Caravaggios Schatten
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Bernhard Jaumann, geboren 1957 in Augsburg, arbeitete nach dem Studium als Gymnasiallehrer. Zurzeit lebt er in Bayern und Italien. Er schrieb mehrere Krimiserien, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman 2003 und für die beste Kurzgeschichte 2008. Für seinen Roman »Die Stunde des Schakals« erhielt er 2011 den Deutschen Krimipreis. Seit 2018 erscheint bei Galiani seine Krimireihe um die Münchner Kunstdetektei von Schleewitz, deren ersten beiden Bände von der Presse als »raffiniert konstruierte Unterhaltung« (NDR) und »große Kunst« (Berliner Zeitung) gelobt wurden.
Beiträge
Hochspannende Prämisse rund um einen Caravaggio-Diebstahl, doch das Buch erstickt erneut unter blassen Figuren.
Caravaggio malte mit dem Licht wie mit einem Messer, hart, direkt, ohne Gnade für das Mittelmaß. Als ich „Caravaggios Schatten” aufschlug, hoffte ich, wenigstens einen Widerschein dieser Kompromisslosigkeit auf den Seiten zu finden. Doch es war, als würde man in einen Raum treten, in dem einst ein großes Gemälde hing, der Abdruck an der Wand ist noch da, aber das Werk selbst fehlt. Nach meiner Enttäuschung mit dem ersten Band der Reihe hatte ich gehofft, dass Bernhard Jaumann mit dem zweiten Fall der Kunstdetektei von Schleewitz seinen Rhythmus findet. Die Idee ist wieder stark. Ein Messerangriff auf Caravaggios „Der ungläubige Thomas” in Schloss Sanssouci, ein gestohlenes Gemälde, ein alter Schulfreund mit dunklem Hintergrund. Das klingt nach Tempo, nach Abgründen, nach Spannung. Doch beim Lesen stellte sich bald wieder das vertraute Gefühl ein, das Buch steht sich sich selbst im Weg. Jaumann verknüpft die Symbolik des Gemäldes durchaus geschickt mit der Handlung seiner Figuren. Die Parallelführung zwischen Caravaggios „Ungläubigem Thomas” und dem Misstrauen unter den Protagonisten hat Idee und Raffinesse, dass ist handwerklich durchdacht und zeigt, dass der Autor sein Thema ernst nimmt. Auch die Grundkonstellation zwischen Rupert und seinem alten Schulfreund Andreas bietet dramatisches Potenzial. Leider bleibt es bei diesem Potenzial. Die kunsthistorischen Exkurse sind zwar sorgfältig recherchiert, wirken im Text aber wie eingeschobene Referate, informativ, ja, aber sie bremsen den ohnehin zähen Erzählrhythmus immer wieder aus. Und dann sind da die Figuren, Rupert, Max und Klara bleiben für mich auch im zweiten Band seltsam konturlos und emotional auf Abstand. Max’ seitenlange innere Vorwürfe an seinen Chef wirken deplatziert, und die Einführung des Kindesmissbrauch-Nebenstrangs im Internat fühlt sich weniger wie eine erzählerische Entscheidung an sondern mehr wie ein Gewicht, das die Geschichte nach unten zieht, ohne ihr mehr Tiefe zu geben. Wo andere Leser Charme und Humor in der Reihe entdecken, spürte ich vor allem Distanz. Die Hauptcharaktere erzeugen bei mir keine Verbundenheit. Am Ende bleibt „Caravaggios Schatten” für mich ein Buch, das im Schatten seines großen Themas steht, eine bemühte Kopie, die die Wucht und Unmittelbarkeit ihres Namensgebers niemals erreicht. Das Gerüst ist da, die Ideen sind da. Doch die Leidenschaft, die Caravaggio selbst nie verleugnen konnte, suche ich hier vergeblich.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Bernhard Jaumann, geboren 1957 in Augsburg, arbeitete nach dem Studium als Gymnasiallehrer. Zurzeit lebt er in Bayern und Italien. Er schrieb mehrere Krimiserien, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Kriminalroman 2003 und für die beste Kurzgeschichte 2008. Für seinen Roman »Die Stunde des Schakals« erhielt er 2011 den Deutschen Krimipreis. Seit 2018 erscheint bei Galiani seine Krimireihe um die Münchner Kunstdetektei von Schleewitz, deren ersten beiden Bände von der Presse als »raffiniert konstruierte Unterhaltung« (NDR) und »große Kunst« (Berliner Zeitung) gelobt wurden.
Beiträge
Hochspannende Prämisse rund um einen Caravaggio-Diebstahl, doch das Buch erstickt erneut unter blassen Figuren.
Caravaggio malte mit dem Licht wie mit einem Messer, hart, direkt, ohne Gnade für das Mittelmaß. Als ich „Caravaggios Schatten” aufschlug, hoffte ich, wenigstens einen Widerschein dieser Kompromisslosigkeit auf den Seiten zu finden. Doch es war, als würde man in einen Raum treten, in dem einst ein großes Gemälde hing, der Abdruck an der Wand ist noch da, aber das Werk selbst fehlt. Nach meiner Enttäuschung mit dem ersten Band der Reihe hatte ich gehofft, dass Bernhard Jaumann mit dem zweiten Fall der Kunstdetektei von Schleewitz seinen Rhythmus findet. Die Idee ist wieder stark. Ein Messerangriff auf Caravaggios „Der ungläubige Thomas” in Schloss Sanssouci, ein gestohlenes Gemälde, ein alter Schulfreund mit dunklem Hintergrund. Das klingt nach Tempo, nach Abgründen, nach Spannung. Doch beim Lesen stellte sich bald wieder das vertraute Gefühl ein, das Buch steht sich sich selbst im Weg. Jaumann verknüpft die Symbolik des Gemäldes durchaus geschickt mit der Handlung seiner Figuren. Die Parallelführung zwischen Caravaggios „Ungläubigem Thomas” und dem Misstrauen unter den Protagonisten hat Idee und Raffinesse, dass ist handwerklich durchdacht und zeigt, dass der Autor sein Thema ernst nimmt. Auch die Grundkonstellation zwischen Rupert und seinem alten Schulfreund Andreas bietet dramatisches Potenzial. Leider bleibt es bei diesem Potenzial. Die kunsthistorischen Exkurse sind zwar sorgfältig recherchiert, wirken im Text aber wie eingeschobene Referate, informativ, ja, aber sie bremsen den ohnehin zähen Erzählrhythmus immer wieder aus. Und dann sind da die Figuren, Rupert, Max und Klara bleiben für mich auch im zweiten Band seltsam konturlos und emotional auf Abstand. Max’ seitenlange innere Vorwürfe an seinen Chef wirken deplatziert, und die Einführung des Kindesmissbrauch-Nebenstrangs im Internat fühlt sich weniger wie eine erzählerische Entscheidung an sondern mehr wie ein Gewicht, das die Geschichte nach unten zieht, ohne ihr mehr Tiefe zu geben. Wo andere Leser Charme und Humor in der Reihe entdecken, spürte ich vor allem Distanz. Die Hauptcharaktere erzeugen bei mir keine Verbundenheit. Am Ende bleibt „Caravaggios Schatten” für mich ein Buch, das im Schatten seines großen Themas steht, eine bemühte Kopie, die die Wucht und Unmittelbarkeit ihres Namensgebers niemals erreicht. Das Gerüst ist da, die Ideen sind da. Doch die Leidenschaft, die Caravaggio selbst nie verleugnen konnte, suche ich hier vergeblich.




