Das Gute siegt
Jetzt kaufen
Durch das Verwenden dieser Links unterstützt du READO. Wir erhalten eine Vermittlungsprovision, ohne dass dir zusätzliche Kosten entstehen.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Viktor Martinowitsch (auch: Victor Martinovich), 1977 in Belarus geboren, studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Hermeneutik und Kulturphilosophie an der Europäischen Universität für Geisteswissenschaften in Vilnius. Martinowitsch wurde bekannt mit seinem Roman "Paranoia" (2014), der in Belarus nach Erscheinen inoffiziell verboten wurde. 2012 erhielt Martinowitsch den Maksim-Bahdanowitsch-Preis.
Beiträge
Ein Kater namens Heidegger,der gerettet werden muss, trägt sie Handlung des inmitten der Unruhen in Belarus spielenden Romans. Es geht um Fragen persönlicher Handlungsspielräume, Repression und Alltag. Eine große Leseempfehlung, auch wenn man etwas braucht um reinzukommen.
Eins meiner Ziele für 2025 war, mehr Literatur aus Ländern zu lesen, die oft wenig Aufmerksamkeit erhalten. Und bei diesem hier trifft das auf jeden Fall zu, denn Viktor Martinowitsch schreibt in "Das Gute siegt" über die politische Situation in Belarus. Im Zentrum steht Matwej, aus dessen Sicht wir das Minsk im Jahr 2020 kennenlernen, in dem täglich Proteste gegen das Lukaschenko-Reg1me stattfinden. Matwej ist Teil des nationalen Theaters in Minsk und man plant gerade die Umsetzung eines Stücks, das von Heanne d'Arc handelt. Die zentrale Frage dabei: Macht man daraus einen harmlosen Historienschinken oder ein oppositionelles Stück mit massiver Kritik am Reg1me? Während sich die Theatertruppe mit ihrer Position gegenüber dem Regime auseinandersetzt, wird die ehemalige Dozentin Matwejs unter fadenscheinigen Begründungen festgenommen. Ihr Kater Heidegger (weil sein hungriges Miauen so klingt, als würde er "Dasein" rufen) bleibt allein in der Wohnung und Matwej entscheidet sich, ihn dort rauszuholen und bei sich aufzunehmen. Und damit beginnt das Chaos, denn das autoritäre Regime unterscheidet Freund und Feind nicht auf Faktenbasis, sondern schürt Angst, greift auch Leute auf, die eher zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Und die bittere Ironie dahinter ist wohl, dass gerade dieses Vorgehen die Zahl der Oppositionellen immer weiter erhöht. Wenn ich das Buch mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es "bedrückend". Ich habe etwas gebraucht, um reinzukommen, aber danach war ich mittendrin, habe den Figuren die Daumen gedrückt, dass sie dieser Repression entkommen und jene gut wegstecken, habe beobachtet wie über die Jahre immer mehr Menschen das Land verlassen, weil es einfach kaum Hoffnung gibt, weil das Vorgehen der Regierung so unvorhersehbar ist. Habe mich an Figuren gerieben, die sich einfach unterordnen, habe die bewundert und betrauert, die in all dem versuchen ihre Würde zu wahren und scheitern. Martinowitsch schafft es wahnsinnig gut, diese Atmosphäre des Bedrückenden zu kreieren und Thomas Weiler hat die wirklich besondere Sprache des Autors großartig übertragen. Das Theaterstück, das von einem eher oppositionellen Schriftsteller stammt, fließt immer wieder in die Handlung ein und dadurch gewinnt der Text eine wahnsinnige Tiefe und Symbolkraft. Denn gerade das Theater, das irgendwie doch ein geschützter und für viele Menschen etwas außerhalb des Alltags stehender Raum ist, ist gleichzeitig einer der Orte, an denen die politische Zensur am schärfsten um sich greift, an denen Menschen mit Sendungsvermögen sich entscheiden müssen, ob sie sich an Protesten beteiligen, ob sie aufbegehren, ob sie einknicken. Die Stärke des Romans liegt in der Beschreibung der Alltäglichkeit, der Normalität von Repression. Und darin zu zeigen, dass es immer irgendwelche Handlungsspielräume gibt, dass Menschen wenn es drauf ankommt anders handeln können, als man es von ihnen erwartet und dass gerade wenn sowieso nichts vorhersehbar ist auch kleine Räume entstehen können, trotz allem. Das alles klingt schwer und der Roman ist sicher nicht leichtherzig lustig. Aber er hat einen bitteren Humor und der Kater Heidegger trägt die Handlung, lockert sie auf, sodass man dieses Buch doch mit einer gewissen Leichtigkeit lesen kann. Denn der Titel ist Programm: Was das Buch so vielschichtig macht, ist trotz allem die Hoffnung, dass das Gute gewinnen wird. Wenn man etwas Einblick in die Theaterwelt hat, ist das beim Lesen sicher von Vorteil, weil sich sonst einzelne Passagen eventuell etwas ziehen. Wir haben das Buch im Leseclub gelesen und hatten auch das Gefühl, dass im Roman sehr viele Anspielungen versteckt sein könnten, die wir gar nicht alle verstanden haben, wenn wir zu Belarus und der politischen Situation dort nicht allzu viel Wissen hatten. Das macht das Buch aber nicht weniger lesenswert, ganz im Gegenteil: Gerade die Tatsache, dass man hier gerne den Genrestempel "Dystopie" draufkleben würde, dass es sich hier aber um eine reale Situation in Europa handelt, noch zumal eine, die oft wenig Aufmerksamkeit erhält, macht es noch bitterer und bedrückender.

