Ambroise hat einen ungewöhnlichen Beruf, der es ihm nicht eben leicht macht, die große Liebe zu finden. Manelle kümmert sich voller Wärme um ihre teils exzentrischen Senioren – doch am Abend, da ist auch sie oft allein. Es ist ein liebenswerter alter Herr namens Samuel Dinsky, der die jungen Leute mit einem unerhörten Wunsch zusammenbringt. Auf einer kuriosen Reise in die Schweiz beginnt für die beiden – und Monsieur Dinsky – der Rest ihres Lebens.
Wunderschöner Schreibstil, aber der Inhalt ...
Zunächst einmal geht die eigentliche Handlung erst in der zweiten Hälfte des Buches los. Aber nicht nur das, sie wird auch in kürzester Zeit abgehandelt, gespickt mit christlicher Pseudomoral, und einem Plottwist, der wirklich wütend macht. Wunderheilung, statt sich mit dem Tod wirklich auseinander zu setzen... *grrrr* Alles, um letztlich das Thema des Suizids eines totkranken Menschen erst als abstoßend darzustellen und ihn dann ganz zu vermeiden.
Dass man eine unnötige Sexszene (und die Erwähnung weiterer - ernsthaft, wer bleibt die ganze Nacht auf, um Sex zu haben, wenn er danach sieben Stunden Autofahrt vor sich hat und für das Leben von drei Passagieren verantwortlich ist?!) ertragen muss, der sympathisch wirken sollende Protagonist der Protagonistin beim ersten Aufeinandertreffen auf die Brüste glotzt, und Frauen hier eigentlich generell nur Zierde und Handlungsgrund für Männer sind (obwohl eine der beiden Hauptfiguren doch eine Frau ist, aber eine, von deren Zielen, Wünschen, Hintergrund wir kaum was erfahren), macht das Ganze noch ärgerlicher.
Und dann, dass der Autor sowohl das Leiden eines Juden im KZ und einer Frau bei einer (natürlich hinterher ganz furchtbaren) Abtreibung einerseits traumatisch beschreibt und andererseits irgendwie dennoch beiläufig in den sonst fluffig-klischeefranzösischen Text einbaut ... Ich weiß nicht, ob er dafür recherchiert hat. Im Dank steht lediglich ein Thanatopraktiker, niemand sonst. Und ich bin durchaus der Meinung, dass ein Autor auch über das schreiben dürfen sollte, was er nicht kennt (sonst wäre mein Bücherregal wohl sehr leer, so ganz ohne Hexen, Drachen und Raumschiffe), aber hier hatte ich doch Probleme damit, das zu akzeptieren. Noch mehr bei der Abtreibung als bei der Darstellung des Lebens im KZ, weil sie so einseitig und moralisierend dargestellt ist. Nicht nur war es nicht das Richtige für die Protagonistin, die sich hinterher sofort dafür hasst. Das ist in Ordnung und passiert manchen Frauen wohl nun einmal so. Aber nein, natürlich hat auch die andere Patientin in der Klinik tote Augen und überhaupt ist das alles ganz böse und völlig falsch. Ab da stört es eben doch, dass hier ein Cis Mann etwas moralisierend beschreibt, was er nie wird erleben können. Und da hätte ich mir dann doch wenigstens ein Zeichen gewünscht, dass er seine Haltung und die Beschreibung aus einem Gespräch mit einer Betroffenen hat.
Aber gut, ja, vor allem stört mich das Ende. Ich hatte auf ein Buch gehofft, wo der Todeswunsch eines schwerkranken Mannes endlich mal vernünftig behandelt wird. Statt dessen all die Botschaften von „Ja, er hat ständige Schmerzen, kotzt alles wieder aus und kann fast nichts mehr, aber bestimmt gibt es da noch ein paar schöne Momente, die das alles wert sind. Man sollte der Natur ihren Gang lassen.“ und dann die Wunderheilung am Ende? Erst widerlich moralisierend, und dann ein feiges Flüchten aus der Verantwortung, die Geschichte konsequent zu Ende zu führen. Da hilft der schönste Schreibstil nichts mehr.
23. Sept. 2022
2,0
Wunderschöner Schreibstil, aber der Inhalt ...
