Blick ins Buch

Romane

Alle außer dir

3,6(35)
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Über das Buch

Über Mütter und Töchter. Und die Freiheit einer Frau. Wie ein Wiegenlied erzählt Maria Pourchet eine ebenso mitreißende wie provokante Geschichte, die in ihrer schonungslosen Klarheit an Annie Ernaux erinnert. »Atemberaubend!« Libération

Schon vor Jahren ist Marie aus der Provinz nach Paris gezogen. Hat ihr kleinbürgerliches, konservatives Elternhaus hinter sich gelassen. Sie ist klug, frei, ungebunden. Als sie mit 35 Jahren schwanger wird, beschließt sie, das Kind allein großzuziehen. Wenige Stunden nach der Geburt blickt sie auf die Wiege ihrer kleinen Tochter – und wie ein Film läuft vor Maries Augen ihr eigenes Leben ab. Die Kindheit und Jugend in einer Kleinstadt in den Vogesen. Die komplizierte Beziehung zu ihrer eigenen Mutter. Das Gefühl, nicht wirklich geliebt zu werden, wenn sie, wie so oft, nach Schulschluss vergebens auf ihre Mutter wartete. Später dann die Verbote und Mahnungen, sich unterzuordnen. Kann es sein, fragt sich Marie nun, dass Frauen zu ihrer eigenen Unterdrückung beitragen?

»Maria Pourchet erzählt davon, was Frauen allzu oft von Generation zu Generation weitergeben: Selbsthass, Unterwerfung und die Hinnahme der vermeintlichen Überlegenheit des Mannes.« Marie Claire

Editionen (1)

ISBN9783630877822
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum28.08.24
Seitenzahl176

Rezensionen & Bewertungen

35 Bewertungen

7 Rezensionen

3,6

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  • 3,0

    An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen. Durch die kurzen - fast stakkatoartigen - Sätze ließ sich das auch recht kurze Buch aber schnell lesen. Es ist sehr erschreckend, wie bekannt mir die durchweg negativen Glaubenssätze, mit denen sich die Ich-Erzählerin auseinandersetzt, waren. Ich habe sie auch schon öfter - allerdings glücklicherweise nicht von meiner Mutter - gehört. Das Buch hat mich nachdenklich gemacht und lässt mich noch genauer als ohnehin schon - damit beschäftige ich mich nämlich nicht das erste Mal - darauf achten, wie ich mich meinen Kindern gegenüber äußere, um keine negativen Glaubenssätze zu verankern.

    7. Juni 2025

  • annikaliest
    annikaliest

    94 Follower

    5,0

    Marie liegt im Krankenhaus, ist frisch gebackene Mutter und wird bombardiert mit Verletzungen und Herabwürdigungen von Hebammen, Ärztinnen und insbesondere ihrer Mutter. Diese lässt sie wissen, dass die nicht so optimal verlaufene Geburt nur daran liegen kann, dass sie es vermasselt und sich nicht ausreichend darauf vorbereitet habe. Doch nun, da ihre Tochter Adèle auf der Welt ist, will sie ihr Schweigen brechen und dafür sorgen, dass ihr Leben nicht auch „mit der Katastrophe der Sprache [beginnt]. Mit all den Wörtern, die man [Frauen] sagt, Sätzen mit denen man [sie] niederknüppelt, Macht über [sie] ausübt, Sätzen, die einlullen, verbieten, spalten, zum Nachplappern gedacht sind.“ (S.12) Denn sie möchte, dass sie so gut wie nichts von dieser Sprache behält, die Mädchen um Mädchen klein hält, mit Sätzen wie „Fall nicht auf.“, „Es wird dir eine Lehre sein.“, „Du hättest dich mehr anstrengen müssen.“ oder „Mach es dir nicht zu bequem.“ (S. 13) Maria Pourchet erzählt davon, was Frauen (in vielen Fällen wohl unbewusst) durch Sprache an Frauen über Generationen weitergeben: Selbstzweifel, Unterlegenheit und den unterschwelligen Wettbewerb darum, wer mehr leistet und leidet. „Alle außer dir“ ist ein Roman wie ein Sog, wie eine kalte Dusche, die einen nach und nach immer stärker zittern und in den Abgrund geraten lässt. Sowohl der Inhalt als auch der Stil tragen hierzu bei. Man kann sich dem Abwärtssog beim Lesen ebenso wenig entziehen wie im echten Leben. Denn wer kennt sie nicht, die verletzenden Sätze anderer Frauen, die zu Glaubenssätzen werden und uns niemals so ganz wieder loslassen…? Dieser Text ist schonungslos ehrlich und schmerzhaft, aber lässt auch eine Hoffnung auf Möglichkeiten zur Befreiung aufschimmern. Denn es gibt sie: die Frauen, die einem vermitteln können, dass man sehr wohl etwas verdient hat und wert ist!

    8. Okt. 2024

  • leselicht78
    leselicht78

    201 Follower

    4,0

    toxische Mutter-Tochter-Beziehung

    Marie ist gerade Mutter geworden und beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit und ihrer eigenen Mutter auseinanderzusetzen. In dem Roman spricht sie ihre kleine Tochter Adèle an und versucht dadurch, den Kreislauf der toxischen Mutter-Tochter-Beziehung zu durchbrechen. Ihre eigene Mutter hat sie runtergemacht und sie in ihre eigenen Wertvorstellungen gepresst. Sie, die sich wie alle pubertierenden Kinder Anpassung an Gleichaltrige und Abgrenzung gegen die Eltern wünscht, wird der Mutter ebenbürtig gemacht. Es ist eine Arzt Zwangssolidarisierung mit ihr, indem ihr ihre Weltanschaun g aufgebürdet wird. Fernsehen, Süßigkeiten, Kleidung, wie andere Jugendliche sie tragen, all das ist tabu. Durch das Verbot, sich mit Gleichaltrigen zu messen und individuell sein zu müssen, bleibt der Protagonistin die eigene Selbstfindung verwehrt. Erst jetzt, wo sie selbst Mutter geworden ist, kann sie die Demütigungen abschütteln. Alles ist wertlos, ihre Schulnoten, ihr Abitur, ihr Universitätsabschluss, der gewonnene Literaturpreis. Jeder Erfolg wurde von der Mutter bagatellisiert oder runtergemacht. Sie ist nicht hübsch, nicht liebenswer und ihr Bruder steht in der Werigkeitsskala über ihr. Langsam kristallisiert sich heraus, dass die Mutter ihren eigenen Selbsthass auf die Tochter projiziert hat; sie muss sich selbst erhöhen, um sich besser zu fühlen. Zum Schluss wird das Buch versöhnlicher. Die Mutter hat die Glaubenssätze ihrer eigenen Mutter übernommen. Mit Adèle und dem Hinterfragen dieser Glaubenssätze soll dieser Kreislauf unterbrochen werden. Die Intention von Maria Pourchet ist erkennbar: der größte Feind der Frau ist die andere Frau und man selbst. Es liegt an Dir, ob Du die Gehässigkeiten glaubst oder Dich davon befreist.

    6. Sept. 2024

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Maria Pourchet

Maria Pourchet, 1980 in Épinal, Lothringen, geboren, ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs und gilt als »weiblicher Houellebecq« (Die Literarische Welt). Bei Luchterhand ist 2023 der Roman »Feuer« erschienen, der u.a. für den Prix Goncourt nominiert war. Für ihren neuen Roman »Western« wurde sie 2023 mit dem renommierten Prix de Flore ausgezeichnet. Die promovierte Soziologin lebt heute als Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Paris.

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