Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Tatiana Țîbuleac, geboren 1978 in Chişinău in der heutigen Republik Moldawien, studierte Journalismus und Kommunikation. Sie arbeitete als Journalistin für Fernsehen und Zeitschriften sowie für UNICEF. Seit 2008 lebt sie als Schriftstellerin in Paris. Ihr erster Roman, Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte, wurde vielfach preisgekrönt. 2019 wurde sie für Der Glasgarten mit dem Literaturpreis der EU ausgezeichnet.
Beiträge
Die Verwandlung nehme ich dem Protagonisten nicht ab
Puh, das war anstrengend. Der 17jährige Protagonist verbringt mit seiner verhassten Mutter einen letzten Sommer in Frankreich, bevor diese an Krebs stirbt. Er ist von Hass regelrecht zerfressen, nicht nur seiner Mutter gegenüber, sondern generell allen Frauen und auch einigen Männern. In der Vergangenheit und der Familienhistorie gab es Unglücke, die nicht verarbeitet wurden. Gleichzeitig hat er ein extremes Aggressionsproblem. Als er dann erfährt, was mit seiner Mutter ist wandelt er sich um 180 Grad. Dieser Wandel kommt für mich total abrupt und ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Dem Buch hätten da vermutlich mehr Seiten gut getan. So blieben die Figuren eher blass und eindimensional. Für mich kein Buch, welches man gelesen haben muss.
Auf dieses Buch bin ich durch einige sehr positive Meinungen gestoßen, die sich für mich bestätigt haben. Der Text ist sehr stark, poetisch und voller Bilder. Oft drastisch und manchmal sehr stark. Thematisiert wird eine kaputte Mutter-Sohn-Beziehung, wobei in einem letzten gemeinsamen Sommer in Frankreich neben dem anfänglich im Vordergrund stehenden Hass auch zärtliche und liebevolle Seiten zum Vorschein kommen. All das ist klar und ohne viel Pathetik erzählt. Das Buch besteht aus kurzen Abschnitten, in denen vieles angedeutet und nicht unbedingt auserzählt wird. Den Zeitsprüngen kann man dabei gut folgen.
Ein wirklich kraftvolles und derbes Buch. Vor allem in der Art des Schreibens. Empfehlung!
In diesem Buch geht es um eine Mutter Sohn Geschichte. Die aber vor allem durch Hass getrieben wird. Relativ schnell wird klar was Sohn Aleksy von seiner Mutter hält. Dies wird teilweise derb und auch mit ein paar philosophischen angehauchten Stellen Relativ klar. Auch wenn man das Buch durch hat und merkt wo man hergekommen ist. Und wie sich die Geschichte, das zwischenmenschlichen und vor allem die Beziehung verändert hat. Es war mal ein ganz anderes Leseerlebnis.
Aleksy ist unser Erzähler, der in Rückblenden von seiner Familie erzählt. Besonders geht er auf einen bestimmten Sommer ein, den er zusammen mit seiner Mutter,im Alter von 17 Jahren, in Frankreich verbringt. Die Geschichte beginnt damit, dass unser Protagonist hasserfüllt gegenüber seiner Mutter ist. Uns als lesende stellt sich mit jeder Seite der Geschichte dar, wie es dazu kommen konnte. Welch Schicksal dazu führte, dass eine ganze Familie auseinanderbrach. Wie sehr sich Trauer und Leid ausbreiten können und wie sehr ein Verlust zu vielen weiteren Verlusten führen kann. Die Autorin zeigt mit ihrem liebevollen, poetischen und metaphorischen Schreibstil, wie stark trotz allen Ungerechtigkeiten und Schicksalen im Leben, trotz allen Leids und Qualen die Essenz der Menschen die Liebe und Hoffnung ist. Aber nicht auf kitschige, sondern auf eine sehr realistische und nachvollziehbare Weise. Ich konnte das ganze Leid der Familie spüren . Aber eben auch die tiefe Liebe, die gerade Familie verbindet. Ich möchte sehr gerne noch „Der Garten aus Glas“ lesen. Die Autorin hat extremes Talent meiner Meinung nach ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Habe ich den Roman „Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte“ von Tatiana Tîbuleac (ü: Ernest Wichner) irgendwie nicht richtig verstanden? Der Roman wurde gefördert und viele haben ihn so gut bewertet, ich habe mich aber größtenteils nur aufgeregt. Der Protagonist Aleksy spricht so gewaltvoll und negativ über alle, insbesondere seine Mutter. Frauen werden generell auch immer wieder abgewertet und dargestellt als dick, dumm, die Hure, die Alte, die mit den großen Titten etc. Ja, er braucht seine Medikamente, aber ne… Auch seine Wandlung habe ich ihm nicht abgekauft: Aleksy ist anfangs in einer Erziehungsanstalt, hasst seine Mutter, verbringt schließlich einen Sommer mit ihr, kümmert sich um sie und wird später ein bekannter Maler - und spricht leider weiterhin wie ein Ar*chloch. Andere berichten über eine „zarte, liebevolle, poetische Sprache“ - die habe ich leider nicht gefühlt. Liebe habe ich seinerseits überhaupt keine gespürt, weder der Mutter noch Moira gegenüber. Das Thema Behinderung wurde mMn auch viel zu abwertend aufgegriffen und verarbeitet. Ich hätte direkt abbrechen sollen, hatte aber noch Hoffnung, ein paar Infos zur Schwester oder Moira zu bekommen - die gab es aber nicht. Kein Buch, das man lesen muss.
