Bäume reisen nachts
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Aude Le Corff, 1977 in Tokio geboren, studierte Wirtschaft und Psychologie, bevor sie 2009 ihr mit dem Prix ELLE ausgezeichnetes Blog Nectar du Net begann. Bäume reisen nachts ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie im französischen Nantes.
Beiträge
Eine Reise zum Wesentlichen
Eine depressive Frau verläßt ihren Mann, ihre Tochter und ihre Schwester. Das verlassene Kind findet im Nachbarn einen Zuhörer und einen Vorleser. "Der kleine Prinz" wird ihre Indpiration. Das Buch hat mich sehr gerührt, da jeder seine "Geschichte", Leben und Träume hat, denen mit diesem Buch gut Raum gegeben wurde.
Das achtjährige Mädchen Manon wohnt zusammen mit ihrem depressiven Vater, der sie und sich selbst vernachlässigt. Der Auslöser dafür war das spurlose Verschwinden der Mutter, das die ganze Geschichte bestimmt. Rührend, aber auch etwas hilflos kümmern sich stattdessen Manons Tante und der alte Nachbar Anatol um das Mädchen, bis sie sich alle gemeinsam auf die Suche nach der Mutter machen. Um diesem Buch folgen zu wollen, sollte man vorab 'Der kleine Prinz' von Antoine der Saint-Exupéry gelesen haben, da Anatol Manon daraus vorliest und die Erzählung den Rahmen für Manons Geschichte bildet. Dieser Teil des Buchs, indem Anatol und Manon beide ihre Verluste anhand des kleinen Prinzen abarbeiten, hat mir gut gefallen. Das war aber leider auch schon das einzige. Die Figuren sind teilweise sehr flach und Klischeehaft gezeichnet, der Plot ist leider vorhersehbar. Man merkt, dass die Figuren durch spezifische Aspekte wie die depressive Erkrankung des Vaters oder die trans Identität der Tante eine Tiefe bekommen sollten, das hat meiner Meinung nach aber nicht gut funktioniert. Im Gegenteil: die Charakterbeschreibungen machten auf mich einen eher küchenpsychologischen Eindruck, die Reaktionen und ganz besonders das Ende fand ich oft unrealistisch. Doch am schlimmsten war die Reproduktion von sexistischer, ableistischer und vor allem transfeindlicher Sprache. All das war größtenteils aus Sichtweise des alten Nachbarn reproduziert, der die Tante immer wieder mit transfeindlichen Aussagen verletzt. Es gibt zwar einen Lerneffekt, aber gut gelöst fand ich es nicht.
Inhalt: Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem achtzigjährigen pensionierten Französischlehrer Anatole und dem achtjährigen Mädchen Manon, das Anatoles Aufmerksamkeit erregte, indem sie voller Kummer tagein tagaus lesend unter einer Birke saß und mit Katzen und Ameisen sprach. Der Grund für Manons Kummer ist, dass sie und ihr Vater von Manons Mutter Anaïs verlassen wurden, ohne dass die beiden den Grund kannten, geschweige denn wussten, was aus Anaïs geworden ist. Manons Vater Pierre, ebenfalls in Kummer versunken, ist nicht mehr in der Lage, Manon Halt zu geben. Abgerundet wird das Gespann durch Manons Tante Sophie, die Manon ebensowenig erreichen kann. Nach dem ersten Hinweis über den Verbleib der Mutter, machen sich die Vier auf den Weg, um sie zu suchen und zurückzuholen. Meine Meinung: Manon und Anatole wirken bezaubernd. Es ist eine der zwischenmenschlichen Beziehungen, die voller Magie stecken. Die beiden haben sich nicht gesucht, aber gebraucht! Der Prozess, in dem Manon sich Anatole ggü. öffnet, ist wunderbar zu beobachten. Ich habe das Buch verschlungen. Es war schön, zu sehen, wie sich eine tiefe Freundschaft entwickelte und Manon dadurch Hoffnung und Positivität zurückgegeben wurden. Ebenso spannend war es, zu verfolgen, wie sich die drei Erwachsenen näher kamen und ihre Beziehungen, die es ohne Manon wahrscheinlich nicht gegeben hätte, zueinander aufgebaut haben. Das Cover mag ich sehr gerne. Insbesondere, weil die Blätter leicht strukturiert sind. Leider nur auf dem Frontdeckel, nicht auf dem Rückdeckel. Aber immerhin! Ich mag diese liebevollen Details. Der Schreibstil ist flüssig, die Autorin wechselt stetig zwischen direkter und indirekter Rede, was abwechslungsreich zu lesen war. Auch die Zitate literarischer Größen sind passend gewählt und keinesfalls überladen. Dadurch bekommt der Inhalt leichte Poesie, was diese zauberhafte Freundschaft abrundet. Mir gefällt der Klappentext überhaupt nicht, weil es inhaltlich nicht ganz stimmt. Der Plan wird (genau genommen) nicht von Anatole und Manon geschmiedet. Was mir zudem nicht gefällt, ist das Ende. Je näher ich dem Ende kam, desto mehr bekam ich den Gedanken, enttäuscht zu werden. Dem war schlussendlich auch so. Das, was Manon und ihre Familie aushalten musste, über Monate hinweg, mit all den schlechten Gefühlen, wie Sorge, Trauer, Wut, Verzweiflung usw. kann einfach nicht so aufhören, wie es aufhörte. Das Ende war für mich nicht authentisch genug. Dennoch es ist ein sehr gutes Buch, dass ich gerne weiterempfehle.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Aude Le Corff, 1977 in Tokio geboren, studierte Wirtschaft und Psychologie, bevor sie 2009 ihr mit dem Prix ELLE ausgezeichnetes Blog Nectar du Net begann. Bäume reisen nachts ist ihr erster Roman. Sie lebt mit ihrer Familie im französischen Nantes.