Zunächst einmal geht die eigentliche Handlung erst in der zweiten Hälfte des Buches los. Aber nicht nur das, sie wird auch in kürzester Zeit abgehandelt, gespickt mit christlicher Pseudomoral, und einem Plottwist, der wirklich wütend macht. Wunderheilung, statt sich mit dem Tod wirklich auseinander zu setzen... *grrrr* Alles, um letztlich das Thema des Suizids eines totkranken Menschen erst als abstoßend darzustellen und ihn dann ganz zu vermeiden.
Dass man eine unnötige Sexszene (und die Erwähnung weiterer - ernsthaft, wer bleibt die ganze Nacht auf, um Sex zu haben, wenn er danach sieben Stunden Autofahrt vor sich hat und für das Leben von drei Passagieren verantwortlich ist?!) ertragen muss, der sympathisch wirken sollende Protagonist der Protagonistin beim ersten Aufeinandertreffen auf die Brüste glotzt, und Frauen hier eigentlich generell nur Zierde und Handlungsgrund für Männer sind (obwohl eine der beiden Hauptfiguren doch eine Frau ist, aber eine, von deren Zielen, Wünschen, Hintergrund wir kaum was erfahren), macht das Ganze noch ärgerlicher.
Und dann, dass der Autor sowohl das Leiden eines Juden im KZ und einer Frau bei einer (natürlich hinterher ganz furchtbaren) Abtreibung einerseits traumatisch beschreibt und andererseits irgendwie dennoch beiläufig in den sonst fluffig-klischeefranzösischen Text einbaut ... Ich weiß nicht, ob er dafür recherchiert hat. Im Dank steht lediglich ein Thanatopraktiker, niemand sonst. Und ich bin durchaus der Meinung, dass ein Autor auch über das schreiben dürfen sollte, was er nicht kennt (sonst wäre mein Bücherregal wohl sehr leer, so ganz ohne Hexen, Drachen und Raumschiffe), aber hier hatte ich doch Probleme damit, das zu akzeptieren. Noch mehr bei der Abtreibung als bei der Darstellung des Lebens im KZ, weil sie so einseitig und moralisierend dargestellt ist. Nicht nur war es nicht das Richtige für die Protagonistin, die sich hinterher sofort dafür hasst. Das ist in Ordnung und passiert manchen Frauen wohl nun einmal so. Aber nein, natürlich hat auch die andere Patientin in der Klinik tote Augen und überhaupt ist das alles ganz böse und völlig falsch. Ab da stört es eben doch, dass hier ein Cis Mann etwas moralisierend beschreibt, was er nie wird erleben können. Und da hätte ich mir dann doch wenigstens ein Zeichen gewünscht, dass er seine Haltung und die Beschreibung aus einem Gespräch mit einer Betroffenen hat.
Aber gut, ja, vor allem stört mich das Ende. Ich hatte auf ein Buch gehofft, wo der Todeswunsch eines schwerkranken Mannes endlich mal vernünftig behandelt wird. Statt dessen all die Botschaften von „Ja, er hat ständige Schmerzen, kotzt alles wieder aus und kann fast nichts mehr, aber bestimmt gibt es da noch ein paar schöne Momente, die das alles wert sind. Man sollte der Natur ihren Gang lassen.“ und dann die Wunderheilung am Ende? Erst widerlich moralisierend, und dann ein feiges Flüchten aus der Verantwortung, die Geschichte konsequent zu Ende zu führen. Da hilft der schönste Schreibstil nichts mehr.
Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky - Jean-Paul Didierlaurent
Erst einmal zum Inhalt:
Ambroise wäre der hübschen Pflegerin Manelle nie begegnet, gäbe es da nicht den liebenswerten Monsieur Dinsky. Nach einer niederschmetternden Diagnose will der 82-jährige eine letzte Reise unternehmen. Zusammen mit den beiden jungen Leuten. Der Wunsch, den sie ihm erfüllen sollen, hat es allerdings in sich...
Das Buch ist ziemlich unbekannt, weswegen ich keine hohen Erwartungen hatte und einfach gespannt war, was auf mich zukommt.