Eine schmerzerfüllte Geschichte der Vergebung und Heilung Lebenshighlight
Die Geschichte um Aleksy und seine Mutter hat mich zutiefst getroffen und viel mit mir gemacht. Es ist ein Leidensweg, den man bestreiten muss um zu wundervoll tröstlichen, versöhnlichen aber nichtsdestotrotz traurigen Momenten aus der Biografie dieser Mutter-Sohn-Beziehung zu gelangen. Das Buch zeigt, welche Folgen ein verspieltes, zerbrochenes Kinderherz im weiteren Lebenslauf haben kann. Wie viel Wut sich gegen die eigene Mutter richten kann, auf deren Liebe man angewiesen war, aber nicht bekam. Tiefliegender Hass, Vorwürfe und eine verlorene Kindheit. Doch die Autorin öffnet den Blick und zeigt hinter all dem fatalen Versagen einer Mutter, den Menschen dahinter. Denn Versagen ist menschlich. Trauma entsteht durch Trauma und Vergebung ist ein Akt der (Selbst)Liebe und ein Schlüssel zur Befreiung. Die erst laute, aggressive Welle der Gefühle wandelt sich in eine zarte neue Annäherung zwischen Sohn und Mutter und diese Wandlung mit all den Erkenntnissen, die sie den Protagonisten brachte, tat weh und unfassbar gut zugleich. Die Sprache ist poetisch und symbolträchtig. Ein Lebenshighlight und definitiv eine neue Autorin für mich.
"An dem Morgen, an dem ich sie mehr hasste als je zuvor, hatte Mutter ihr neununddreißigstes Jahr vollendet."
Mit diesen Worten beginnt der Roman. Der Hass und die Wut Aleksys auf seine Mutter sind zu Beginn in jedem Satz so deutlich spürbar, dass mir anfangs fast unbehaglich während des Lesens war. Umso schöner war es die behutsame Wandlung der Figuren mitzuerleben. Der Schreibstil ist hervorragend. Rau, schonungslos aber auch leise und zart, fast schon poetisch. Es stecken so viel Schmerz, Wut, Trauer und Sehnsucht zwischen den Seiten und ich war absolut nicht darauf vorbereitet, mit welcher Wucht mich dieses Werk emotional treffen würde. Und trotzdem (und hier zeigt sich, dass die Autorin ihr Handwerk meisterhaft beherrscht) war es für mich eine so unglaublich große Freude dieses Buch zu lesen. Ein kleines todrauriges und gleichzeitig wunderschönes Buch mit großer Durchschlagskraft. Es wird mich definitiv noch sehr lange begleiten.
