Deutsch sein und schwarz dazu

Deutsch sein und schwarz dazu

Taschenbuch
4.230
Kübra GümüşayLebensgeschichteBiografieRassismus

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Beschreibung

Der Lebensrückblick eines schwarzen deutschen Zeitzeugen

Theodor Michaels Vater kam vor dem Ersten Weltkrieg aus Kamerun, damals deutsches »Schutzgebiet«, nach Deutschland und wurde wie andere Kolonialmigranten freundlich aufgenommen. Er heiratete eine Deutsche und gründete eine Familie. Doch schon während der Weimarer Republik fand man, Farbige sollten den Deutschen keine Arbeitsplätze mehr wegnehmen. Bald konnten sie nur noch in den sehr beliebten »Völkerschauen« unterkommen. In der Nazizeit wurden ihnen die deutschen Pässe entzogen. Nur als stumme Komparsen in den zahl reichen Kolonialfilmen waren sie noch gefragt.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Biografien
Sub-Genre
Memoiren
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
216
Preis
13.30 €

Autorenbeschreibung

Theodor Michael kommt 1925 in Berlin als viertes und jüngstes Kind des Kolonialmigranten Theophilus Wonja Michael aus Kamerun und seiner deutschen Frau Martha zur Welt. Ein Jahr nach seiner Geburt stirbt die Mutter. Die Halbwaisen wachsen, teils unter erbärmlichen Umständen, bei Pflegeeltern auf. Als 1934 auch der Vater stirbt, werden die Geschwister getrennt. Michael darf nach der Volksschule aufgrund seiner Hautfarbe keine weitere Ausbildung machen und schlägt sich als Page, Portier und Komparse durch, bis er 1943 in einem Arbeitslager interniert wird, wo er auch die Befreiung erlebt. Nach dem Krieg gründete er eine Familie mit einer jungen Schlesierin, war als Dolmetscher und Schauspieler tätig, studierte auf dem zweiten Bildungsweg Volkswirtschaft und entwickelte sich zu einem anerkannten Afrika-Spezialisten. Als solcher wurde er schließlich vom BND angeworben. Nach seiner Pensionierung trat er wieder als Schauspieler auf und engagierte sich in der afro-deutschen Community. 2018 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Engagement als Zeitzeuge ausgezeichnet. Er starb am 19. Oktober 2019 in Köln.

Beiträge

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Alle
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Erstaunlicherweise geht es hier um anderes als erst gedacht, also auch vom Zeitalter. Quasi sämtliche wichtige deutsche Kriege und Krisen habe ich aufgefrischt. Ein wenig werden auch Rassenschauen angeschaut. Es gibt triggernde Episoden in dieser Biografie, der Erzählstil scheint mir relativ locker von einem Opa über eine private Geschichtsstunde. Und auch theater und Filmgeschichte mit mir eher unbekannten Namen. Manches kommt vielleicht zu kurz erklärt und braucht Vorwissen, aber es geht auch ohne wissen gut zu lesen . Es hat mir dennoch gut gefallen.

5

Theodor Michael beschreibt in „Deutsch sein und schwarz dazu“ einen Teil deutscher Geschichte, die mir bisher nicht bekannt war: Das Leben von Afro-Deutschen ab der Weimarer Republik. Theodor Michaels Vater kam etwa 1903 aus der damaligen Kolonie Kamerun nach Deutschland und gründet dort eine Familie mit einer aus Preussen stammenden Frau. Theodor Michael und seine 3 Geschwister hatten wenig von dieser Familie, die Mutter starb bei seiner Geburt 1925, der Vater etwa 9 Jahre später. Alleine schon mit 9 Jahren zur Waise zu werden, zeugt von einem schweren Start ins Leben. Um die Familie versorgen zu können, müssen die Kinder an sogenannten „Völkerschauen“ teilnehmen, Bildung wird Theodor im Nationalsozialismus verwährt, seine Geschwister können das Nazideutschland früh genug verlassen. Von seinem Überleben während dieser Zeit, Krankheiten die ihn während des Kriegs geplagt und begleitet haben, den Aufbau einer eigenen Familie und Karriere erzählt Theodor Michael sehr eindrücklich in kurzen aber sehr eindringlichen Sätzen. Ich musste zwischendrin das Buch pausieren, da es zwar gut zu lesen aber schwer zu verdauen ist. Der Rassismus der damals wie heute für Theodor Michael zu spüren war, macht sich an vielen Dingen fest. Unverständlich sind da beispielsweise, warum schwarz ausgelegte Theaterrollen von weißen Schauspielern, die schwarz geschminkt wurden, gespielt wurden - obwohl es Theodor Michael im Ensemble gab. Rassismus äußerte sich in ständigen Ausgrenzungen, in der Verweigerung von Bildung und Vermietung. Betreten Menschen heute noch selbst ernannte "No-Go-Areas", riskieren sie sogar ihr Leben. Ich habe in diesem Buch wertvolle Einsichten in einen bisher für mich unbekannten Teil der deutschen Geschichte gewonnen.

5

Ich hab schon im Februar oder März mit „Deutsch sein und schwarz dazu“ von Theodor Michael angefangen. Beendet hab ich es Anfang Mai… Zeitweise musste ich es beiseite legen und ein „leichteres Buch“ lesen. . Michael teilt mit uns sein Leben auf eine zeitweise amüsante und nüchterne Art, die gleichzeitig aber auch schonungslos ehrlich ist, dass sich mein Magen und Herz verkrampft haben. . Vieles hat er in seinem Leben erlebt - viel schlechtes und viel gutes. Immer wieder hab ich mich beim lesen gefragt „Wie?“. Wie konnte er weitermachen bei allen Widrigkeiten die ihm in seinem Leben passiert sind, abgefangen bei der „Andersartigkeit“ seiner Hautfarbe. . Und trotzdem, immer wieder findet Micheals in seinem flüssigen und leichtfüßigem Schreibstil, einen Weg die bösen Dinge, mit einer unglaublich positiven und Lebensbejahenden Einstellung, zu vertreiben. Seine Erzählweise ist unglaublich amüsant und fesselnd und mehr als einmal musste ich schmunzeln, was er da für Anekdoten „raushaut“ und vor allem - wie. . Hier und da gab es zwar ein paar Dinge bei denen ich stutzen musste. Michaels beschreibt sich selbst als absoluten Familienmenschen, im Verlauf sind einige seiner Entscheidungen jedoch nicht ganz so familienfreundlich wie erwartet und eher recht egoistisch. Das nur am Rande, was mich dann doch etwas schulterzuckend zurückließ, aber wer bin ich die Entscheidungen und das Leben eines anderen Menschen zu kritisieren? Genau, es geht mich nichts an und trotzdem … Beim Thema Frau und Kinder hinterließen seine Schilderungen einen enttäuschenden Beigeschmack bei mir. . Mich haben dieses Buch, diese Rückblicke tiefberührt und nicht nur einmal zum grübeln gebracht. Fernab der väterlichen Wurzeln die er erst spät kennenlernt aber die ihn immer begleitet haben, wächst und lebt er in einem (Heimat)Land welches ihm mehr als einmal bescheinigt und sagt ein Fremder zu sein. . Ein eindrückliches und bewegendes Buch. Fast schon Zeitgeschichte zum anfassen und ein wirkliches Muss! Ich kann‘s nur empfehlen, denn die Thematik ist heute wieder wichtiger als je zu vor!

5

Sehr interessante Lektüre. Guter Einblick in das Leben eines Schwarzen Deutschen in der NS-Zeit und danach.

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