Bogners Abgang
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Hans Platzgumer, geboren 1969 in Innsbruck, lebt in Bregenz. Er studierte Musik in Wien und Los Angeles, veröffentlichte Dutzende Tonträger und widmet sich heute vornehmlich der Schriftstellerei. Er schreibt Romane, Essays, Hörspiele, Theatermusik und Songs. Am Rand stand 2016 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschienen Drei Sekunden Jetzt (2018), Willkommen in meiner Wirklichkeit! (Essay, 2019) und zuletzt bei Zsolnay seine Romane Bogners Abgang (2021) und Großes Spiel (2023).
Beiträge
Eine Tat im Affekt trifft auf einen Autounfall und am Ende ist ein Mann tot. Sowohl die Autofahrerin als auch der Täter im Affekt hatten keinerlei Tötungsabsicht, beiden gelingt es, sich unbemerkt vom Unfallort zu entfernen. Doch wie gehen diese beiden Menschen mit der Schuld um, jede*r für sich? Ein interessanter, intelligenter und psychologisch gut beobachteter Roman, liest sich spannend wie ein Krimi - mir hat es sehr viel Spaß gemacht
Die Hauptstadt Tirols, Innsbruck, ist der Ort des Geschehens. Eines nachts wird ein Fußgänger an einer Kreuzung von einem Auto erfasst und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Was aber genau passiert ist, bleibt zunächst unklar. Die handelnden Personen, Andreas Bogner und Nicola Pammer, waren in jener Nacht an der Unfallstelle. Er hat eigentlich nur die Schusswaffe seines Schwiegervaters zeichnen wollen und sie auf einer Veranstaltung zu viel getrunken. Wer trägt die Verantwortung am tödlichen Unglück? Ich kenne bisher keines der Bücher von Platzgumer, kann mir aber durchaus vorstellen, dass dies nicht mein letztes gewesen ist. Der Sprachstil liest sich mühelos und flüssig, dem Autoren gelingt inhaltlich ein roter Faden, der seinen Leser gekonnt am Ball bleiben lässt. Die Charaktere haben wenig gemeinsam. Er ist ein erfolgloser Künstler auf der Suche nach Inspiration, der sich mit seiner Arbeit von anderen seiner Garde abheben möchte. Die Ehe mit Astrid läuft für Andreas mehr schlecht als recht, da er sich immer mehr in sein Atelier zurück zieht. Für sein neues Projekt leiht er sich eine Schusswaffe seines Schwiegervaters aus. Nicola Pammer stammt aus Bregenz und studiert an der Universität Innsbruck. Obwohl sie plant nach Haus zu fahren, ändert sie kurzerhand ihre Pläne und feiert den Geburtstag ihrer WG-Mitbewohnerin. Nach drei Aperol Spritz steigt sie in ihr Auto und macht sich auf den Heimweg. Es kommt zu einer Reihe von zufälligen Verkettungen, aus der heraus eine Situation entsteht, die sowohl Andreas Bogners, als auch Nicola Pammers Leben von jetzt auf gleich verändern wird. Hans Platzgumer schreibt schnörkellos und spannungsreich und lässt zunächst viele Umstände offen. Es gelingt dem Autoren in die Gedanken seiner Figuren einzutauchen und diese für seine Leser zu konkretisieren. Der Krimi wird hauptsächlich protokollarisch wiedergegeben, sodass sich Platzgumer nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält. Auch wenn er sich nicht in Details verliert, gibt er seinen Protagonisten ausreichend Raum. Die Bruchstücke des Unfalls werden nach und nach zusammen gesetzt, sodass sich am Ende alles zu einem Ganzen fügt. Hierbei wird zuvor nicht zu viel verraten und bis zuletzt bleibt vieles im Unklaren, was den Spannungsfaktor kontinuierlich hoch hält. Zwei Menschen und eine verhängnisvolle Nacht, die zur Zerreißprobe wird. Hans Platzgumer stellt die Frage, was es heißt, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen und so die Schuldfrage ins Zentrum seiner Überlegung. Ein spannungsgeladener Krimi, der nicht zu viel verspricht.
