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Romane

Die Wohlgesinnten

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Über das Buch

Im Februar 2008 erschien im Berlin Verlag der Roman, den Jorge Semprun als »das Ereignis unserer Jahrhunderthälfte « bezeichnet: Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell. Über Monate hielt er die deutsche Literaturkritik in Atem. Mit den fiktiven Lebenserinnerungen des SS-Obersturmführers Maximilian Aue, Jahrgang 1913, Sohn eines deutschen Vaters und einer französischen Mutter, zeichnet Jonathan Littell ein erschreckend detailgenaues Bild des Zweiten Weltkriegs und der Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten aus Sicht eines Täters. »Das ist ein Roman, und das ist ein Autor, vor denen man sich verneigen muss«, schrieb Andreas Isenschmid in der NZZ am Sonntag. Die Wohlgesinnten erscheint im Oktober 2009 im Berliner Taschenbuch Verlag.

Editionen (4)

ISBN9783827070364
VerlagBerlin Verlag
Erscheinungsdatum01.02.10
Seitenzahl1392

Rezensionen & Bewertungen

27 Bewertungen

4 Rezensionen

4,4

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  • schmusescholle
    schmusescholle

    71 Follower

    5,0

    Kein Buch für nebenbei

    Das Buch handelt von Dr. Max Aue, welcher im Sinne der Nationalsozialisten an diversen historischen Momenten als SS-Mann bzw SD dieser Zeit anwesend ist - dies bildet auch den roten Faden des Buches. Littell hat Die Wohlgesinnten so konstruiert: Er zwingt uns, rund 1400 Seiten lang im Kopf eines Täters zu leben, damit wir spüren, wie sich die Vernunft langsam auflöst, wenn man sie für das Unmenschliche missbraucht. Auch wenn es keinen tieferen Sinn im Mord gibt, liegt der Sinn der Lektüre vielleicht darin: Zu verstehen, wie Sprache und Philosophie missbraucht werden können, um das Gewissen auszuschalten. Zu erkennen, dass die Täter keine „Monster mit Hörnern“ waren, sondern oft hochgebildete Menschen, die sich ihre Taten mit Kant oder Hegel zurechtgebogen haben. Sich der Tatsache zu stellen, dass „Zivilisation“ eine sehr dünne Schicht ist, die reißen kann, wenn wir aufhören, unser Handeln kritisch zu hinterfragen. Ich bin nachhaltig erstaunt darüber, wie es dem Autor gelingt, über so viele Seiten (und historische Jahre und Figuren) hinweg, so detailliert recherchieren und dies in einem doch so fesselnden Buch zusammenfassen zu können. Auf der anderen Seite führte dies jedoch auch zu Ermüdungserscheinungen, wenn sich rund 50-70 Seiten über ein Thema innerhalb der zuständigen Stellen diskutiert wird (der Inhalt ist nichtsdestotrotz erschreckend und davon losgelöst). Aber genau dies ist der Sinn des Buches, es soll den Leser mürbe machen, ihn Zeit und Maß vergessen lassen. Diese hunderte Seiten langen Diskussionen dienten dazu, die Tat von der Emotion zu trennen. Es war eine rein administrative Aufgabe, fast wie eine Steuererklärung oder ein Bauantrag. Das macht es so monströs: Der Mord wird zu einem Verwaltungsakt. Das ganze Buch ist unbeschreiblich in seiner Genauigkeit zur Beschreibung dieses bürokratischen Massenmordes und der Autor schafft eine Ebene, die es ermöglicht, sich ausgesprochen gut mit den Charakteren auseinander zu setzen und ihre Beweggründe aufzuzeigen (definitiv nicht zu verstehen). Und gleichzeitig erkennt man die Psychologie hinter dem ganzen System und dem Denken der Protagonisten

    9. Jan. 2026

  • 5,0

    Eines der unfassbarsten, psychisch anstrengendsten, brutalsten, ekelhaftesten Bücher unserer Zeit.

    Eines der unfassbarsten, psychisch anstrengendsten, brutalsten, ekelhaftesten Bücher unserer Zeit. In Die Wohlgesinnten verfolgt der Leser den Aufstieg des (fiktiven) Kriegsverbrechers Dr. Max Auer. Während dieser erfolgreich an seiner Karriere im verbrecherischen NS-Staat arbeitet wird der Leser zeitgleich sowohl Zeuge von Aufstieg und Niedergang des Dritten Reiches als auch des psychischen Zusammenbrechens des Protagonisten. Es ist keine Unterhaltungslektüre die sich dem Leser auf rund 1300 Seiten bietet, viel zu detailliert sind zahlreiche Gräueltaten und historische Ereignisse geschildert und wahrscheinlich auch viel, viel zu lang. Und trotzdem ist es ein wertvolles, wichtiges Buch aus dem keine Seite fehlen dürfte.

