Die Gewalt der Hunde
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Beschreibung
Montana in den 1920ern: Den Brüdern Phil und George Burbank gehört die größte Ranch in ihrem Tal, sie sind ein gutes Team, obwohl ihre Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten. Phil ist elegant, genial und grausam, George schwerfällig, anspruchsvoll und sanft. Es ist ein Ort, wo Männer immer noch Männer sind, wo das sich rasant modernisierende 20. Jahrhundert in Schach gehalten und die alten Cowboys wie Bronco Henry verehrt werden. Als George jedoch heimlich die Witwe Rose heiratet, beginnt der schockierte und wütende Phil, einen sadistischen, erbarmungslosen Krieg gegen sie und ihren heranwachsenden Sohn zu führen …
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Thomas Savage wurde 1915 in Salt Lake City geboren. Er studierte an der University von Montana, war Schriftsteller und Englischdozent, arbeitete aber auch u.a. als Ranchhelfer, Klempnergehilfe, Schweißer, Versicherungssachverständiger. Sein Werk umfasst 13 Romane. »Die Gewalt der Hunde« wurde 1967 zum ersten Mal veröffentlicht und 2021 von Jane Campion für Netflix verfilmt, mit Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst; der Film hatte im September 2021 auf dem Filmfestival in Venedig Premiere, Jane Campion erhielt den Regiepreis.
Beiträge
Unvorhersehbarer, fesselnder, beeindruckender, psychologisch tiefer - amerikanischer Westen.
Das Buch ist nicht leicht zu beschreiben. Es ist ein Mix aus vielen psychologischen Themen, persönlichen Schicksalen, verdrängten Sehnsüchten und Bedürfnissen, atemberaubenden Landschaften, Brutalität. Ein lesenswerter Mix, der schließlich mit der vom Leser oder der Leserin erhofften Gerechtigkeit, aber zugleich auch kalten Grausamkeit endet und aus "der Gewalt der Hunde" befreit.
Ein Buch, bei dem ich mich einerseits zwingen musste weiter zu lesen, andererseits dennoch wissen wollte wie es endet. Es ist unaufgeregt geschrieben und vieles wird der eigenen Vorstellungskraft überlassen und trotzdem zeichnet sich ein Bild im Kopf, dass einen nicht mehr loslässt. Einfache Worte, vergangene Zeiten, Härte, Grausamkeit (die aber immer nur angedeutet wird), das drängende Erwarten des Endes und dann das wiederum angedeutete Finale, dass nicht direkt angesprochen wird, aber dennoch ganz klar ist. Sehr interessantes Buch, dass mich gedanklich immer wieder verfolgt und nachdenken lässt. Anfangs hab ich noch 3 Sterne vergeben, aber jetzt, 3 Wochen später, bin ich bei 4 Sternen...das Buch muss einfach eine Weile nachwirken!
Ein beeindruckendes und feinsinniges Psychodrama vor der Kulisse einer Ranch in Utah in den 1920'er Jahren
Inspiriert von seiner eigenen Biographie erzählt Savage von zwei ungleichen Brüdern. Der eine von schlichtem Gemüt und Verstand aber gut; der andere ein auffälliger, intelligenter aber bösartiger Tyrann, der einen Psychokrieg gegen die Ehefrau seines Bruders beginnt, die dieser heimlich heiratet und zur Ranch mitbringt. Da ich jemand bin, der es spannend findet, hinter das Verhalten eines Menschen zu blicken, um das Wie und Warum zu verstehen, war das Buch zumindest in dieser Hinsicht ein absoluter Volltreffer. Abgesehen davon war es allerdings eine kleine Berg- und Talfahrt für mich. Das Buch hat seine Längen; zähe Belanglosigkeiten, die gleichförmigen Tage und Arbeitsabläufe und viele viele Landschaftsbeschreibungen, die sicherlich die Realität dieser Zeit und dieses speziellen Orts wiederspiegeln, mich aber nicht fesseln konnten und eher gelangweilt haben. Wenn man um diese Stolpersteine herumliest und dem Kern der Geschichte folgt, ist das Buch aber ohne Frage eine großartige Lektüre, die allerdings viel Aufmerksamkeit erfordert, denn Savage schenkt einem nichts. Er streut mal hier ein bisschen und dann wieder an anderer Stelle Informationen ein, die man selbst zusammenpuzzeln muss, um die Zusammenhänge zu verstehen. Außerdem springt die Erzählung oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was konzentriertes Lesen nötig macht und einen gewissen Anspruch an die Leser stellt. Kein einfaches Buch, aber in vielerlei Hinsicht ein literarisches Kunstwerk, was viel Gesprächsstoff bietet und sich daher wunderbar für eine gemeinsame Leserunde oder einen Buddy-Read eignet.
