Der Tanz auf dem Vulkan
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Beschreibung
Port-au-Prince 1792: Minette ist die Tochter einer freigelassenen Sklavin. Dank ihrer außergewöhnlichen Gesangsstimme darf sie als erste Farbige im Theater von Port-au-Prince auftreten. Auf den Zuschauerrängen sitzen die Kolonialherren. Sie sind durch die harte Arbeit ihrer Sklaven reich geworden und kopieren die Pariser Lebensart. Doch unter der Oberfläche brodelt es schon lange. Die Ausbeutung von Mensch und Natur schürt soziale und ethnische Spannungen. Minette verliebt sich in einen erfolgreichen Freigelassenen. Als sie jedoch bemerkt, dass er seine Sklaven genauso brutal behandelt wie die Weißen, bricht sie mit ihm und schließt sich einer Untergrundorganisation an.
Wie schon in «Töchter Haitis» besticht Vieux-Chauvets Erzählkunst durch die lebensnahe Figurenzeichnung. Zudem ist «Tanz auf dem Vulkan» eine historische Tiefenlotung, die uns Geschichte und Gegenwart des Karibikstaates erschließt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Marie Vieux-Chauvet (1916–1973) wurde in Port-au-Prince in Haiti geboren und machte 1933 ihren Abschluss als Grundschullehrerin. Ab 1947 trat sie als Theaterautorin in Erscheinung. Ihr Roman «Der Tanz auf dem Vulkan» erschien 1957 und wurde mit dem Prix de l'Alliance Française ausgezeichnet. Selten wurden die Ursprünge und Folgen der haitianische Revolution – der einzigen Sklavenrevolte weltweit – die einen freie Staat zur folge hatte – so klar umrissen, wie in diesem Roman. Als sich François Duvalier zum haitianischen Diktator aufschwang, bedeutete das für sie massive Einschränkungen. Schließlich musste sie ins US-amerikanische Exil fliehen und lebte bis zu ihrem Tod in New York. "Der Tanz auf dem Vulkan" im Herbst 2023 auf der Litprom-Bestenliste.
Beiträge
Ein Vulkan namens Haiti Die haitianische Schriftstellerin Marie Vieux-Chauvet (1916-1973) konnte mich bereits im letzten Jahr mit ihrem in der Reihe „Mehr Klassikerinnen“ im Manesse Verlag veröffentlichten Debüt-Roman „Töchter Haitis“ begeistern. Jetzt wurde dieser Reihe ein weiterer Roman von ihr hinzugefügt. Wie schon der Vorgänger wurde auch „Der Tanz auf dem Vulkan“ von Nathalie Lemmens aus dem Französischen übersetzt; ebenso gibt es wieder ein sehr lesenswertes, informatives und den Roman in den historischen Kontext und in das Werk Vieux-Chauvet einbindendes Nachwort von Kaiama L. Glover. Soviel zu den nüchternen Fakten *g*. Lassen wir zu Beginn die Autorin selbst zu Wort kommen: „Dieses Buch entstand auf der Grundlage historischen Materials. Die beiden Protagonistinnen und alle weiteren Hauptfiguren haben wirklich gelebt und treten unter ihren tatsächlichen Namen auf. Die wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben sowie die geschilderten historischen Begebenheiten entsprechen den Tatsachen.“ (S. 5) Die hier genannten Protagonistinnen sind zwei Schwestern und hören auf die Namen Minette und Lise. Als Töchter einer ehemaligen Sklavin sind sie dem in der französischen Kolonie Haiti vorherrschenden Rassismus gnadenlos ausgesetzt. Und trotzdem schaffen sie dank ihres ungewöhnlich hohen Talents (die Schwestern sind Sängerinnen) Grenzen zu sprengen, die ihnen die Türen zu dem örtlichen Theater in Port-au-Prince öffnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Rassismus und die Unterdrückung der weißen Besatzer an der Theatertür endet, denn auch hier sind sie der Willkür der Franzosen ausgesetzt, was sich z. B. im nicht ausgezahlten Gehalt