Vor 100.000 Jahren war der Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen oder Quallen. Vor 70.000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, die ihn zum Herrn des Planeten und zum Schrecken des Ökosystems werden ließ.
Wo kommen wir her und wohin werden wir gehen? Eine kurze Geschichte der Menschheit.
Harari erzählt unsere Geschichte so anschaulich und sprachlich gut verständlich, dass ich täglich ein paar Kapitel verschlungen habe. Ich hab einen völlig neuen Blickwinkel auf unsere Fähigkeiten kennengelernt, warum wir bis an die Spitze der Evolution klettern konnten und aus welchen simplen Ursprüngen unsere vertraute Weltordnung entstanden ist.
Die „kurze Geschichte“ verdeutlicht aber auch mehrmals, wie der Mensch seit tausenden von Jahren für das Artensterben auf der Erde verantwortlich ist.
Auch Themen wie Sklaverei, Rassismus, Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen, Imperialismus, Massentierhaltung und übermäßiger Konsum werden angesprochen und wie diese Missstände entstanden sind.
Das Buch ist also kein Loblied auf uns Menschen als Krönung der Evolution.
Am meisten musste ich über die Erkenntnis schmunzeln, dass so vieles was Ordnung und Struktur in unser Leben bringt wie z.B. Gesetze, Zahlungsmittel, Regierungen, Grundrechte usw. nur fiktive Konstrukte aus der Feder unserer eigenen Vorstellungskraft sind auf die wir uns kollektiv geeinigt haben. Eigentlich genau so real wie der Weihnachtsmann.
30. Apr. 2025
4,0
Wo kommen wir her und wohin werden wir gehen? Eine kurze Geschichte der Menschheit.
Harari erzählt unsere Geschichte so anschaulich und sprachlich gut verständlich, dass ich täglich ein paar Kapitel verschlungen habe. Ich hab einen völlig neuen Blickwinkel auf unsere Fähigkeiten kennengelernt, warum wir bis an die Spitze der Evolution klettern konnten und aus welchen simplen Ursprüngen unsere vertraute Weltordnung entstanden ist.
Die „kurze Geschichte“ verdeutlicht aber auch mehrmals, wie der Mensch seit tausenden von Jahren für das Artensterben auf der Erde verantwortlich ist.
Auch Themen wie Sklaverei, Rassismus, Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen, Imperialismus, Massentierhaltung und übermäßiger Konsum werden angesprochen und wie diese Missstände entstanden sind.
Das Buch ist also kein Loblied auf uns Menschen als Krönung der Evolution.
Am meisten musste ich über die Erkenntnis schmunzeln, dass so vieles was Ordnung und Struktur in unser Leben bringt wie z.B. Gesetze, Zahlungsmittel, Regierungen, Grundrechte usw. nur fiktive Konstrukte aus der Feder unserer eigenen Vorstellungskraft sind auf die wir uns kollektiv geeinigt haben. Eigentlich genau so real wie der Weihnachtsmann.
Ich „musste“ das Buch für unseren Buchclub lesen. Ich selbst hätte es mir nicht ausgesucht, da ich so dicke Sachbücher meide und das Thema an sich für mich persönlich schon „ausgelutscht“ ist. Aber ich habe knapp über 500 Seiten beendet und würde sagen, ich bin stolz auf mich 😉
Es ist nicht zu trocken geschrieben, aber auch nicht zu leicht, um es nebenher lesen zu können. Meine Leseerfahrung ist dementsprechend eine gemischte. So kam es, dass ich das Buch manchmal über 2 Stunden am Stück mit Faszination las, da ich die neuen Infos oder Gedanken als hochinteressant empfand (ob sie alle hängen geblieben sind, weiß ich nicht☺️). Und dann hab ich nur 10 Seiten am Stück geschafft, weil es mir zu trocken war oder ich nichts „Neues“ gelernt habe. Am meisten gefielen mir die Passagen, in denen ich meine eigenen Gedanken zu Kapitalismus, Konsum, Religion, Geld, Vertrauen und Narrativen wiedergefunden habe. Ich glaube, das Buch war zu seiner Zeit revolutionär, da die Erstveröffentlichung schon 15 Jahre zurückliegt (auf Hebräisch 2011), aber heute nicht mehr ganz so neu.
