Bericht der Maräne

Bericht der Maräne

Taschenbuch

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Beschreibung

Länger noch die Schindmähre zu sein, bin ich es müde. Der wohl erwogene Entschluß steht fest. Will nicht weiter den Wortmüll durch meine Zeit schleppen, habe es gründlich satt, mühsam zu trennen zwischen dem was wirklich war und dem, was gewesen sein könnte, aber nicht war. So ist es wenig verwunderlich, daß ich mich nach Kundigen umschaue, die Auskunft erteilen können von den Dingen, die sie erlebt haben, nach Sehenden, deren Wissen als gesichert gelten kann. Mit der Einschränkung: so gut wie, denn völlige, hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht, kann es nicht geben. An ihre Stelle tritt Vertrauen, auch das nicht absolut, aber immerhin. Gewiß, es ist ein Risiko dabei, ich muß es in kauf nehmen und bin bereit dazu. Vielleicht war es der Zufall oder sonst eine glückliche Fügung, die vor einigen Monaten zwei Charaktere zusammenführte, wie sie unterschiedlicher kaum vorstellbar sind. Eine Paarung, die ihren Reiz eben durch die Gegensätzlichkeit der Interessen sich entwickeln, sie zu guter Letzt aber in erstaunlicher Einmütigkeit münden läßt. Die genauen Umstände, die Einzelheiten des ersten Zusammentreffens und der folgenden Begegnungen, die Fragen nach dem Wie und Wo sind unerheblich und nur für diejenigen interessant, die in ihrer detailverliebten Genauigkeit vom Wesentlichen ablenkend, die größeren Zusammenhänge nicht zu erkennen vermögen und sich in belanglosen Kleinigkeiten nur allzu gerne verfangen. Hilflos hängen sie in den Netzen ihrer eigenen Unzulänglichkeiten und schnappen vergeblich nach der Luft der Erkenntnis, die armen Tröpfe. Aber genug davon, ihr Schicksal ist es nicht wert, sich in ihm zu verlieren. Wir vermerken demnach zum Beginn, wie ich das Behältnis in den See halte, einen kleinen Teil von ihm abzuschöpfen, um es samt Inhalt zum zeitweiligen Verbleib in meine bescheidene Behausung zu verbringen, ehe ich später, viel später dem See wieder zurückgebe, was ich ihm für kurze Weile genommen habe. Und dort in meiner Behausung will ich also von den Dingen erzählen, oder besser gesagt, erzählen lassen. Nur hin und wieder zu Wort mich melden, erklären, wenn es zum Verständnis nötig erscheint, ansonsten den allzu oft vorlauten Mund halten und mich mit meiner Aufgabe am Herd bescheiden. Nicht habe ich sie sehenden Auges erlebt, das war kaum möglich, kann dennoch ihre Wahrheit bezeugen, weil ich weiß, es hat sich so zugetragen. Genau so, nur in unwesentlichen Teilen anders vielleicht. Woher ich das weiß? Nun, ich weiß es eben, ungläubiger Frager, das muß genügen. Ich spüre, daß sie wahr ist. Man muß, und davon künden nicht nur diese, sondern alle anderen wahren Geschichten, ihren Kern in sich saugen, bereit sein, ihre Botschaft aufzunehmen, die Augen schließen und sie wirken lassen. Im Inneren, in sich drin. Natürlich kommt es auch darauf an, wer sie erzählt, die Dinge, von denen zu berichten sich lohnt. Im Einklang von Botschaft und Erzähler entscheidet sich ganz von allein, was stimmt und was nicht. Es ist gar nicht notwendig, selbst viele Mühen aufzuwenden. Ausschlaggebend ist nur eine Voraussetzung, die erforderlich ist, als unabdingbar sich erweist: die nämlich, bereit zu sein. So einfach ist das, oder so schwer.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
126
Preis
10.10 €