Blick ins Buch

Romane

Wir sind das Licht

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Über das Buch

Preisgekröntes Literaturdebüt aus den Niederlanden – ausgezeichnet mit dem europäischen Literaturpreis 2021

Die Geschichte einer stillen Radikalisierung: Eine Wohnung, drei Frauen, ein Mann. Eine der Frauen ist tot. Als der Notarzt eintrifft, herrscht eine ruhige, ja unheimliche Atmosphäre, und er stellt fest: Elisabeth ist – vor den Augen ihrer Mitbewohner – verhungert. Muriel, Petrus und Elisabeth haben, jeder auf eigene Art, den Halt im Leben verloren. Elisabeths Schwester Melodie und der Verzicht auf Nahrung scheinen diese Lücke zu füllen. Was sich von innen – bis in den Tod – richtig anfühlt, ist von außen nur sehr schwer zu fassen. Gerda Blees erzählt ihren Debütroman aus 25 unterschiedlichen Perspektiven.

„Verstörend, berührend, originell … ein intensives Hörerlebnis“ Deutschlandfunk Kultur

Ungekürzte Lesung mit Claudia Michelsen, Jannik Schümann, Sandrine Mittelstädt, Benno Fürmann
6 CDs, 6h 40min

Editionen (3)

ISBN9783837159851
VerlagRandom House Audio
Erscheinungsdatum24.01.22

Rezensionen & Bewertungen

54 Bewertungen

18 Rezensionen

4,0

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  • annejnr
    annejnr

    64 Follower

    5,0

    Faszinierende Erzählperspektive(n)

    Die Geschichte selbst basiert lose auf einem realen Todesfall durch Unterernährung in einer Wohngemeinschaft in Utrecht. Was die Autorin Gerda Blees jedoch dramaturgisch daraus macht ist unglaublich spannend und facettenreich. Als Leser*in schlüpft man in die verschiedensten Blickwinkel und ich möchte nicht zu viel verraten, aber ich habe beispielsweise noch nie aus Sicht eines Orangendufts oder eines Cellos eine Erzählung betrachtet. Wie fantasievoll und doch jederzeit schlüssig der Hergang der Ereignisse geschildert wird ist mehr als beeindruckend. Jedes Kapitel überraschte mit neuen Bildern. Dabei wird das sehr ernste Thema feinfühlig und intelligent angesprochen.

    12. Dez. 2025

  • 5,0

    25 ganz neue Perspektiven

    Eine Frau stirbt. Unterernährt, inmitten ihrer Mitbewohner. Hätten diese ihr helfen sollen, helfen können, helfen müssen? Wir kennen alle Romane aus verschiedenen Erzählperspektiven, aber noch nie habe ich dies so faszinierend, intensiv und teilweise auch originell gelesen wie in dem Buch von Gerda Blees. Da sind nicht nur die üblichen Verdächtigen, wie Geschwister oder Eltern, sondern auch rein gedankliche und dann welche, die man so wirklich nicht erwartet, wie den Kugelschreiber oder den Entsafter. Das klingt erst mal verwirrend und vielleicht auch nicht ganz zum Ernst nehmen? Ist es aber definitiv nicht. Im Gegenteil, mir brachten gerade die Alltagsgegenstände oder auch das Haus, der Tatort, die Geschichte sehr nahe. Es lässt einen beim Lesen beobachten, man schaut zu, wie sich das Leben der WG entwickelt, wie es zu dieser tödlichen Abhängigkeit kommt - nicht einmal unbedingt die Abhängigkeit zu Melodie, sondern viel mehr zu der Abhängigkeit an einen Irrglauben, ohne den die vier (und später nur drei) nicht mehr Leben können. Als nicht sehr spirituelle Person hat mich immer schon fasziniert, wie ganz normal gebildete Menschen, z. B. an so einen Humbug wie Lichtnahrung glauben können; Gerda Blees macht dies durch ihre ungewöhnliche Art des Erzählens sehr plastisch sichtbar. Mich haben die Einblicke in die Lebensrealitäten der Vier tief berührt und wie drei von ihnen dabei in ihrer Labilität massiv manipuliert werden. Und gerade nach dem letzten Kapitel stellt sich dann auch die Frage, ob Elisabeths Tod nicht die einzige Möglichkeit zur Flucht war …

    18. Feb. 2026

  • 5,0

    Wir sind die Ignoranz.

    "Ihre Mitbewohnerin stirbt vor ihren Augen und sie denken an nichts?" [S. 111] Die Autorin hat sich, laut ihrer Danksagung, für dieses Buch von den Nachrichten über den Tod einer Frau in einer Wohngruppe in Utrecht im Sommer 2017 inspirieren lassen. Das Besondere dabei sind nicht nur die unterschiedlichen Perspektiven aus denen die Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr, dass dabei auch normalerweise stumme Beobachter, wie zum Beispiel Klang & Liebe, das Brot, der Zweifel oder aber auch der Tatort zu Wort kommen, was mittlerweile zwar ein bekanntes, aber durchaus unterhaltsames Stilmittel ist, auch wenn es sich im Grunde wie eine spezielle Art der Schreibübung liest. Durch die schier unendlichen Möglichkeiten bleibt das Buch dabei durchweg überraschend, da man nie weiß, wer oder was als nächstes seine Beobachtungen teilt. Und da die Kapitel relativ kurz gehalten sind, hatte ich es innerhalb von nur zwei Tagen beendet. Eine Frau stirbt und alle schauen dabei zu, und zwar wirklich alle! Wie das sein kann, erklärt sich die Autorin damit, dass sie die eigenen Interessen der Akteure stets an erster Stelle positioniert, was der Situation ab und an zwar etwas Humor beimischt, aber nicht von der pluralistischen Ignoranz ablenken kann, die im Grunde genau über die richtige Wunde kratzt und ein Gleichnis zwischen den Handlungsfähigen und den Nicht- Handlungsfähigen zieht. Im Grunde sind wir demnach alle Wollsocken... Passend dazu bleibt das Buch sprachlich eher nüchtern und auch die Dialoge haben kaum anderen Input zu bieten. Ein sehr besonderes, messerscharfes, unangenehmes, beklemmendes, modernes, aber vor Allem kluges Buch. Ich hoffe, wir bekommen hierzulande noch mehr von der Autorin zu lesen!

    14. Apr. 2024

3 von 18 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Gerda Blees

Gerda Blees, geboren 1985, wohnt in Haarlem, unterrichtete an verschiedenen Universitäten und hat in Amsterdam an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam Fine Arts studiert. Im April 2020 erschien ihr Romandebüt „Wir sind das Licht” (nl. Wij zijn licht).Wij zijn licht wurde 2020 mit dem Nederlandse Boekhandelprijs und 2021 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet.

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