Anderta Passario führt ein Doppelleben. Tagsüber ist sie eine harmlose Wahrsagerin, nachts eine gerissene Diebin. Sie ist glücklich. Doch eines Tages verändert ein Zauber die Wirklichkeit und Anderta scheint die Einzige zu sein, die sich an ihre Vergangenheit erinnert. War ihr ganzes Leben nur eine Lüge? Anderta ist wild entschlossen, ihr altes Leben mit allen Mitteln von dem schuldigen Magier zurückzufordern: Tirasan Passario. Dieser ahnt zwar nichts von Andertas Plänen, aber auch ihn schmerzt der Verlust seiner Vergangenheit. Gerade die Beziehung zu seinem Freund Rustan ist komplizierter denn je, denn Tirasan weiß genau, was dieser heimlich für ihn empfindet – nur hat Rustan sein Liebesgeständnis von einst vergessen. Dabei war Tir ihm noch eine Antwort schuldig! Doch sowohl Anderta als auch Tirasan müssen feststellen, dass es nichts bringt, der Vergangenheit nachzutrauern, wenn man die Gefahren der Gegenwart nicht erkennt.
Schöner, wenn auch erwartbarer Anschluss an Band 1
Wer Band 1 mochte, wird diesen hier ebenfalls mögen. Zwar muss ich sagen, ging mir Anderta gehörig auf die Nerven mit dem selbstgerechten und jammernden Charakter. Aber zur Abwechslung eben mal keine Heldin ohne Schwächen. Die Story lässt einen Dinge hinterfragen. Was wäre wenn? Wie wprde ich reagieren? Usw. Das Tyrasan so unheimlich er ist, mag ich sehr an ihm. Für mich ein richtiger Held. Schade, das es keinen 3. Band gibt. Ich hätte ihn definitiv gelesen.
28. Aug. 2024
4,5
Schöner, wenn auch erwartbarer Anschluss an Band 1
Wer Band 1 mochte, wird diesen hier ebenfalls mögen. Zwar muss ich sagen, ging mir Anderta gehörig auf die Nerven mit dem selbstgerechten und jammernden Charakter. Aber zur Abwechslung eben mal keine Heldin ohne Schwächen. Die Story lässt einen Dinge hinterfragen. Was wäre wenn? Wie wprde ich reagieren? Usw. Das Tyrasan so unheimlich er ist, mag ich sehr an ihm. Für mich ein richtiger Held. Schade, das es keinen 3. Band gibt. Ich hätte ihn definitiv gelesen.
Anderta Passario kann Wahrheit von Lüge unterschieden. Ihre Namensmagie ist die des Wahrheitsfindens. Umso entsetzter ist sie als sie eines Morgens erwacht und nichts mehr so ist, wie es einst war. Und noch schlimmer - kein Mensch außer ihr scheint sich an die andere, verlorene Wirklichkeit erinnern zu können. Ihr einziger Anhaltspunkt ist der andere Wahrheitsfinder, den es auf der Welt noch gibt. Von ihm wird sie ihre gestohlene Wirklichkeit zurückfordern.
Die Magie der Lüge bildet den zweiten Band zu zur Magie der Namen. Ich muss ein paar Dinge vorn weg schicken: Als ich Magie der Namen der las, war ich zunächst beeindruckt vom Ideenreichtum der Autorin. Die Magie, die Stellung in der Gesellschaft und das eigene Leben war an den wahren Namen gebunden, den ein Kind mit der Namensweihe erhält und sich dementsprechend wandelt. Enttäuschter war ich jedoch vom Ende, das meiner Ansicht nach viel zu abrupt und abgeschnitten erfolgte und mich ein bisschen fassungslos zurückließ. Das Ende - selbst wenn man es als Cliffhanger betrachtet - hat mich nicht glücklich gemacht und ich legte das Buch mit einem faden Beigeschmack zur Seite. Was geschieht nun mit Tris und Rus? Und bleibt die Veränderung der Wirklichkeit ohne Folgen?