Unglaublich fein gezeichnetes Psychodrama
Ich habe diesen Roman spontan als Mängelexemplar gekauft und entsprechend geringe Erwartungen gehabt. Völlig zu Unrecht! Die Gewalt der Hunde entpuppte sich als stilles, präzises und erstaunlich intensives Highlight. Savage erzählt mit außerordentlichem Feingefühl ein Psychodrama über Macht, Männlichkeitsideale und verdrängte Homosexualität im Westen. Statt der erwarteten Schießereien und Genreroutinen rückt er konsequent die Innenwelt seiner Figuren in den Mittelpunkt und erzeugt gerade dadurch eine enorme Spannung. Im Zentrum stehen die Brüder George und Phil Burbank: George, korpulent, langsam, gutmütig; Phil dagegen körperlich wie geistig überlegen, charismatisch - und zutiefst bösartig. Als George eine von Phil verachtete Witwe heiratet, beginnt ein grausames Spiel aus Manipulation, Demütigung und psychischer Gewalt. Savage zeichnet diese Dynamik mit beeindruckender Vielschichtigkeit und ohne jede Vereinfachung. Besonders bemerkenswert finde ich, wie subtil der Roman Phils Selbstüberschätzung und Selbsthass miteinander verwebt, aber auch von Georges Frau wird ein eindringliches Bild gezeichnet. Dass dieses von der Kritik hoch gelobte Buch vergleichsweise wenig gelesen wird, bleibt mir rätselhaft. Umso schöner, wenn ein Zufallskauf sich als Highlight erweist!
Savage erzählt in einem langsamen Tempo und voller Spannung, die sich auf den letzten Seiten zu einer perfekten Auflösung aufbaut. Er beschreibt das tägliche Leben auf der Rinderfarm so, dass man sich jede Szene lebhaft vorstellen kann, und auch die Nebenfiguren sind glaubwürdig und gut beobachtet. Die Geschichte folgt zwei Brüdern, die nach dem Umzug ihrer Eltern nach Salt Lake City die Familienranch leiten: dem langsamen und schwerfälligen, aber liebenswürdigen George und dem intelligenten, aber rachsüchtig grausamen Phil. Sie führen die Ranch mit gleichbleibender Routine, schlafen immer noch im selben Schlafzimmer, das sie als Kinder geteilt haben, und ihr Leben verläuft ruhig, bis George Rose, eine junge Witwe, heiratet. Phils Verachtung für Schwäche und seine Abneigung gegen Rose führt zu einer grausamen Kampagne, um sie und ihren Teenager-Sohn Peter zu demütigen. Phil ist ein großartiger Antagonist, den ich gleichermaßen geliebt und gehasst habe. Er ist brillant und grausam zugleich, er ist so lebendig und springt mit seinen scharfen Beleidigungen und seinem kühlen, schneidenden Schweigen, mit dem er seine arme Schwägerin unterminieren will, förmlich aus dem Buch. Es ist leicht, ihn zu hassen, und man ist gewillt, dass er seine gerechte Strafe bekommt, aber ich empfand dennoch ein gewisses Maß an Sympathie für ihn, als sein Charakter immer deutlicher hervortrat. Er ist wohl einer der besten Bösewichte in der Belletristik, und Savage schafft es, unter der Oberfläche eine dunkle und faszinierende Figur zu erschaffen. Es ist eine fesselnde und brutale Auseinandersetzung mit männlicher Identität und Sexualität in der rauen Umgebung des Montana der 1920er Jahre, die bereits auf der ersten Seite mit der Beschreibung einer Kälberkastration eindrucksvoll demonstriert wird. Ich kann dieses Buch nicht genug empfehlen und würde es jedem, der gute Bücher liebt, ans Herz legen, es zu lesen. Es verdient es, ein Klassiker genannt zu werden.
