Der Horizont der Nacht
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Gianrico Carofiglio, geboren 1961 in Bari, arbeitete als Richter, Senator und Anti-Mafia- Staatsanwalt und beschäftigte sich schon früh intensiv mit Verhörtechniken und Aussagepsychologie. Ihn faszinieren die Tiefen der menschlichen Seele, die Ursachen einer Straftat, die Kluft zwischen Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, der Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Er besitzt den schwarzen Gürtel 6. Dan in Karate und kritisiert die westliche Kultur des Narzissmus. Seine Bucher, inzwischen millionenfach verkauft, sind in 28 Sprachen übersetzt.
Beiträge
Man nennt ihn nicht umsonst den italienischen John Grisham. Der Stil ist ähnlich, die Geschichten spannend. Und wie bei Grisham geht es nicht um Schuld, sondern darum welcher Mensch hinter der Straftat steht, welche Umstände herrschen. Nicht selten wechselt dann die Sympathie des Lesers auf die Seite des vermeintlich Kriminellen. Wer noch keinen Carofiglio gelesen hat, sollte das nachholen.
Gianrico Carofiglios „Der Horizont der Nacht“ ist ein Kriminalroman, der weit mehr ist als ein klassisches Gerichtsdrama. Es ist ein Buch über Schuld und Wahrheit, über Zweifel und Selbstbefragung – und über die fragile Konstruktion dessen, was wir für Gewissheit halten. Im Zentrum steht der Strafverteidiger Guido Guerrieri, der die Verteidigung von Elvira Castell übernimmt. Sie hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen und die Tat gestanden. Die Fakten scheinen eindeutig, doch schnell wird klar: Ein Geständnis ist nicht zwangsläufig die Wahrheit. War es vorsätzlicher Mord – oder Notwehr? Für Guerrieri hängt alles von dieser Unterscheidung ab, denn sie entscheidet über lebenslange Haft oder Freispruch. Carofiglio verwebt zwei Erzählstränge auf meisterhafte Weise. Da ist zum einen der Gerichtsprozess, sachlich, präzise und mit großer juristischer Detailkenntnis geschildert. Hier spürt man die berufliche Erfahrung des Autors, der selbst Richter und Staatsanwalt war. Die Szenen im Gerichtssaal wirken authentisch und fast filmisch, die Argumentationsstrategien sind klug konstruiert, und die Spannung entsteht weniger durch spektakuläre Wendungen als durch psychologische Nuancen. Zum anderen begleitet man Guerrieri in seinen persönlichen Krisen. Der 57-jährige Anwalt befindet sich in einer Phase des Zweifelns. Er sucht einen Psychotherapeuten auf, reflektiert seine Vergangenheit, seine Motive und seine Erschöpfung. Diese Gespräche bilden einen ruhigen, philosophischen Gegenpol zum Prozessgeschehen. Besonders eindrucksvoll sind die nächtlichen Streifzüge durch Bari, bei denen Guerrieri über Schuld, Identität und die Relativität von Wahrheit nachdenkt. Die Hafenstadt wird dabei mehr als nur Kulisse – sie ist Resonanzraum seiner inneren Unruhe. Stilistisch überzeugt der Roman durch Klarheit und Präzision. Carofiglio schreibt zugänglich, aber mit intellektueller Schärfe. Er verzichtet auf künstliche Cliffhanger oder effekthascherische Perspektivwechsel. Die Spannung speist sich aus der Tiefe der Figuren und der moralischen Ambivalenz des Falls. Gerade das macht das Buch zu einem besonderen Vertreter des Genres. „Der Horizont der Nacht“ ist kein Krimi für Leserinnen und Leser, die ausschließlich Action oder spektakuläre Twists erwarten. Es ist ein nachdenklicher, melancholischer Justizroman, der Fragen stellt, statt einfache Antworten zu liefern. Kann man Erinnerungen trauen? Ist Schuld objektiv oder abhängig vom Blickwinkel? Und wie sehr rechtfertigen wir im Nachhinein Entscheidungen, die wir längst getroffen haben? Carofiglio gelingt es, diese existenziellen Themen organisch in die Handlung einzubetten. So entsteht ein Roman, der nicht nur unterhält, sondern nachhaltig beschäftigt. Ein intelligentes, psychologisch dichtes Werk – und ein eindrucksvoller Beitrag zur Reihe um Guido Guerrieri. Für Leserinnen und Leser, die Kriminalliteratur mit philosophischer Tiefe schätzen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull.

Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Gianrico Carofiglio, geboren 1961 in Bari, arbeitete als Richter, Senator und Anti-Mafia- Staatsanwalt und beschäftigte sich schon früh intensiv mit Verhörtechniken und Aussagepsychologie. Ihn faszinieren die Tiefen der menschlichen Seele, die Ursachen einer Straftat, die Kluft zwischen Wahrheit, Recht und Gerechtigkeit, der Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Er besitzt den schwarzen Gürtel 6. Dan in Karate und kritisiert die westliche Kultur des Narzissmus. Seine Bucher, inzwischen millionenfach verkauft, sind in 28 Sprachen übersetzt.
Beiträge
Man nennt ihn nicht umsonst den italienischen John Grisham. Der Stil ist ähnlich, die Geschichten spannend. Und wie bei Grisham geht es nicht um Schuld, sondern darum welcher Mensch hinter der Straftat steht, welche Umstände herrschen. Nicht selten wechselt dann die Sympathie des Lesers auf die Seite des vermeintlich Kriminellen. Wer noch keinen Carofiglio gelesen hat, sollte das nachholen.
Gianrico Carofiglios „Der Horizont der Nacht“ ist ein Kriminalroman, der weit mehr ist als ein klassisches Gerichtsdrama. Es ist ein Buch über Schuld und Wahrheit, über Zweifel und Selbstbefragung – und über die fragile Konstruktion dessen, was wir für Gewissheit halten. Im Zentrum steht der Strafverteidiger Guido Guerrieri, der die Verteidigung von Elvira Castell übernimmt. Sie hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen und die Tat gestanden. Die Fakten scheinen eindeutig, doch schnell wird klar: Ein Geständnis ist nicht zwangsläufig die Wahrheit. War es vorsätzlicher Mord – oder Notwehr? Für Guerrieri hängt alles von dieser Unterscheidung ab, denn sie entscheidet über lebenslange Haft oder Freispruch. Carofiglio verwebt zwei Erzählstränge auf meisterhafte Weise. Da ist zum einen der Gerichtsprozess, sachlich, präzise und mit großer juristischer Detailkenntnis geschildert. Hier spürt man die berufliche Erfahrung des Autors, der selbst Richter und Staatsanwalt war. Die Szenen im Gerichtssaal wirken authentisch und fast filmisch, die Argumentationsstrategien sind klug konstruiert, und die Spannung entsteht weniger durch spektakuläre Wendungen als durch psychologische Nuancen. Zum anderen begleitet man Guerrieri in seinen persönlichen Krisen. Der 57-jährige Anwalt befindet sich in einer Phase des Zweifelns. Er sucht einen Psychotherapeuten auf, reflektiert seine Vergangenheit, seine Motive und seine Erschöpfung. Diese Gespräche bilden einen ruhigen, philosophischen Gegenpol zum Prozessgeschehen. Besonders eindrucksvoll sind die nächtlichen Streifzüge durch Bari, bei denen Guerrieri über Schuld, Identität und die Relativität von Wahrheit nachdenkt. Die Hafenstadt wird dabei mehr als nur Kulisse – sie ist Resonanzraum seiner inneren Unruhe. Stilistisch überzeugt der Roman durch Klarheit und Präzision. Carofiglio schreibt zugänglich, aber mit intellektueller Schärfe. Er verzichtet auf künstliche Cliffhanger oder effekthascherische Perspektivwechsel. Die Spannung speist sich aus der Tiefe der Figuren und der moralischen Ambivalenz des Falls. Gerade das macht das Buch zu einem besonderen Vertreter des Genres. „Der Horizont der Nacht“ ist kein Krimi für Leserinnen und Leser, die ausschließlich Action oder spektakuläre Twists erwarten. Es ist ein nachdenklicher, melancholischer Justizroman, der Fragen stellt, statt einfache Antworten zu liefern. Kann man Erinnerungen trauen? Ist Schuld objektiv oder abhängig vom Blickwinkel? Und wie sehr rechtfertigen wir im Nachhinein Entscheidungen, die wir längst getroffen haben? Carofiglio gelingt es, diese existenziellen Themen organisch in die Handlung einzubetten. So entsteht ein Roman, der nicht nur unterhält, sondern nachhaltig beschäftigt. Ein intelligentes, psychologisch dichtes Werk – und ein eindrucksvoller Beitrag zur Reihe um Guido Guerrieri. Für Leserinnen und Leser, die Kriminalliteratur mit philosophischer Tiefe schätzen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Aus dem Italienischen von Verena von Koskull.