Genau diese Fragen bewegten mich, doch nach dem 2. Band zu greifen.
Die Bauchschmerzen, die ich vor der Lektüre des Buches hatte, legten sich nach den ersten Seiten. Eine neue Protagonistin wurde vorgestellt, durch deren Augen wir in diesem Buch die Welt (und auch ein oder zwei Wirklichkeiten) erleben werden. Um ehrlich zu sein - ich war erleichtert, ich mochte die Protagonisten aus dem ersten Band sehr, aber unbelastet in den zweiten einsteigen zu können, tat meiner Leserseele eigentlich ganz gut. Ich lernte An kennen, ihre Diebereien und begleitete sie und ihren Partner auf ihrer Reise durchs Land. Sie ist eine Wahrheitsfinderin und vollkommen schockiert, als sie eines Morgens in einer vollkommen fremden Wirklichkeit aufwacht. Ich musste oft schmunzeln, als sie vor den alltäglichsten Dingen erschrak oder versuchte, die gestohlene Wirklichkeit zu erklären und von ihrem Umfeld nur Unglauben erntete als wäre sie verrückt geworden. Ich kann mir vorstellen, dass es für sie ein hartes Stück Arbeit war, den anderen die andere Wirklichkeit begreiflich zu machen. An dieser Stelle konnte ich richtig mit An mit fühlen, auch als sie beschließt, den einzig anderen Wahrheitsfinder zur Rede zu stellen - Tirasan Polliander, mit dem auch ich noch ein Hühnchen (oder zwei) zu rupfen hatte. Ab Mitte des Buches gehörten Tir und Rustan mit zur bunten und größeren Crew, um das Abenteuer ihres Lebens zu erleben.
Spannend, aufregend, um die alten Helden sind auch wieder mit von der Partie! Was kann ich mir mehr wünschen? Und trotzdem fällt mir die Beurteilung sehr sehr schwer.
Keine Frage - Ich mochte es. Ich mochte es wirklich! Der Schreibstil und Nicoles flüssige, farbenfrohe Sprache hat mich mitgenommen auf das Abenteuer. Ich habe es in Rekordzeit gelesen - da mich die Charaktere gezogen haben. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich ihre Geschichten verweben. Diese Frage hat mich durchs Buch geleitet.
Was hat mich denn nun gestört?
Mit der Wirklichkeit zu spielen erfordert eine wirklich stimmiges, bis ins kleinste Detail durchdachtes Worldbuilding. Und daran habe ich mich gestoßen. Die Welt war fantastisch, keine Frage. Aber ich habe mich an Details gestoßen. Ist Tir wirklich mächtig genug, um die Erinnerungen aller Menschen zu verändern? Müsste es da nicht auch eine ganz andere gesellschaftliche Struktur geben, um Kinder plötzlich in die Gesellschaft zu integrieren? Keine Frage, das war im Hintergrund alles irgendwo vorhanden, aber wirklich in den Vordergrund transportiert wurde diese Tatsache nicht. Und das soll nur ein Beispiel sein.
Außerdem fand ich die ein oder andere Plotwendung etwas unglücklich verständlich gemacht - da taten sich Löcher auf, mal klein, mal schon ein bisschen größer, die mich beim Lauf durchs Buch stolpern und inne halten ließen. Für mich war der Plot einfach nicht rund.
„Die Magie der Lügen“ empfand ich als deutlich besser als „Die Magie der Namen“ (das Vorgängerbuch war wirklich mit der heißen Nadel gestrickt!). Nicole Gozdek hat mich mitgenommen auf eine farbenfrohe Reise, mit einigen Löchern, in die ich nur gar zu gerne getappt bin. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne für dieses Buch.
14. Jan. 2023
4,0
Anderta Passario kann Wahrheit von Lüge unterschieden. Ihre Namensmagie ist die des Wahrheitsfindens. Umso entsetzter ist sie als sie eines Morgens erwacht und nichts mehr so ist, wie es einst war. Und noch schlimmer - kein Mensch außer ihr scheint sich an die andere, verlorene Wirklichkeit erinnern zu können. Ihr einziger Anhaltspunkt ist der andere Wahrheitsfinder, den es auf der Welt noch gibt. Von ihm wird sie ihre gestohlene Wirklichkeit zurückfordern.
