Nach dem Urlaub, so ist der Plan, wird Linn ein perfekt gereifter Embryo eingesetzt und sie wird sein, was sie sich schon lange wünscht: schwanger. In den schicken Bungalow am Strand hat der Jugendfreund ihres Partners Matze sie beide eingeladen, Felix, ein wohlhabender Selfmademan. Während Matze und Felix sich mit Crémant betrinken, angeln gehen und versuchen, die Statusunterschiede zwischen ihnen zu verdrängen, entwickelt sich zwischen Linn und Felix' Frau Eva aus Neid und Widerwillen eine Faszination, die die beiden einander näherbringt. Während Linn sich zerrissen fühlt zwischen dem unbedingten Wunsch, Mutter zu werden, und dem Zweifel, ob sie das überhaupt kann, eine »gute« Mutter sein, buddelt Eva geduldig mit ihrem Sohn, cremt und tröstet und wischt Sandkörner aus Babyaugen. Und im Laufe der Urlaubstage geraten zwischen Muschelessen und Crémant, zwischen heimlich geteiltem Cannabis und geflüsterten Gesprächen festgefahrene Bilder ins Wanken, verschieben sich sachte die Regeln, und Eva und Linn werden mehr als Freundinnen: Sie werden Verbündete. Ein fulminanter, kraftvoller Roman, ebenso wütend wie zart, über weibliche Selbstbestimmung, über Körper und wem sie gehören, über das Kinder haben und die Sehnsucht danach.
Über gesellschaftlichen Druck und eine neue Freundschaft - teilweise extrem, dennoch lesenswert
Dieses Buch ist kein Buch, was sich in eine Schublade pressen lässt und was sich so einfach durchdringen lässt. Es geht um gesellschaftliche Konventionen, Druck auf Frauen, Mutterschaft (ungewollt und gewollt), alte und neue Freundschaften und unausgesprochener Unmut/Wut. Das führt dazu, dass das Buch manchmal etwas überfrachtet ist. Aber dennoch hält sich die Spannung.
Das liegt auch an den Protagonist:innen. Man hat einen Alpha-Mann mit seinem unterwürfigen Jugendfreund. Wobei ersterer immer wieder seine toxische Männlichkeit und seine Richi-Rich-Attitüde auslebt. Hinzu kommen die beiden Partnerinnen. Die eine erst als Urmutter dargestellt und zum Ende des Buches bekommt ihr Verhalten immer mehr Risse, was sie mir immer symphatischer gemacht hat. Und dann die andere - Linn - ist ein sehr komplexer Charakter, wo ich nicht weiß ob ich sie mag oder nicht. Sie erinnert mich an die Figur aus Verenas Kesslers Buch "Gym" - dieses extreme Verhalten in manchen Situationen, wo man sich fragt, ob die Figur an psychischen Störungen leidet oder ihre Aktionen doch richtig sind. Ich bin mir auch bis jetzt nicht sicher, ob Linn wirklich ein Kind will oder nur, weil es halt von ihr erwartet wird. Durch all das wird man aber zum nachdenken angeregt, was ein gutes Buch ja auch ausmachen muss.
Einige Stellen sind aber dennoch schwer zu durchschauen. Also was die Autorin dort für ein Ziel hatte. Daher hat man das Buch nach dem ersten lesen auch nicht komplett durchgestiegen, weshalb man es sicher nochmal lesen müsste oder mit anderen dazu in den Austausch treten. Und warum hat das Baby keinen Namen, obwohl jede:r andere benannt ist???
Mein Fazit daher: Ein lesenswertes Buch über gesellschaftliche Konventionen, was an einigen Stellen aber noch ein wenig mehr Klarheit gebrauchen würde.
4. Feb. 2026
3,5
Über gesellschaftlichen Druck und eine neue Freundschaft - teilweise extrem, dennoch lesenswert
Dieses Buch ist kein Buch, was sich in eine Schublade pressen lässt und was sich so einfach durchdringen lässt. Es geht um gesellschaftliche Konventionen, Druck auf Frauen, Mutterschaft (ungewollt und gewollt), alte und neue Freundschaften und unausgesprochener Unmut/Wut. Das führt dazu, dass das Buch manchmal etwas überfrachtet ist. Aber dennoch hält sich die Spannung.
