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Romane

Die Republik der Irren

3,6(14)
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Über das Buch

Eine unglaubliche, aber wahre Episode aus dem letzten Jahrhundert: spektakulär komisch, erschreckend zeitgemäß.

Fiume an der Adria. Bis 1918 hat die Hafenstadt zum Habsburgerreich gehört, jetzt rücken italienische Freischärler ein, unter Führung eines berühmten Mannes. Gabriele D’Annunzio, Dichter, Kriegsheld und glühender Nationalist, ruft die Republik aus. In Fiume soll nun der verrückteste Staat der Weltgeschichte entstehen, Politik als Spektakel. Unter D’Annunzios Anhängern: ein gewisser Mussolini. Und Guido Baron Keller von Kellerer und Wolkenkeller. Der tollkühne Flieger, Nudist und Utopist ist besessen von einer Idee aus futuristischen Künstlerkreisen: Will man die morsche Welt von gestern zerstören und eine strahlende neue erbauen, braucht es die Sprengkraft des Wahnsinns. Gesagt, getan. Aus den Irrenhäusern ganz Italiens werden (möglichst ungefährliche) Patienten angefordert. Sie sollen Minister werden im neuen Staat.
Und so macht sich auch der Krankenwärter Cherubino auf, um einen freundlichen Axtmörder an die Adria zu begleiten – der Morgenröte einer neuen Zeit entgegen, in die Republik der Irren.

ISBN9783498007454
VerlagRowohlt
Erscheinungsdatum16.09.25
Seitenzahl304

Rezensionen & Bewertungen

14 Bewertungen

5 Rezensionen

3,6

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    5,0

    Ein Hirn ohne Körper war wie ein Reiter ohne Pferd. Dr. Garbini hatte mir von dem Lappen im Gehirn erzählt, dass die Nervenbahnen eines erwachsenen Gehirns zusammengenommen fast sechs Millionen Kilometer lang sind und das Volumen eines Hirns bei einem Menschen mehr als einen Liter umfasst. Wie viele Liter hatte Zino seit unserer Abreise getrunken? Und wieso hatte man ihm was weggeschnitten, obwohl Dr. Garbini sagte, dieses Verfahren stecke noch in den Kinderschuhen? Zino war ein Versuchskaninchen, ein zwei Meter großes. War Fiume auch so ein Versuch? Und wieso fanden der Direktor und seine Freunde Maschinen wertvoller als Menschen? Ich warf einen Stein ins Wasser und sah die perfekten Kreise, die er auslöste. - Zitat, Seite 109 Was in diesem Roman am unglaubwürdigsten klingt, entspricht in der Regel den historischen Tatsachen. Mit diesem Satz leitet der Autor Dirk Stermann, 1965 in Duisburg geboren, und seit 1987 in Wien ansässig, das Nachwort zu seinem aktuellen Werk ein. Denn hier lügt die Klappe nicht, jedes Wort des Textes ist wahr: Erzählt wird schier Unglaubliches, aus einem (gar nicht so?) entlegenen Winkel der Weltgeschichte. So absurd, dass man schrecklich gerne lachen möchte und doch gleichzeitig so unheimlich aktuell, dass einem eben dieses Lachen im Halse stecken bleibt. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht einer (fiktiven) Pflegekraft: Der junge Cherubino soll Zino, den Axtmörder, der nach erfolgreicher Lobotomie als friedlicher, aber schwachsinniger Riese gilt, nach Fiume begleiten, in der Gabriele D'Annunzio (eine reale Figur) nach Beendigung der Herrschaft durch die Habsburger, die Republik ausgerufen hat. D'Annunzio ist Dichter, Kriegsheld und glühender Nationalist. Dessen Freunde: der Baron von Keller von Kellerer und Wolkenkeller (ebenfalls real), ein Flugkünstler, Nudist und Utopist und Benito Mussolini (leider auch sehr realistisch), der die Mission seines Freundes als Versuchsküche seiner faschistischen Träume sieht. Und jetzt sollen Patienten aus den Irrenhäusern Italiens in Fueme zu Ministern der neuen Republik ernannt werden. Was soll da noch schiefgehen? Durch den fiktiven Erzähler Cherubino ergibt sich für die Lesenden eine spannende Perspektive, gleichzeitig wahrt man durch diese eine gewisse Distanz zu den historischen Ereignissen und Figuren, die sehr prägnant und pointiert in Szene gesetzt werden. Hier wird die Satire zur historischen Realität und wir sind in dem rasant erzählten Spektakel gefangen. Der Autor hat sich bestimmt von Dantes Inferno inspirieren lassen, aber dieser Höllentrip ist hochaktuell und brisant in seiner Gesellschaftskritik, die keinesfalls historisch wirkt. FAZIT Zufällig war dieser Roman die perfekte Ergänzung zu der vorherigen Lektüre "Das Lächeln des Dionysos", obwohl der georgische Klassiker bereits 100 Jahre alt ist. Aber die Handlung von "Die Republik der Irren" spielt sich ebenfalls kurz nach dem ersten Weltkrieg ab, und nimmt damit Bezug auf die Auswirkungen auf die Gesellschaft der Nachkriegszeit. Außerdem sind Bezüge zum Mythos des Dionysos und zu Dantes Göttlicher Komödie in beiden Büchern zu finden. Sprachlich und inhaltlich ist der Klassiker dem vorliegenden Roman vielleicht überlegen, doch Dirk Stermann muss sich mit seinem Schreiben sicherlich nicht im Schatten alter Meister verstecken. Sein Stil ist sehr fesselnd und ausdrucksstark und durch die klare Struktur liest sich der Roman wunderbar flüssig. Tatsächlich habe ich die Geschichte in einem Rutsch durchgelesen (wobei manche Passagen sicherlich einen zweiten, oder dritten Blick wert sind). Und dann muss man unbedingt Fueme (heute Rijeka, Kroatien) und D'Annunzio googeln und mit gruseligen Erstaunen Texte und alte Fotos betrachten. Unbedingte Leseempfehlung.

