Dein ist das Reich
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Beschreibung
Ein ungewöhnlicher Familienroman über ein verschwiegenes Kapitel deutscher Geschichte: die Beziehung zwischen christlichem Sendungsbewusstsein, Kolonialismus und Rassismus.
Die alte Linette erzählt ihrer Enkelin von ihren Reisen, von Soldaten, Zauberern und Dämonen in der Südsee. Und die versucht viele Jahre später herauszufinden, was diese Kindheitsmärchen mit der Weltgeschichte zu tun haben. Linette ist nach dem Ersten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert, um für immer dort zu bleiben. Doch dann begegnete sie Johann Hensolt, dem Südsee-Missionar, und folgte dem abenteuerlustigen Mann mit zweifelhafter Vergangenheit nach Neuguinea. Dort, im der ehemals deutschen Kolonie Kaiser-Wilhelmsland, lebt Hensolts Freund Heiner Mohr, elftes Kind einer bayerischen Bauernfamilie, als Plantagenverwalter für die Mission – eine unwürdige Tätigkeit in den Augen seiner Frau Marie, die heimlich davon träumte, Ärztin zu werden, bevor man sie mit Heiner verheiratete. Dein ist das Reich verwebt die emotionalen und politischen Verstrickungen dieser vier jungen Leute zu einem berührenden und erhellenden Familien- und Epochenroman.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Katharina Döbler, Jahrgang 1957, studierte Theaterwissenschaften, experimentierte als Kabarettistin und Punksängerin, schrieb das Theaterstück Schneeziegenmanöver (UA 2000) und Hörspiele. Als Journalistin arbeitet sie für den Rundfunk und Le Monde Diplomatique. 2010 erschien ihr viel beachtetes Romandebüt Die Stille nachdem Gesang. Die Autorin lebt in Berlin.
Beiträge
Wichtiges Thema
Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Großeltern, die Missionare in Papua Neuguinea waren zu Zeiten zwischen den zwei Weltkriegen. Es wirft einen sehr kritischen Blick auf das Thema Kolonialismus, Gottglaube, Rassismus und die Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Familie. Der Schreibstil war leider etwas zäh und hat mir Schwierigkeiten gemacht, an der Geschichte dran zu bleiben.
Interessanter Teil der deutschen Geschichte, aber etwas langatmig
Das Setting in den ehemals deutschen Kolonien in Papua-Neuguinea ist sehr interessant, auch mit Hinblick auf die Familiengeschichte der Autorin, die teilweise in dem Buch verarbeitet ist. Leider hatte das Buch teilweise ein paar Längen und ich musste mich an manchen Stellen etwas quälen. Ein paar Seiten weniger hätten dem Buch wohl gut getan.
Ein unbekanntes Stück deutscher Geschichte
In diesem Roman hat Katharina Döbler die Geschichte ihrer Großeltern aufgeschrieben, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Missionare und Plantagenverwalter ins "Kaiser-Wilhelms-Land", eine deutsche Kolonie in Neuguinea, übersiedelten. Die Personen im Roman wirken seltsam distanziert, aber damit drückt die Autorin die Situation ihrer Familie aus. Aus Anekdoten ihrer Verwandtschaft, die die Vergangenheit sehr verklärt darstellt, ergänzt durch umfangreiche Recherchen, erstellt sie die Geschichte ihrer Großeltern, Eltern und Tanten/Onkel von 1913 bis 1948. Man erfährt sehr viel über das Leben in den Kolonien, über die Schwierigkeiten, die die Menschen vor Ort hatten, das fremde Klima, unterschiedliche Volksstämme, Sprachbarrieren, Krankheiten, Rassismus, die dominante Reichskolonialverwaltung – über allem der Glaube an Gottes Wort, an die Missionierung der Ungläubigen und an die weiße Herrenrasse… Die Kinder, in den 1920er Jahren geboren, werden in der fränkischen Heimat auf Internate gesendet. Man schreibt sich Briefe, die aber sehr sachlich sind, nie die Wahrheit wiedergeben und zudem auf Seiten der Kinder von der Heimleitung zensiert werden. Der letzte Teil des Buches spielt in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, in dem die Familien vertrieben und interniert werden. Die Welt, in der die Großeltern und ihre Kinder lebten, ist danach nicht mehr existent und war im Grunde auch nie so, wie sie sie erlebt haben. Das Buch war schwer zu lesen und nicht übermäßig spannend, beim nachträglichen Reflektieren und durch die Hintergrundinformationen zum Buch wirkt es jedoch sehr intensiv. Man bekommt ein gutes Gefühl, welche transgenerationalen Traumata die Autorin "geerbt" hat. Ein neuer Aspekt der deutschen Geschichte, den ich noch nicht kannte.
