Die Krähen

Die Krähen

Hardcover
5.06

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Beschreibung

Wo Nähe zur Gefahr wird Petra Dvořáková erzählt in Die Krähen die Geschichte eines Mädchens, das in einer Familie aufwächst, in der Gewalt und Angst zum Alltag gehören. Aus der Sicht des Kindes und der Mutter entsteht ein vielschichtiges Bild davon, wie Beziehungen zugleich Halt versprechen und zerstören können. Mit feinem Gespür für Zwischentöne und psychologische Tiefe entfaltet der Roman ein bedrückendes, zugleich berührendes Panorama eines Lebens im vermeintlich sicheren Raum der Familie. Eine eindrucksvolle Stimme der tschechischen Gegenwartsliteratur, übersetzt von Hana Hadas. Erschienen im Vorfeld des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026, steht dieses Buch exemplarisch für die literarische Vielfalt und erzählerische Kraft der tschechischen Gegenwartsliteratur. Der Anthea Verlag begleitet mit seinem Programm den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Tschechien und macht herausragende Stimmen der Region einem deutschsprachigen Publikum zugänglich

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
196
Preis
21.60 €

Beiträge

5
Alle
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„Die Krähen“ von Petra Dvořáková / Verlag: Anthea Was für ein Buch. Was für eine Welt. Was für ein Leid. Selten hat mich eine Geschichte so erschüttert und sprachlos gemacht. Petra Dvořáková führt uns in eine Familie, die nach außen normal wirkt, zwei kleine Mädchen, bürgerliches Leben, ein scheinbar geordnetes Zuhause. Doch hinter dieser Fassade lauert Lieblosigkeit und Gewalt. Und es trifft immer Bára. Bára ist nicht so brav und ordentlich wie ihre Schwester. Sie denkt anders, bewegt sich freier, malt mit Hingabe und lässt Farben sprechen, wo Worte versagen. In der Schule wird sie gelobt, bekommt gute Noten, doch auch das scheint die Mutter zu erzürnen. Als der Kunstlehrer ihr Talent bemerkt und versucht, sie zu fördern, weckt das nur noch mehr Misstrauen und Wut zu Hause. Er ahnt, was hinter den Mauern geschieht, will helfen, will beschützen, doch gegen das Schweigen kommt er kaum an. Der Schmerz, die Gewalt, das Schweigen, all das sickert in jede Seite dieses Buches. In Báras Zeichnungen und Aufsätzen spiegelt sich ihre Erlebnisse. Ein Aufsatz, ein Schrei nach Hilfe und doch folgt kein echtes Handeln. Alle sehen, alle wissen und trotzdem bleibt Bára allein. Und es wird schlimmer! Die Mutter lässt ihre Wut an ihr aus, der Vater „züchtigt“, wenn die Mutter es verlangt und wenn niemand hinsieht, überschreitet er andere Grenzen. Nur die Krähen, stumme Zeugen auf den Ästen gegenüber, sehen alles. Sie verstehen nicht, aber sie sehen. So wie auch wir als LeserInnen sehen und uns fragen müssen, warum so oft nichts geschieht. Dieses Buch macht das Atmen schwer. Es schmerzt, und gerade deshalb ist es so wichtig. Es zwingt uns hinzusehen, wo wir sonst vielleicht wegsähen, und zeigt, welche Folgen es hat, wenn Wegsehen zur Gewohnheit wird. Wer wegschaut und nicht handelt, trägt einen Teil der Schuld mit. Petra Dvořáková schreibt mit einer Klarheit, die fast weh tut. Ohne Pathos, ohne Beschönigung, mit einer schonungslosen Genauigkeit, die einem unter die Haut geht. Ein Bild von Ohnmacht, Schmerz und der Sehnsucht nach Liebe zeigt uns die Autorin mit diesem schmalen Buch und seinem gewaltigen Inhalt. Die Krähen ist kein leichtes Buch. Aber ein notwendiges. Es bleibt, lange nachdem man die letzte Seite geschlossen hat; wie ein Echo, das mahnt, nicht zu schweigen, nicht fortzusehen, sondern zu handeln. Sofort! Eine klare Leseempfehlung. Ich habe dieses Buch mit schwerem Herzen und offenen Augen gelesen.