    Eines der unfassbarsten, psychisch anstrengendsten, brutalsten, ekelhaftesten Bücher unserer Zeit.

    12. Apr. 2025

  • 5,0

    Geologe Dr. jur. Max Aue (liebt unglücklich seine Zwillingsschwester und ist homosexuell) tritt in den Sicherheitsdienst ein; überzeugter Antisemit macht Karriere. Juni 1941 - April 1945. Der öffentliche Aufschrei im Literaturgeschehen, weil hier nicht wie üblich und obligat aus Opfersicht, sondern Tätersicht die Massenvernichtungen, Stalingrad etc. geschildert wird; Autor Jonathan Littell ist Jude. Mit den knapp 1400 Seiten + 100 Seiten Marginalienband (sehr zu empfehlen) nicht die klassische Strandlektüre. Hätte im Alltag aber nicht die Zeit und Ruhe gehabt; so habe ich im Urlaub für beide Bücher 10 ungestörteTage gebraucht - für mich perfekt. Die Schilderungen sind sehr direkt und eindringlich; auch ich war mal in Dachau (Klassenfahrt), kann es mir aber trotzdem immer wieder sehr schwer realistisch vorstellen. Auch bei diesem ROMAN musste ich mir immer wieder vergegenwärtigen, dass es tatsächlich so stattgefunden hat. Durch die ganzen Actionfilme,Thriller usw. ist man doch etwas abgestumpft. Mit das Beeindruckendste waren für mich die logistischen und bürokratischen Anstrengungen/Überlegungen..... Ohne es auch nur ansatzweise Verharmlosen zu wollen (nach dieser Lektüre 'eh nicht mehr): das eigentlich Lächerliche an dem ganzen Wahn nebst Hitlergruss und abstrusen Abstammungsdiskussionen wird hier in einem recht neutralem Ton (siehe Marginalienband!!) grandios von dem Protagonisten geschildert. Der Schluss war so spannend (der Ausgang des Krieges natürlich nicht - das wusste ich durchaus), dass ich es nicht vom Zimmer zum Strand (300 Meter) geschafft habe und den Nachmittag auf dem Bett sitzend verbrachte. Und der Schluss hat mich heftig geschockt - zum Glück war ich dann noch abends am Strand...... Erschreckt hat mich ganz besonders, dass ich einigen Nazis temporär einen Hauch von Sympathie entgegenbringen konnte/musste. So ist der Freund Thomas ein elender Opportunist und frei von Gewissen resp. Moral, Skrupel etc....., trotzdem widerte er mich weniger an als andere Nazis und hatte sogar seine Momente..... Ein tolles Buch (fordere nach wie vor: Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht) mit vielen realen Elementen und Personen wie Himmler, Speer, Goebbels - Hitler na klar...... Es liest sich sehr flüssig und gut - inhaltlich dafür sehr heftig und so realistisch, dass es weh tut und auch Übelkeit verursacht. Man warf wohl in der hitzigen Rezensionsdebatte Perversion und Vulgarität vor - aber was genau ist denn bitte da abgelaufen?? Das war pervers und vulgär... Eigentlich ist das gar nicht sooooo mein Thema, umso mehr überraschte mich meine Begeisterung für dieses Buch

    22. Sept. 2022

3 von 4 Rezensionen

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Seitenbasierte Kommentare

Seite 26519%
daslandistleer
daslandistleer4. Juni 2026

It's a damn fanfiction 😂😂😂

Autorin / Autor

Über Jonathan Littell

Jonathan Littell, 1967 in New York geboren in einer jüdischen Familie russischer Herkunft, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika niedergelassen hat, ist in Frankreich aufgewachsen, wo er 1985 das Abitur machte, studierte in Yale (USA). Zwischen 1993 und 2001 arbeitete er für die humanitäre Organisation »Aktion gegen den Hunger« (ACF) in Bosnien und Afghanistan, im Kongo und in Tschetschenien. Littell lebt mit seiner Familie in Barcelona. Für seinen Roman »Die Wohlgesinnten« erhielt er 2006 den Grand Prix du Roman der Académie Française und den Prix Goncourt.

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