Mich hat dieser Roman aufgrund seiner Thematik und seiner wunderbaren und auch schönen Erzählweise auf den ersten Seiten magisch angezogen. Das schwarze Cover mit den farbig-glänzenden Palmwedeln hat mich ebenso fasziniert. Nachdem ich meinen ersten Lesebeginn nach 180 Seiten abgebrochen hatte, habe ich dem Roman ein zweite Chance gegeben und siehe da: in diesem Fall ist die zweite Hälfte des Romans tatsächlich interessanter. Kommt die Geschichte zu Beginn so gar nicht vom Fleck, hat man sich irgendwann eingelesen und beginnt auch, sich auf die ein oder andere Weise in die Figuren einzufühlen. Die Familienhistorie wird einem ebenfalls vertrauter, sodass die wiederkehrende, beständige und lästige Orientierung im Stammbaum entfällt. Sehr gewöhnungbedürftig und nach wie vor eher schwer zu ertragen sind die religiöse Ausrichtung, das frömmelnde Verhalten der Figuren und das sehr dominante Deutschtum, welches natürlich dem damaligen Zeitgeist und den politischen Einflussgrößen geschuldet ist. Dazu kommt ebenso, dass die Figuren alle unter ihrem Fremdsein leiden: in der Kolonie Neuguinea sind sie Fremde, in ständiger Rivalität mit den Niederländern und den Australiern, ohne wirkliche Bindung an die Papua, während sie in der Heimat Deutschland als Exoten gelten, die nicht so recht dazugehören. Die sich entspinnende Geschichte ist nicht immer leicht zu lesen und vermag auch nur punktuell zu fesseln, allerdings wirft sie Licht auf ein Stück Kolonialgeschichte, das hierzulande wohl eher unbekannt ist und regt dadurch zum Nachdenken an. Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat, ist, dass er nicht gefallen will. Die Figuren werden nicht geschönt oder zu Sympathieträgern umgestaltet, allerdings führt diese Darstellung auch zu einer gewissen Distanz zum Text und Geschehen. Insgesamt vor allem wegen des Informationsreichtums ein interessanter Roman, der aber nicht so richtig in Fahrt kommt.