Deshalb sage ich: „Kann man lesen, muss man aber nicht.“ Und wenn man es gelesen hat, darf man sich ein Stück Kuchen gönnen (oder zwei) 😁
S.29 „Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn die Neandertaler neben dem Homo sapiens überlebt hätte. Welche Kulturen, Gesellschaften und politischen Strukturen wären in einer Welt entstanden, in der mehrere Menschenarten friedlich nebeneinander existierten? Wie hätten sich beispielsweise die Religionen entwickelt? Könnten wir heute in der Bibel lesen, dass die Neandertaler von Adam und Eva abstammen?“
S.201 „Mythen und Märchen programmierten die Menschen darauf, fast von Geburt an auf eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln, bestimmte Dinge zu wollen und bestimmte Regeln zu befolgen. Damit schufen sie „künstliche Instinkte“, mit deren Hilfe Millionen von Menschen effektiv zusammenarbeiten konnten.“
S.228 „Geld ist das einzige von Menschen geschaffene System, das fast jede kulturelle Barriere überwindet und nicht nach Religion, Geschlecht, Rasse, Alter oder sexueller Orientierung fragt. Dem Geld ist es zu verdanken, dass Menschen, die einander noch nie gesehen haben und einander nicht über den Weg trauen, problemlos zusammenarbeiten können.“
S.229 „Das Geld hat eine noch dunklere Seite. Obwohl Geld Vertrauen zwischen Fremden schafft, wird dieses Vertrauen nicht in Menschen, Gemeinschaften oder heilige Werte investiert, sondern in Geld und das unpersönliche System dahinter. Wir vertrauen weder dem Fremden noch unserem Nachbarn, sondern nur der Münze, die sie in der Hand halten. Haben sie kein Geld mehr, haben wir kein Vertrauen mehr. Wenn Geld die Dämme der Gemeinschaften, Religionen und Staaten unterspült, läuft die Welt Gefahr, sich in einen riesigen, kalten Markt zu verwandeln.“
6. Jan. 2026
3,0
Ich „musste“ das Buch für unseren Buchclub lesen. Ich selbst hätte es mir nicht ausgesucht, da ich so dicke Sachbücher meide und das Thema an sich für mich persönlich schon „ausgelutscht“ ist. Aber ich habe knapp über 500 Seiten beendet und würde sagen, ich bin stolz auf mich 😉
Es ist nicht zu trocken geschrieben, aber auch nicht zu leicht, um es nebenher lesen zu können. Meine Leseerfahrung ist dementsprechend eine gemischte. So kam es, dass ich das Buch manchmal über 2 Stunden am Stück mit Faszination las, da ich die neuen Infos oder Gedanken als hochinteressant empfand (ob sie alle hängen geblieben sind, weiß ich nicht☺️). Und dann hab ich nur 10 Seiten am Stück geschafft, weil es mir zu trocken war oder ich nichts „Neues“ gelernt habe. Am meisten gefielen mir die Passagen, in denen ich meine eigenen Gedanken zu Kapitalismus, Konsum, Religion, Geld, Vertrauen und Narrativen wiedergefunden habe. Ich glaube, das Buch war zu seiner Zeit revolutionär, da die Erstveröffentlichung schon 15 Jahre zurückliegt (auf Hebräisch 2011), aber heute nicht mehr ganz so neu.
Deshalb sage ich: „Kann man lesen, muss man aber nicht.“ Und wenn man es gelesen hat, darf man sich ein Stück Kuchen gönnen (oder zwei) 😁
S.29 „Stellen Sie sich vor, was passiert wäre, wenn die Neandertaler neben dem Homo sapiens überlebt hätte. Welche Kulturen, Gesellschaften und politischen Strukturen wären in einer Welt entstanden, in der mehrere Menschenarten friedlich nebeneinander existierten? Wie hätten sich beispielsweise die Religionen entwickelt? Könnten wir heute in der Bibel lesen, dass die Neandertaler von Adam und Eva abstammen?“
S.201 „Mythen und Märchen programmierten die Menschen darauf, fast von Geburt an auf eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln, bestimmte Dinge zu wollen und bestimmte Regeln zu befolgen. Damit schufen sie „künstliche Instinkte“, mit deren Hilfe Millionen von Menschen effektiv zusammenarbeiten konnten.“
S.228 „Geld ist das einzige von Menschen geschaffene System, das fast jede kulturelle Barriere überwindet und nicht nach Religion, Geschlecht, Rasse, Alter oder sexueller Orientierung fragt. Dem Geld ist es zu verdanken, dass Menschen, die einander noch nie gesehen haben und einander nicht über den Weg trauen, problemlos zusammenarbeiten können.“
S.229 „Das Geld hat eine noch dunklere Seite. Obwohl Geld Vertrauen zwischen Fremden schafft, wird dieses Vertrauen nicht in Menschen, Gemeinschaften oder heilige Werte investiert, sondern in Geld und das unpersönliche System dahinter. Wir vertrauen weder dem Fremden noch unserem Nachbarn, sondern nur der Münze, die sie in der Hand halten. Haben sie kein Geld mehr, haben wir kein Vertrauen mehr. Wenn Geld die Dämme der Gemeinschaften, Religionen und Staaten unterspült, läuft die Welt Gefahr, sich in einen riesigen, kalten Markt zu verwandeln.“
6. Jan. 2026
3 von 114 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Yuval Noah Harari
Yuval Noah Harari, geboren 1976, promovierte in Oxford und ist Professor für Geschichte an der Hebrew University of Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Universalgeschichte. Sein Kultbuch »Sapiens. Eine kurze Geschichte der Menschheit« wurde in knapp 40 Sprachen übersetzt und weltweit zu einem Bestseller, aus dem weiterhin eine Graphic-Novel- und eine Jugendbuchreihe entstanden. Auch Hararis Zukunftsvision »Homo Deus« und »21 Lektionen für das 21. Jahrhundert« begeisterten weltweit Millionen. 2017 wurde er mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. 2019 gründete Yuval Noah Harari gemeinsam mit Itzik Yahav »Sapienship« – eine gesellschaftlich engagierte Organisation mit Projekten in Unterhaltung und Bildung, um das öffentliche Gespräch auf die globalen Herausforderungen zu lenken, vor denen wir heute stehen. Harari ist einer der maßgeblichen Vordenker, der sich regelmäßig zu den wichtigsten Themen unserer Zeit äußert.