Romane

Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens

4,3(30)
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Über das Buch

Effi Briests vergessene Schwester

Die junge, verträumte Agathe wächst in einem großbürgerlichen Haushalt auf und möchte eigentlich alles richtig machen. Doch immer wieder eckt sie in der konservativen Gesellschaft des jungen Kaiserreichs an, weder ihre jugendliche Sehnsucht nach Freiheit und Selbstentfaltung noch ihr Wunsch nach Liebe erfüllen sich. Als ihr Bruder ihre Mitgift verspielt, steht ihr nicht einmal mehr eine Vernunftehe offen. Agathe verzweifelt und wird in eine Heilanstalt eingewiesen.
Mit Anmerkungen und Nachwort von Tobias Schwartz.

»Dieses Grundbuch der frühen Frauenbewegung von 1896 kann man ohne Weiteres neben Fontane stellen.«
Tilman Krause, Welt am Sonntag

Editionen (2)

ISBN9783150147481
VerlagReclam, Philipp
Erscheinungsdatum03.09.25
Seitenzahl336

Rezensionen & Bewertungen

30 Bewertungen

12 Rezensionen

4,3

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  • wortschatzkiste
    wortschatzkiste

    222 Follower

    5,0

    Traurige Heldin

    Anfang war es etwas schwer in den Roman herein zu finden. Aber er ist Großartig. Gesellschaftskritik wie ich ihn unheimlich gerne lese - wunderbar analysiert und Messerscharf beschrieben. Anfangs habe ich gedacht einen Jugendroman, oder eine Art Coming-of-Age Story, ende des 19. Jahrhunderts zu lesen, aber der Roman ist so viel mehr. Zwischen den Zeilen erkennt man die Geschichte. Gegen Ende eskaliert es dann völlig. Großartige Geschichte mit einer wunderbar tragischen Hauptprotagonistin.

    Traurige Heldin

    2. Okt. 2024

  • vivabtown
    vivabtown

    102 Follower

    5,0

    Die Überraschung des Jahres für mich. Anfangs habe ich mich mit der Sprache schwer getan. Aber einmal hineingefunden, hat es mich begeistert. Der Untertitel "Leidensgeschichte eines Mädchens" beschreibt dieses Buch bestens. Ein Buch aus dem Jahr 1895, dass unbedingt in der heutigen Zeit gelesen werden sollte.

    3. Apr. 2026

  • Unknown User
    Unknown User

    201 Follower

    5,0

    Roman über eine unverheiratete Frau während der Kaiserzeit

    Der 1896 publizierte Roman "Aus guter Familie" behandelt das Leben der jungen Agathe, die wie der Titel bereits verrät aus einer gutbürgerlichen Familie während der wilhelminischen Zeit stammt. Agathe ist voller Wünsche und Träume. Als sie konfirmiert wird, bekommt sie ein Buch mit Gedichten geschenkt, was der Vater gleich als für sie unpassend reglementiert. Als kurz darauf ihre Freundin Eugenie ihr heimlich erzählt wo die kleinen Kinder tatsächlich herkommen, reagiert Agathe mit Abscheu und distanziert sich von der Freundin. Sie treibt sich bis zum späten Abend auf der Straße herum und wird von ihrer Mutter mit der Gerte dafür geschlagen und kurze Zeit später in ein Pensionst gegeben. Agathe ist eine sensible junge Frau, die sich nicht richtig anpassen kann. Ihre schwärmerische Liebe erfährt viele Ernüchterungen, z.B. dass ihr Bruder dem Dienstmädchen nachstellt und ein von ihr angebeteter Maler ein uneheliches Kind gezeugt hat. Die Regeln, die die Gesellschaft ihr und anderen Frauen auferlegt hat, gelten nicht für die Männer. Selbst als sie in eine Vernunftehe mit einem älteren Mann flüchten will, kommt diese nicht zustande, da der Bruder ihre Mitgift verspielt hat. Agathe findet keinen anderen Halt, als unverheiratet bei den Eltern zu bleiben und diese zu umsorgen. Ihr Wunsch nach Bildung wird von ihrem Vater unterdrückt. Als sie ein naturwissenschaftliches Buch aus der Bibliothek ihres Vaters liest und sich weitere Bücher wünscht, wird ihr dieser Wunsch als für eine Frau unpassend verwehrt; stattdessen erhält sie einen Ratgeber über das Trocknen von Blumen. Agathe rutscht in eine Resignation und schließlich gelangt sie in eine nervöse Überspanntheit. Aus heutiger Sicht würde man ihr vielleicht eine Depression diagnostizieren. Zeit ihres Lebens wurde ihr auferlegt sich anzupassen und eigene Wünsche zu unterdrücken. Diese äußern sich schließlich in romantische Vorstellungungen und Phantasien, die an der Realität scheitern und Agathe immer mehr ernüchtern, zurückdrängen und letztendlich psychisch krank machen. Das Buch war zu Beginn aufgrund des altmodischen Schreibstils etwas schwierig zu lesen, was sich dann schnell legte. Agathe tat mir sehr leid und ich habe oft beim Lesen gedacht dass es gut ist, das die Zeiten sich geändert haben und eine Frau grundsätzlich selbstbestimmt leben kann. Ich fand den Roman sehr interessant und werde demnächst noch Effi Briest als zeitgenössisches Pendant lesen.

    10. Juli 2024

3 von 12 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Gabriele Reuter

Gabriele Reuter (1859–1941) war eine bedeutende deutsche Schriftstellerin und zu Lebzeiten sehr erfolgreich. Mit Aus guter Familie (1895) wurde sie über Nacht berühmt.

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