Eine sehr besondere Geschichte. In die Erzählweise musste ich mich erst einfinden. Gerade der Anfang fiel mir schwer mich mit der Sprache, den Beschreibungen und Andeutungen zurecht zu finden. Und gerade diese Art war es dann was das Buch so besonders und berührend für mich machte. Sehr empfehlenswert
Eine zerrissene Mutter-Sohn-Beziehung
„An dem Morgen, an dem ich sie mehr hasste als je zuvor, hatte Mutter ihr neununddreißigstes Jahr vollendet. Sie war klein und dick, dumm und hässlich. Die nutzloseste Mutter, die es je gab.“ Mit diesen drastischen Worten beginnt Tatiana Țîbuleac ihren Roman – kompromisslos, schmerzhaft direkt und voller Ambivalenz. Das Buch konfrontiert mit familiären Verletzungen, bitteren Erinnerungen und dem späten Versuch einer vorsichtigen Annäherung. Im Mittelpunkt steht Aleksy, ein Jugendlicher mit psychischen Problemen, der auf Wunsch seiner Mutter einen letzten Sommer mit ihr in Südfrankreich verbringt. Die beiden sind sich entfremdet, verbunden höchstens durch eine gemeinsame Vergangenheit voller Kränkungen. Und doch beginnt - fast unmerklich - eine vorsichtige Bewegung aufeinander zu. Eine der zentralen Fragen, die sich beim Lesen stellt, ist die nach der Zielgruppe: Für wen ist dieses Buch eigentlich geschrieben? Als Jugendroman gelesen, erscheint vieles stimmiger: Die stilistische Verdichtung, die symbolisch aufgeladene Sprache, die abrupte Wandlung zwischen Ablehnung und Nähe – all das lässt sich als Ausdruck innerer Reifeprozesse deuten. In diesem Kontext wirkt der Text wie ein literarischer Versuch, komplexe Themen wie Schuld, Vergebung und Tod auf intensive, zugespitzte Weise greifbar zu machen. Sollte sich der Roman jedoch primär an erwachsene Leser richten, wird die psychologische Entwicklung zwischen Aleksy und seiner Mutter zur Schwachstelle. Der Wandel von abgrundtiefer Verachtung hin zu einer Art zaghafter Versöhnung erfolgt schnell, oft zwischen den Zeilen, manchmal nur angedeutet. Die emotionale Logik bleibt fragmentarisch, wichtige Übergänge fehlen oder bleiben unausgesprochen. Was sich an Nähe aufbaut, wirkt dadurch stellenweise eher konstruiert als innerlich nachvollziehbar. Auch die Mutterfigur bleibt über weite Strecken schemenhaft. Sie erscheint vor allem als Projektionsfläche für Aleksys Wut, Schmerz und Schuldgefühle. Nur in wenigen Momenten gewinnt sie Kontur – und gerade diese Szenen gehören zu den stärksten des Romans. Gleichwohl gibt es zahlreiche starke Passagen: zarte Erinnerungsbilder, leise Gesten, kurze Augenblicke von Nähe. In diesen Augenblicken bricht Aleksys Fassade auf, und die Ambivalenz der Beziehung wird spürbar. Fazit: Als Jugendroman überzeugt „Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte“ mit stilistischer Kraft und emotionaler Direktheit. Wird er jedoch als Erwachsenenliteratur gelesen, bleibt die Entwicklung der Figuren zu vage.
Aleksy hasst seine Mutter. Er hasst, was sie ihm als Kind angetan hat und nun hasst er alles was sie tut und verkörpert. Dennoch lässt er sich nach seinem Schulabschluss mit ihr auf einen Urlaub in Nordfrankreich ein – nur sie beide in einer alten Ferienhütte, konfrontiert mit ihrer Beziehung, ihren Versäumnissen und der begrenzten Zeit, die ihnen noch bleibt. Erst später wird deutlich, dass wir ein Manuskript des älteren Aleksy lesen, der versucht, diesen Sommer in Worten festzuhalten. Was davor und danach geschah, erfahren wir nur andeutungsweise. Noch nie hat mir jemand mit einer Geschichte so wunderschön das Herz zerrissen wie Tatiana Tabuleac. Ich könnte noch immer heulen, wenn ich an den Sommerurlaub mit Aleksy und seiner Mutter denke. Die unglaublich bildreiche und poetische, gleichzeitig doch leicht zugängliche Sprache ist einzigartig, die sich sanft wandelnde Dynamik zwischen Mutter und Sohn hat mich berührt wie keine andere. Die subtilen Gesten, das zart aufkommende Kümmern und füreinander Dasein, dabei die Unaufhaltsamkeit der Zeit und das sich Ergeben in das eigene Schicksal. Leuchtende Bilder, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben, von Sonnenblumen- und Klatschmohnfeldern, von Pflaumen, Äpfeln und Popcorn, von wieder und wieder grün gestrichenen Fensterläden. Nichts als Liebe für dieses Buch!