Beschreibung
Montana in den 1920ern: Den Brüdern Phil und George Burbank gehört die größte Ranch in ihrem Tal, sie sind ein gutes Team, obwohl ihre Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten. Phil ist elegant, genial und grausam, George schwerfällig, anspruchsvoll und sanft. Es ist ein Ort, wo Männer immer noch Männer sind, wo das sich rasant modernisierende 20. Jahrhundert in Schach gehalten und die alten Cowboys wie Bronco Henry verehrt werden. Als George jedoch heimlich die Witwe Rose heiratet, beginnt der schockierte und wütende Phil, einen sadistischen, erbarmungslosen Krieg gegen sie und ihren heranwachsenden Sohn zu führen …
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Thomas Savage wurde 1915 in Salt Lake City geboren. Er studierte an der University von Montana, war Schriftsteller und Englischdozent, arbeitete aber auch u.a. als Ranchhelfer, Klempnergehilfe, Schweißer, Versicherungssachverständiger. Sein Werk umfasst 13 Romane. »Die Gewalt der Hunde« wurde 1967 zum ersten Mal veröffentlicht und 2021 von Jane Campion für Netflix verfilmt, mit Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst; der Film hatte im September 2021 auf dem Filmfestival in Venedig Premiere, Jane Campion erhielt den Regiepreis.
Beiträge
Unvorhersehbarer, fesselnder, beeindruckender, psychologisch tiefer - amerikanischer Westen.
Das Buch ist nicht leicht zu beschreiben. Es ist ein Mix aus vielen psychologischen Themen, persönlichen Schicksalen, verdrängten Sehnsüchten und Bedürfnissen, atemberaubenden Landschaften, Brutalität. Ein lesenswerter Mix, der schließlich mit der vom Leser oder der Leserin erhofften Gerechtigkeit, aber zugleich auch kalten Grausamkeit endet und aus "der Gewalt der Hunde" befreit.
Ein Buch, bei dem ich mich einerseits zwingen musste weiter zu lesen, andererseits dennoch wissen wollte wie es endet. Es ist unaufgeregt geschrieben und vieles wird der eigenen Vorstellungskraft überlassen und trotzdem zeichnet sich ein Bild im Kopf, dass einen nicht mehr loslässt. Einfache Worte, vergangene Zeiten, Härte, Grausamkeit (die aber immer nur angedeutet wird), das drängende Erwarten des Endes und dann das wiederum angedeutete Finale, dass nicht direkt angesprochen wird, aber dennoch ganz klar ist. Sehr interessantes Buch, dass mich gedanklich immer wieder verfolgt und nachdenken lässt. Anfangs hab ich noch 3 Sterne vergeben, aber jetzt, 3 Wochen später, bin ich bei 4 Sternen...das Buch muss einfach eine Weile nachwirken!
Ein beeindruckendes und feinsinniges Psychodrama vor der Kulisse einer Ranch in Utah in den 1920'er Jahren
Inspiriert von seiner eigenen Biographie erzählt Savage von zwei ungleichen Brüdern. Der eine von schlichtem Gemüt und Verstand aber gut; der andere ein auffälliger, intelligenter aber bösartiger Tyrann, der einen Psychokrieg gegen die Ehefrau seines Bruders beginnt, die dieser heimlich heiratet und zur Ranch mitbringt. Da ich jemand bin, der es spannend findet, hinter das Verhalten eines Menschen zu blicken, um das Wie und Warum zu verstehen, war das Buch zumindest in dieser Hinsicht ein absoluter Volltreffer. Abgesehen davon war es allerdings eine kleine Berg- und Talfahrt für mich. Das Buch hat seine Längen; zähe Belanglosigkeiten, die gleichförmigen Tage und Arbeitsabläufe und viele viele Landschaftsbeschreibungen, die sicherlich die Realität dieser Zeit und dieses speziellen Orts wiederspiegeln, mich aber nicht fesseln konnten und eher gelangweilt haben. Wenn man um diese Stolpersteine herumliest und dem Kern der Geschichte folgt, ist das Buch aber ohne Frage eine großartige Lektüre, die allerdings viel Aufmerksamkeit erfordert, denn Savage schenkt einem nichts. Er streut mal hier ein bisschen und dann wieder an anderer Stelle Informationen ein, die man selbst zusammenpuzzeln muss, um die Zusammenhänge zu verstehen. Außerdem springt die Erzählung oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was konzentriertes Lesen nötig macht und einen gewissen Anspruch an die Leser stellt. Kein einfaches Buch, aber in vielerlei Hinsicht ein literarisches Kunstwerk, was viel Gesprächsstoff bietet und sich daher wunderbar für eine gemeinsame Leserunde oder einen Buddy-Read eignet.