Die Magie der Lüge bildet den zweiten Band zu zur Magie der Namen. Ich muss ein paar Dinge vorn weg schicken: Als ich Magie der Namen der las, war ich zunächst beeindruckt vom Ideenreichtum der Autorin. Die Magie, die Stellung in der Gesellschaft und das eigene Leben war an den wahren Namen gebunden, den ein Kind mit der Namensweihe erhält und sich dementsprechend wandelt. Enttäuschter war ich jedoch vom Ende, das meiner Ansicht nach viel zu abrupt und abgeschnitten erfolgte und mich ein bisschen fassungslos zurückließ. Das Ende - selbst wenn man es als Cliffhanger betrachtet - hat mich nicht glücklich gemacht und ich legte das Buch mit einem faden Beigeschmack zur Seite. Was geschieht nun mit Tris und Rus? Und bleibt die Veränderung der Wirklichkeit ohne Folgen?
Genau diese Fragen bewegten mich, doch nach dem 2. Band zu greifen.
Die Bauchschmerzen, die ich vor der Lektüre des Buches hatte, legten sich nach den ersten Seiten. Eine neue Protagonistin wurde vorgestellt, durch deren Augen wir in diesem Buch die Welt (und auch ein oder zwei Wirklichkeiten) erleben werden. Um ehrlich zu sein - ich war erleichtert, ich mochte die Protagonisten aus dem ersten Band sehr, aber unbelastet in den zweiten einsteigen zu können, tat meiner Leserseele eigentlich ganz gut. Ich lernte An kennen, ihre Diebereien und begleitete sie und ihren Partner auf ihrer Reise durchs Land. Sie ist eine Wahrheitsfinderin und vollkommen schockiert, als sie eines Morgens in einer vollkommen fremden Wirklichkeit aufwacht. Ich musste oft schmunzeln, als sie vor den alltäglichsten Dingen erschrak oder versuchte, die gestohlene Wirklichkeit zu erklären und von ihrem Umfeld nur Unglauben erntete als wäre sie verrückt geworden. Ich kann mir vorstellen, dass es für sie ein hartes Stück Arbeit war, den anderen die andere Wirklichkeit begreiflich zu machen. An dieser Stelle konnte ich richtig mit An mit fühlen, auch als sie beschließt, den einzig anderen Wahrheitsfinder zur Rede zu stellen - Tirasan Polliander, mit dem auch ich noch ein Hühnchen (oder zwei) zu rupfen hatte. Ab Mitte des Buches gehörten Tir und Rustan mit zur bunten und größeren Crew, um das Abenteuer ihres Lebens zu erleben.
Spannend, aufregend, um die alten Helden sind auch wieder mit von der Partie! Was kann ich mir mehr wünschen? Und trotzdem fällt mir die Beurteilung sehr sehr schwer.
Keine Frage - Ich mochte es. Ich mochte es wirklich! Der Schreibstil und Nicoles flüssige, farbenfrohe Sprache hat mich mitgenommen auf das Abenteuer. Ich habe es in Rekordzeit gelesen - da mich die Charaktere gezogen haben. Ich wollte unbedingt wissen, wie sich ihre Geschichten verweben. Diese Frage hat mich durchs Buch geleitet.
Was hat mich denn nun gestört?
Mit der Wirklichkeit zu spielen erfordert eine wirklich stimmiges, bis ins kleinste Detail durchdachtes Worldbuilding. Und daran habe ich mich gestoßen. Die Welt war fantastisch, keine Frage. Aber ich habe mich an Details gestoßen. Ist Tir wirklich mächtig genug, um die Erinnerungen aller Menschen zu verändern? Müsste es da nicht auch eine ganz andere gesellschaftliche Struktur geben, um Kinder plötzlich in die Gesellschaft zu integrieren? Keine Frage, das war im Hintergrund alles irgendwo vorhanden, aber wirklich in den Vordergrund transportiert wurde diese Tatsache nicht. Und das soll nur ein Beispiel sein.
