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Lyrik & Dramen

Die Ermittlung

4,3(28)
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Über das Buch

Eine Stimme gegen das Vergessen

Am 20. Dezember 1963 beginnt in Frankfurt der erste Auschwitz-Prozess. 183 Verhandlungstage wird er dauern, 357 Zeugen werden angehört. An einigen Tagen verfolgt ein aus seiner Exilheimat Stockholm angereister deutscher Schrifsteller die Verhandlung: Peter Weiss. Aufmerksam notiert er Aussagen von Aufsehern, Ärzten, Opfern, Anwälten und Richtern, um daraus noch vor dem finalen Richterspruch sein berühmtes"Oratorium in 11 Gesängen" zu destillieren. Es stellt Anklage und Urteil dar und legt Zeugnis ab vom unsagbaren Schrecken der nationalsozialistischen Vernichtungslager.

Als Sprecher treten vor Gericht: Fritz Strassner, Herbert Fleischmann, Hanne Hiob u. v. a.

(3 CDs, Laufzeit: 2h 59)

Editionen (8)

ISBN9783844523386
VerlagDer Hörverlag
Erscheinungsdatum12.09.16

Rezensionen & Bewertungen

28 Bewertungen

5 Rezensionen

4,3

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  • freakyvrou
    freakyvrou

    69 Follower

    5,0

    In diesem Theaterstück wird der erste Frankfurter Prozess (danke für die Korrektur) dargestellt. Die Aussagen werden hier als Gesänge bezeichnet. Die Aussagen sind sehr nüchtern und es gibt keine verbalen Reaktionen auf sie, außer dass ein Angeklagter mal dazwischenruft, dass das gelogen is und er ja von nichts wusste. Die Aussagen bestätigen vieles, was man über Auschwitz weiß, stellenweise sind die individuellen Erlebnisse absolut hart! Es lohnt sich sehr, das zu lesen!

    9. März 2024

  • _.ffranzii._
    _.ffranzii._

    41 Follower

    5,0

    Schonungslos, notwendig und tief bewegend

    Peter Weiss’ "Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" ist ein Theaterstück, das sich mit den Verbrechen im Konzentrationslager Auschwitz auseinandersetzt. Es basiert auf den Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) und gibt in sachlicher Sprache Zeugenaussagen und die Aussagen der Angeklagten wieder. Das Stück verzichtet auf klassische Figuren oder eine Handlung im üblichen Sinn — es lässt die grausamen Taten durch die nüchterne Schilderung der Beteiligten für sich sprechen. Entstanden ist "Die Ermittlung" Mitte der 1960er Jahre, als die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik noch längst nicht selbstverständlich war. Der Auschwitz-Prozess war ein Meilenstein, weil er nicht nur das Ausmaß der Verbrechen öffentlich machte, es war zudem der erste Prozess, bei dem Nazi-Verbrechen von einem deutschen Gericht verhandelt wurde. Peter Weiss schuf mit seinem dokumentarischen Theater ein Werk, das nicht nur die juristische Aufarbeitung, sondern auch die gesellschaftliche Erinnerung unterstützen und fordern wollte. Zu dieser Zeit sprach man nicht über das Vergangene. Es herrschte eine "Mauer des Schweigens", die durch diesen Prozess eingerissen wurde. Zum ersten Mal wurde der deutschen Gesellschaft aufgezeigt, welch industiralisierte Tötungsmaschinerie hinter all den "Umsiedlungen" stand. "Die Ermittlung" war das erste Buch, das ich dieses Jahr beendet habe, und es wird mich sicher noch lange begleiten. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich im Rahmen meiner Bachelorarbeit intensiver damit beschäftigt habe — dieses Stück entfaltet ganz unabhängig davon eine enorme Wucht. Peter Weiss bringt darin die grausamen Verbrechen von Auschwitz auf die Bühne, ohne diese explizit darzustellen. Grundlage sind die Protokolle des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der eine zentrale Rolle in der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung der NS-Verbrechen spielte. Die Ermittlung verzichtet auf klassische Erzählstrukturen oder ausgeschmückte Figuren. Stattdessen sprechen Zeugen, Überlebende und Angeklagte fast protokollhaft und sachlich. Gerade diese Nüchternheit macht das Stück so erschütternd. Das Stück folgt keiner chronologischen Erzählstruktur, sondern zeigt die einzelnen "Stationen", die man in Auschwitz durchlaufen konnte beispielsweise in "Der Gesang von der Rampe" (Ankunft und Selektion), "Der Gesang vom Fenol" (eine der zahlreichen Hinrichtungsarten) oder "Der Gesang von den Feueröfen". Beim Lesen musste ich immer wieder innehalten. Die Kälte der Aussagen, die sachliche Schilderung unvorstellbarer Grausamkeit — all das trifft einen umso mehr, weil es ohne jede literarische Beschönigung auskommt. Das Stück zwingt einen, genau hinzusehen, nicht auszuweichen und sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Nur wenig ist an den Aussagen verändert worden, beispielsweise hat Weiss einige zeitliche Verdichtungen vorgenommen, um einige Widersprüche in den Aussagen deutlicher zu machen. Mich hat sehr beeindruckt, wie es Peter Weiss schafft, ohne Pathos eine enorme emotionale Wucht zu erzeugen. Hinter der sachlichen Fassade spürt man die Dringlichkeit, die Wahrheit festzuhalten und der Opfer zu gedenken. Gerade heute wirkt das Stück dadurch aktueller denn je. Die Ermittlung ist alles andere als leichte Lektüre — aber sie ist notwendig. Für mich war es ein tief bewegender und kraftvoller Start ins Lesejahr, der mich lange nicht loslassen wird.

    3. Mai 2025

  • dantelynch
    dantelynch

    2 Follower

    5,0

    Peter Weiss widmet sich dem schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte in kalter, klarer, reduzierter Sprache, die unter die Haut geht. ,,Die Ermittlung" versteht sich allerdings nicht nur als reine Vergangenheitsaufarbeitung, sondern auch als direkte Kritik am Umgang mit dem Nationalsozialismus, sowohl kurz nach seinem Ende als auch in der Gegenwart.

    4. Sept. 2025

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Peter Weiss

Peter Weiss erscheint rückblickend als eine zentrale Figur der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Er wurde am 8.11.1916 in Nowawes bei Berlin geboren und verbrachte seine Jugend in Berlin und Bremen. 1934 emigrierte er mit seinen Eltern nach London, von 1936 bis 1938 besuchte er die Kunstakademie in Prag. 1939 siedelte er mit seinen Eltern nach Schweden über, wo er am 10.5.1982 starb. 1982 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen neben der "Ermittlung" (1965) u.a. "Abschied von den Eltern" (1961), "Die Verfolgung und Ermordung des Jean Paul Marat" (1964) sowie die viel beachtete "Ästhetik des Widerstands" (1975).

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