"-Hauptsache es ist kein Krieg.-"
"Drinnen, in ihren Küchen ist kein Krieg. Drinnen, in ihren Küchen, spannt sich ein friedlicher Himmel über ihren Köpfen. Herrscht der Glaube an das lichte Morgen. [...] und wenn man den Fernseher mit Hubert Henry etwas lauter dreht, kann man sogar die Schüsse überhören." Minsk 2020. Massenproteste gegen das Lukaschenko Regime. Repressalien sind an der Tagesordnung. Menschen verschwinden. Währenddessen führt uns Matwej durch die Geschichte. Ein Schauspieler und naiver Idealist der vom Strudel der Geschichte mitgerissen wird. Er probt gerade ein Stück über Jeanne d 'Arc. Die Geschichte einer Inquisition. Eine Inquisition die gerade einem ganzen Land gemacht wird. Die Stimmung ist bedrückend. Doch blitzen immer wieder skurrile humorvolle Momente auf, vor allem in Gestalt eines unfreiwillig verwaisten und hungrigen Katers namens Heidegger. Scharfsinnig, aktuell, melancholisch aber vor allem ein starkes Plädoyer für die Kraft der Worte, denn "Das Wort stirbt nicht. Das Wort ist überhaupt die mächtigste Waffe im Universum."
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Viktor Martinowitsch (auch: Victor Martinovich), 1977 in Belarus geboren, studierte Journalistik in Minsk und lehrt heute Hermeneutik und Kulturphilosophie an der Europäischen Universität für Geisteswissenschaften in Vilnius. Martinowitsch wurde bekannt mit seinem Roman "Paranoia" (2014), der in Belarus nach Erscheinen inoffiziell verboten wurde. 2012 erhielt Martinowitsch den Maksim-Bahdanowitsch-Preis.
Beiträge
Ein Kater namens Heidegger,der gerettet werden muss, trägt sie Handlung des inmitten der Unruhen in Belarus spielenden Romans. Es geht um Fragen persönlicher Handlungsspielräume, Repression und Alltag. Eine große Leseempfehlung, auch wenn man etwas braucht um reinzukommen.
Eins meiner Ziele für 2025 war, mehr Literatur aus Ländern zu lesen, die oft wenig Aufmerksamkeit erhalten. Und bei diesem hier trifft das auf jeden Fall zu, denn Viktor Martinowitsch schreibt in "Das Gute siegt" über die politische Situation in Belarus. Im Zentrum steht Matwej, aus dessen Sicht wir das Minsk im Jahr 2020 kennenlernen, in dem täglich Proteste gegen das Lukaschenko-Reg1me stattfinden. Matwej ist Teil des nationalen Theaters in Minsk und man plant gerade die Umsetzung eines Stücks, das von Heanne d'Arc handelt. Die zentrale Frage dabei: Macht man daraus einen harmlosen Historienschinken oder ein oppositionelles Stück mit massiver Kritik am Reg1me? Während sich die Theatertruppe mit ihrer Position gegenüber dem Regime auseinandersetzt, wird die ehemalige Dozentin Matwejs unter fadenscheinigen Begründungen festgenommen. Ihr Kater Heidegger (weil sein hungriges Miauen so klingt, als würde er "Dasein" rufen) bleibt allein in der Wohnung und Matwej entscheidet sich, ihn dort rauszuholen und bei sich aufzunehmen. Und damit beginnt das Chaos, denn das autoritäre Regime unterscheidet Freund und Feind nicht auf Faktenbasis, sondern schürt Angst, greift auch Leute auf, die eher zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Und die bittere Ironie dahinter ist wohl, dass gerade dieses Vorgehen die Zahl der Oppositionellen immer weiter erhöht. Wenn ich das Buch mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es "bedrückend". Ich habe etwas gebraucht, um reinzukommen, aber danach war ich mittendrin, habe den Figuren die Daumen gedrückt, dass sie dieser Repression entkommen und jene gut wegstecken, habe beobachtet wie über die Jahre immer mehr Menschen das