Außerdem fand ich die ein oder andere Plotwendung etwas unglücklich verständlich gemacht - da taten sich Löcher auf, mal klein, mal schon ein bisschen größer, die mich beim Lauf durchs Buch stolpern und inne halten ließen. Für mich war der Plot einfach nicht rund.
„Die Magie der Lügen“ empfand ich als deutlich besser als „Die Magie der Namen“ (das Vorgängerbuch war wirklich mit der heißen Nadel gestrickt!). Nicole Gozdek hat mich mitgenommen auf eine farbenfrohe Reise, mit einigen Löchern, in die ich nur gar zu gerne getappt bin. Deshalb vergebe ich 3,5 Sterne für dieses Buch.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht damit gerechnet hatte, nach "Die Magie der Namen" eine Fortsetzung zu lesen. Für mich war die Geschichte abgeschlossen und zu Ende und ich hätte auch definitiv keinen zweiten Teil gebraucht – im Gegenteil: ich hatte sogar Angst, dass ein zweiter Teil den Eindruck des meiner Meinung nach grandiosen ersten Bandes schmälern würde. Ich war wirklich sehr überrascht, als ich "Die Magie der Lüge" in der Verlagsvorschau entdeckt hatte. Wartet etwa auf Tirasan ein neues Abenteuer? Wie geht es mit ihm und Rustan weiter? Was wird passieren? Und wieso gibt es überhaupt einen zweiten Teil?
Entsprechend irritiert war ich dann natürlich auch, als ich über Anderta gelesen habe, die zwar ebenfalls eine Passario ist, aber Tirasan lange Zeit überhaupt nicht kennt bzw. kennenlernt. Stattdessen geht es vielmehr um die Wahrheitsmagie, die Anderta ausnutzt und wie sie ihr Leben als Doppelgängerin lebt – Wahrsagerin und Diebin. Dies war zwar fesselnd geschrieben, verliert aber mit der Zeit an Spannung, weswegen ich doch froh war, dass sich Andertas Wirklichkeit ab einem bestimmten Punkt verschiebt und sie sich deshalb auf die Suche nach dem zweiten Passario macht – nämlich Tirasan. Die erste Hälfte des Buches ist im Allgemeinen eher ruhiger und gemächlich, führt die neuen Figuren ein und erklärt erste Anhaltspunkte zur Verschiebung der Wirklichkeit. Eine richtige Dynamik entwickelt sich erst, als die beiden Passarios aufeinandertreffen, sich kennenlernen und einige unerwartete Probleme auftauchen. Deswegen hat mir die zweite Hälfte von "Die Magie der Lüge" auch wesentlich besser gefallen. Nicht nur, weil sie temporeicher und spannender ist, sondern weil sie auch einige Geheimnisse, Konflikte und Charakterentwicklungen bereithält.
Die Figuren sind meiner Meinungen alle sehr vielseitig und einnehmend ausgearbeitet. Allen voran Anderta. Anfangs war sie nicht unbedingt mein Lieblingscharakter und es fiel mir schwer, mit ihrer Art zurechtzukommen. Verschlimmert hat sich das Ganze für mich noch, als sich die Wirklichkeit verschiebt und sie auf einmal mit ihrem Kind zu tun hat. Wie sie nichts mit ihm anzufangen weiß, ihn abgeben möchte und nicht wirklich mütterliche Gefühle für ihn hat. Wie sie ihn als lästig betrachtet und genervt ist. Später allerdings habe ich sie besser verstehen, mich besser mit ihr identifizieren und vieles mehr nachvollziehen können – obwohl sie auch dann nicht wirklich zu meinen Lieblingscharakteren wurde. Viel besser umgehen konnte ich mit dem zweiten Polliander: Frislan. Er hat zwar auch Fehler gemacht, hat sich nicht immer einwandfrei verhalten, aber durch seine loyale, kämpferische und liebe Art hat er mich definitiv beeindruckt.