Wenn ihr mal aus eurer literarischen Komfortzone ausbrechen wollt, ist dieses Buch der perfekte Anfang!
Manchmal stolpert man über Bücher, die einen völlig überraschen – so ging es mir mit Bogners Abgang. Ganz ehrlich: Weder das Cover noch der Titel haben mich angesprochen. Wenn ich das Buch in einer Buchhandlung gesehen hätte, wäre ich schnurstracks daran vorbeigelaufen. Aber manchmal haben Bücher-Abo-Überraschungen eben ihre eigene Magie. Dank meines Bücher-Abos (Bookseller's Choice – ja, ich liebe Überraschungen) landete dieser schmale Roman auf meinem Nachttisch. Und was soll ich sagen? Ich hätte das Ding fast in einem Rutsch gelesen, wenn ich nicht irgendwann zu müde gewesen wäre - nachts um 2 Uhr. Es sind nur 140 Seiten, aber die haben es in sich. So klein und unscheinbar das Buch wirkt, so spannend ist die Geschichte dahinter. Worum geht’s eigentlich? Die Story dreht sich um einen fatalen Autounfall und die zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise darin verwickelt sind: den Künstler Andreas Bogner und die Studentin Nicole Pammer. Die Frage um die es in diesem Roman geht: Wer trägt Schuld an diesem Unfall? Die Handlung entwickelt sich wie ein gedanklicher Ping-Pong: Jeder von beiden reflektiert die Geschehnisse aus seiner Perspektive, und die Schuldfrage wird auf eine beeindruckend menschliche, manchmal auch beklemmende Art beleuchtet. Die Gedanken der Protagonisten und ihr Handeln wirken so real, dass man selbst ins Grübeln kommt: Wie hätte ich mich in so einer Situation verhalten? Besonders spannend war für mich der Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers Andreas Bogner. Als jemand, der selbst malt, haben mich seine inneren Monologe über Kunst und Kreativität sofort abgeholt. Da steckt so viel Ehrlichkeit drin, so viel Kampf zwischen dem Wunsch nach echter, freier Kunst und der Angst, sich dabei selbst zu verlieren. "Doch dieses Schwarz, das in mir steckt, will ich dennoch nicht verlieren. Ich will meine Kreativität nicht wegtherapieren. Sie ist das Wertvollste, das ich besitze." (Zitat) Als kreativer Mensch versteht man diese Worte sofort. Man fühlt das Ringen zwischen dunklen Gedanken, die einen manchmal auffressen, und dem Wissen, dass genau diese Tiefe auch die Quelle für die eigene Kunst ist. Bogner ist kein einfacher Charakter – und genau das macht ihn so interessant. Er ist jemand, der sich mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert sieht. Manchmal möchte man ihn schütteln, weil er so in seinem Kopf gefangen ist, und dann wieder fühlt man total mit ihm mit. "Im selben Augenblick ekelte es Bogner vor sich selbst. Seine Motivation war offensichtlich nicht, freie Kunst aus eigener Überzeugung zu erschaffen, sondern etwas Berechnetes zu produzieren, um einen Fremden damit zu beeindrucken." (Zitat) Wer von uns hat noch nie gezweifelt, ob das, was wir tun, wirklich aus unserem tiefsten Inneren kommt oder doch nur ein Versuch ist, anderen zu gefallen? Mein Fazit Was Bogners Abgang für mich besonders macht, ist die Tiefe, die in diesen wenigen Seiten steckt. Es ist kein Buch, das man mal eben wegliest und vergisst. Es zwingt dich, innezuhalten, nachzudenken und dich vielleicht sogar mit deiner eigenen Sicht auf Schuld und Kreativität auseinanderzusetzen. Also: Lasst euch nicht vom unscheinbaren Cover täuschen. Dieses Buch ist ein kleines, aber intensives Erlebnis. Ich gebe 4 von 5 Sternen und werde definitiv noch ein weiteres Buch von Hans Platzgumer lesen.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Hans Platzgumer, geboren 1969 in Innsbruck, lebt in Bregenz. Er studierte Musik in Wien und Los Angeles, veröffentlichte Dutzende Tonträger und widmet sich heute vornehmlich der Schriftstellerei. Er schreibt Romane, Essays, Hörspiele, Theatermusik und Songs. Am Rand stand 2016 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Zuletzt erschienen Drei Sekunden Jetzt (2018), Willkommen in meiner Wirklichkeit! (Essay, 2019) und zuletzt bei Zsolnay seine Romane Bogners Abgang (2021) und Großes Spiel (2023).
