzeichnungen sind genau, hinter die Fassade blickend und entlarvend. Der Erzähler wendet sich gern einmal an den Leser selbst oder korrigiert seine Erzählanfänge, generell schreibt Fitzgerald mit einer sehr überzeugenden Ironie, was ihm die Möglichkeit gibt, zu seinem stark biografisch inspirierten Charakter Amory Distanz zu gewinnen. 98 Schriftsteller und 64 Werke gehören zu den Einflüssen unseres jungen Protagonisten, bei denen er Zuflucht und Möglichkeit für ein ‚besseres‘ Leben sieht. Doch wo genau Amory Blaine einmal ankommen wird, der romantische Träumer, der zynische Idealist, der alle wichtigen Menschen um sich herum verliert… Fraglich. Sein mystisch-romantischer Hang zur Natur gibt der Figur immer wieder etwas hoffnungsvoll-hoffnungsloses. Amory zwingt einen zu einer sehr ambivalenten Haltung ggü. seiner Person – man liebt es fast ihn zu hassen und leidet doch mit ihm, wünscht ihm die Trunksucht und Verluste nicht, in die er sich selbst überheblich hineinmanövriert. Sehr sehr lesenswert. Man sollte sich nur bewusst machen, mit welcher Collagentechnik Fitzgerald diesen Roman gestaltet hat. Eine Vielzahl von Briefen, Gedichten und Epigrammen, sowie der erwähnte Einakter unterbrechen den prosaischen Erzählfluss gern einmal. In den 1920ern galt dieses Werk zurecht als sehr avantgardistisch.
1. Sept. 2022
„Diesseits vom Paradies“ ist nicht nur Fitzgeralds Debüt und Durchbruch gewesen, sondern zu allererst ein stark biografisch inspirierter Roman, der eine Generation im Aufbruch, während der Collegezeit und Kriegsjahre mitverfolgt. Protagonist ist Amory Blaine, dessen verwöhnte Kindheit, eitle Jugend und Collegejahre wir in diesem Coming-of-Age-Werk geboten bekommen. Die Erfahrungen seiner langen Schulzeit, seine unglaubliche Arroganz und Selbstsucht stehen ihn beim Heranreifen oftmals im Wege und auch seine Liebesaffären sind meist romantisch-überhöhter Natur. Er begegnet den verschiedensten Frauenfiguren, die er begehrt, liebt und doch wieder vergessen kann – bis auf Rosalind, die – der Dramatik des Ganzen vollkommen angemessen – in einem Einakter mitten im Werk eingeführt wird. Fitzgeralds Personenzeichnungen sind genau, hinter die Fassade blickend und entlarvend. Der Erzähler wendet sich gern einmal an den Leser selbst oder korrigiert seine Erzählanfänge, generell schreibt Fitzgerald mit einer sehr überzeugenden Ironie, was ihm die Möglichkeit gibt, zu seinem stark biografisch inspirierten Charakter Amory Distanz zu gewinnen. 98 Schriftsteller und 64 Werke gehören zu den Einflüssen unseres jungen Protagonisten, bei denen er Zuflucht und Möglichkeit für ein ‚besseres‘ Leben sieht. Doch wo genau Amory Blaine einmal ankommen wird, der romantische Träumer, der zynische Idealist, der alle wichtigen Menschen um sich herum verliert… Fraglich. Sein mystisch-romantischer Hang zur Natur gibt der Figur immer wieder etwas hoffnungsvoll-hoffnungsloses. Amory zwingt einen zu einer sehr ambivalenten Haltung ggü. seiner Person – man liebt es fast ihn zu hassen und leidet doch mit ihm, wünscht ihm die Trunksucht und Verluste nicht, in die er sich selbst überheblich hineinmanövriert. Sehr sehr lesenswert. Man sollte sich nur bewusst machen, mit welcher Collagentechnik Fitzgerald diesen Roman gestaltet hat. Eine Vielzahl von Briefen, Gedichten und Epigrammen, sowie der erwähnte Einakter unterbrechen den prosaischen Erzählfluss gern einmal. In den 1920ern galt dieses Werk zurecht als sehr avantgardistisch.
1. Sept. 2022