DER SOMMER, ALS MUTTER GRÜNE AUGEN HATTE Tatiana Tîbuleac Der 17-jährige Aleksy ist voller Hass. Er hasst sein ganzes Leben, aber besonders seine Mutter. Er beschimpft, verachtet und beleidigt sie ununterbrochen. Am liebsten würde er sie totschlagen, aber dann wird er wieder weggesperrt. Auch das Aussehen seiner Mutter ekelt ihn an, einzig ihre grünen Augen sind wunderschön - ein Versehen der Natur. Er bekommt Tabletten gegen seine Wut verschrieben, nimmt diese aber nicht regelmäßig ein. Seit Wochen freut er sich darauf, mit seinen Kumpels nach Amsterdam zu reisen. Nur der Gedanke an diese Reise lässt ihn die Präsenz seiner hässlichen und beschissenen Mutter ertragen. Doch dann fragt sie ihn, ob er mit ihr über den Sommer nach Frankreich fahren würde. Er bekäme auch nach ihrer Reise ihr Auto und ihr ganzes Geld geschenkt. Natürlich kann Aleksy so ein Angebot nicht abschlagen, denn er möchte dringend ein Auto haben. Dieser gemeinsame Sommer in Frankreich wird jedoch alles verändern. „Mutters Augen weinten nach innen.“ (S. 55) Was für ein Buch! Von euch in den Himmel gehypt und ich hätte es am liebsten abgebrochen. Diese Gewalt gegenüber der Mutter traf mich bis in den tiefsten Nerv. Doch ich war unterwegs, hatte nichts anderes zum Lesen dabei und was macht man dann? Weiterlesen! Und dann passierte es: Mit einer Wucht, die ich nicht für möglich gehalten hätte, wurde ich in das Buch gesogen. So gut - liebevoll, fein, ja, fast poetisch. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Kleiner Minuspunkt: Lediglich über die Schwester und den Unfall hätte ich gerne mehr Informationen haben wollen. Fazit: Ein schmales Buch - kraftvoll, eindrücklich und sprachlich gewandt, einfach klasse. Ein starkes Debüt. 4/ 5

Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Tatiana Țîbuleac, geboren 1978 in Chişinău in der heutigen Republik Moldawien, studierte Journalismus und Kommunikation. Sie arbeitete als Journalistin für Fernsehen und Zeitschriften sowie für UNICEF. Seit 2008 lebt sie als Schriftstellerin in Paris. Ihr erster Roman, Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte, wurde vielfach preisgekrönt. 2019 wurde sie für Der Glasgarten mit dem Literaturpreis der EU ausgezeichnet.
Beiträge
Die Verwandlung nehme ich dem Protagonisten nicht ab
Puh, das war anstrengend. Der 17jährige Protagonist verbringt mit seiner verhassten Mutter einen letzten Sommer in Frankreich, bevor diese an Krebs stirbt. Er ist von Hass regelrecht zerfressen, nicht nur seiner Mutter gegenüber, sondern generell allen Frauen und auch einigen Männern. In der Vergangenheit und der Familienhistorie gab es Unglücke, die nicht verarbeitet wurden. Gleichzeitig hat er ein extremes Aggressionsproblem. Als er dann erfährt, was mit seiner Mutter ist wandelt er sich um 180 Grad. Dieser Wandel kommt für mich total abrupt und ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Dem Buch hätten da vermutlich mehr Seiten gut getan. So blieben die Figuren eher blass und eindimensional. Für mich kein Buch, welches man gelesen haben muss.
Auf dieses Buch bin ich durch einige sehr positive Meinungen gestoßen, die sich für mich bestätigt haben. Der Text ist sehr stark, poetisch und voller Bilder. Oft drastisch und manchmal sehr stark. Thematisiert wird eine kaputte Mutter-Sohn-Beziehung, wobei in einem letzten gemeinsamen Sommer in Frankreich neben dem anfänglich im Vordergrund stehenden Hass auch zärtliche und liebevolle Seiten zum Vorschein kommen. All das ist klar und ohne viel Pathetik erzählt. Das Buch besteht aus kurzen Abschnitten, in denen vieles angedeutet und nicht unbedingt auserzählt wird. Den Zeitsprüngen kann man dabei gut folgen.
Ein wirklich kraftvolles und derbes Buch. Vor allem in der Art des Schreibens. Empfehlung!