Beiträge
Eine Tat im Affekt trifft auf einen Autounfall und am Ende ist ein Mann tot. Sowohl die Autofahrerin als auch der Täter im Affekt hatten keinerlei Tötungsabsicht, beiden gelingt es, sich unbemerkt vom Unfallort zu entfernen. Doch wie gehen diese beiden Menschen mit der Schuld um, jede*r für sich? Ein interessanter, intelligenter und psychologisch gut beobachteter Roman, liest sich spannend wie ein Krimi - mir hat es sehr viel Spaß gemacht
Die Hauptstadt Tirols, Innsbruck, ist der Ort des Geschehens. Eines nachts wird ein Fußgänger an einer Kreuzung von einem Auto erfasst und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Was aber genau passiert ist, bleibt zunächst unklar. Die handelnden Personen, Andreas Bogner und Nicola Pammer, waren in jener Nacht an der Unfallstelle. Er hat eigentlich nur die Schusswaffe seines Schwiegervaters zeichnen wollen und sie auf einer Veranstaltung zu viel getrunken. Wer trägt die Verantwortung am tödlichen Unglück? Ich kenne bisher keines der Bücher von Platzgumer, kann mir aber durchaus vorstellen, dass dies nicht mein letztes gewesen ist. Der Sprachstil liest sich mühelos und flüssig, dem Autoren gelingt inhaltlich ein roter Faden, der seinen Leser gekonnt am Ball bleiben lässt. Die Charaktere haben wenig gemeinsam. Er ist ein erfolgloser Künstler auf der Suche nach Inspiration, der sich mit seiner Arbeit von anderen seiner Garde abheben möchte. Die Ehe mit Astrid läuft für Andreas mehr schlecht als recht, da er sich immer mehr in sein Atelier zurück zieht. Für sein neues Projekt leiht er sich eine Schusswaffe seines Schwiegervaters aus. Nicola Pammer stammt aus Bregenz und studiert an der Universität Innsbruck. Obwohl sie plant nach Haus zu fahren, ändert sie kurzerhand ihre Pläne und feiert den Geburtstag ihrer WG-Mitbewohnerin. Nach drei Aperol Spritz steigt sie in ihr Auto und macht sich auf den Heimweg. Es kommt zu einer Reihe von zufälligen Verkettungen, aus der heraus eine Situation entsteht, die sowohl Andreas Bogners, als auch Nicola Pammers Leben von jetzt auf gleich verändern wird. Hans Platzgumer schreibt schnörkellos und spannungsreich und lässt zunächst viele Umstände offen. Es gelingt dem Autoren in die Gedanken seiner Figuren einzutauchen und diese für seine Leser zu konkretisieren. Der Krimi wird hauptsächlich protokollarisch wiedergegeben, sodass sich Platzgumer nicht lange mit Nebensächlichkeiten aufhält. Auch wenn er sich nicht in Details verliert, gibt er seinen Protagonisten ausreichend Raum. Die Bruchstücke des Unfalls werden nach und nach zusammen gesetzt, sodass sich am Ende alles zu einem Ganzen fügt. Hierbei wird zuvor nicht zu viel verraten und bis zuletzt bleibt vieles im Unklaren, was den Spannungsfaktor kontinuierlich hoch hält. Zwei Menschen und eine verhängnisvolle Nacht, die zur Zerreißprobe wird. Hans Platzgumer stellt die Frage, was es heißt, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen und so die Schuldfrage ins Zentrum seiner Überlegung. Ein spannungsgeladener Krimi, der nicht zu viel verspricht.
