Beim Anschüren des Eisvogels

Beim Anschüren des Eisvogels

Taschenbuch
4.01

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Beschreibung

Während zahlreicher Aufenthalte in Nationalparks und anderen Orten großer natürlicher Schönheit entstanden Leonhard F. Seidls Erzählungen und Essays. In ihnen verwebt er die Geschichten der jeweiligen Regionen mit seinen eigenen Erlebnissen und Empfindungen. Der Mythos von Alkyon erzählt ihm von der Witwe, deren Trauer um ihren ertrunkenen Mann sie selbst ins Meer trieb, wo die Götter beide in Eisvögel verwandelten. Seidl begegnet seinem Eisvogel im österreichisch-tschechischen Nationalpark Thayatal / Podyjí an der Grenze des einstigen »Eisernen Vorhangs«. Und er sitzt auf dem Schwemmholzstapel im Taubertal, wo Schandtauber und Tauber sich vereinen. Dort heben sich die Grenzen zwischen den Staaten, Innen und Außen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Weitere Themen
Format
Taschenbuch
Seitenzahl
120
Preis
19.60 €

Autorenbeschreibung

Leonhard F. Seidl Schriftsteller, Journalist, Dozent für Kreatives Schreiben und Nature Writer. Seidl lebt in Fürth und ist Autor von sechs Romanen, zahlreichen Kurzgeschichten, Kommentaren, Essays u. a. in taz und Süddeutsche Zeitung. Er hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, zuletzt den Kulturpreis der Stadt Fürth (2022) und war in vier Nationalparks in Deutschland, Österreich und Tschechien Nature Writer in Residence.

Beiträge

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Wenn ich eins behaupten kann, dann, dass sich durch meine Buchbloggerei die Vielfalt dessen, was ich lese, stark erweitert hat. Von Leo F. Seidl habe ich bereits zwei Romane sowie die von ihm herausgegebene Biografie des Fürther Anarchisten Fritz Oerter sehr gerne gelesen. Als er mich fragte, ob ich an seinem Nature Writing-Erzählband "Beim Anschüren des Eisvogels" (Reziexemplar) Interesse habe, habe ich zugesagt - in dem Wissen, dass die Themen Umwelt und Natur in letzter Zeit bei mir eher selten vorkamen. Was eigentlich schade ist, bin ich doch selbst auf dem Land großgeworden, war als Kind im NABU und sogar Schulumweltsprecherin. Warum ich damit eine Rezension eröffne? Weil mich dieser Erzählband an vielen Stellen zu den Zeiten zurückgetragen hat, als ich noch mehr und häufiger in der Natur unterwegs war. Das fing direkt mit der ersten Kurzgeschichte an, in der das Bogenschießen eine zentrale Rolle spielt. Denn als Jugendliche war das auch mein Hobby. Aber auch Leos Beschreibungen der bayrisch-fränkischen Täler hat mich eingesogen und zumindest virtuell dort hin versetzt, also ja genau das, was Nature Writing schaffen soll. Daneben habe ich mich vor allem sehr von seinem längeren theoretischen Text über Nature Writing und Politik, das völk.sche Erbe in Deutschland und dessen Auswirkungen auf diese Art des Schreibens und die Möglichkeit ant.kapital.stischer Freiräume abgeholt gefühlt. Die Texte entstanden über mehrere Jahre, auch im Zeitraum von Covid, wodurch besonders deutlich wird, wie hilfreich der Rückzug in die Natur sein kann, wenn es zu viel wird. Die Texte entstanden über mehrere Jahre, auch im Zeitraum von Covid, wodurch der Natur in den Texten auch eine Rolle als Ruhepol und Anker zukommt, die ich gut nachempfinden konnte. Lange Spaziergänge durch den Wald waren auch für mich ein Weg, mit dieser seltsamen Zeit umzugehen. An anderer Stellen konnte ich persönlich nicht so gut anknüpfen, etwa die etwas spiritueller-meditativen Überlegungen. Trotzdem war es interessant, auch diee Perpektive zu lesen und genau das mag ich an solchen Erzählbänden: Sie können unterschiedlichen Menschen sehr unterschiedliche Leseerfahrung bieten. Das gilt gerade, weil Nature Writing, wie der Autor selbst schreibt, Genregrenzen überschreitet und sich schwer einordnen lässt. Und das schließlich hat mich beim Lesen zu der generellen Frage geführt, wie man vor einem solchen Kontext, in dem möglichst realistische Naturbeobachtungen teils mit Fiktion, teils mit persönlicher Wahrnehmung vermischt werden, eigentlich generell über zwischenmenschliche Beziehungen schreiben kann. Denn ein prägendes Motiv, das sich durch die Texte zieht, ist die Trennung der Erzählfigur von seiner Partnerin. Hier bietet die Vermischung von Genres natürlich eine gewisse Distanz, die verhindert, dass man als Leser*in die Grenzen zwischen Erzähler und Autor übergehen könnte. Trotzdem bleibt die "andere" Person in diesen subjektiv ausgerichteten Texten natürlich stumm, was durch den Anspruch von Nature Writing, persönliche Inhalte einfließen zu lassen, eben doch die Frage aufwirft, wie real die beschriebenen Figuren sind. Das ist freilich keine Frage oder "Fehler", den ich dem Autor vorwerfen würde, sondern es knüpft an die generelle und ja auch breit diskutierte Frage an, wie sich in autofiktionalen Texten mit anderen realen Figuren umgehen lässt, von denen solche Texte immer auch handeln. Jetzt habe ich relativ weit ausgeholt, wodurch ihr aber einen ganz guten Überblick über die thematische Breite erhalten haben solltet. "Beim Anschüren des Eisvogels" erschien am 11. August bei Killroy Media.

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