Das Leben ist ein wilder Garten

Das Leben ist ein wilder Garten

Hardcover
3.45
BergGrand Budapest HotelVerlustGärtnern

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Beschreibung

„Man findet hier die feinen Beobachtungen wieder, die in 'Das Flirren am Horizont' so sehr berührt haben.“ (Livre Hebdo) – Roland Butis neuer Roman über das Leben in allen Facetten Das beschauliche Leben des Landschaftsgärtners Carlo gerät in Aufruhr. Seine Frau hat ihn verlassen, die Tochter studiert jetzt in London. Agon, sein Hilfsgärtner aus dem Kosovo, eine sensible Seele in einem massigen Körper, wird aus heiterem Himmel zusammengeschlagen. Und dann ist plötzlich Carlos demente Mutter verschwunden. Gemeinsam mit Agon macht er sich auf die Suche und entdeckt nicht nur die Natur und die Menschen um ihn herum neu, sondern kommt in einem Grandhotel am Berg der ungeahnt glamourösen Vergangenheit seiner Mutter während des Zweiten Weltkriegs auf die Spur … Wir sind Roland Butis Figuren ganz nah. Ihre Gesichter, ihre Bewegungen werden uns vertraut. Wir leben und fühlen mit ihnen. Das ist Butis große Kunst.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
176
Preis
20.60 €

Autorenbeschreibung

Roland Buti, geboren 1964 in Lausanne, arbeitet als Geschichtelehrer am Gymnasium und widmet sich daneben Forschung und Literatur. Sein Roman »Das Flirren am Horizont« war nominiert für den Prix Médicis pour le meilleur roman und wurde mit dem Schweizer Literaturpreis 2014 ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2020 sein Roman »Das Leben ist ein wilder Garten« bei Zsolnay.

Beiträge

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Alle
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Die Geschichte vom Schweizer Landschaftsgärtner Carlo Weiss, dessen Mutter hochbetagt ihr Seniorenheim verlässt, um sich in einem Grandhotel, das sie aus ihrer Jugend kennt, einzumieten, klang interessant. Die Erzählweise hat mich auch sofort überzeugt: sie ist leise, sehr beobachtend, melancholisch, aber auch humorvoll und augenzwinkernd. Die Handlung ist ebenfalls sehr unaufgeregt, wartet aber mit skurrilen, äußerst emotionalen und überraschenden Momenten auf. Also wie das Leben selbst, das hier als “wilder Garten” bezeichnet wird. Das Motiv des Gartens ist neben dem Titel schon deshalb ein Leitmotiv des kurzen Romans (170 Seiten), da Carlo ja als Gärtner arbeitet und es im Text immer wieder um Gärten und die Tätigkeit des Gärtnerns an sich geht, über die die Figuren philosophieren. Gartenarbeit ist schließlich der Versuch des Menschen, die Natur zu zähmen, zu kultivieren. Andererseits geht es in der Geschichte von Carlos Mutter auch darum, wie die Natur sich den Lebensraum der Menschen zurückerobert. Ein Ornithologe, ein Schweizer Hotel während des Zweiten Weltkriegs...Aber ich will nicht zuviel vorweg nehmen. Wie der Mensch die Natur so muss der Leser sich diesen Roman, diesen wilden literarischen Garten, selbst erschließen. Auch Bücher werden ja sprichwörtlich als Gärten bezeichnet, die man in der Tasche trägt. Noch etwas zu den Charakteren. Ich hätte sowohl die Geschichte der Hauptfigur Carlo, als auch die seiner Frau Ana sowie seines Angestellten Agon noch gerne ein bisschen länger und ausführlicher verfolgt. Leider war das Buch so kurz, die Figuren hätten in jedem Fall Potenzial für einen weitaus umfangreicheren Roman gehabt. Alleine Agon ist eine sehr tragikomische Figur, die der Leser schnell ins Herz zu schließen vermag, aber gleichzeitig auch etwas distanziert und irritiert betrachtet. Der Exil-Kosovare ist ein liebenswürdiger und auch etwas merkwürdiger Riese, der aber alles andere ist als ein tumber Tor. Obwohl er in der französischen Schweiz als Hilfsgärtner arbeitet, ist er eigentlich ein Intellektueller. Seine in die Schweiz geretteten Bücher - Epitome der Kultur - in denen Pflanzen Einzug halten, sind auch wieder eine Metapher für die Natur, die in die kulturelle Welt des Menschen vordringt - und mit ihr eine sonderbare Symbiose eingeht. Es liegt außerdem immer eine gewisse Tragik in Figuren begründet, die ihren erlernten, oft akademischen Beruf in dem Land, in das sie vor Krieg und Unruhen geflohen sind, nicht mehr ausüben können. Sie erleben eine gesellschaftlichen Abstieg, nur weil sie geflohen sind. So wie Agon - vom Französischlehrer zum Gärtnergehilfen. Wenn ich abschließend ein Adjektiv finden sollte, das dieses Buch beschreibt, so würde ich wahrscheinlich "speziell" wählen. So speziell und einzigartig wie die Schweiz, die ja ein Vielvölkerstaat ist und als Ausbund an Neutralität und Eigenständigkeit gilt. Von daher ist dieser Kurzroman sehr schweizerisch, denn er geht einen eigenen Weg, ohne dezidiert gefallen zu wollen. Wenn ich im Nachhinein an das Buch denke, denke ich an die flirrende, aufgeladene Atmosphäre, die Roland Buti mit seinen Worten erschaffen hat - und an die Gärten der Erinnerung, in denen wir alle zuweilen wohnen, so wie Carlos Mutter im “Grand National”.