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„Reicht es dir nicht, dass sie Prügel kassiert wie ein Hund?“ Dieses Buch tut unglaublich weh! Trotz wichtiger Thematik wäre eine TW sinnvoll.. Bára ist ein junges Mädchen voller Kreativität. Sie ist ein Freigeist und chaotisch, womit sie die Wut ihrer Mutter immer wieder auf sich zieht und diese dann durch den Vater mehrfach zu spüren bekommt 😕. Auch ihre Schwester stellt sich gegen sie, ist ihr gegenüber hämisch und findet, dass Bára die Prügel verdient hat. Etwas Trost findet sie im Kunstunterricht, ihre Begabung wird dort erkannt und gefördert. Die knapp über 190 Seiten haben mich mit voller Wucht getroffen und aufgewühlt 🤯. Mir fehlen die Worte…

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»Mama betont immer wieder, dass sie mich liebhätten und Papa es nicht so meinen würde, wenn ich Prügel bekäme.«

Baruna hat das Geschirr nicht ordentlich aufgespült, ihr Zimmer nicht aufgeräumt und malt schon wieder den ganzen Tag. Was ist das nur für ein Kind, denkt ihre Mutter. Schließlich ist ihre große Schwester Katuška so anders – so normal! Sie erledigt ihre Aufgaben ordentlich, macht keine Probleme und schon gar nicht muss man ihr Sachen zwei mal sagen. Hin und wieder reicht es der Mutter und sie schreit herum. Da ihr das jedoch nicht genügt, fordert sie ihren Mann auf mit Baruna zu reden, was jedoch nie passiert. In solchen Fällen schlägt er sie. Wenn Mutter und Schwester mal nicht daheim sind, zeigt ihr Vater eine ganz andere Seite von sich – er kuschelt mit ihr und neigt dazu Grenzen zu überschreiten, als wäre sie – seine Tochter! – seine Partnerin und nicht ihre Mutter. Alles was in diesem Buch steht ist schrecklich und leider zugleich die Realität einiger Kinder – ja, auch heute noch! Glücklicherweise gibt es aber im echten Leben sowie im Buch auch gute Menschen. So trifft Baruna in der Schule auf Lehrer*innen, die skeptisch sind, sich Sorgen machen und immer wieder nachhaken, um sich nicht vorwerfen zu müssen, sie hätten nicht alles probiert, um ihr zu helfen. Mal verschließt sich Baruna vor ihrem Kunstlehrer und ein anderes Mal vertraut sie sich ihm etwas an, weil er sie ernst nimmt, ihre vielen Stärken sieht und nicht verurteilt. Dieses Buch liest sich schnell und einfach, doch kreist es inhaltlich beim, während und nach dem Lesen im Kopf herum, weil es diese Gewalt und sämtliche Verhaltensweisen der Familie sehr realistisch zeigt. Darüberhinaus ist das Buch von so vielen weiteren Facetten gezeichnet und so brilliant umgesetzt, sodass ich hoffe, es wird noch ganz viele weitere Leser*innen erreichen. Wir alle sollten uns hin und wieder fragen: Nehmen wir es nicht wahr, schauen wir nicht genau hin oder sind wir vielleicht einfach zu naiv?