Land verlassen, weil es einfach kaum Hoffnung gibt, weil das Vorgehen der Regierung so unvorhersehbar ist. Habe mich an Figuren gerieben, die sich einfach unterordnen, habe die bewundert und betrauert, die in all dem versuchen ihre Würde zu wahren und scheitern. Martinowitsch schafft es wahnsinnig gut, diese Atmosphäre des Bedrückenden zu kreieren und Thomas Weiler hat die wirklich besondere Sprache des Autors großartig übertragen. Das Theaterstück, das von einem eher oppositionellen Schriftsteller stammt, fließt immer wieder in die Handlung ein und dadurch gewinnt der Text eine wahnsinnige Tiefe und Symbolkraft. Denn gerade das Theater, das irgendwie doch ein geschützter und für viele Menschen etwas außerhalb des Alltags stehender Raum ist, ist gleichzeitig einer der Orte, an denen die politische Zensur am schärfsten um sich greift, an denen Menschen mit Sendungsvermögen sich entscheiden müssen, ob sie sich an Protesten beteiligen, ob sie aufbegehren, ob sie einknicken. Die Stärke des Romans liegt in der Beschreibung der Alltäglichkeit, der Normalität von Repression. Und darin zu zeigen, dass es immer irgendwelche Handlungsspielräume gibt, dass Menschen wenn es drauf ankommt anders handeln können, als man es von ihnen erwartet und dass gerade wenn sowieso nichts vorhersehbar ist auch kleine Räume entstehen können, trotz allem. Das alles klingt schwer und der Roman ist sicher nicht leichtherzig lustig. Aber er hat einen bitteren Humor und der Kater Heidegger trägt die Handlung, lockert sie auf, sodass man dieses Buch doch mit einer gewissen Leichtigkeit lesen kann. Denn der Titel ist Programm: Was das Buch so vielschichtig macht, ist trotz allem die Hoffnung, dass das Gute gewinnen wird. Wenn man etwas Einblick in die Theaterwelt hat, ist das beim Lesen sicher von Vorteil, weil sich sonst einzelne Passagen eventuell etwas ziehen. Wir haben das Buch im Leseclub gelesen und hatten auch das Gefühl, dass im Roman sehr viele Anspielungen versteckt sein könnten, die wir gar nicht alle verstanden haben, wenn wir zu Belarus und der politischen Situation dort nicht allzu viel Wissen hatten. Das macht das Buch aber nicht weniger lesenswert, ganz im Gegenteil: Gerade die Tatsache, dass man hier gerne den Genrestempel "Dystopie" draufkleben würde, dass es sich hier aber um eine reale Situation in Europa handelt, noch zumal eine, die oft wenig Aufmerksamkeit erhält, macht es noch bitterer und bedrückender.

"-Hauptsache es ist kein Krieg.-"
"Drinnen, in ihren Küchen ist kein Krieg. Drinnen, in ihren Küchen, spannt sich ein friedlicher Himmel über ihren Köpfen. Herrscht der Glaube an das lichte Morgen. [...] und wenn man den Fernseher mit Hubert Henry etwas lauter dreht, kann man sogar die Schüsse überhören." Minsk 2020. Massenproteste gegen das Lukaschenko Regime. Repressalien sind an der Tagesordnung. Menschen verschwinden. Währenddessen führt uns Matwej durch die Geschichte. Ein Schauspieler und naiver Idealist der vom Strudel der Geschichte mitgerissen wird. Er probt gerade ein Stück über Jeanne d 'Arc. Die Geschichte einer Inquisition. Eine Inquisition die gerade einem ganzen Land gemacht wird. Die Stimmung ist bedrückend. Doch blitzen immer wieder skurrile humorvolle Momente auf, vor allem in Gestalt eines unfreiwillig verwaisten und hungrigen Katers namens Heidegger. Scharfsinnig, aktuell, melancholisch aber vor allem ein starkes Plädoyer für die Kraft der Worte, denn "Das Wort stirbt nicht. Das Wort ist überhaupt die mächtigste Waffe im Universum."





