Tschechow Meistererzählungen

Tschechow Meistererzählungen

Hardcover
4.01
DramaNovelleDichterSammlung

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Beschreibung

Tschechows Erzählkunst sucht in der Geschichte der russischen Literatur ihresgleichen: meisterhaft und wunderbar leicht, abwechselnd komisch und bitterernst, stets um die Veränderung der russischen Lebenswirklichkeit am Ende des 19. Jahrhunderts bemüht. Dieser Band versammelt zwanzig der schönsten Erzählungen des großen russischen Dichters, von frühen Werken wie 'Wanjka', 'Die Austern', 'Der Tod des Beamten' bis zu den späteren wie der berühmten 'Dame mit dem Hündchen' und 'In der Schlucht'. Er spiegelt so die gesamte Bandbreite dieses einzigartigen literarischen Werks.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Klassiker
Format
Hardcover
Seitenzahl
400
Preis
7.20 €

Beiträge

1
Alle
4

Eine Langweilige Geschichte und Krankenzimmer Nr.6

Ich habe von Anton Tschechow das Buch Meistererzählungen direkt nach dem Buch Die besten Geschichten gelesen – aus dem ganz einfachen Grund, dass drei Geschichten doppelt vorkommen und ich somit praktisch fast nur zwei neue Geschichten hatte. Es waren auch noch zwei weitere kürzere dabei, denen ich hier aber keine Rezension widmen möchte, weil sie mich ganz einfach nicht abgeholt haben. Hingegen die Kurzgeschichte Eine langweilige Geschichte schon eher, obwohl sie ein Thema aufgreift, das wir bereits in vielen anderen Büchern – sei es in der Klassik oder in der zeitgenössischen Literatur – erleben durften: ein depressiver Mann, der in eine Midlife-Crisis gerät, sein Leben hinterfragt und unzufrieden ist, obwohl er anerkannt ist, einen Beruf und eine Familie hat, für die er eigentlich dankbar sein sollte, und dennoch im Selbstmitleid zerfließt. Das mag nicht jedermanns Sache sein – und auch ich bin in der Regel kein großer Freund dieser Thematik, da es mir oft schwerfällt, mit dem Hauptprotagonisten Sympathie zu entwickeln, so auch in diesem Fall. Dennoch muss ich sagen, dass die Geschichte gut geschrieben ist, sodass ich ihr eine Vier-Sterne-Bewertung geben würde. Die zweite Kurzgeschichte, die mich mitgenommen hat, ist Krankenzimmer Nr. 6. Ich fand diese Geschichte wirklich interessant, denn hier erleben wir, wie dem Hauptprotagonisten seine eigene Lehre zum Verhängnis wird. Er ist Arzt und davon überzeugt, dass man sein eigenes Leid einfach hinnehmen muss. Er gerät in eine Konversation mit einem Patienten, wodurch er beginnt, an seinen eigenen Überzeugungen zu zweifeln. Die Menschen um ihn herum halten ihn plötzlich für verrückt, und schließlich wird er selbst in seine eigene Station eingeliefert. Was danach geschieht, möchte ich nicht spoilern, aber die Geschichte ist auf jeden Fall lesenswert. Die Botschaft dieser Kurzgeschichte ist relativ eindeutig: Über etwas zu urteilen, womit man selbst keine Erfahrung hat, kann zum Verhängnis werden – und oft ist es erst die eigene Erfahrung, die ein Urteil verändert. Ich fand dieses Buch ehrlich gesagt stärker als Die besten Geschichten von Tschechow. Auch wenn dort mehr Geschichten enthalten sind, waren die hier für mich aussagekräftiger. Daher würde ich dieses Buch eher empfehlen. Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, kann sich immer noch das größere Werk Die besten Geschichten holen, um seinen Durst nach weiterem Tschechow zu stillen.

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