Die Autorin wird hoch gelobt dafür, das sie sich dem Thema deutscher Kolonialismus angenähert hat. Kunststück... da fehlt immer noch so viel Aufarbeitung, das jedes Buch dazu ein Wunder ist. Und ja, ich finde es wichtig, das wir diese Vergangenheit nicht ausblenden. Mein Problem mit dem Buch war dann auch ehrlicherweise einfach der Schreibstil und die Erzählweise. Einmal wird mir ehrlicherweise zu viel einfach nur erzählt. Es wird vieles ausgelassen - was bei einer Familiengeschichte realistisch erscheint, da die Ich-Erzählerin nur Fragmente kennt und daher auch nur diese weiter tragen kann. Das beschreibt auch das Wissen, das oft über die Deutsche Kolonialzeit verbreitet ist. Wenn es überhaupt thematisiert wird. Trotzdem fehlte mir wie soll ich sagen, etwas stärkere Kritik an den Figuren. Außerdem trifft einfach Präsenz als Erzählform überhaupt nicht meinen Geschmack. Um ehrlich zu sein, war ich mehr als einmal versucht abzubrechen, da mich dieses Präsenz langweilt und ich es als sehr langatmige Erzählweise empfinde. Trotzdem beschreibt die Autorin das Weltbild, dieses Koloniale christlich geprägte Denken sehr gut. Dieses Denken, das uns auch heute nach wie vor bestimmt, ob wir das als weiße zugeben wollen oder nicht. Mir persönlich ist es jedenfalls immer wieder aufgefallen, wie durchdrungen wir davon nach wie vor sind. Es ist normal und daher auch schwer zu erkennen. Es ist dafür nicht schwer von dieser Denkweise auch Rückschlüsse auf den Nationalsozialismus zu sehen, diese Denkweise diese Idee überlegen zu sein, das hat der Nationalsozialismus in Deutschland (und anderen Ländern) ja nicht erfunden sondern aufgegriffen. Auch deshalb finde ich es wichtig, die koloniale Vergangenheit endlich auch öffentlich auf zu arbeiten. Romane wie von Katharina Döbler sind dabei wichtig. Aber es scheint als ob das Thema schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Von daher würde ich den Roman trotz meiner Kritikpunkte weiter empfehlen.
In diesem Roman geht es um eine Familiengeschichte, deren erzählte Vergangenheit zurück in die deutsche Kolonialzeit reicht. Bei diesem Roman musste ich mir schnell eingestehen, dass ich mich bei der Einschätzung der Leseprobe tatsächlich sehr geirrt habe. Ich war zu Beginn vom Schreibstil der Autorin angetan. Aber im Laufe des Buches habe ich es nicht geschafft wenigstens ein Kapitel ohne Pause durchzulesen. Es hat mich nicht gefesselt und aufgrund der z. B. fehlenden Anführungszeichen fand ich es anstrengend, zu lesen. Ich hätte andere Bücher am liebsten vorgezogen. Zudem denke ich, dass mehrere Kapitel für diesen Roman sinnvoller gewesen wären. Es gibt Zeitsprünge und eine Vielzahl an Figuren, die durch weitere Kapitel besser hätten strukturiert werden können. Außerdem waren die Übergänge eher ruppig als geschmeidig. Das hat mir etwas die Lesefreude genommen. Zu Beginn wird ein Stammbaum dargestellt, was mich sehr freute und dies eine sehr gute und komplexe Geschichte versprach. Den Stammbaum habe ich definitiv gebraucht. Nicht wegen einer komplexen Familiensaga, sondern vielmehr aufgrund der Figuren an sich. Ich empfand die Figuren als unnahbar und nicht greifbar (Linette bildete vielleicht fast eine Ausnahme). Die Autorin hat durch ihren Schreibstil alle Figuren auf Distanz gehalten. Auch die Geschichte wurde nicht so verfasst, dass man hätte vollends eintauchen können. Der Roman hat nicht den Charakter eines solchen aufgewiesen, sondern eher den eines sachlichen Berichts. Mir fehlten Emotionen. Im Prinzip waren es zu viele Figuren und Schauplätze, da die einzelnen Geschichten bzw. Lebenswege an Qualität eingebüßt haben. Die Idee der Geschichte ist wirklich interessant, nicht zuletzt auch wegen der Thematisierung des deutschen Kolonialismus’ und natürlich ist es eine Abwechslung aufgrund der ausgewählten Orte, weshalb ich auch am Ball blieb. Aber die Umsetzung hat mir weniger gefallen. Von meiner euphorisch bewerteten 5-Sterne-Leseprobe bleibt eine ernüchternde 3-Sterne Rezension zurück. Ich kann dieses Buch nur bedingt empfehlen. —————— Das von mir rezensierte Buch “Dein ist das Reich“ von Katharina Döbler wurde im claassen Verlag unter der ISBN 9783546100090 veröffentlicht. Es kostet 24,00 Euro.
