Blick ins Buch

Romane

Mathilde Möhring

2,8(12)
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Über das Buch

Der Jurastudent, der bei Möhrings ein ruhiges Zimmer sucht, ist ein ewiger Student, wie man sie auch heute noch kennt. Aber er ist aus gutem Hause und nicht eigentlich verbummelt, vielmehr ein wenig verträumt. Kurz: ein Mann, der von einer Frau geführt werden muss. Mathilde Möhring führt ihn mit kleinbürgerlichem Ehrgeiz nicht nur in eine Heirat, sondern auch in eine respektable Karriere. Leider stirbt der Gatte schon bald, und Mathilde kehrt zurück ins Haus ihrer Mutter. Doch sie hat gelernt: Anstatt eine neue Ehe einzugehen, macht sie nun selber Karriere. Mit “Mathilde Möhring” hat Hörspielregisseur Rudolf Noelte eine meisterhafte Milieustudie des Berliner Kleinbürgertums umgesetzt. Die lebenstüchtige und erstaunlich moderne Mathilde wird außerordentlich glaubwürdig von der Schauspielerin Gertrud Kückelmann verkörpert.

Editionen (37)

ISBN9783898133432
VerlagDer Audio Verlag
Erscheinungsdatum01.07.04

Rezensionen & Bewertungen

12 Bewertungen

4 Rezensionen

2,8

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  • lamour.bk
    lamour.bk

    41 Follower

    3,0

    ein gutes werk für zwischendurch

    theodor fontane schafft mit „mathilde möhring“ kein werk, das man gelesen haben muss oder einen zum vertieften nachdenken anregt. es ist für mich vor allem wegen eines protagonisten trotzdem interessant gewesen: mathilde möhring selbst. ihr charakter wird von fontane wie eine medaille mit zwei seiten beschrieben: auf der einen seite zielstrebig, aufgeklärt, intelligent, sich seiner eigenen stärken bewusst – man könnte fast meinen, fontane hätte die geschichte einer emanzipierten frau geschrieben. auf der anderen seite stellt er mathilde gefühlskalt, taktierend und berechnend dar. das macht mathilde zu einem interessanten charakter, mit dem man sich auf jeden fall (aufgrund der wenig komplexen formulierungen) leicht beschäftigen kann.

    26. Dez. 2024

  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    2,0

    Im Vergleich zu den beiden anderen Protagonistinnen Effi (Briest) und Magdalene (Irrungen Wirrungen), die ich von Fontane kenne, empfand ich Mathilde eher schwach dargestellt. Damit meine ich nicht ihre Durchsetzungskraft, da ist sie zielorientierter und selbstbewusster als die anderen beiden Damen. Ich fand sie eher seltsam dargestellt, denn bei den Vergleichsfiguren konnte ich immer eine Sympathie des Autor für deren innere Zerrissenheit herauslesen. Mathilde wird dagegen von Fontane eher plakativ und vor allem auch hässlich dargestellt. Was wollte er denn damit bewirken? Warum legt er so einen Wert darauf, in der ersten Hälfte des Buchs, die Armseligkeit, Spießbürgerlichkeit und Dummheit bei Mutter und Tochter Möhring so explizit aufzuzeigen. Ist das der Realismus, der mich interessiert? Die Liebe zu den kleinen Verhältnissen? Gewiss nicht. Mathilde Möhring lebt mit ihrer verwitweten Mutter in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Ihre Einkünfte kommen aus der Vermietung von einem eigenen Wohnraum und ansonsten aus dem hinterlassenem Vermögen. Immerhin können sie sich eine Putzfrau leisten. Mutter Möhring würde gerne etwas Besseres darstellen und hat permanent Angst vor den anderen Leuten und vor der Zukunft. Mathilde wird kaltherzig dargestellt. Sie ergreift aber gerne die Initiative, sucht bewusst die Nähe zum Untermieter, kann ihn zur Hochzeit bewegen (von Liebe ist hier nie die Rede) und zwingt ihn, sich um sein Studium zu kümmern, besorgt ihm schließlich noch eine Bürgermeisterstelle. Da könnte man fast meinen, Fontane will hier eine emanzipierte, moderne Frau porträtieren. Allerdings beschreibt er sie so unsympathisch, dass ich immer das Gefühl hatte, er missbilligt ihre Vorgehensweise. Selbst als der Gatte im Sterben liegt, legt er ihr sehr distanzierte Worte in den Mund. Mathilde ist gewiss keine Heldin. Sie nimmt am Ende zwar nicht den Weg in eine erneute Hochzeit zur Sicherung der Existenz, sondern lässt sich zur Lehrerin ausbilden, doch da endet das Buch abrupt. Fontane starb nämlich und hinterließ dieses Werk in seiner Schublade, welches posthum erst veröffentlicht wurde. Nicht alles Unvollendete ist ein Meisterwerk. Dies ist für mich keines und fällt stark ab gegenüber den anderen hervorragenden Büchern, des genialen Romanciers.

