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In „Das beherrschte Geschlecht - Warum sie will, was er will“ setzt sich Sandra Konrad mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Frauen* und Männern auseinander und fragt danach, warum weibliche Lebensentwürfe und Wünsche noch immer stark an männlichen Maßstäben orientiert sind. Das Buch greift damit ein relevantes Thema auf und bietet besonders zu Beginn einige überzeugende Ansätze. Vor allem das erste Kapitel, in dem historische Entwicklungen und tradierte Geschlechterrollen nachgezeichnet werden, ist informativ und gelungen. Hier zeigt Konrad nachvollziehbar, wie tief patriarchale Strukturen gesellschaftlich verankert sind und bis in die Gegenwart fortwirken. Auch das Kapitel zu Pornografie, Prostitution und Sexarbeit gehört zu den stärkeren Teilen des Buches. Positiv fällt auf, dass Konrad diese Themen nicht ausklammert, sondern als zentralen Bestandteil feministischer Debatten behandelt. Gerade Fragen nach Sexualisierung, ökonomischer Ausbeutung und gesellschaftlicher Normalisierung sexualisierter Machtverhältnisse werden verständlich und zugänglich aufgearbeitet. Dass diese Aspekte in vielen populären Gleichstellungsdebatten zu wenig Beachtung finden, macht ihre Einordnung besonders relevant. Im weiteren Verlauf verliert das Buch jedoch an Differenziertheit. Einige Argumentationslinien werden verkürzt dargestellt, komplexe politische Fragen bleiben an der Oberfläche. Das zeigt sich besonders bei der Hinwendung zum sogenannten nordischen Modell im Bereich Prostitution. Diese Position wird relativ eindeutig favorisiert, ohne Gegenargumente, praktische Probleme oder unterschiedliche feministische Perspektiven ausreichend einzubeziehen. Hier wäre eine kritischere und ausgewogenere Auseinandersetzung wünschenswert gewesen. Ein grundlegender Schwachpunkt des Buches ist zudem der fehlende intersektionale Blick. Obwohl allgemein von „Frauen“ und „Männern“ gesprochen wird, bleibt häufig unausgesprochen, dass vor allem die Perspektive weißer, nichtbehinderter und eher akademischer Menschen gemeint ist. Unterschiede entlang von Herkunft, Klasse, Behinderung, Sexualität oder trans Identität spielen kaum eine Rolle. Dadurch wirkt die Analyse stellenweise verkürzt und blendet aus, dass patriarchale Strukturen Menschen sehr unterschiedlich betreffen. Hinzu kommt, dass Emanzipation teilweise vor allem als Zugang von Frauen* zu bestehenden männlich geprägten Machtpositionen verstanden wird, etwa in Führungsrollen oder staatlichen Spitzenämtern. Weniger Raum erhält die Frage, ob diese Strukturen selbst verändert werden müssten, statt Frauen* lediglich an sie anzupassen. Dadurch bleibt das emanzipatorische Verständnis des Buches stellenweise zu eng gefasst. Irritierend ist außerdem die mehrfach positive Bezugnahme auf Alice Schwarzer als zentrale feministische Stimme, ohne deren kontroverse Positionen kritisch einzuordnen. Gerade in einem aktuellen feministischen Sachbuch hätte man sich hier eine breitere und zeitgemäßere Bezugnahme gewünscht.
12. Mai 2026
In „Das beherrschte Geschlecht - Warum sie will, was er will“ setzt sich Sandra Konrad mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Frauen* und Männern auseinander und fragt danach, warum weibliche Lebensentwürfe und Wünsche noch immer stark an männlichen Maßstäben orientiert sind. Das Buch greift damit ein relevantes Thema auf und bietet besonders zu Beginn einige überzeugende Ansätze. Vor allem das erste Kapitel, in dem historische Entwicklungen und tradierte Geschlechterrollen nachgezeichnet werden, ist informativ und gelungen. Hier zeigt Konrad nachvollziehbar, wie tief patriarchale Strukturen gesellschaftlich verankert sind und bis in die Gegenwart fortwirken. Auch das Kapitel zu Pornografie, Prostitution und Sexarbeit gehört zu den stärkeren Teilen des Buches. Positiv fällt auf, dass Konrad diese Themen nicht ausklammert, sondern als zentralen Bestandteil feministischer Debatten behandelt. Gerade Fragen nach Sexualisierung, ökonomischer Ausbeutung und gesellschaftlicher Normalisierung sexualisierter Machtverhältnisse werden verständlich und zugänglich aufgearbeitet. Dass diese Aspekte in vielen populären Gleichstellungsdebatten zu wenig Beachtung finden, macht ihre Einordnung besonders relevant. Im weiteren Verlauf verliert das Buch jedoch an Differenziertheit. Einige Argumentationslinien werden verkürzt dargestellt, komplexe politische Fragen bleiben an der Oberfläche. Das zeigt sich besonders bei der Hinwendung zum sogenannten nordischen Modell im Bereich Prostitution. Diese Position wird relativ eindeutig favorisiert, ohne Gegenargumente, praktische Probleme oder unterschiedliche feministische Perspektiven ausreichend einzubeziehen. Hier wäre eine kritischere und ausgewogenere Auseinandersetzung wünschenswert gewesen. Ein grundlegender Schwachpunkt des Buches ist zudem der fehlende intersektionale Blick. Obwohl allgemein von „Frauen“ und „Männern“ gesprochen wird, bleibt häufig unausgesprochen, dass vor allem die Perspektive weißer, nichtbehinderter und eher akademischer Menschen gemeint ist. Unterschiede entlang von Herkunft, Klasse, Behinderung, Sexualität oder trans Identität spielen kaum eine Rolle. Dadurch wirkt die Analyse stellenweise verkürzt und blendet aus, dass patriarchale Strukturen Menschen sehr unterschiedlich betreffen. Hinzu kommt, dass Emanzipation teilweise vor allem als Zugang von Frauen* zu bestehenden männlich geprägten Machtpositionen verstanden wird, etwa in Führungsrollen oder staatlichen Spitzenämtern. Weniger Raum erhält die Frage, ob diese Strukturen selbst verändert werden müssten, statt Frauen* lediglich an sie anzupassen. Dadurch bleibt das emanzipatorische Verständnis des Buches stellenweise zu eng gefasst. Irritierend ist außerdem die mehrfach positive Bezugnahme auf Alice Schwarzer als zentrale feministische Stimme, ohne deren kontroverse Positionen kritisch einzuordnen. Gerade in einem aktuellen feministischen Sachbuch hätte man sich hier eine breitere und zeitgemäßere Bezugnahme gewünscht.
12. Mai 2026