Am meisten gefreut habe ich mich wohl, Tirasan und Rustan "wiederzusehen". Ich mochte die beiden schon im ersten Band sehr gerne und mir hat es besonders gefallen, wie die Autorin die beiden Charaktere mit dem Plot in "Die Magie der Lüge" in Verbindung bringt. Der Polliander Rustan und der Passario Tirasan sind sympathisch wie eh und je und ihre kleinen privaten Kabbeleien haben die Geschichte um einiges auflockern können. Außerdem hat mir gefallen, wie sich ihre gemeinsame Zukunft entwickelt, wie sie umeinander herumschleichen und sich jedes Mal unsicher gegenüberstehen – bis eine ganz bestimmte Wendung sie einfach zusammenbringt. Ich habe unglaublich mitgelitten (und ein paar Tränen vergossen), mich aber letztlich sehr für die beiden gefreut.
Nicole Godzeks Schreibstil fand ich schon im ersten Band sehr toll. Auch dieses Mal fiel es mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen – auch in die bösen und unsympathischen. Die kleinen emotionalen Momente haben mir gut gefallen und wurden von der Autorin auch einnehmend beschrieben. Ihre Sprache ist locker und angenehm, gleichzeitig aber auch unterhaltend und abwechslungsreich. Aufgrund der verschiedenen Wendungen und Spannungsmomente hat sie gut durch die Geschichte geführt.
Fazit
"Die Magie der Lüge" ist ein tolles, vielseitiges Buch, das mir einige kurzweilige Stunden beschert hat. Wie oben schon beschrieben hätte ich einen zweiten Band zwar nicht unbedingt gebraucht, dennoch hat mich die Fortsetzung unterhalten, einige fesselnde Passagen geboten und gerade die Beziehung zwischen Rustan und Tirasan weiterentwickelt. Ganz so gut wie der Vorgänger ist dieses Werk leider nicht, aber es ist dennoch ein sehr empfehlens- und lesenswertes Buch, das sich gerade Leser von "Die Magie der Namen" nicht entgehen lassen sollten.
1. Jan. 2024
4,0
Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht damit gerechnet hatte, nach "Die Magie der Namen" eine Fortsetzung zu lesen. Für mich war die Geschichte abgeschlossen und zu Ende und ich hätte auch definitiv keinen zweiten Teil gebraucht – im Gegenteil: ich hatte sogar Angst, dass ein zweiter Teil den Eindruck des meiner Meinung nach grandiosen ersten Bandes schmälern würde. Ich war wirklich sehr überrascht, als ich "Die Magie der Lüge" in der Verlagsvorschau entdeckt hatte. Wartet etwa auf Tirasan ein neues Abenteuer? Wie geht es mit ihm und Rustan weiter? Was wird passieren? Und wieso gibt es überhaupt einen zweiten Teil?
Entsprechend irritiert war ich dann natürlich auch, als ich über Anderta gelesen habe, die zwar ebenfalls eine Passario ist, aber Tirasan lange Zeit überhaupt nicht kennt bzw. kennenlernt. Stattdessen geht es vielmehr um die Wahrheitsmagie, die Anderta ausnutzt und wie sie ihr Leben als Doppelgängerin lebt – Wahrsagerin und Diebin. Dies war zwar fesselnd geschrieben, verliert aber mit der Zeit an Spannung, weswegen ich doch froh war, dass sich Andertas Wirklichkeit ab einem bestimmten Punkt verschiebt und sie sich deshalb auf die Suche nach dem zweiten Passario macht – nämlich Tirasan. Die erste Hälfte des Buches ist im Allgemeinen eher ruhiger und gemächlich, führt die neuen Figuren ein und erklärt erste Anhaltspunkte zur Verschiebung der Wirklichkeit. Eine richtige Dynamik entwickelt sich erst, als die beiden Passarios aufeinandertreffen, sich kennenlernen und einige unerwartete Probleme auftauchen. Deswegen hat mir die zweite Hälfte von "Die Magie der Lüge" auch wesentlich besser gefallen. Nicht nur, weil sie temporeicher und spannender ist, sondern weil sie auch einige Geheimnisse, Konflikte und Charakterentwicklungen bereithält.