Wenn ihr mal aus eurer literarischen Komfortzone ausbrechen wollt, ist dieses Buch der perfekte Anfang!
Manchmal stolpert man über Bücher, die einen völlig überraschen – so ging es mir mit Bogners Abgang. Ganz ehrlich: Weder das Cover noch der Titel haben mich angesprochen. Wenn ich das Buch in einer Buchhandlung gesehen hätte, wäre ich schnurstracks daran vorbeigelaufen. Aber manchmal haben Bücher-Abo-Überraschungen eben ihre eigene Magie. Dank meines Bücher-Abos (Bookseller's Choice – ja, ich liebe Überraschungen) landete dieser schmale Roman auf meinem Nachttisch. Und was soll ich sagen? Ich hätte das Ding fast in einem Rutsch gelesen, wenn ich nicht irgendwann zu müde gewesen wäre - nachts um 2 Uhr. Es sind nur 140 Seiten, aber die haben es in sich. So klein und unscheinbar das Buch wirkt, so spannend ist die Geschichte dahinter. Worum geht’s eigentlich? Die Story dreht sich um einen fatalen Autounfall und die zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise darin verwickelt sind: den Künstler Andreas Bogner und die Studentin Nicole Pammer. Die Frage um die es in diesem Roman geht: Wer trägt Schuld an diesem Unfall? Die Handlung entwickelt sich wie ein gedanklicher Ping-Pong: Jeder von beiden reflektiert die Geschehnisse aus seiner Perspektive, und die Schuldfrage wird auf eine beeindruckend menschliche, manchmal auch beklemmende Art beleuchtet. Die Gedanken der Protagonisten und ihr Handeln wirken so real, dass man selbst ins Grübeln kommt: Wie hätte ich mich in so einer Situation verhalten? Besonders spannend war für mich der Einblick in die Gedankenwelt des Künstlers Andreas Bogner. Als jemand, der selbst malt, haben mich seine inneren Monologe über Kunst und Kreativität sofort abgeholt. Da steckt so viel Ehrlichkeit drin, so viel Kampf zwischen dem Wunsch nach echter, freier Kunst und der Angst, sich dabei selbst zu verlieren. "Doch dieses Schwarz, das in mir steckt, will ich dennoch nicht verlieren. Ich will meine Kreativität nicht wegtherapieren. Sie ist das Wertvollste, das ich besitze." (Zitat) Als kreativer Mensch versteht man diese Worte sofort. Man fühlt das Ringen zwischen dunklen Gedanken, die einen manchmal auffressen, und dem Wissen, dass genau diese Tiefe auch die Quelle für die eigene Kunst ist. Bogner ist kein einfacher Charakter – und genau das macht ihn so interessant. Er ist jemand, der sich mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert sieht. Manchmal möchte man ihn schütteln, weil er so in seinem Kopf gefangen ist, und dann wieder fühlt man total mit ihm mit. "Im selben Augenblick ekelte es Bogner vor sich selbst. Seine Motivation war offensichtlich nicht, freie Kunst aus eigener Überzeugung zu erschaffen, sondern etwas Berechnetes zu produzieren, um einen Fremden damit zu beeindrucken." (Zitat) Wer von uns hat noch nie gezweifelt, ob das, was wir tun, wirklich aus unserem tiefsten Inneren kommt oder doch nur ein Versuch ist, anderen zu gefallen? Mein Fazit Was Bogners Abgang für mich besonders macht, ist die Tiefe, die in diesen wenigen Seiten steckt. Es ist kein Buch, das man mal eben wegliest und vergisst. Es zwingt dich, innezuhalten, nachzudenken und dich vielleicht sogar mit deiner eigenen Sicht auf Schuld und Kreativität auseinanderzusetzen. Also: Lasst euch nicht vom unscheinbaren Cover täuschen. Dieses Buch ist ein kleines, aber intensives Erlebnis. Ich gebe 4 von 5 Sternen und werde definitiv noch ein weiteres Buch von Hans Platzgumer lesen.






