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Romane

Fräulein Else

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Über das Buch

Senta Berger liest „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler

Die 19-jährige Else macht gerade Ferien in den Dolomiten, als sie der verzweifelte Brief ihrer Mutter erreicht: Der Vater steht vor dem Bankrott, einzig Else könne die Familie noch retten, wenn es ihr gelänge, den befreundeten Kunsthändler Dorsay zu bewegen, 30000 Gulden vorzustrecken. Else ahnt, dass die Summe an Bedingungen geknüpft sein wird. Als Dorsay das Geld in Aussicht stellt, wenn Else sich vor ihm entblößt, gerät Else in ein moralisches Dilemma, das sie an die Grenzen ihrer Existenz treibt.

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ISBN9783837177305
VerlagRandom House Audio Editionen
Erscheinungsdatum01.07.05

Rezensionen & Bewertungen

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26 Rezensionen

3,2

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  • bookswithbue
    bookswithbue

    37 Follower

    3,5

    Pionierwerk zum inneren Monolog 🧠🗣️

    Wien, um die Jahrhundertwende. Die Habsburgermonarchie strahlt nach außen hin noch immer den Glanz einer Weltmacht aus, doch innerlich brodelt es. Die Gesellschaft ist verkrustet, die Rollenbilder sind eng, und unter dem Lack des Anstands verbergen sich Angst, Gier und eine gähnende innere Leere. Arthur Schnitzler, sowohl Arzt als auch Literat, legt in seinen zwei Novellen, Leutnant Gustl (1900) und Fräulein Else (1924), das Innenleben seiner Zeit mit chirurgischer Präzision frei. Leutnant Gustl ist eine Novelle, die man kaum glauben kann: Ein junger Offizier wird nach einem Konzertabend von einem Bäcker beleidigt. Was sich vorerst nach einer Kleinigkeit anhört, bringt Gustls Welt jedoch gehörig aus den Fugen. Seine Ehre, die das einzige Kapital ist, über das er wirklich verfügt, scheint unwiederbringlich verloren zu sein. Er kann den Mann nicht zum Duell fordern, da dieser ein Zivilist und somit kein standesgemäßer Gegner ist. Daher beschließt Gustl, seinem nun nutzlosen Leben ein Ende zu setzen. Fräulein Else, das ein Vierteljahrhundert später entstanden ist, zeigt eine junge, gebildete Frau in einer anderen, aber nicht weniger erdrückenden Zwangslage. Ihr Vater, ein Wiener Rechtsanwalt, hat sich verspekuliert und droht ins Gefängnis zu kommen. Ihre Mutter hat aber sogleich eine Lösung ausgehandelt: Else soll sich einem älteren Herrn anbiedern und das Geld von ihm erbitten – koste es, was es wolle. Beide Texte Schnitzlers sind Meilensteine der deutschsprachigen Moderne; nicht zuletzt, weil Schnitzler hier erstmals in der deutschen Literatur den inneren Monolog als alleiniges Erzählmittel einsetzt. Eine Technik, die er zeitgleich mit James Joyce, und dennoch völlig unabhängig von diesem entwickelte. Freud nannte Schnitzler sein literarisches Doppelgänger-Ich. Das war kein Kompliment von oben herab — das war ehrliche Anerkennung unter Gleichgesinnten. Was Schnitzler in diesen beiden Texten tut, ist im Grunde ein Akt der Entlarvung — sanft, fast beiläufig, aber unerbittlich. Er hält seinen Figuren keinen Spiegel vor, sondern steckt uns mitten in sie hinein. Was wir dort schließlich vorfinden, ist kein Heldenstück oder ein klarer moralischer Kompass, sondern ein Gewirr aus Eitelkeit, Angst, halbgaren Gedanken und gesellschaftlich eingeübten Reflexen. Bei Gustl zeigt sich das besonders schonungslos. Der Mann ist kein Bösewicht oder Ähnliches, er ist lediglich banal. Seine Gedanken kreisen in dieser Schicksalsnacht nicht um Tiefe, Sinn oder Reue, sondern um Nichtigkeiten. Beispielsweise überlegt er, ob seine Schwestern weinen werden, ärgert sich über einen Konzertzettel oder er denkt an seine früheren Liebschaften. Schnitzler verabschiedet mit dieser Figur eine ganze Weltanschauung — die des kaiserlichen Militärs, das sich auf Ehre und Standesgefühl beruft, innerlich aber so hohl ist wie eine leere Uniform. Die Novelle erschien 1900 im Wiener Feuilleton und kostete Schnitzler seinen Rang als Offizier der Reserve — ein Beweis dafür, wie treffsicher die Satire saß. Else ist das weibliche Gegenstück zu Gustl und in gewisser Weise noch bedrückender zu lesen, weil ihr Käfig nicht aus aufgeblasenem Ehrgefühl besteht, sondern aus struktureller Ohnmacht. Sie ist jung, klug, voller Bewusstsein — und genau dieses Bewusstsein macht ihr Leiden unerträglich. Sie erkennt, was mit ihr geschieht und benennt dies mit messerscharfen Worten. Dennoch kann sie ihr Schicksal letztendlich nicht verhindern (zumindest glaubt sie das). Schnitzlers Brillanz liegt darin, dass er uns nie sagt, was Else tun soll. Er urteilt nicht. Er begleitet nur und überlässt uns schlussendlich die Bewertung. Dabei ist der innere Monolog nicht nur ein erzählerischer Kniff, sondern auch eine bewusste Entscheidung. Indem Schnitzler uns keine auktoriale Stimme gibt, kein Korrektiv von außen, keine ordnende Erzählerinstanz, setzt er uns der Gedankenwelt seiner Figuren schutzlos aus. Wir können nicht auf Abstand gehen. Wir müssen Gustls Feigheit mitdenken, Elses Demütigung mitfühlen. Das ist unbequem. Es soll unbequem sein. Was die beiden Novellen über den Wiener Kontext hinaus zeitlos macht, ist ihre Diagnose: Wie Menschen unter gesellschaftlichem Druck nicht zusammenbrechen, sondern sich anpassen — und dabei unmerklich sich selbst verlieren. Gustl wird am Ende nicht sterben. Eine Zufallsnachricht erspart ihm das. Er wird weitermachen wie zuvor. Das ist das eigentlich Grauenhafte. Else wird nicht weitermachen. Auch das lässt Schnitzler nicht als Tragödie heroisieren — es ist Scheitern, stilles, erschöpftes Scheitern.