etc. widerspiegelt. Doch Minette ist eine Kämpferin und schließt sich einer Untergrundorganisation an, um die Rechte der Schwarzen zu stärken und den Rassismus zu bekämpfen. Zeitlich gesehen hat sich das Ganze also vor der haitianischen Revolution (dem titelgebenden Vulkan) 1802 abgespielt. Marie Vieux-Chauvet führt die Leser:innen teils im Zeitraffer durch Minette`s und das Leben ihrer Familie und Freunde und die Zeit im Theater. Einiges wiederholt sich dabei relativ oft und das (teils) divenhafte Gebahren Minette´s lässt den Leser (mich) mit den Augen rollen. Doch warum sollte die Autorin ihre Heldin nur mit guten Seiten ausstatten? Also liest man drüber hinweg und freut sich mit Minette über ihre Erfolge, nimmt einen kleinen Anteil an ihrem Liebesleben und beobachtet (nicht nur) sie dabei, wie die Lava im Inneren des Vulkans Haiti immer weiter ansteigt und letztendlich ausbricht. Bis zu diesem Punkt der Geschichte brauchen die Leser:innen einen langen Atem und dann geht alles Knall auf Fall. Das ist eine Sache, die mich persönlich etwas an dem Roman gestört hat. Überhaupt merke ich seit geraumer Zeit, dass meine Aufmerksamkeitsspanne bei Romanen jenseits der 300 Seiten nachgelassen hat – das soll potenzielle Leser:innen aber nicht davon abschrecken, diesen mit fast 500 Seiten (inklusive knapp 200 teils sehr ausführlichen Anmerkungen und dem wie oben bereits erwähnten Nachwort) recht umfangreichen mit historisch belegtem Material und hier und da das Privileg der künstlerische Freiheit ausnutzendem Roman die absolut verdiente Chance zu geben, einen Klassiker der (haitianischen) Literatur für sich zu entdecken. Da mir „Töchter Haitis“ im direkten Vergleich etwas besser gefallen hat, vergebe ich hier dieses Mal „nur“ 4* und spreche eine Leseempfehlung aus. ©kingofmusic
Beschreibung
Port-au-Prince 1792: Minette ist die Tochter einer freigelassenen Sklavin. Dank ihrer außergewöhnlichen Gesangsstimme darf sie als erste Farbige im Theater von Port-au-Prince auftreten. Auf den Zuschauerrängen sitzen die Kolonialherren. Sie sind durch die harte Arbeit ihrer Sklaven reich geworden und kopieren die Pariser Lebensart. Doch unter der Oberfläche brodelt es schon lange. Die Ausbeutung von Mensch und Natur schürt soziale und ethnische Spannungen. Minette verliebt sich in einen erfolgreichen Freigelassenen. Als sie jedoch bemerkt, dass er seine Sklaven genauso brutal behandelt wie die Weißen, bricht sie mit ihm und schließt sich einer Untergrundorganisation an.
Wie schon in «Töchter Haitis» besticht Vieux-Chauvets Erzählkunst durch die lebensnahe Figurenzeichnung. Zudem ist «Tanz auf dem Vulkan» eine historische Tiefenlotung, die uns Geschichte und Gegenwart des Karibikstaates erschließt.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Marie Vieux-Chauvet (1916–1973) wurde in Port-au-Prince in Haiti geboren und machte 1933 ihren Abschluss als Grundschullehrerin. Ab 1947 trat sie als Theaterautorin in Erscheinung. Ihr Roman «Der Tanz auf dem Vulkan» erschien 1957 und wurde mit dem Prix de l'Alliance Française ausgezeichnet. Selten wurden die Ursprünge und Folgen der haitianische Revolution – der einzigen Sklavenrevolte weltweit – die einen freie Staat zur folge hatte – so klar umrissen, wie in diesem Roman. Als sich François Duvalier zum haitianischen Diktator aufschwang, bedeutete das für sie massive Einschränkungen. Schließlich musste sie ins US-amerikanische Exil fliehen und lebte bis zu ihrem Tod in New York. "Der Tanz auf dem Vulkan" im Herbst 2023 auf der Litprom-Bestenliste.