Unglaublich fein gezeichnetes Psychodrama
Ich habe diesen Roman spontan als Mängelexemplar gekauft und entsprechend geringe Erwartungen gehabt. Völlig zu Unrecht! Die Gewalt der Hunde entpuppte sich als stilles, präzises und erstaunlich intensives Highlight. Savage erzählt mit außerordentlichem Feingefühl ein Psychodrama über Macht, Männlichkeitsideale und verdrängte Homosexualität im Westen. Statt der erwarteten Schießereien und Genreroutinen rückt er konsequent die Innenwelt seiner Figuren in den Mittelpunkt und erzeugt gerade dadurch eine enorme Spannung. Im Zentrum stehen die Brüder George und Phil Burbank: George, korpulent, langsam, gutmütig; Phil dagegen körperlich wie geistig überlegen, charismatisch - und zutiefst bösartig. Als George eine von Phil verachtete Witwe heiratet, beginnt ein grausames Spiel aus Manipulation, Demütigung und psychischer Gewalt. Savage zeichnet diese Dynamik mit beeindruckender Vielschichtigkeit und ohne jede Vereinfachung. Besonders bemerkenswert finde ich, wie subtil der Roman Phils Selbstüberschätzung und Selbsthass miteinander verwebt, aber auch von Georges Frau wird ein eindringliches Bild gezeichnet. Dass dieses von der Kritik hoch gelobte Buch vergleichsweise wenig gelesen wird, bleibt mir rätselhaft. Umso schöner, wenn ein Zufallskauf sich als Highlight erweist!
Savage erzählt in einem langsamen Tempo und voller Spannung, die sich auf den letzten Seiten zu einer perfekten Auflösung aufbaut. Er beschreibt das tägliche Leben auf der Rinderfarm so, dass man sich jede Szene lebhaft vorstellen kann, und auch die Nebenfiguren sind glaubwürdig und gut beobachtet. Die Geschichte folgt zwei Brüdern, die nach dem Umzug ihrer Eltern nach Salt Lake City die Familienranch leiten: dem langsamen und schwerfälligen, aber liebenswürdigen George und dem intelligenten, aber rachsüchtig grausamen Phil. Sie führen die Ranch mit gleichbleibender Routine, schlafen immer noch im selben Schlafzimmer, das sie als Kinder geteilt haben, und ihr Leben verläuft ruhig, bis George Rose, eine junge Witwe, heiratet. Phils Verachtung für Schwäche und seine Abneigung gegen Rose führt zu einer grausamen Kampagne, um sie und ihren Teenager-Sohn Peter zu demütigen. Phil ist ein großartiger Antagonist, den ich gleichermaßen geliebt und gehasst habe. Er ist brillant und grausam zugleich, er ist so lebendig und springt mit seinen scharfen Beleidigungen und seinem kühlen, schneidenden Schweigen, mit dem er seine arme Schwägerin unterminieren will, förmlich aus dem Buch. Es ist leicht, ihn zu hassen, und man ist gewillt, dass er seine gerechte Strafe bekommt, aber ich empfand dennoch ein gewisses Maß an Sympathie für ihn, als sein Charakter immer deutlicher hervortrat. Er ist wohl einer der besten Bösewichte in der Belletristik, und Savage schafft es, unter der Oberfläche eine dunkle und faszinierende Figur zu erschaffen. Es ist eine fesselnde und brutale Auseinandersetzung mit männlicher Identität und Sexualität in der rauen Umgebung des Montana der 1920er Jahre, die bereits auf der ersten Seite mit der Beschreibung einer Kälberkastration eindrucksvoll demonstriert wird. Ich kann dieses Buch nicht genug empfehlen und würde es jedem, der gute Bücher liebt, ans Herz legen, es zu lesen. Es verdient es, ein Klassiker genannt zu werden.