    Pionierwerk zum inneren Monolog 🧠🗣️

    16. Apr. 2026

  • 3,0

    Der Schreibstil ist komplex. Da es sehr wenige Absätze gibt und diese Version des Buches zwar schon überarbeitet hat, hat man dennoch die Sprache auf einem schwierigen Level gelassen. Ein sehr interessantes und psychologisches Thema, zur Darstellung der Frau zu der Zeit, wo das Werk entstanden ist (1924). Wo wir heute für jeden (vermeintlich) Freiheit und Selbstbestimmung haben, wird hier sehr stark das Bild von damals von der Frau kritisiert. Ich hatte gehofft das Buch an einem Tag durchzubekommen, allerdings war es manchmal so komplex, dass es einen müde gemacht hat und man beim lesen mehrmals weggenickt ist.

    25. Juli 2024

3 von 26 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler (1862–1931) wurde in Wien geboren, studierte Medizin und praktizierte als Arzt, bis er sich ab 1894 ganz dem Schreiben widmete. Er war einer der Hauptvertreter des Wiener Impressionismus und einer der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker vor dem Ersten Weltkrieg. Seine Bühnenstücke und Erzählungen kreisen vor allem um die dekadente großbürgerliche Gesellschaft des Wiener Fin de siècle, deren Melancholie und Lebensüberdruss Schnitzler mit psychologischer Tiefe darstellt («Fräulein Else», 1924). Schnitzler war stark durch Sigmund Freuds Psychoanalyse beeinflusst. Besonders die Seelenverfassung seiner weiblichen Charaktere zeugt bis heute von erstaunlicher Hellsicht und Einfühlungsvermögen. Seine «Traumnovelle» inspirierte Stanley Kubrick zu seinem letzten Film, «Eyes Wide Shut» (1999) mit Nicole Kidman und Tom Cruise.Von Sigmund Freuds Theorien beeinflusst, wurde er zum Meister der psychologischen, zum Teil sogar psychoanalytischen Beobachtung, wegen der seine Erzählungen und Theaterstücke auch heute noch höchst aktuell sind.

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