Beiträge
Eine Reise zum Wesentlichen
Eine depressive Frau verläßt ihren Mann, ihre Tochter und ihre Schwester. Das verlassene Kind findet im Nachbarn einen Zuhörer und einen Vorleser. "Der kleine Prinz" wird ihre Indpiration. Das Buch hat mich sehr gerührt, da jeder seine "Geschichte", Leben und Träume hat, denen mit diesem Buch gut Raum gegeben wurde.
Das achtjährige Mädchen Manon wohnt zusammen mit ihrem depressiven Vater, der sie und sich selbst vernachlässigt. Der Auslöser dafür war das spurlose Verschwinden der Mutter, das die ganze Geschichte bestimmt. Rührend, aber auch etwas hilflos kümmern sich stattdessen Manons Tante und der alte Nachbar Anatol um das Mädchen, bis sie sich alle gemeinsam auf die Suche nach der Mutter machen. Um diesem Buch folgen zu wollen, sollte man vorab 'Der kleine Prinz' von Antoine der Saint-Exupéry gelesen haben, da Anatol Manon daraus vorliest und die Erzählung den Rahmen für Manons Geschichte bildet. Dieser Teil des Buchs, indem Anatol und Manon beide ihre Verluste anhand des kleinen Prinzen abarbeiten, hat mir gut gefallen. Das war aber leider auch schon das einzige. Die Figuren sind teilweise sehr flach und Klischeehaft gezeichnet, der Plot ist leider vorhersehbar. Man merkt, dass die Figuren durch spezifische Aspekte wie die depressive Erkrankung des Vaters oder die trans Identität der Tante eine Tiefe bekommen sollten, das hat meiner Meinung nach aber nicht gut funktioniert. Im Gegenteil: die Charakterbeschreibungen machten auf mich einen eher küchenpsychologischen Eindruck, die Reaktionen und ganz besonders das Ende fand ich oft unrealistisch. Doch am schlimmsten war die Reproduktion von sexistischer, ableistischer und vor allem transfeindlicher Sprache. All das war größtenteils aus Sichtweise des alten Nachbarn reproduziert, der die Tante immer wieder mit transfeindlichen Aussagen verletzt. Es gibt zwar einen Lerneffekt, aber gut gelöst fand ich es nicht.
Inhalt: Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem achtzigjährigen pensionierten Französischlehrer Anatole und dem achtjährigen Mädchen Manon, das Anatoles Aufmerksamkeit erregte, indem sie voller Kummer tagein tagaus lesend unter einer Birke saß und mit Katzen und Ameisen sprach. Der Grund für Manons Kummer ist, dass sie und ihr Vater von Manons Mutter Anaïs verlassen wurden, ohne dass die beiden den Grund kannten, geschweige denn wussten, was aus Anaïs geworden ist. Manons Vater Pierre, ebenfalls in Kummer versunken, ist nicht mehr in der Lage, Manon Halt zu geben. Abgerundet wird das Gespann durch Manons Tante Sophie, die Manon ebensowenig erreichen kann. Nach dem ersten Hinweis über den Verbleib der Mutter, machen sich die Vier auf den Weg, um sie zu suchen und zurückzuholen. Meine Meinung: Manon und Anatole wirken bezaubernd. Es ist eine der zwischenmenschlichen Beziehungen, die voller Magie stecken. Die beiden haben sich nicht gesucht, aber gebraucht! Der Prozess, in dem Manon sich Anatole ggü. öffnet, ist wunderbar zu beobachten. Ich habe das Buch verschlungen. Es war schön, zu sehen, wie sich eine tiefe Freundschaft entwickelte und Manon dadurch Hoffnung und Positivität zurückgegeben wurden. Ebenso spannend war es, zu verfolgen, wie sich die drei Erwachsenen näher kamen und ihre Beziehungen, die es ohne Manon wahrscheinlich nicht gegeben hätte, zueinander aufgebaut haben. Das Cover mag ich sehr gerne. Insbesondere, weil die Blätter leicht strukturiert sind. Leider nur auf dem Frontdeckel, nicht auf dem Rückdeckel. Aber immerhin! Ich mag diese liebevollen Details. Der Schreibstil ist flüssig, die Autorin wechselt stetig zwischen direkter und indirekter Rede, was abwechslungsreich zu lesen war. Auch die Zitate literarischer Größen sind passend gewählt und keinesfalls überladen. Dadurch bekommt der Inhalt leichte Poesie, was diese zauberhafte Freundschaft abrundet. Mir gefällt der Klappentext überhaupt nicht, weil es inhaltlich nicht ganz stimmt. Der Plan wird (genau genommen) nicht von Anatole und Manon geschmiedet. Was mir zudem nicht gefällt, ist das Ende. Je näher ich dem Ende kam, desto mehr bekam ich den Gedanken, enttäuscht zu werden. Dem war schlussendlich auch so. Das, was Manon und ihre Familie aushalten musste, über Monate hinweg, mit all den schlechten Gefühlen, wie Sorge, Trauer, Wut, Verzweiflung usw. kann einfach nicht so aufhören, wie es aufhörte. Das Ende war für mich nicht authentisch genug. Dennoch es ist ein sehr gutes Buch, dass ich gerne weiterempfehle.