In diesem Buch geht es um eine Mutter Sohn Geschichte. Die aber vor allem durch Hass getrieben wird. Relativ schnell wird klar was Sohn Aleksy von seiner Mutter hält. Dies wird teilweise derb und auch mit ein paar philosophischen angehauchten Stellen Relativ klar. Auch wenn man das Buch durch hat und merkt wo man hergekommen ist. Und wie sich die Geschichte, das zwischenmenschlichen und vor allem die Beziehung verändert hat. Es war mal ein ganz anderes Leseerlebnis.
Aleksy ist unser Erzähler, der in Rückblenden von seiner Familie erzählt. Besonders geht er auf einen bestimmten Sommer ein, den er zusammen mit seiner Mutter,im Alter von 17 Jahren, in Frankreich verbringt. Die Geschichte beginnt damit, dass unser Protagonist hasserfüllt gegenüber seiner Mutter ist. Uns als lesende stellt sich mit jeder Seite der Geschichte dar, wie es dazu kommen konnte. Welch Schicksal dazu führte, dass eine ganze Familie auseinanderbrach. Wie sehr sich Trauer und Leid ausbreiten können und wie sehr ein Verlust zu vielen weiteren Verlusten führen kann. Die Autorin zeigt mit ihrem liebevollen, poetischen und metaphorischen Schreibstil, wie stark trotz allen Ungerechtigkeiten und Schicksalen im Leben, trotz allen Leids und Qualen die Essenz der Menschen die Liebe und Hoffnung ist. Aber nicht auf kitschige, sondern auf eine sehr realistische und nachvollziehbare Weise. Ich konnte das ganze Leid der Familie spüren . Aber eben auch die tiefe Liebe, die gerade Familie verbindet. Ich möchte sehr gerne noch „Der Garten aus Glas“ lesen. Die Autorin hat extremes Talent meiner Meinung nach ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Habe ich den Roman „Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte“ von Tatiana Tîbuleac (ü: Ernest Wichner) irgendwie nicht richtig verstanden? Der Roman wurde gefördert und viele haben ihn so gut bewertet, ich habe mich aber größtenteils nur aufgeregt. Der Protagonist Aleksy spricht so gewaltvoll und negativ über alle, insbesondere seine Mutter. Frauen werden generell auch immer wieder abgewertet und dargestellt als dick, dumm, die Hure, die Alte, die mit den großen Titten etc. Ja, er braucht seine Medikamente, aber ne… Auch seine Wandlung habe ich ihm nicht abgekauft: Aleksy ist anfangs in einer Erziehungsanstalt, hasst seine Mutter, verbringt schließlich einen Sommer mit ihr, kümmert sich um sie und wird später ein bekannter Maler - und spricht leider weiterhin wie ein Ar*chloch. Andere berichten über eine „zarte, liebevolle, poetische Sprache“ - die habe ich leider nicht gefühlt. Liebe habe ich seinerseits überhaupt keine gespürt, weder der Mutter noch Moira gegenüber. Das Thema Behinderung wurde mMn auch viel zu abwertend aufgegriffen und verarbeitet. Ich hätte direkt abbrechen sollen, hatte aber noch Hoffnung, ein paar Infos zur Schwester oder Moira zu bekommen - die gab es aber nicht. Kein Buch, das man lesen muss.
Eine schmerzerfüllte Geschichte der Vergebung und Heilung Lebenshighlight
Die Geschichte um Aleksy und seine Mutter hat mich zutiefst getroffen und viel mit mir gemacht. Es ist ein Leidensweg, den man bestreiten muss um zu wundervoll tröstlichen, versöhnlichen aber nichtsdestotrotz traurigen Momenten aus der Biografie dieser Mutter-Sohn-Beziehung zu gelangen. Das Buch zeigt, welche Folgen ein verspieltes, zerbrochenes Kinderherz im weiteren Lebenslauf haben kann. Wie viel Wut sich gegen die eigene Mutter richten kann, auf deren Liebe man angewiesen war, aber nicht bekam. Tiefliegender Hass, Vorwürfe und eine verlorene Kindheit. Doch die Autorin öffnet den Blick und zeigt hinter all dem fatalen Versagen einer Mutter, den Menschen dahinter. Denn Versagen ist menschlich. Trauma entsteht durch Trauma und Vergebung ist ein Akt der (Selbst)Liebe und ein Schlüssel zur Befreiung. Die erst laute, aggressive Welle der Gefühle wandelt sich in eine zarte neue Annäherung zwischen Sohn und Mutter und diese Wandlung mit all den Erkenntnissen, die sie den Protagonisten brachte, tat weh und unfassbar gut zugleich. Die Sprache ist poetisch und symbolträchtig. Ein Lebenshighlight und definitiv eine neue Autorin für mich.