    14. Apr. 2024

  • semjon
    semjon

    73 Follower

    2,0

    Im Vergleich zu den beiden anderen Protagonistinnen Effi (Briest) und Magdalene (Irrungen Wirrungen), die ich von Fontane kenne, empfand ich Mathilde eher schwach dargestellt. Damit meine ich nicht ihre Durchsetzungskraft, da ist sie zielorientierter und selbstbewusster als die anderen beiden Damen. Ich fand sie eher seltsam dargestellt, denn bei den Vergleichsfiguren konnte ich immer eine Sympathie des Autor für deren innere Zerrissenheit herauslesen. Mathilde wird dagegen von Fontane eher plakativ und vor allem auch hässlich dargestellt. Was wollte er denn damit bewirken? Warum legt er so einen Wert darauf, in der ersten Hälfte des Buchs, die Armseligkeit, Spießbürgerlichkeit und Dummheit bei Mutter und Tochter Möhring so explizit aufzuzeigen. Ist das der Realismus, der mich interessiert? Die Liebe zu den kleinen Verhältnissen? Gewiss nicht. Mathilde Möhring lebt mit ihrer verwitweten Mutter in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Ihre Einkünfte kommen aus der Vermietung von einem eigenen Wohnraum und ansonsten aus dem hinterlassenem Vermögen. Immerhin können sie sich eine Putzfrau leisten. Mutter Möhring würde gerne etwas Besseres darstellen und hat permanent Angst vor den anderen Leuten und vor der Zukunft. Mathilde wird kaltherzig dargestellt. Sie ergreift aber gerne die Initiative, sucht bewusst die Nähe zum Untermieter, kann ihn zur Hochzeit bewegen (von Liebe ist hier nie die Rede) und zwingt ihn, sich um sein Studium zu kümmern, besorgt ihm schließlich noch eine Bürgermeisterstelle. Da könnte man fast meinen, Fontane will hier eine emanzipierte, moderne Frau porträtieren. Allerdings beschreibt er sie so unsympathisch, dass ich immer das Gefühl hatte, er missbilligt ihre Vorgehensweise. Selbst als der Gatte im Sterben liegt, legt er ihr sehr distanzierte Worte in den Mund. Mathilde ist gewiss keine Heldin. Sie nimmt am Ende zwar nicht den Weg in eine erneute Hochzeit zur Sicherung der Existenz, sondern lässt sich zur Lehrerin ausbilden, doch da endet das Buch abrupt. Fontane starb nämlich und hinterließ dieses Werk in seiner Schublade, welches posthum erst veröffentlicht wurde. Nicht alles Unvollendete ist ein Meisterwerk. Dies ist für mich keines und fällt stark ab gegenüber den anderen hervorragenden Büchern, des genialen Romanciers.

    29. Dez. 2022

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Theodor Fontane

Theodor Fontane, geboren 1819 in Neuruppin, stammte aus einer Hugenottenfamilie. 1849 gab er seinen Apothekerberuf auf, um als Journalist und Schriftsteller zu arbeiten. Von 1860 bis 1870 war er Redakteur der Berliner Kreuz-Zeitung, danach bis 1889 Theaterkritiker bei der Vossischen Zeitung. 1878 erschien sein erster Roman. Fontane starb 1898 in Berlin.

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