»Mama betont immer wieder, dass sie mich liebhätten und Papa es nicht so meinen würde, wenn ich Prügel bekäme.«
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Die heutige Rezension fällt mir schwer und das nicht, weil das Buch schlecht wäre, sondern weil es so gut und wichtig und dabei aber alles andere als leicht zu lesen ist. Denn in Petra Dvořákovás "Die Krähen", aus dem Tschechischen übersetzt von Hana Hadas, geht es um Gewalt an Kindern und deshalb gilt für diesen Beitrag auch eine Inhaltswarnung. Was gleichzeitig bitte nicht heißen soll, dass ihr nicht weiterlesen solltet. Denn ich wünsche diesem wichtigen Buch sehr viele Leser*innen und nach der Rezension wird euch vermutlich auch deutlich, warum. Geschildert wird die Handlung überwiegend aus der Sicht der zwölfjährigen Bára, die regelmäßig phsyische und psychische Gewalt durch ihre Eltern erfährt. Wir begleiten sie über einige Wochen, in denen sie sich in einen neu an die Schule kommenden Lehrer verliebt, der für sie aber vor allem zum Förderer ihrer künstlerischen Begabung wird und dem sie sich irgendwann anvertraut. Wir lernen die innerfamiliäre Dynamik kennen, bei der Bára stetig an ihrer etwas älteren Schwester gemessen wird, die wiederum die stetigen Herabsetzungen Báras als Lob ihrer eigenen Angepasstheit versteht und deshalb gerade nicht, wie man es sich wünschen würde, zur solidarischen Vertrauten wird, sondern oft genug die Konflikte mit anfeuert. Wir bekommen mit, wie schwierig es für die Schule ist, in diese Dynamik hineinzugehen und Bára zu schützen, selbst als klar ist, dass sie regelmäßig und immer stärkere Gewalt erfährt. Alles in allem also kein fröhliches Buch und auch keines, das suggeriert, eine solche Gewaltsituation sei leicht zu beenden. Was aber eben auch gerade mit zur Stärke dieses Romans beiträgt, denn er ist leider sehr, sehr realistisch. Das bedeutet einerseits, dass Bára, so zynisch das klingen mag, ein realistisches Maß an Gewalt erfährt. Es geht nicht um ein voyeuristisch Auskosten möglichst brutaler Gewalt oder die Darstellung der Eltern als Monster, sondern gerade darum, dass beide Eltern, so unsympathisch und so wenig in Schutz zu nehmen sie sind, eben Menschen sind. Menschen, die sich entscheiden, Gewalt auszuüben, die das vor sich selbst rechtfertigen – auch die Perspektive der spannenderweise namenlosen Mutter nimmt im Buch viel Raum ein und ist oft kaum zu ertragen – die aber auch freundlich und nett auftreten können. Was natürlich eigentlich eine Binsenweisheit ist, aber was man sich trotzdem immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, auch um solche stattfindende Gewalt als außenstehende Person erkennen zu können. Andererseits trägt zu diesem Realismus auch der Erzählstil bei und zwar sowohl dort, wo Báras Kindlichkeit deutlich wird als auch dort, wo sprachliche Bilder und Metaphern mit hineinkommen. Ihr merkt es schon an den Zitaten: Die Sprache ist sehr klar und einfach und eben vor allem wenn aus der Perspektive Báras geschildert wird eben sehr kindlich. Ihre Sorgen und Ängste sind es auch und das löst bei mir beim Lesen immer wieder riesige Beklemmung aus, weil dadurch der Spagat so deutlich wurde zwischen kindlichem Schutzbedürfnis und realer Gewalterfahrung. Das zeigt sich auch, wo sie bspw. den neuen Lehrer durchgehend als "Frodo" bezeichnet, weil der Herr der Ringe ihr Lieblingsbuch ist und der Lehrer so aussieht, wie sich Bára Frodo vorstellt. Und naja, kindlich-jugendliche Schwärmerei für Lehrkräfte, kennen wir doch alle. Übrigens zeigt sich auch hier, dass die Autorin nicht auf Skandal setzt, sondern auf