»Die Ermittlung« ist ein Hybridprojekt aus Film, Theater und Broadcast-Elementen. Das Theaterstück »Die Ermittlung. Ora- torium in 11 Gesängen« von Peter Weiss basiert auf Protokollen, Zeitungsveröffentlichungen und persönlichen Aufzeichnungen Peter Weiss’ des Auschwitzprozesses der Jahre 1963 bis 1965, der in Frankfurt am Main stattfand.
28 Zeuginnen und Zeugen berichten von ihren schrecklichen Erlebnissen und Beobachtungen im Lager. Weitere 11 Zeugen der ehemaligen Lagerverwaltung sagen vor Gericht aus. Die 18 Angeklagten, vertreten durch einen Verteidiger, werden im Prozess mit den schwer ertragbaren Beschreibungen der Zeug:innen konfrontiert und sollen Stellung beziehen. Sie übernehmen aber keine oder nur wenig Verantwortung für ihre Handlungen. Ein Staatsanwalt und ein Richter bilden die Vertreter des Gerichts und führen durch den Prozess. Die Originalaussagen verdichten sich zu einem lyrischen Klagegesang, einem Bericht für die Nachwelt über Auschwitz.
»Die Ermittlung« besticht durch eine hochkarätige Besetzung in jeder Rolle, das Hörbuch ermöglicht den reduzierten, unverstellten Blick auf jede dieser Stimmen.
In diesem Theaterstück wird der erste Frankfurter Prozess (danke für die Korrektur) dargestellt. Die Aussagen werden hier als Gesänge bezeichnet. Die Aussagen sind sehr nüchtern und es gibt keine verbalen Reaktionen auf sie, außer dass ein Angeklagter mal dazwischenruft, dass das gelogen is und er ja von nichts wusste. Die Aussagen bestätigen vieles, was man über Auschwitz weiß, stellenweise sind die individuellen Erlebnisse absolut hart! Es lohnt sich sehr, das zu lesen!
9. März 2024
5,0
In diesem Theaterstück wird der erste Frankfurter Prozess (danke für die Korrektur) dargestellt. Die Aussagen werden hier als Gesänge bezeichnet. Die Aussagen sind sehr nüchtern und es gibt keine verbalen Reaktionen auf sie, außer dass ein Angeklagter mal dazwischenruft, dass das gelogen is und er ja von nichts wusste. Die Aussagen bestätigen vieles, was man über Auschwitz weiß, stellenweise sind die individuellen Erlebnisse absolut hart! Es lohnt sich sehr, das zu lesen!
Peter Weiss’ "Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" ist ein Theaterstück, das sich mit den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzt. Es basiert auf den Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) und gibt in sachlicher Sprache Zeugenaussagen und die Aussagen der Angeklagten wieder. Das Stück verzichtet auf klassische Figuren oder eine Handlung im üblichen Sinn — es lässt die grausamen Taten durch die nüchterne Schilderung der Beteiligten für sich sprechen.
Entstanden ist "Die Ermittlung" Mitte der 1960er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik noch längst nicht selbstverständlich war. Der Auschwitz-Prozess war ein Meilenstein, weil er nicht nur das Ausmaß der Verbrechen öffentlich machte, es war zudem der erste Prozess, bei dem Nazi-Verbrechen von einem deutschen Gericht verhandelt wurde. Peter Weiss schuf mit seinem dokumentarischen Theater ein Werk, das nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die gesellschaftliche Erinnerung unterstützen und fordern wollte. Zu dieser Zeit sprach man nicht über das Vergangene. Es herrschte eine "Mauer des Schweigens", die durch diesen Prozess eingerissen wurde. Zum ersten Mal wurde der deutschen Gesellschaft aufgezeigt, welch industiralisierte Tötungsmaschinerie hinter all den "Umsiedlungen" stand.
"Die Ermittlung" war das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, und es wird mich sicher noch lange begleiten. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit intensiver damit beschäftigt habe — dieses Stück entfaltet ganz unabhängig davon eine enorme Wucht.
Peter Weiss bringt darin die grausamen Verbrechen von Auschwitz auf die Bühne, ohne diese explizit darzustellen. Grundlage sind die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der eine zentrale Rolle in der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen spielte. Die Ermittlung verzichtet auf klassische Erzählstrukturen oder ausgeschmückte Figuren. Stattdessen sprechen Zeugen, Überlebende und Angeklagte fast protokollhaft und sachlich. Gerade diese Nüchternheit macht das Stück so erschütternd. Das Stück folgt keiner chronologischen Erzählstruktur, sondern zeigt die einzelnen "Stationen", die man in Auschwitz durchlaufen konnte beispielsweise in "Der Gesang von der Rampe" (Ankunft und Selektion), "Der Gesang vom Fenol" (eine der zahlreichen Hinrichtungsarten) oder "Der Gesang von den Feueröfen".
Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten. Die Kälte der Aussagen, die sachliche Schilderung unvorstellbarer Grausamkeit — all das trifft einen umso mehr, weil es ohne jede literarische Beschönigung auskommt. Das Stück zwingt einen, genau hinzusehen, nicht auszuweichen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Nur wenig ist an den Aussagen verändert worden, beispielsweise hat Weiss einige zeitliche Verdichtungen vorgenommen, um einige Widersprüche in den Aussagen deutlicher zu machen.
Mich hat sehr beeindruckt, wie es Peter Weiss schafft, ohne Pathos eine enorme emotionale Wucht zu erzeugen. Hinter der sachlichen Fassade spürt man die Dringlichkeit, die Wahrheit festzuhalten und der Opfer zu gedenken. Gerade heute wirkt das Stück dadurch aktueller denn je.
Die Ermittlung ist alles andere als leichte Lektüre — aber sie ist notwendig. Für mich war es ein tief bewegender und kraftvoller Start ins Lesejahr, der mich lange nicht loslassen wird.
3. Mai 2025
5,0
Schonungslos, notwendig und tief bewegend
Peter Weiss’ "Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" ist ein Theaterstück, das sich mit den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzt. Es basiert auf den Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) und gibt in sachlicher Sprache Zeugenaussagen und die Aussagen der Angeklagten wieder. Das Stück verzichtet auf klassische Figuren oder eine Handlung im üblichen Sinn — es lässt die grausamen Taten durch die nüchterne Schilderung der Beteiligten für sich sprechen.
Entstanden ist "Die Ermittlung" Mitte der 1960er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik noch längst nicht selbstverständlich war. Der Auschwitz-Prozess war ein Meilenstein, weil er nicht nur das Ausmaß der Verbrechen öffentlich machte, es war zudem der erste Prozess, bei dem Nazi-Verbrechen von einem deutschen Gericht verhandelt wurde. Peter Weiss schuf mit seinem dokumentarischen Theater ein Werk, das nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die gesellschaftliche Erinnerung unterstützen und fordern wollte. Zu dieser Zeit sprach man nicht über das Vergangene. Es herrschte eine "Mauer des Schweigens", die durch diesen Prozess eingerissen wurde. Zum ersten Mal wurde der deutschen Gesellschaft aufgezeigt, welch industiralisierte Tötungsmaschinerie hinter all den "Umsiedlungen" stand.
"Die Ermittlung" war das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, und es wird mich sicher noch lange begleiten. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit intensiver damit beschäftigt habe — dieses Stück entfaltet ganz unabhängig davon eine enorme Wucht.
Peter Weiss bringt darin die grausamen Verbrechen von Auschwitz auf die Bühne, ohne diese explizit darzustellen. Grundlage sind die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der eine zentrale Rolle in der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen spielte. Die Ermittlung verzichtet auf klassische Erzählstrukturen oder ausgeschmückte Figuren. Stattdessen sprechen Zeugen, Überlebende und Angeklagte fast protokollhaft und sachlich. Gerade diese Nüchternheit macht das Stück so erschütternd. Das Stück folgt keiner chronologischen Erzählstruktur, sondern zeigt die einzelnen "Stationen", die man in Auschwitz durchlaufen konnte beispielsweise in "Der Gesang von der Rampe" (Ankunft und Selektion), "Der Gesang vom Fenol" (eine der zahlreichen Hinrichtungsarten) oder "Der Gesang von den Feueröfen".
Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten. Die Kälte der Aussagen, die sachliche Schilderung unvorstellbarer Grausamkeit — all das trifft einen umso mehr, weil es ohne jede literarische Beschönigung auskommt. Das Stück zwingt einen, genau hinzusehen, nicht auszuweichen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Nur wenig ist an den Aussagen verändert worden, beispielsweise hat Weiss einige zeitliche Verdichtungen vorgenommen, um einige Widersprüche in den Aussagen deutlicher zu machen.
Mich hat sehr beeindruckt, wie es Peter Weiss schafft, ohne Pathos eine enorme emotionale Wucht zu erzeugen. Hinter der sachlichen Fassade spürt man die Dringlichkeit, die Wahrheit festzuhalten und der Opfer zu gedenken. Gerade heute wirkt das Stück dadurch aktueller denn je.
Die Ermittlung ist alles andere als leichte Lektüre — aber sie ist notwendig. Für mich war es ein tief bewegender und kraftvoller Start ins Lesejahr, der mich lange nicht loslassen wird.
Peter Weiss widmet sich dem schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in kalter, klarer, reduzierter Sprache, die unter die Haut geht. ,,Die Ermittlung" versteht sich allerdings nicht nur als reine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern auch als direkte Kritik am Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl kurz nach seinem Ende als auch in der Gegenwart.
4. Sept. 2025
5,0
Peter Weiss widmet sich dem schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in kalter, klarer, reduzierter Sprache, die unter die Haut geht. ,,Die Ermittlung" versteht sich allerdings nicht nur als reine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern auch als direkte Kritik am Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl kurz nach seinem Ende als auch in der Gegenwart.