Das Buch ließ sich ziemlich gut und einfach lesen, wobei ich ein paar Seiten gebraucht habe um in den Erzählstil hinein zu finden. Ich bin der Meinung, dass man französischen Büchern und Filmen das Französische definitiv anmerkt und das war bei diesem Buch genauso - auch wenn ich das nicht weiter definieren kann 😄.
Die Protagonisten in dem Buch haben Berufe, die meiner Meinung nach viel zu selten thematisiert werden. Manelle ist Pflegerin und hilft Menschen im Alltag. Ambroise ist Thanatopraktiker, heißt, er bahrt Tote auf, sodass die Zurückgebliebenen ihren Liebsten im „normalen“ Zustand ein letztes Mal sehen und sich verabschieden können.
Das Buch lehrt einen viel über Familie, Einsamkeit und auch über das Leben selbst. Das Leben ist wertvoll und man sollte und muss das Beste aus jedem Tag machen. Es nützt einen nichts, super nachtragend zu sein oder die Wut oder auch Einsamkeit in sich hineinzufressen. Reden kann so viel helfen. Und sei es nur mit einer netten Pflegerin oder der Supermarktverkäuferin im Laden nebenan. Sagt euren Liebsten, wie gern ihr sie habt und ruft einfach mal bei euren Großeltern an. Für euch sind das 10 Minuten, aber für die ist es ein Lichtblick in der ganzen Woche.
Das alles konnte ich aus dem Buch mitnehmen und möchte es gerne an euch weitergeben! Gerade zur Advents- und Weihnachtszeit ist Nächstenliebe super wichtig. Und auch ihr selbst, seit euer Nächster, vergesst das nicht ☺️
26. Mai 2022
Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky - Jean-Paul Didierlaurent
Erst einmal zum Inhalt:
Ambroise wäre der hübschen Pflegerin Manelle nie begegnet, gäbe es da nicht den liebenswerten Monsieur Dinsky. Nach einer niederschmetternden Diagnose will der 82-jährige eine letzte Reise unternehmen. Zusammen mit den beiden jungen Leuten. Der Wunsch, den sie ihm erfüllen sollen, hat es allerdings in sich...
Das Buch ist ziemlich unbekannt, weswegen ich keine hohen Erwartungen hatte und einfach gespannt war, was auf mich zukommt.
Das Buch ließ sich ziemlich gut und einfach lesen, wobei ich ein paar Seiten gebraucht habe um in den Erzählstil hinein zu finden. Ich bin der Meinung, dass man französischen Büchern und Filmen das Französische definitiv anmerkt und das war bei diesem Buch genauso - auch wenn ich das nicht weiter definieren kann 😄.
Die Protagonisten in dem Buch haben Berufe, die meiner Meinung nach viel zu selten thematisiert werden. Manelle ist Pflegerin und hilft Menschen im Alltag. Ambroise ist Thanatopraktiker, heißt, er bahrt Tote auf, sodass die Zurückgebliebenen ihren Liebsten im „normalen“ Zustand ein letztes Mal sehen und sich verabschieden können.
Das Buch lehrt einen viel über Familie, Einsamkeit und auch über das Leben selbst. Das Leben ist wertvoll und man sollte und muss das Beste aus jedem Tag machen. Es nützt einen nichts, super nachtragend zu sein oder die Wut oder auch Einsamkeit in sich hineinzufressen. Reden kann so viel helfen. Und sei es nur mit einer netten Pflegerin oder der Supermarktverkäuferin im Laden nebenan. Sagt euren Liebsten, wie gern ihr sie habt und ruft einfach mal bei euren Großeltern an. Für euch sind das 10 Minuten, aber für die ist es ein Lichtblick in der ganzen Woche.
Das alles konnte ich aus dem Buch mitnehmen und möchte es gerne an euch weitergeben! Gerade zur Advents- und Weihnachtszeit ist Nächstenliebe super wichtig. Und auch ihr selbst, seit euer Nächster, vergesst das nicht ☺️
26. Mai 2022
3 von 7 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Jean-Paul Didierlaurent
Jean-Paul Didierlaurent, 1962 in La Bresse/Elsass geboren, trat zunächst als Autor von Erzählungen hervor, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. ›Die Sehnsucht des Vorlesers‹ war sein Romandebüt, das weltweit Hunderttausende von Lesern verzaubert hat. Er starb am 05. Dezember 2021 in Straßburg.