Beschreibung
Ein ungewöhnlicher Familienroman über ein verschwiegenes Kapitel deutscher Geschichte: die Beziehung zwischen christlichem Sendungsbewusstsein, Kolonialismus und Rassismus.
Die alte Linette erzählt ihrer Enkelin von ihren Reisen, von Soldaten, Zauberern und Dämonen in der Südsee. Und die versucht viele Jahre später herauszufinden, was diese Kindheitsmärchen mit der Weltgeschichte zu tun haben. Linette ist nach dem Ersten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert, um für immer dort zu bleiben. Doch dann begegnete sie Johann Hensolt, dem Südsee-Missionar, und folgte dem abenteuerlustigen Mann mit zweifelhafter Vergangenheit nach Neuguinea. Dort, im der ehemals deutschen Kolonie Kaiser-Wilhelmsland, lebt Hensolts Freund Heiner Mohr, elftes Kind einer bayerischen Bauernfamilie, als Plantagenverwalter für die Mission – eine unwürdige Tätigkeit in den Augen seiner Frau Marie, die heimlich davon träumte, Ärztin zu werden, bevor man sie mit Heiner verheiratete. Dein ist das Reich verwebt die emotionalen und politischen Verstrickungen dieser vier jungen Leute zu einem berührenden und erhellenden Familien- und Epochenroman.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Katharina Döbler, Jahrgang 1957, studierte Theaterwissenschaften, experimentierte als Kabarettistin und Punksängerin, schrieb das Theaterstück Schneeziegenmanöver (UA 2000) und Hörspiele. Als Journalistin arbeitet sie für den Rundfunk und Le Monde Diplomatique. 2010 erschien ihr viel beachtetes Romandebüt Die Stille nachdem Gesang. Die Autorin lebt in Berlin.
Beiträge
Wichtiges Thema
Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Großeltern, die Missionare in Papua Neuguinea waren zu Zeiten zwischen den zwei Weltkriegen. Es wirft einen sehr kritischen Blick auf das Thema Kolonialismus, Gottglaube, Rassismus und die Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Familie. Der Schreibstil war leider etwas zäh und hat mir Schwierigkeiten gemacht, an der Geschichte dran zu bleiben.
Interessanter Teil der deutschen Geschichte, aber etwas langatmig
Das Setting in den ehemals deutschen Kolonien in Papua-Neuguinea ist sehr interessant, auch mit Hinblick auf die Familiengeschichte der Autorin, die teilweise in dem Buch verarbeitet ist. Leider hatte das Buch teilweise ein paar Längen und ich musste mich an manchen Stellen etwas quälen. Ein paar Seiten weniger hätten dem Buch wohl gut getan.
Ein unbekanntes Stück deutscher Geschichte
In diesem Roman hat Katharina Döbler die Geschichte ihrer Großeltern aufgeschrieben, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Missionare und Plantagenverwalter ins "Kaiser-Wilhelms-Land", eine deutsche Kolonie in Neuguinea, übersiedelten. Die Personen im Roman wirken seltsam distanziert, aber damit drückt die Autorin die Situation ihrer Familie aus. Aus Anekdoten ihrer Verwandtschaft, die die Vergangenheit sehr verklärt darstellt, ergänzt durch umfangreiche Recherchen, erstellt sie die Geschichte ihrer Großeltern, Eltern und Tanten/Onkel von 1913 bis 1948. Man erfährt sehr viel über das Leben in den Kolonien, über die Schwierigkeiten, die die Menschen vor Ort hatten, das fremde Klima, unterschiedliche Volksstämme, Sprachbarrieren, Krankheiten, Rassismus, die dominante Reichskolonialverwaltung – über allem der Glaube an Gottes Wort, an die Missionierung der Ungläubigen und an die weiße Herrenrasse… Die Kinder, in den 1920er Jahren geboren, werden in der fränkischen Heimat auf Internate gesendet. Man schreibt sich Briefe, die aber sehr sachlich sind, nie die Wahrheit wiedergeben und zudem auf Seiten der Kinder von der Heimleitung zensiert werden. Der letzte Teil des Buches spielt in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, in dem die Familien vertrieben und interniert werden. Die Welt, in der die Großeltern und ihre Kinder lebten, ist danach nicht mehr existent und war im Grunde auch nie so, wie sie sie erlebt haben. Das Buch war schwer zu lesen und nicht übermäßig spannend, beim nachträglichen Reflektieren und durch die Hintergrundinformationen zum Buch wirkt es jedoch sehr intensiv. Man bekommt ein gutes Gefühl, welche transgenerationalen Traumata die Autorin "geerbt" hat. Ein neuer Aspekt der deutschen Geschichte, den ich noch nicht kannte.
