Brennendes Geheimnis

Brennendes Geheimnis

Hardcover
3.917
KunstmarkIdentitätStadtLebenskunst

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Beschreibung

'Alles Dichterische erinnert mich immer an den Process eines Entwickelns von Photografien – zuerst die leere Platte, dann setzen wir einen Schleier Linien an, werden deutlicher, sichtbarer, schärfer.' Das so entstehende Abbild einer real geschauten Welt in neuer Dimension fördert oft zunächst nicht beachtete Details, vor allem aber einen Gesamteindruck zutage, wie er bei der Konzentration auf Einzelnes von vorneherein nicht selbstverständlich ist. Die Texte dieses Bandes, der zusammen mit ›Phantastische Nacht‹ (1982), ›Verwirrung der Gefühle‹ (1983), ›Der Amokläufer‹ (1984), ›Buchmendel‹ und den Romanen die erzählerischen Schriften Stefan Zweigs innerhalb der Gesammelten Werke unter Einbeziehung des Nachlasses neu ordnet, gruppieren sich wesentlich um diesen Aspekt; sie führen wie durch eine Lebensspanne: vom zwölfjährigen Knaben über den Studenten zum in Leben und Beruf erfahrenen Mann, in der Großstadt wie in der Provinz. Mit den Begriffen Eifersucht, Sehnsucht, Neugier und Abenteuerlust würde über die einzelnen Stücke dieses Bandes ein Grobraster gelegt – tatsächlich sind es psychologisch-literarische Studien, die die Erfahrung des Autors weder ausklammern können noch wollen. Es wäre andererseits sicher nicht richtig, wollte man zu jeder dieser vorgestellten Verhaltensweisen nach einem Analogen in Stefan Zweigs äußerer Biographie suchen. Doch dieser oder jener Ansatzpunkt mag zu einem intensiveren, vielleicht sogar persönlicheren Verständnis dieser Erzählungen führen.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Klassiker
Format
Hardcover
Seitenzahl
376
Preis
22.70 €

Beiträge

2
Alle
4.5

Psychologisch tief und mit einer sprach Gewalt, nur zu empfehlen.

Nachdem ich mit Stefan Zweigs Schachnovelle bereits einen literarischen Klassiker erleben durfte, der mich mit seiner psychologischen Wucht und meisterhaften Sprachgewalt tief beeindruckt zurückließ, wollte ich unbedingt noch tiefer in das Werk dieses außergewöhnlichen Autors eintauchen. So fiel meine Wahl auf Brennendes Geheimnis – eine kurze Novelle, die auf den ersten Blick beinahe unscheinbar wirken mag, deren emotionale Kraft jedoch wie ein schleichendes Feuer unter der Oberfläche lodert und sich Seite für Seite immer intensiver entfaltet. Stefan Zweig gelingt es auch hier wieder mit einer nahezu unvergleichlichen Eleganz, aus einer scheinbar einfachen Konstellation ein tief bewegendes, psychologisch fein gesponnenes Drama zu erschaffen. Im Mittelpunkt stehen drei Figuren: der zwölfjährige Edgar, seine Mutter und ein Baron. Was zunächst wie eine harmlose Begegnung in der abgeschlossenen Welt eines Hotels beginnt, entwickelt sich zu einem feinfühligen, schmerzhaften und zugleich hochspannenden Geflecht aus Vertrauen, Manipulation, Erwachen und Enttäuschung. Besonders Edgar ist eine Figur, die mich emotional vollkommen ergriffen hat, denn Zweig beschreibt dessen kindliche Sehnsucht nach Anerkennung, seine aufrichtige Freude über die neue Bekanntschaft und schließlich seine schmerzvolle Konfrontation mit der Welt der Erwachsenen auf eine Weise, die zutiefst unter die Haut geht. Man spürt beim Lesen jede Unsicherheit, jede Hoffnung, jede Verletzung dieses Jungen so intensiv, dass man sich seinem inneren Erleben kaum entziehen kann. Was mich jedoch erneut am meisten fasziniert hat, ist Zweigs Sprache, die sich kaum in Worte fassen lässt, weil sie eine Schönheit besitzt, die man vielmehr fühlen als beschreiben kann. Seine Sätze fließen mit einer solchen Feinheit, einer solchen literarischen Anmut, dass selbst die leisesten emotionalen Regungen eine gewaltige Wirkung entfalten. Brennendes Geheimnis liest sich nicht einfach nur – es zieht einen in einen Strudel aus Emotionen, Beobachtungen und unausgesprochenen Spannungen hinein. Obwohl die gesellschaftlichen Rollenbilder selbstverständlich stark von der Entstehungszeit geprägt sind, verliert die Geschichte dadurch keineswegs an Wirkung. Vielmehr entfaltet sie gerade durch ihre psychologische Tiefe und die universellen Themen von Vertrauen, Verlust der Unschuld und emotionalem Erwachen eine zeitlose Kraft. Besonders bemerkenswert ist, wie Stefan Zweig die Handlung mit beinahe thrillerartiger Spannung aufbaut, dabei jedoch niemals laut oder effekthascherisch wird. Stattdessen steigert sich die Geschichte langsam, subtil und mit einer beinahe quälenden Intensität, die mich immer tiefer in ihren Bann gezogen hat. Diese leise, aber stetig wachsende Spannung hätte ich in dieser Form kaum erwartet und sie macht die Novelle umso eindringlicher. Brennendes Geheimnis ist für mich ein weiterer eindrucksvoller Beweis dafür, warum Stefan Zweig zu den großen Meistern der psychologischen Literatur gehört. Diese Novelle mag kurz sein, doch ihre Wirkung ist enorm. Sie berührt, fesselt und hallt lange nach. Ich kann diesen Klassiker daher nur von Herzen empfehlen, denn allein Zweigs Sprache ist bereits ein Genuss, doch die emotionale Tiefe und die meisterhafte Erzählkunst machen dieses Werk zu einem wahrhaft brennenden literarischen Erlebnis.

5

Wundere mich jetzt schon zum vierten Mal in diesem Jahr, dass Stefan Zweig mich so fesseln kann. Edgar, gerade 12 Jahre alt führt uns durch die Geschichte und erzählt sehr emotional die Begegnungen zwischen ihm, einem jungen Baron und seiner Mutter. Das Ende wirkt überstürzt, wenn auch stimmig. Ein weiteres Mal, ein großes Dankeschön an Herrn Zweig! Und welches Buch lese ich jetzt von ihm?

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