Die Figuren sind meiner Meinungen alle sehr vielseitig und einnehmend ausgearbeitet. Allen voran Anderta. Anfangs war sie nicht unbedingt mein Lieblingscharakter und es fiel mir schwer, mit ihrer Art zurechtzukommen. Verschlimmert hat sich das Ganze für mich noch, als sich die Wirklichkeit verschiebt und sie auf einmal mit ihrem Kind zu tun hat. Wie sie nichts mit ihm anzufangen weiß, ihn abgeben möchte und nicht wirklich mütterliche Gefühle für ihn hat. Wie sie ihn als lästig betrachtet und genervt ist. Später allerdings habe ich sie besser verstehen, mich besser mit ihr identifizieren und vieles mehr nachvollziehen können – obwohl sie auch dann nicht wirklich zu meinen Lieblingscharakteren wurde. Viel besser umgehen konnte ich mit dem zweiten Polliander: Frislan. Er hat zwar auch Fehler gemacht, hat sich nicht immer einwandfrei verhalten, aber durch seine loyale, kämpferische und liebe Art hat er mich definitiv beeindruckt.
Am meisten gefreut habe ich mich wohl, Tirasan und Rustan "wiederzusehen". Ich mochte die beiden schon im ersten Band sehr gerne und mir hat es besonders gefallen, wie die Autorin die beiden Charaktere mit dem Plot in "Die Magie der Lüge" in Verbindung bringt. Der Polliander Rustan und der Passario Tirasan sind sympathisch wie eh und je und ihre kleinen privaten Kabbeleien haben die Geschichte um einiges auflockern können. Außerdem hat mir gefallen, wie sich ihre gemeinsame Zukunft entwickelt, wie sie umeinander herumschleichen und sich jedes Mal unsicher gegenüberstehen – bis eine ganz bestimmte Wendung sie einfach zusammenbringt. Ich habe unglaublich mitgelitten (und ein paar Tränen vergossen), mich aber letztlich sehr für die beiden gefreut.
Nicole Godzeks Schreibstil fand ich schon im ersten Band sehr toll. Auch dieses Mal fiel es mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen – auch in die bösen und unsympathischen. Die kleinen emotionalen Momente haben mir gut gefallen und wurden von der Autorin auch einnehmend beschrieben. Ihre Sprache ist locker und angenehm, gleichzeitig aber auch unterhaltend und abwechslungsreich. Aufgrund der verschiedenen Wendungen und Spannungsmomente hat sie gut durch die Geschichte geführt.
Fazit
"Die Magie der Lüge" ist ein tolles, vielseitiges Buch, das mir einige kurzweilige Stunden beschert hat. Wie oben schon beschrieben hätte ich einen zweiten Band zwar nicht unbedingt gebraucht, dennoch hat mich die Fortsetzung unterhalten, einige fesselnde Passagen geboten und gerade die Beziehung zwischen Rustan und Tirasan weiterentwickelt. Ganz so gut wie der Vorgänger ist dieses Werk leider nicht, aber es ist dennoch ein sehr empfehlens- und lesenswertes Buch, das sich gerade Leser von "Die Magie der Namen" nicht entgehen lassen sollten.
1. Jan. 2024
3 von 14 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Nicole Gozdek
In Buxtehude, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen, nahm Nicole Gozdeks Leidenschaft für phantastische Geschichten ihren Anfang. Nach dem Germanistik- und Romanistikstudium mit Schwerpunkt auf Literatur und einem Abstecher in die Buchbranche arbeitet sie heute als Online Marketing Managerin. Mit ihrem All-Age-Fantasyroman »Die Magie der Namen« gewann sie 2015 den ersten #erzählesuns-Award des Piper Verlags und 2017 den Deutschen Phantastik Preis für das beste Romandebüt.