"An dem Morgen, an dem ich sie mehr hasste als je zuvor, hatte Mutter ihr neununddreißigstes Jahr vollendet."
Mit diesen Worten beginnt der Roman. Der Hass und die Wut Aleksys auf seine Mutter sind zu Beginn in jedem Satz so deutlich spürbar, dass mir anfangs fast unbehaglich während des Lesens war. Umso schöner war es die behutsame Wandlung der Figuren mitzuerleben. Der Schreibstil ist hervorragend. Rau, schonungslos aber auch leise und zart, fast schon poetisch. Es stecken so viel Schmerz, Wut, Trauer und Sehnsucht zwischen den Seiten und ich war absolut nicht darauf vorbereitet, mit welcher Wucht mich dieses Werk emotional treffen würde. Und trotzdem (und hier zeigt sich, dass die Autorin ihr Handwerk meisterhaft beherrscht) war es für mich eine so unglaublich große Freude dieses Buch zu lesen. Ein kleines todrauriges und gleichzeitig wunderschönes Buch mit großer Durchschlagskraft. Es wird mich definitiv noch sehr lange begleiten.
Eine sehr besondere Geschichte. In die Erzählweise musste ich mich erst einfinden. Gerade der Anfang fiel mir schwer mich mit der Sprache, den Beschreibungen und Andeutungen zurecht zu finden. Und gerade diese Art war es dann was das Buch so besonders und berührend für mich machte. Sehr empfehlenswert
Eine zerrissene Mutter-Sohn-Beziehung
„An dem Morgen, an dem ich sie mehr hasste als je zuvor, hatte Mutter ihr neununddreißigstes Jahr vollendet. Sie war klein und dick, dumm und hässlich. Die nutzloseste Mutter, die es je gab.“ Mit diesen drastischen Worten beginnt Tatiana Țîbuleac ihren Roman – kompromisslos, schmerzhaft direkt und voller Ambivalenz. Das Buch konfrontiert mit familiären Verletzungen, bitteren Erinnerungen und dem späten Versuch einer vorsichtigen Annäherung. Im Mittelpunkt steht Aleksy, ein Jugendlicher mit psychischen Problemen, der auf Wunsch seiner Mutter einen letzten Sommer mit ihr in Südfrankreich verbringt. Die beiden sind sich entfremdet, verbunden höchstens durch eine gemeinsame Vergangenheit voller Kränkungen. Und doch beginnt - fast unmerklich - eine vorsichtige Bewegung aufeinander zu. Eine der zentralen Fragen, die sich beim Lesen stellt, ist die nach der Zielgruppe: Für wen ist dieses Buch eigentlich geschrieben? Als Jugendroman gelesen, erscheint vieles stimmiger: Die stilistische Verdichtung, die symbolisch aufgeladene Sprache, die abrupte Wandlung zwischen Ablehnung und Nähe – all das lässt sich als Ausdruck innerer Reifeprozesse deuten. In diesem Kontext wirkt der Text wie ein literarischer Versuch, komplexe Themen wie Schuld, Vergebung und Tod auf intensive, zugespitzte Weise greifbar zu machen. Sollte sich der Roman jedoch primär an erwachsene Leser richten, wird die psychologische Entwicklung zwischen Aleksy und seiner Mutter zur Schwachstelle. Der Wandel von abgrundtiefer Verachtung hin zu einer Art zaghafter Versöhnung erfolgt schnell, oft zwischen den Zeilen, manchmal nur angedeutet. Die emotionale Logik bleibt fragmentarisch, wichtige Übergänge fehlen oder bleiben unausgesprochen. Was sich an Nähe aufbaut, wirkt dadurch stellenweise eher konstruiert als innerlich nachvollziehbar. Auch die Mutterfigur bleibt über weite Strecken schemenhaft. Sie erscheint vor allem als Projektionsfläche für Aleksys Wut, Schmerz und Schuldgefühle. Nur in wenigen Momenten gewinnt sie Kontur – und gerade diese Szenen gehören zu den stärksten des Romans. Gleichwohl gibt es zahlreiche starke Passagen: zarte Erinnerungsbilder, leise Gesten, kurze Augenblicke von Nähe. In diesen Augenblicken bricht Aleksys Fassade auf, und die Ambivalenz der Beziehung wird spürbar. Fazit: Als Jugendroman überzeugt „Der Sommer, als Mutter grüne Augen hatte“ mit stilistischer Kraft und emotionaler Direktheit. Wird er jedoch als Erwachsenenliteratur gelesen, bleibt die Entwicklung der Figuren zu vage.
