Adrian Mayfield - Auf Leben und Tod

Adrian Mayfield - Auf Leben und Tod

Hardcover
5.03
JugendstilKunstOscar WildeComing-Out

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Beschreibung

Adrian steht am Abgrund - seine große Liebe Vincent Farley hat ihn vor die Tür gesetzt, nachdem er erfahren hat, dass Adrian vor ihm auch andere Männer geliebt hat. Adrian sinnt auf Rache, eine Rache, an der er schließlich selbst zu zerbrechen droht. Um nichts weniger als um Tod oder Leben geht es im dritten Band der von der Kritik gefeierten und preisgekrönten Trilogie um Adrian Mayfield und seine Suche nach dem großen Glück im viktorianischen London. Ist Adrians Kampf zum Scheitern verurteilt, angesichts der Normen einer Gesellschaft, die nach der Verhaftung von Oscar Wilde ihre hässliche Seite so ungeschminkt wie nie zuvor nach außen kehrt? Oder werden am Ende doch das Leben und die Liebe siegen?

Buchinformationen

Haupt-Genre
Jugendbücher
Sub-Genre
Weitere Themen
Format
Hardcover
Seitenzahl
640
Preis
22.70 €

Beiträge

1
Alle
5

Die folgende Rezension ist zum Zeitpunkt des postens hier schon fast 10 Jahre alt.

Jeder der das Genre mag, weiß, wie schwer es ist tolle LGBT-Literatur zu finden. Es gibt viel Trash und Belangloses und natürlich auch viel Gutes und Nettes. Was ich jedoch meine, sind Wow-Romane, die einen umhauen. So richtig gutes Zeug, mit genialer und talentierter Schreibe, das man kaum aus der Hand legen kann und welches einem noch lange nachhängt. Danach muss man leider sehr lange und geduldig suchen. Auf hunderte joa-ganz-ok Geschichten kommt, wenn man Glück hat, eine Perle. Und die Adrian-Mayfield-Trilogie ist genau das: eine dieser selten Perlen. Ich habe mich dazu entschieden, die Geschichte so zu bewerten, wie man sie lesen sollte: als ein Ganzes. Es könnte also kleinere Spoiler geben. Während wir Adrian im ersten Band kennenlernen, mit ihm gemeinsam Freundschaften schließen und an seiner sexuellen Erwachung teilhaben, und sich der Zweite auf den Versuch einer Beziehung zwischen ihm und Kunstmaler Vincent Farley fokussiert, erleben wir hier, was tiefe Zuneigung anrichten kann. Floortje Zwigtman beschreibt den schmalen Grad zwischen Liebe und Hass so real und gut, dass man gar nicht anders kann, als mitzuleiden. Man möchte Adrian schütteln und zur Besinnung bringen, während man sich an seine eigenen Teenagertage und die Dummheiten, die man aus Liebe gemacht hat, erinnert. Vor allem eine bestimmte Sache, die ich überall wo geschrieben wird manchmal so schmerzlich vermisse, sprang mir hier (neben Talent) auf jeder Seite entgegen: Mühe. Die Autorin muss wahnsinnig viel Zeit und Mühe in Recherche gesteckt haben, um eine so grandiose und glaubwürdige Geschichte zu schreiben, die nicht nur in einem anderen Land und einer anderen Zeit spielt, sondern auch noch reale Ereignisse mit Fiktion verbindet. Die Schilderung der Wilde-Prozesse war genauso gelungen, wie die Beschreibung des Mannes selbst und Zwigtmans Version von Bosie hat mir sehr gefallen. Ja, er war der verwöhnte, egoistische Junge, mit dem regelmäßig das Temperament durchging, der viele hässliche Worte sagen konnte und der meinte, ihm müsse die Welt zu Füßen liegen. Aber eben auch ein verzweifelter, trauriger Charakter. Generell gibt es keine Schwarz-Weiß-Malerei oder Klischees. Bitterböse oder eine reine Unschuldsseele ist hier niemand, dafür haben alle Charaktere Grautöne und viele Facetten. Ein weiteres dickes Plus ist Adies Entwicklung und all die Erkenntnisse, die ihm während seiner schwierigen Zeit kommen. Ich wollte am liebsten ins Buch springen und den Jungen umarmen, ihm sagen, dass alles gut wird und dass er es sich nicht so schwer machen soll. Wer nach der ultimativen Liebe mit Happy-End sucht, wird hier nicht fündig (oder doch, nur eben nicht so, wie man denkt). Es gibt nicht "das eine Paar", das zusammenkommt, auseinandergeht, streitet und wieder zusammenkommt - zum Glück, denn manchmal passt es eben einfach nicht. Hier geht es schlicht und einfach um Adrian Mayfield, der uns in seiner sturen Art als Ich-Erzähler das Herz stielt. Adie mit all seinen Macken, Ecken und Kanten (aber auch seiner Liebenswürdigkeit), der die Entdeckung macht, dass er sich vielleicht an eine völlig falsche Vorstellung von dem Mann, den er liebte, geklammert hat. Den die Erkenntnis trifft, dass er mit diesem Mann wahrscheinlich niemals glücklich geworden wäre. Der in seiner Neigung weder Sünde, noch Ungesundes sieht, sich dazu entschließt, er selbst zu bleiben und dafür belohnt wird. Welch schönere Message könnte man den Leserinnen und Lesern mitgeben? Bei Vincent lagen meine Gefühle immer irgendwo zwischen Mitleid und Wut. Eigentlich war es mehr Mitleid, vor allem in einer Szene im zweiten Band, in der Adie viel zu weit geht. Er zerstört damit das zarte Band zwischen ihm und Vincent und die Konsequenzen daraus waren für mich glaubwürdig, nachvollziehbar und tatsächlich sogar wünschenswert. An dieser Stelle stand ich ganz eindeutig auf Vincents Seite und die Autorin hat es gut hinbekommen, hier nichts zu romantisieren. Eine meiner Lieblingsfiguren wurde Terry, der meiner Meinung nach ruhig mehr On-Screen-Zeit hätte bekommen können. Toller Junge. Was am Ende aus Adie (und auch Vincent) wurde, hat mich vollends überzeugt: Diese Reihe ist das beste, was ich seit langem gelesen habe. Fazit: Eine wunderbare Geschichte über einen Jungen, der sich selbst und die Liebe kennenlernt, der Dummheiten und Fehler macht, aber auch daran wächst. Eine Geschichte über die Zeiten Oscar Wildes, die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Gesellschaft und die absolut irrationale Dummheit von Homophobie (die es ja leider heute noch gibt). Eine Geschichte, die ich (gemeinsam mit ihrem wundervollen Protagonisten) in mein Herz geschlossen habe, dich ich nie vergessen und wieder lesen werde. Leider kann ich nur fünf Sterne vergeben, ansonsten würde ich hunderte regnen lassen!

Die folgende Rezension ist zum Zeitpunkt des postens hier schon fast 10 Jahre alt.
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