Beiträge
Ein Vulkan namens Haiti Die haitianische Schriftstellerin Marie Vieux-Chauvet (1916-1973) konnte mich bereits im letzten Jahr mit ihrem in der Reihe „Mehr Klassikerinnen“ im Manesse Verlag veröffentlichten Debüt-Roman „Töchter Haitis“ begeistern. Jetzt wurde dieser Reihe ein weiterer Roman von ihr hinzugefügt. Wie schon der Vorgänger wurde auch „Der Tanz auf dem Vulkan“ von Nathalie Lemmens aus dem Französischen übersetzt; ebenso gibt es wieder ein sehr lesenswertes, informatives und den Roman in den historischen Kontext und in das Werk Vieux-Chauvet einbindendes Nachwort von Kaiama L. Glover. Soviel zu den nüchternen Fakten *g*. Lassen wir zu Beginn die Autorin selbst zu Wort kommen: „Dieses Buch entstand auf der Grundlage historischen Materials. Die beiden Protagonistinnen und alle weiteren Hauptfiguren haben wirklich gelebt und treten unter ihren tatsächlichen Namen auf. Die wichtigsten Ereignisse in ihrem Leben sowie die geschilderten historischen Begebenheiten entsprechen den Tatsachen.“ (S. 5) Die hier genannten Protagonistinnen sind zwei Schwestern und hören auf die Namen Minette und Lise. Als Töchter einer ehemaligen Sklavin sind sie dem in der französischen Kolonie Haiti vorherrschenden Rassismus gnadenlos ausgesetzt. Und trotzdem schaffen sie dank ihres ungewöhnlich hohen Talents (die Schwestern sind Sängerinnen) Grenzen zu sprengen, die ihnen die Türen zu dem örtlichen Theater in Port-au-Prince öffnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Rassismus und die Unterdrückung der weißen Besatzer an der Theatertür endet, denn auch hier sind sie der Willkür der Franzosen ausgesetzt, was sich z. B. im nicht ausgezahlten Gehalt etc. widerspiegelt. Doch Minette ist eine Kämpferin und schließt sich einer Untergrundorganisation an, um die Rechte der Schwarzen zu stärken und den Rassismus zu bekämpfen. Zeitlich gesehen hat sich das Ganze also vor der haitianischen Revolution (dem titelgebenden Vulkan) 1802 abgespielt. Marie Vieux-Chauvet führt die Leser:innen teils im Zeitraffer durch Minette`s und das Leben ihrer Familie und Freunde und die Zeit im Theater. Einiges wiederholt sich dabei relativ oft und das (teils) divenhafte Gebahren Minette´s lässt den Leser (mich) mit den Augen rollen. Doch warum sollte die Autorin ihre Heldin nur mit guten Seiten ausstatten? Also liest man drüber hinweg und freut sich mit Minette über ihre Erfolge, nimmt einen kleinen Anteil an ihrem Liebesleben und beobachtet (nicht nur) sie dabei, wie die Lava im Inneren des Vulkans Haiti immer weiter ansteigt und letztendlich ausbricht. Bis zu diesem Punkt der Geschichte brauchen die Leser:innen einen langen Atem und dann geht alles Knall auf Fall. Das ist eine Sache, die mich persönlich etwas an dem Roman gestört hat. Überhaupt merke ich seit geraumer Zeit, dass meine Aufmerksamkeitsspanne bei Romanen jenseits der 300 Seiten nachgelassen hat – das soll potenzielle Leser:innen aber nicht davon abschrecken, diesen mit fast 500 Seiten (inklusive knapp 200 teils sehr ausführlichen Anmerkungen und dem wie oben bereits erwähnten Nachwort) recht umfangreichen mit historisch belegtem Material und hier und da das Privileg der künstlerische Freiheit ausnutzendem Roman die absolut verdiente Chance zu geben, einen Klassiker der (haitianischen) Literatur für sich zu entdecken. Da mir „Töchter Haitis“ im direkten Vergleich etwas besser gefallen hat, vergebe ich hier dieses Mal „nur“ 4* und spreche eine Leseempfehlung aus. ©kingofmusic




