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Klara und die Sonne

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Über das Buch

Ishiguro zeigt die Abgründe unserer Gesellschaft durch die Augen einer künstlichen Intelligenz

Klara ist ein Artificial Friend, eine künstliche Intelligenz, die dafür entwickelt wurde, Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Von ihrem Platz im Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie ganz genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft darauf, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.

Ungekürzte Lesung mit Johanna Wokalek
ca. 10h 20min

Editionen (4)

ISBN9783837155433
VerlagRandom House Audio
Erscheinungsdatum15.03.21

Rezensionen & Bewertungen

833 Bewertungen

132 Rezensionen

3,7

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  • luzifer
    luzifer

    359 Follower

    3,5

    Origineller Blickwinkel, nicht ganz so starke Umsetzung

    „Klara und die Sonne“ überzeugt vor allem durch seine außergewöhnliche Erzählperspektive: Die Geschichte wird aus der Sicht eines gefühlsfähigen Roboters erzählt, der als Begleiter für Kinder entwickelt wurde. Diese unschuldige, beinahe naive Wahrnehmung der Welt verleiht dem Roman eine besondere Atmosphäre und macht viele Szenen überraschend berührend. Gerade durch Klaras Blick entstehen ruhige, eindringliche Momente, in denen große Themen und ethische Probleme wie Einsamkeit, Liebe, Krankheit und technologische Abhängigkeit auf subtile Weise verhandelt werden. Besonders der oft problematische Umgang der Menschen mit einer solchen künstlichen Intelligenz wird kritisch, aber nie aufdringlich dargestellt. Hier zeigt der Roman seine Stärke: Er regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu wirken. Dennoch bleibt die Geschichte für mich insgesamt etwas zu oberflächlich. Im Vergleich zu ähnlichen Werken aus dem Sci-Fi-Genre schöpft der Roman sein inhaltliches Potenzial nicht vollständig aus. Einige Erzählstränge wirken deplatziert oder zumindest nicht konsequent zu Ende geführt. Manches, was emotional oder thematisch vertieft werden könnte, wird nur angerissen.

    18. Feb. 2026

  • greenwitchthinks
    greenwitchthinks

    161 Follower

    4,0

    Etwas Sonnenlicht und Menschlichkeit

    Dieses Buch ist minimalistisch, leichtfüßig und zugleich poetisch durchdrungen von existenziellen Fragen. Die Sonne steht hier sinnbildlich für Lebenskraft, Hoffnung und Bewusstsein. Und genau diese Symbolik zieht sich durch das gesamte Buch. Ishiguro erzählt ruhig, beinahe zurückhaltend. Ohne große Effekte, aber mit einer Klarheit, die unter die Haut geht. Klara ist eine sogenannte KF – eine „Künstliche Freundin“ aus einer älteren B2-Reihe. Sie ist ein Roboter, entwickelt, um Kinder zu begleiten. Nach Wochen im Geschäft wird sie endlich von einer Familie ausgewählt. Ihre Aufgabe: sich um die kranke Josie kümmern, ihre Lücke füllen, präsent sein. Was folgt, ist keine klassische Science-Fiction-Geschichte, sondern eine zarte Beobachtung darüber, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet. Klara analysiert, beobachtet, interpretiert und stellt dabei Fragen, die zutiefst philosophisch sind. Kann sie Freundschaft empfinden? Kann sie lieben? Oder imitiert sie nur, was sie gelernt hat? Der Roman bewegt sich in einer nahen Zukunft, in der genetische „Optimierung“, gesellschaftliches Klassendenken und subtile Ausgrenzung längst normalisiert sind. Themen wie Erwachsenwerden, Einsamkeit und soziale Spaltung werden mit einer ruhigen Ernsthaftigkeit verhandelt. Manchmal wirkt das Buch wie eine Ode an die Zerbrechlichkeit des Lebens. Es erinnert daran, wie empfänglich wir für Details sein können – für Licht, Farben, kleine Gesten. Kritisch sehe ich allerdings die Figur der Mutter. Ihre Liebe wirkt kontrollierend, übergriffig und kühl – und wird dennoch als aufopfernd dargestellt. Auch die Idee, dass Josies mögliche Genesung stark mit einer bestimmten „Sonneneinstrahlung“ verknüpft wird, erscheint stellenweise konstruiert. Trotz dieser Kritikpunkte bleibt Klara und die Sonne ein bemerkenswert stilles Buch. Es geht weniger um Technologie als um das, was uns menschlich macht.

    23. Feb. 2026

  • crura
    crura

    127 Follower

    5,0

    Ein bewegendes Buch über Menschlichkeit, Kindsein und Selbstaufopferung

    Selten hat ein Buch einen so bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Die beschriebene Welt ist eine Dystopie, in der die Gemeinschaft immer stärker fragmentiert, Menschen nach gentechnischer Optimierung hierarchisiert und isoliert werden – und in der Umweltverschmutzung zum Alltag gehört. Hier lernen wir Klara kennen. Als Androidin hat sie die Aufgabe, allein für ihre Besitzerin – die schwer kranke Josie – als „Künstliche Freundin“ da zu sein. Ishiguro gelingt eine meisterhafte Charakterisierung: Klara verfügt über einen beschränkten Denkhorizont, interpretiert die Welt naiv und gelegentlich falsch, entwickelt aber nach und nach ein tiefes Verständnis für die Menschen und deren Bedürfnisse. All das macht sie menschlich – vielleicht, weil wir die Welt neu wie aus Kinderaugen kennenlernen dürfen. Die Handlung kommt ohne große Spannungsmomente oder Wendungen aus. Stattdessen gibt uns Ishiguro Zeit, das Zusammenleben in der Familie wirklich zu erleben. Seine Bildsprache ist feinfühlig, sie pendelt zwischen Komik und Tragik. Von der dystopischen Welt bekommen wir nur am Rande etwas mit – weil der kleine Kosmos der Familie einen ganz eigenen Sog entwickelt. So erschafft Ishiguro eine zutiefst sympathische Protagonistin, deren Fürsorglichkeit zugleich ein Dilemma aufwirft: Klara gibt sich völlig für Josie auf, nimmt jede Zurückweisung widerspruchslos hin und akzeptiert jedes Opfer, das nötig ist. Ein schädlicher Altruismus – vielleicht aber auch das, was Menschsein letztlich ausmacht. Ein bewegender Roman mit einer außergewöhnlichen Hauptfigur. Für mich ein absolutes Highlight der letzten Jahre.

    7. Feb. 2026

3 von 132 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 16547%
kamihamiha
kamihamiha27. Juni 2026

Das Buch fesselt mich auf eine ganz wilde Art, die ich nicht beschreiben kann

Seite 20066%

1 Kommentar verdeckt

Seite 23968%

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1 Kommentar verdeckt

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Autorin / Autor

Über Kazuo Ishiguro

Kazuo Ishiguro, 1954 in Nagasaki geboren, kam 1960 nach London, wo er später Englisch und Philosophie studierte. 1989 erhielt er für seinen Weltbestseller »Was vom Tage übrigblieb«, der von James Ivory verfilmt wurde, den Booker Prize. Kazuo Ishiguros Werk wurde bisher in 50 Sprachen übersetzt. Er erhielt 2017 den Nobelpreis für Literatur. Der Autor lebt in London.

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