Der gewöhnliche Mensch

Der gewöhnliche Mensch

Hardcover
3.83

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Beschreibung

Was, wenn der Traum von einer gerechten Gesellschaft plötzlich vorbei ist? Was ist die richtige Art zu leben? Scharfsinnig und mit abgründigem Witz erzählt die preisgekrönte schwedische Bestsellerautorin Lena Andersson von den Träumen und Lebenslügen einer scheinbar ganz gewöhnlichen schwedischen Familie.

Ragnar Johansson ist Möbeltischler und Werkstattlehrer. Ein kantiger und sehr korrekter Mensch, der stolz darauf ist, als Handwerker einer der Bausteine des schwedischen »Volksheims« zu sein. Er glaubt an den Wohlfahrtsstaat und ist davon überzeugt, dass dieser die Menschheit aus dem finsteren Mittelalter in die Moderne geführt hat. Hatte Schweden nicht in den 1970er Jahren schon die meisten Kindertagesstätten, die geringsten Lohnunterschiede, den größten Filmregisseur, die vorderste Kinderbuchautorin, den besten Slalomläufer, Tennisspieler und die beste Popband? War dieses Leben nicht besser als das seiner Mutter Svea, die aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen stammt? Lange Zeit versucht Ragnars Tochter Elsa, den hohen Idealen ihres Vaters gerecht zu werden. Doch irgendwann schert auch sie aus. Die Zeit, so scheint es Ragnar, ist plötzlich nicht mehr seine.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
288
Preis
24.70 €

Autorenbeschreibung

Lena Andersson, 1970 in Stockholm geboren, gilt als eine der wichtigsten Autorinnen Schwedens. Für den Roman »Widerrechtliche Inbesitznahme« wurde sie mit dem renommierten August-Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre Bücher sind in Schweden allesamt Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Lena Andersson fuhr als Jugendliche jahrelang wettkampfmäßig Ski. Heute lebt sie als Journalistin und Autorin in Stockholm, wo sie sich einen Namen als streitbarste zeitgenössische Kritikerin des Landes gemacht hat.

Beiträge

3
Alle
3.5

Ragnar Johanson ist ehrlich, pflichtbewusst und zutiefst überzeugt vom schwedischen Wohlfahrtsstaat, so tief, dass er seine eigenen jugendlichen Träume aufgibt, um als kleines Rädchen im System seinen Beitrag für das große Ganze zu leisten. Als das große Ganze zu Bröckeln beginnt, geraten auch Ragnars Welt und seine Überzeugungen ins Wanken. Lena Andersson erzählt eingängig und nüchtern die Geschichte von Ragnars Familie und gibt Einblick in das von den schwedischen Sozialdemokraten angestrebte Gesellschaftssystem (sog. Volksheim). Leider kommt die Darstellung des Wandels und der gegenwärtigen Situation in Schweden etwas zu kurz und das Buch endet, wo es am spannendsten gewesen wäre noch etwas mehr in die Tiefe zu gehen.

3

Ich bin etwas hin- und hergerissen, wie ich das Buch einschätzen soll. Auf der einen Seite ist die Familie Johansson mit dem sehr genauen, sehr strengen und sehr fokussierten Vater Ragnar. Er wollte gern mehr in seinem Leben erreichen, aber er scheiterte bzw. er gab (aus meiner Sicht) zu schnell auf und ordnete sich lieber der Gesellschaft unter. Nicht auffallen, der Gesellschaft dienen, den Wohlfahrtsstaat unterstützen. Die Kinder müssen der strengen Erziehung standhalten. Was der Vater nicht geschafft hat, sollen nun die Kinder erreichen. Die Anforderungen an sie sind hoch und das Verständnis für die kindlichen Bedürfnisse eher gering. Auf der anderen Seite wird in diesem Buch die schwedische Politik und Gesellschaft näher beleuchtet und anhand dieser Beispielfamilie dargestellt. Es hatte etwas von einer Sozialstudie in Romanform. Diese geschichtlichen und soziologischen Aspekte der Geschichte fand ich interessant. Man bekam das Gefühl hinter die Kulissen schauen zu können. Beide Seiten wurden miteinander verknüpft. Der Schreibstil der Autorin war recht trocken, kühl und distanziert, so dass ich meine Probleme hatte eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Manche Passagen waren sehr ausschweifend und zäh und dadurch leider auch etwas ermüdend. Es ist kein Roman, der sich zum Schmökern eignet. Man muss sich Zeit nehmen und auf die Geschichte einlassen können. Mich haben die Charaktere (besonders Ragnar) leider kaum erreicht. Für mich waren die gesellschaftlichen und politischen Aspekte und Informationen am interessantesten, da man die Schweden und ihre Einstellungen, Werte und Ansichten besser kennenlernen konnte.

5

Im Jahr 1933 entstand in Schweden die Idee eines modernen Wohlfahrtsstaats, die "Volksheim"-Bewegung. Die Idee: wenn alle gleich sind, geht es allen gut Ragnar Johannson ist begeistert von dieser Idee, ordnet ihr sein ganzes Leben unter- und das seiner Familie gleich mit. Nur nicht auffallen, bescheiden sein, im Strom mitschwimmen. Als Kompensation für dieses Mittelmaß trainiert er seine Kinder zu sportlichen Höchstleistungen. Als diese sich irgendwann weigern, Ihr Leben so zu leben, wie ihr Vater sich das erträumt hat, bricht für Ragnar eine Welt zusammen, er fühlt sich, als gäbe es keinen Platz mehr in der Welt für ihn. Großartig von Antje Ravik Strubel (Buchpreisträgerin 2021) übersetzt erleben wir gemeinsam mit Ragnar Johannsen die Entwicklung des Schwedischen Staates im 20. Jahrhundert mit. Geistreich, tragisch, gewöhnlich und witzig zugleich. 5 Sterne 🙂

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