Mich hat dieser Roman aufgrund seiner Thematik und seiner wunderbaren und auch schönen Erzählweise auf den ersten Seiten magisch angezogen. Das schwarze Cover mit den farbig-glänzenden Palmwedeln hat mich ebenso fasziniert. Nachdem ich meinen ersten Lesebeginn nach 180 Seiten abgebrochen hatte, habe ich dem Roman ein zweite Chance gegeben und siehe da: in diesem Fall ist die zweite Hälfte des Romans tatsächlich interessanter. Kommt die Geschichte zu Beginn so gar nicht vom Fleck, hat man sich irgendwann eingelesen und beginnt auch, sich auf die ein oder andere Weise in die Figuren einzufühlen. Die Familienhistorie wird einem ebenfalls vertrauter, sodass die wiederkehrende, beständige und lästige Orientierung im Stammbaum entfällt. Sehr gewöhnungbedürftig und nach wie vor eher schwer zu ertragen sind die religiöse Ausrichtung, das frömmelnde Verhalten der Figuren und das sehr dominante Deutschtum, welches natürlich dem damaligen Zeitgeist und den politischen Einflussgrößen geschuldet ist. Dazu kommt ebenso, dass die Figuren alle unter ihrem Fremdsein leiden: in der Kolonie Neuguinea sind sie Fremde, in ständiger Rivalität mit den Niederländern und den Australiern, ohne wirkliche Bindung an die Papua, während sie in der Heimat Deutschland als Exoten gelten, die nicht so recht dazugehören. Die sich entspinnende Geschichte ist nicht immer leicht zu lesen und vermag auch nur punktuell zu fesseln, allerdings wirft sie Licht auf ein Stück Kolonialgeschichte, das hierzulande wohl eher unbekannt ist und regt dadurch zum Nachdenken an. Was mir an diesem Roman besonders gefallen hat, ist, dass er nicht gefallen will. Die Figuren werden nicht geschönt oder zu Sympathieträgern umgestaltet, allerdings führt diese Darstellung auch zu einer gewissen Distanz zum Text und Geschehen. Insgesamt vor allem wegen des Informationsreichtums ein interessanter Roman, der aber nicht so richtig in Fahrt kommt.