    16. Sept. 2025

  • jenni1988
    jenni1988

    44 Follower

    5,0

    Die Utopie eines Staates der viele Regeln umwirft und einen doch von einer gerechten Welt träumen lässt. Die dann wiederum von der Gier der Menschheit zerstört wird weil ich manche alles nehmen. Absolut lesenswert.

    18. Dez. 2025

  • kiwilein
    kiwilein

    202 Follower

    3,0

    Die Irren an die Macht!

    Ich mochte den Hammer von Stermann sehr. Die Republik der Irren konnte mich nicht so ganz abholen. Ich kann es auch gar nicht so genau erklären, warum. Thema top. Sprachlich wirklich gut.

    31. Dez. 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Dirk Stermann

Dirk Stermann, geboren 1965 in Duisburg, lebt seit 1987 in Wien. Er zählt zu den populärsten Kabarettisten und Fernsehmoderatoren Österreichs und ist auch in Deutschland durch Fernseh- und Radioshows sowie durch Bühnenauftritte und Kinofilme weit bekannt. 2016 erschien sein Roman Der Junge bekommt das Gute zuletzt, und NDR Kultur urteilte: «Ein lustiger deutscher Medienstar, der als österreichischer Romancier sehr ernst genommen werden sollte.» 2019 folgte Der Hammer und 2022 Maksym.Dirk Stermann, geboren 1965 in Duisburg, lebt seit 1987 in Wien. Er zählt zu den populärsten Kabarettisten und Fernsehmoderatoren Österreichs und ist auch in Deutschland durch Fernseh- und Radioshows sowie durch Bühnenauftritte und Kinofilme weit bekannt. 2016 erschien sein Roman «Der Junge bekommt das Gute zuletzt», 2019 «Der Hammer» und 2022 «Maksym». «Mir geht‘s gut, wenn nicht heute, dann morgen.» erreichte in den österreichischen Bestseller-Charts den Spitzenplatz.

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