Romane

Das Tränenhaus. Roman

4,3(15)
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Über das Buch

Ein Plädoyer für weibliche Solidarität

Abseits der Blicke der Außenwelt, draußen in der schwäbischen Provinz, führt eine patente Hebamme ein Frauenheim. Wer diskret ein Kind zur Welt bringen will, findet hier Unterschlupf. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich hierhin zurück. Nur zeigt die Fassade bald Risse, rohe Schikanen nehmen ihren Lauf – und Cornelie erkennt den hohen Preis ihres Wunsches, eine selbstbestimmte Mutter zu sein.
Das Tränenhaus wurde bei Erscheinen 1908 zum Skandal und eröffnet heute eine einzigartige Perspektive auf die Ursprünge des Umgangs mit weiblicher Selbstermächtigung.

»Dieses Grundbuch der frühen Frauenbewegung von 1896 kann man ohne Weiteres neben Fontane stellen.«
Tilman Krause über Aus guter Familie

ISBN9783150115787
VerlagReclam, Philipp
Erscheinungsdatum18.03.26
Seitenzahl204

Rezensionen & Bewertungen

15 Bewertungen

10 Rezensionen

4,3

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  • wortschatzkiste
    wortschatzkiste

    222 Follower

    5,0

    Ich bin ein großer Fan der Reclam-Reihe „Klassikerinnen“ und freue mich sehr, dass auch Gabriele Reuter dort ihren Platz gefunden hat. Ihr Buch Aus guter Familie war bereits eine beeindruckende Geschichte, und Das Tränenhaus knüpft nahtlos daran an. Die behandelten Themen sind erneut vielfältig, wobei der Fokus wieder auf dem Leben von Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts liegt. Es überrascht mich daher nicht, dass dieses Buch bei seinem Erscheinen auf viel Unmut gestoßen ist. Für die damalige Zeit stelle ich es mir durchaus gewagt vor, eine solche Geschichte zu veröffentlichen. Nichtsdestotrotz eröffnet Das Tränenhaus eine äußerst interessante Perspektive auf die Epoche und zeigt eindrucksvoll, wie mit Frauen umgegangen wurde. Was mich besonders angesprochen hat, war die Dynamik zwischen den verschiedenen Frauenfiguren, die liebevollen Details wie der schwäbische Dialekt sowie das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Charaktere aus verschiedenen Regionen Deutschlands. Das hat mich stellenweise zum Schmunzeln gebracht. Für mich könnte dieses Buch schon jetzt das Highlight des Jahres sein.

    26. Apr. 2026

  • kallini
    kallini

    29 Follower

    5,0

    Dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt. Vor allem, wenn man bedenkt, wann es geschrieben wurde und welche Themen Gabriele Reuter damals bereits aufgegriffen hat. Cornelie ist eine wahnsinnig starke Protagonistin. Sie ist selbstständig, klug, hat etwas zu sagen und wird als Frau gleichermaßen bewundert und gefürchtet. Ich mochte sie sehr. Der Roman erzählt vom Leben unverheirateter schwangerer Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und zeigt dabei auch sehr deutlich die Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Klassen. Besonders erschreckend fand ich, wie wenig man damals über Schwangerschaft, Geburt und Säuglinge wusste und wie selbstverständlich Dinge getan wurden, die heute kaum vorstellbar sind. Gerade als Frau, die selbst erst 2024 ein Kind bekommen hat, hat mich das sehr beschäftigt und gleichzeitig dankbar gemacht, wie sehr sich die Medizin entwickelt hat. Die Sprache ist nicht einfach. Ich musste mich erst hineinfinden und kann mir vorstellen, dass sie viele vom Lesen abhält. Für mich hat es sich aber vollkommen gelohnt. Ein beeindruckendes, wichtiges Buch und für mich ganz klar fünf Sterne.

    2 Tage vor

  • 5,0

    Ein eindrückliches Zeitdokument

    In ihrem Roman "Das Tränenhaus" verarbeitet Gabriele Reuter ihre Erfahrungen bei der Geburt ihrer Tochter in einem Gebärhaus für Ledige. Der Roman ist 1908 erstmalig erschienen und sorgte für einen Skandal. Eine von ihr überarbeitete Version wurde 1926 veröffentlicht. In der schwäbischen Provinz führt eine Hebamme (die Uffenbacherin) eine Einrichtung, in der ledige Mütter diskret ihr Kind zu Welt bringen können. Auch die Schriftstellerin Cornelie Reimann zieht sich in die Einrichtung zurück, erlebt dort eine sehr resolute Hebamme, die immer bereit für Schikanen aller Art ist. Von wem sie sich Vorteile erhofft, wird bevorzugt behandelt. Gabriele Reuter legt hier einen Roman vor, der die Zeit vor über 100 Jahren sehr detailliert beschreibt und uns heute näher bringt. Ledige Mütter wurden mit Verachtung gestraft. Manche durften nach der heimlichen Geburt ihres Kindes in ihre Familien zurückkehren, natürlich ohne ihr Kind. Ich fand es beeindruckend, die Geschichte einer ledigen Mutter Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihren eigenen Worten lesen zu können und nicht eigebettet in eine fiktive Handlung. Reuter vermittelt in ihrem Roman sehr gut die innere Zerrissenheit von Cornelie, aber auch den wachsenden Zusammenhalt der Frauen untereinander. Dazu die Uffenbacherin, die nur auf ihr eigenes Wohl bedacht ist und nicht auf das der ihr anvertrauten Frauen oder Neugeborenen. Um selbst schlafen zu können, verabreicht sie den Säuglingen zu Nacht sog. Mohnsaft (Opium) Die Sprache entspricht natürlich der damaligen Zeit. Ich finde es gut, dass diese Sprache im Werk erhalten bleibt und dadurch das Gesamtwerk auch viel authentischer ist. Ich empfehle allen Lesenden dieses Romans ausdrücklich, auch das sehr umfangreiche Nachwort zu lesen, Im Anschluss daran finden wir außerdem eine Zeittafel über das Leben von Gabriele Reuter. Ein feministischer Roman aus einer längst vergangenen Zeit, den ich absolut weiterempfehlen möchte. Er regt zum Nachdenken an über die Situation von Frauen damals und heute. Von Herzen 5 Sterne für diese Neuauflage aus der Sicht einer Betroffenen!

    18. März 2026

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Gabriele Reuter

Gabriele Reuter (1859–1941) war bekannt für ihre realistischen und sozialkritischen Romane. Mit Aus guter Familie wurde sie über Nacht berühmt. Als Wegbereiterin der Frauenliteratur im 19. und frühen 20. Jahrhundert bot sie wertvolle Einblicke in die Lebensumstände ihrer Zeit und prägte die Diskussion über Geschlechterrollen und soziale Gerechtigkeit.

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