Nahbarkeit, denn der Lehrer behält eben die professionelle Distanz und setzt sich für Bára ein. Dazu kommt dann noch, dass Dvořáková den Fließtext immer wieder mit Einschüben unterbricht (ein Beispiel dafür in den Slides), bei denen wir quasi als kleine parallele Erzählung die titelgebende Krähe begleiten, die im Baum gegenüber der Familie nistet und als Unbeteiligte das Geschrei und Gestreite und die Einsamkeit des Mädchens beobachtet. Diese Krähen sind wiederum auch für Bára wahnsinnig wichtig, weil sie sie gern durchs Fenster beobachtet. In der Kunst kann sie sich verlieren und flüchten und die Krähenfamilie ist dabei ihr wichtigstes Motiv. Nun werden Krähen spirituell oft mit Weisheit und/oder Tod, zumindest starken Umbrüchen, assoziiert und so ist die Wahl der Vogelart vermutlich kein Zufall. Außerdem wird durch diese nicht menschliche Perspektive auch noch einmal stärker die Absurdität der Situation deutlich, denn dass Mensche Kindern, für die sie sorgen sollten, Gewalt antun, ist schwer erträglich und auf keiner Ebene rechtfertigbar - selbst die Krähe ist darüber irritiert. Und ja, das alles findet auf unter 200 Seiten statt, was auch nochmal sehr krass ist. Denn die Autorin ist wirklich gut darin, auf den wenigen Seiten tief zu bohren und die Dynamik zwischen Mutter und Tochter ist wirklich herausfordernd. Man könnte jetzt denken und ich würde es mir wünschen, dass das zwar ein wichtiges Thema ist, aber kein allzu drängendes. Doch leider reichen Statistiken von 10-15% der Eltern hierzulande, die ihre Kinder regelmäßig schlagen, bis hin zu 40-50%, die das zumindest schon mal gemacht haben. Seit der Pandemie sind diese Zahlen kontinuierlich gestiegen und das heißt – darüber haben wir übrigens auch lange im Leseclub gesprochen, im Rahmen dessen wir "Die Krähen" gelesen haben – wenn man Lehrkraft ist oder mit größeren Gruppen von Kindern zu tun hat, ist es statistisch gesehen fast sicher, dass mindestens ein Kind in der Gruppe Gewalt erlebt. Und es ist gerade das Angewiesensein darauf, dass das Kind das mitteilt und dass dann institutionell eine für das Kind gute Unterstützung zur Verfügung gestellt werden kann, wodurch man in der Realität oft auch an Grenzen kommt. Ich hab das Buch schon auf der Frankfurter Buchmesse in der Hand gehabt und bin monatelang darum gestrichen, weil ich wusste, dass das nicht leicht würde und nicht sicher war, ob ich es wirklich lesen will. Umso froher bin ich, dass wir es im Rahmen des Leseclubs gelesen haben. Denn wir haben lange und intensiv darüber diskutiert und dazu eignet sich das Buch auch sehr gut. Gerade auch durch das Ende, das man offenbar unterschiedlich interpretieren kann. "Die Krähen" erschien am 30.9. im unabhängigen Anthea Verlag. Lesetipp!

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TW Keine leichte Kost Doch immens wichtig

Kinderseelen sind die empfindlichsten und schützenswertesten auf der Welt. Dieses Buch wird aus der Sicht der Mutter und ihrer Tochter Bára erzählt. Die Krähe ist eine Stille Beobachterin. Bára ist ein sehr kreativer und leicht chaotischer Mensch und damit bringt sie ihre Mutter immer zur Weißglut. Manchmal so sehr, dass die Mutter sich an den Vater wendet und die Situation dann vollkommen eskaliert. Einzig ein Lehrer in der Schule erkennt ihr Talent. Und in den ist Bára auch einkleinwenig verliebt und ich dachte schon, ohhh bitte nein. Doch wie so oft, lauert die Gefahr zu Hause. Das Ende hat mich dann regelrecht aus der Bahn geworfen. Ein unglaublich faszinierender Schreibstil Ein unglaublich wichtiges Buch

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