3

Carlo Weiss sitzt in einem Café und denkt an seine Frau, an ihren Geruch, den sie auf ihrer Haut trug, wenn sie von Ihrer Arbeit kam und an ihre fülligen Haare. Er beobachtet die alten Menschen um ihn herum. Ihm fällt ihr merkwürdiges Verhalten auf, als ob sie bei einem Arzt im Wartezimmer wären. Als Agon auftaucht und sie zusammen zur Arbeit gehen entspannt er sich, denkt nicht mehr an seine Umwelt, ist ganz bei seiner Arbeit, die er so liebt. Er ist Ästeth und richtet sein Erschaffen ebenfalls auf ein harmonisches Erscheinungsbild aus. Es ist ein bisschen als ob Carlo über der Realität schwebt und die simpelsten Dinge dabei schön werden. Er beschneidet eine Hecke als er sich verletzt und Agon, wie immer, stets bereit und mit helfenden Händen und einem Herz aus Gold seine Hand zu verarzten. Sein Telefon klingelt und es fühlt sich für ihn immer noch wie ein zappelnde Fisch an, als die Vibration des Handys Alarm schlägt. Der Anruf kommt aus dem Heim, seine demente Mutter ist verschwunden. Gerade am Anfang des Romans sind die Beobachtungen durch Butis Protagonisten messerscharf und bei der Art wie Agon dargestellt wird, kann man ihn nur ins Herz schließen. Er ist ein Riese, der sich sein kindliches Herz bewahrt hat und seine sensible Art lieber mit praktischen Handlungen überspielen möchte. Schnell wird klar, das für Carlo die Orientierung in seinem Leben fehlt und genauso erging es mir mit dem Plot. Probleme werden schnell gelöst und der rote Faden verschwimmt in den Interaktionen der Charaktere und schon ab der Mitte wusste ich nicht mehr, wohin ich geführt werde. Es passiert also nicht viel und auch das Ende soll einen wahrscheinlich nachdenklich zurücklassen, aber ich war einfach nur unbefriedigt. Ein Buch mit großartigem Start, einer tollen Sprache aber wenig drive ab der Mitte, als ob der Benzintank auf ein mal ein Loch gehabt hätte.

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