Aleksy hasst seine Mutter. Er hasst, was sie ihm als Kind angetan hat und nun hasst er alles was sie tut und verkörpert. Dennoch lässt er sich nach seinem Schulabschluss mit ihr auf einen Urlaub in Nordfrankreich ein – nur sie beide in einer alten Ferienhütte, konfrontiert mit ihrer Beziehung, ihren Versäumnissen und der begrenzten Zeit, die ihnen noch bleibt. Erst später wird deutlich, dass wir ein Manuskript des älteren Aleksy lesen, der versucht, diesen Sommer in Worten festzuhalten. Was davor und danach geschah, erfahren wir nur andeutungsweise. Noch nie hat mir jemand mit einer Geschichte so wunderschön das Herz zerrissen wie Tatiana Tabuleac. Ich könnte noch immer heulen, wenn ich an den Sommerurlaub mit Aleksy und seiner Mutter denke. Die unglaublich bildreiche und poetische, gleichzeitig doch leicht zugängliche Sprache ist einzigartig, die sich sanft wandelnde Dynamik zwischen Mutter und Sohn hat mich berührt wie keine andere. Die subtilen Gesten, das zart aufkommende Kümmern und füreinander Dasein, dabei die Unaufhaltsamkeit der Zeit und das sich Ergeben in das eigene Schicksal. Leuchtende Bilder, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben, von Sonnenblumen- und Klatschmohnfeldern, von Pflaumen, Äpfeln und Popcorn, von wieder und wieder grün gestrichenen Fensterläden. Nichts als Liebe für dieses Buch!
DER SOMMER, ALS MUTTER GRÜNE AUGEN HATTE Tatiana Tîbuleac Der 17-jährige Aleksy ist voller Hass. Er hasst sein ganzes Leben, aber besonders seine Mutter. Er beschimpft, verachtet und beleidigt sie ununterbrochen. Am liebsten würde er sie totschlagen, aber dann wird er wieder weggesperrt. Auch das Aussehen seiner Mutter ekelt ihn an, einzig ihre grünen Augen sind wunderschön - ein Versehen der Natur. Er bekommt Tabletten gegen seine Wut verschrieben, nimmt diese aber nicht regelmäßig ein. Seit Wochen freut er sich darauf, mit seinen Kumpels nach Amsterdam zu reisen. Nur der Gedanke an diese Reise lässt ihn die Präsenz seiner hässlichen und beschissenen Mutter ertragen. Doch dann fragt sie ihn, ob er mit ihr über den Sommer nach Frankreich fahren würde. Er bekäme auch nach ihrer Reise ihr Auto und ihr ganzes Geld geschenkt. Natürlich kann Aleksy so ein Angebot nicht abschlagen, denn er möchte dringend ein Auto haben. Dieser gemeinsame Sommer in Frankreich wird jedoch alles verändern. „Mutters Augen weinten nach innen.“ (S. 55) Was für ein Buch! Von euch in den Himmel gehypt und ich hätte es am liebsten abgebrochen. Diese Gewalt gegenüber der Mutter traf mich bis in den tiefsten Nerv. Doch ich war unterwegs, hatte nichts anderes zum Lesen dabei und was macht man dann? Weiterlesen! Und dann passierte es: Mit einer Wucht, die ich nicht für möglich gehalten hätte, wurde ich in das Buch gesogen. So gut - liebevoll, fein, ja, fast poetisch. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Kleiner Minuspunkt: Lediglich über die Schwester und den Unfall hätte ich gerne mehr Informationen haben wollen. Fazit: Ein schmales Buch - kraftvoll, eindrücklich und sprachlich gewandt, einfach klasse. Ein starkes Debüt. 4/ 5
