Die Autorin wird hoch gelobt dafür, das sie sich dem Thema deutscher Kolonialismus angenähert hat. Kunststück... da fehlt immer noch so viel Aufarbeitung, das jedes Buch dazu ein Wunder ist. Und ja, ich finde es wichtig, das wir diese Vergangenheit nicht ausblenden. Mein Problem mit dem Buch war dann auch ehrlicherweise einfach der Schreibstil und die Erzählweise. Einmal wird mir ehrlicherweise zu viel einfach nur erzählt. Es wird vieles ausgelassen - was bei einer Familiengeschichte realistisch erscheint, da die Ich-Erzählerin nur Fragmente kennt und daher auch nur diese weiter tragen kann. Das beschreibt auch das Wissen, das oft über die Deutsche Kolonialzeit verbreitet ist. Wenn es überhaupt thematisiert wird. Trotzdem fehlte mir wie soll ich sagen, etwas stärkere Kritik an den Figuren. Außerdem trifft einfach Präsenz als Erzählform überhaupt nicht meinen Geschmack. Um ehrlich zu sein, war ich mehr als einmal versucht abzubrechen, da mich dieses Präsenz langweilt und ich es als sehr langatmige Erzählweise empfinde. Trotzdem beschreibt die Autorin das Weltbild, dieses Koloniale christlich geprägte Denken sehr gut. Dieses Denken, das uns auch heute nach wie vor bestimmt, ob wir das als weiße zugeben wollen oder nicht. Mir persönlich ist es jedenfalls immer wieder aufgefallen, wie durchdrungen wir davon nach wie vor sind. Es ist normal und daher auch schwer zu erkennen. Es ist dafür nicht schwer von dieser Denkweise auch Rückschlüsse auf den Nationalsozialismus zu sehen, diese Denkweise diese Idee überlegen zu sein, das hat der Nationalsozialismus in Deutschland (und anderen Ländern) ja nicht erfunden sondern aufgegriffen. Auch deshalb finde ich es wichtig, die koloniale Vergangenheit endlich auch öffentlich auf zu arbeiten. Romane wie von Katharina Döbler sind dabei wichtig. Aber es scheint als ob das Thema schnell wieder in der Versenkung verschwunden ist. Von daher würde ich den Roman trotz meiner Kritikpunkte weiter empfehlen.
In diesem Roman geht es um eine Familiengeschichte, deren erzählte Vergangenheit zurück in die deutsche Kolonialzeit reicht. Bei diesem Roman musste ich mir schnell eingestehen, dass ich mich bei der Einschätzung der Leseprobe tatsächlich sehr geirrt habe. Ich war zu Beginn vom Schreibstil der Autorin angetan. Aber im Laufe des Buches habe ich es nicht geschafft wenigstens ein Kapitel ohne Pause durchzulesen. Es hat mich nicht gefesselt und aufgrund der z. B. fehlenden Anführungszeichen fand ich es anstrengend, zu lesen. Ich hätte andere Bücher am liebsten vorgezogen. Zudem denke ich, dass mehrere Kapitel für diesen Roman sinnvoller gewesen wären. Es gibt Zeitsprünge und eine Vielzahl an Figuren, die durch weitere Kapitel besser hätten strukturiert werden können. Außerdem waren die Übergänge eher ruppig als geschmeidig. Das hat mir etwas die Lesefreude genommen. Zu Beginn wird ein Stammbaum dargestellt, was mich sehr freute und dies eine sehr gute und komplexe Geschichte versprach. Den Stammbaum habe ich definitiv gebraucht. Nicht wegen einer komplexen Familiensaga, sondern vielmehr aufgrund der Figuren an sich. Ich empfand die Figuren als unnahbar und nicht greifbar (Linette bildete vielleicht fast eine Ausnahme). Die Autorin hat durch ihren Schreibstil alle Figuren auf Distanz gehalten. Auch die Geschichte wurde nicht so verfasst, dass man hätte vollends eintauchen können. Der Roman hat nicht den Charakter eines solchen aufgewiesen, sondern eher den eines sachlichen Berichts. Mir fehlten Emotionen. Im Prinzip waren es zu viele Figuren und Schauplätze, da die einzelnen Geschichten bzw. Lebenswege an Qualität eingebüßt haben. Die Idee der Geschichte ist wirklich interessant, nicht zuletzt auch wegen der Thematisierung des deutschen Kolonialismus’ und natürlich ist es eine Abwechslung aufgrund der ausgewählten Orte, weshalb ich auch am Ball blieb. Aber die Umsetzung hat mir weniger gefallen. Von meiner euphorisch bewerteten 5-Sterne-Leseprobe bleibt eine ernüchternde 3-Sterne Rezension zurück. Ich kann dieses Buch nur bedingt empfehlen. —————— Das von mir rezensierte Buch “Dein ist das Reich“ von Katharina Döbler wurde im claassen Verlag unter der ISBN 9783546100090 veröffentlicht. Es kostet 24,00 Euro.