Das liegt auch an den Protagonist:innen. Man hat einen Alpha-Mann mit seinem unterwürfigen Jugendfreund. Wobei ersterer immer wieder seine toxische Männlichkeit und seine Richi-Rich-Attitüde auslebt. Hinzu kommen die beiden Partnerinnen. Die eine erst als Urmutter dargestellt und zum Ende des Buches bekommt ihr Verhalten immer mehr Risse, was sie mir immer symphatischer gemacht hat. Und dann die andere - Linn - ist ein sehr komplexer Charakter, wo ich nicht weiß ob ich sie mag oder nicht. Sie erinnert mich an die Figur aus Verenas Kesslers Buch "Gym" - dieses extreme Verhalten in manchen Situationen, wo man sich fragt, ob die Figur an psychischen Störungen leidet oder ihre Aktionen doch richtig sind. Ich bin mir auch bis jetzt nicht sicher, ob Linn wirklich ein Kind will oder nur, weil es halt von ihr erwartet wird. Durch all das wird man aber zum nachdenken angeregt, was ein gutes Buch ja auch ausmachen muss.
Einige Stellen sind aber dennoch schwer zu durchschauen. Also was die Autorin dort für ein Ziel hatte. Daher hat man das Buch nach dem ersten lesen auch nicht komplett durchgestiegen, weshalb man es sicher nochmal lesen müsste oder mit anderen dazu in den Austausch treten. Und warum hat das Baby keinen Namen, obwohl jede:r andere benannt ist???
Mein Fazit daher: Ein lesenswertes Buch über gesellschaftliche Konventionen, was an einigen Stellen aber noch ein wenig mehr Klarheit gebrauchen würde.
„Was nie da war, kann man nur in sich selbst begraben. Dabei würde sie gerne auf etwas zeigen und sagen: Guck, das hatte ich mal.
Sechs Embryos sind zu klein für ein Grab.“ [S. 160]
Von Mutterschaft und Kinderlosigkeit.
Ein Pärchenurlaub der anderen Art erleben Eva und Felix (mit Otto und Baby) und Linn und Matze.
Die junge Vorzeigefamilie und das Paar in Kinderwunschbehandlung verbringen einen gemeinsamen Urlaub in Südfrankreich. Sponsored bei Felix, Matzes bestem und immer besseren Freund aus Jugendzeiten.
Schonungslos und ehrlich schreibt Dita Zipfel wie es ist;
das Leben als Mutter, in ständiger Angst und Sorge, dass dem Nachwuchs etwas passiert, während man nach aussen hin die starke, treusorgende (Ehe-)Frau mimt, die stets alles unter Kontrolle hat, obwohl man oft nur die Kontrolle und den Wunsch nach der eigenen Unabhängigkeit verliert.
Und das Leben als Frau mit Kinderwunsch (in Kinderwunschbehandlung), den Blick neiderfüllt auf die gerichtet, die augenscheinlich schon alles erreicht haben und in perfektem Familienglück schwelgen, während man selbst nicht vollkommen und das eigene Leben unperfekt und unerfüllt ist.
Eva und Linn beäugen einander wie Konkurrentinnen.
Eva, zweifache Mutter,
Linn, kinderlos mit Kinderwunsch.
Was der einen über den Kopf wächst, ist dass wonach sich die andere sehnt.
Das war gut geschrieben, die innere Zerrissenheit beider Protagonistinnen beim lesen spürbar, die Sichtweise auf die Dinge besonders, aber immer authentisch.
Die Männer eher Randfiguren in der Handlung der Story.
Gegen Ende wurde es mir jedoch leider zu merkwürdig und lässt mich ein wenig ratlos zurück, was meine Begeisterung etwas schmälert, obwohl ich von der Thematik, dem Sprachstil und der Umsetzung bis dato sehr angetan war.
25. Jan. 2026
3,0
„Was nie da war, kann man nur in sich selbst begraben. Dabei würde sie gerne auf etwas zeigen und sagen: Guck, das hatte ich mal.
Sechs Embryos sind zu klein für ein Grab.“ [S. 160]
Von Mutterschaft und Kinderlosigkeit.
Ein Pärchenurlaub der anderen Art erleben Eva und Felix (mit Otto und Baby) und Linn und Matze.
Die junge Vorzeigefamilie und das Paar in Kinderwunschbehandlung verbringen einen gemeinsamen Urlaub in Südfrankreich. Sponsored bei Felix, Matzes bestem und immer besseren Freund aus Jugendzeiten.
Schonungslos und ehrlich schreibt Dita Zipfel wie es ist;
das Leben als Mutter, in ständiger Angst und Sorge, dass dem Nachwuchs etwas passiert, während man nach aussen hin die starke, treusorgende (Ehe-)Frau mimt, die stets alles unter Kontrolle hat, obwohl man oft nur die Kontrolle und den Wunsch nach der eigenen Unabhängigkeit verliert.
Und das Leben als Frau mit Kinderwunsch (in Kinderwunschbehandlung), den Blick neiderfüllt auf die gerichtet, die augenscheinlich schon alles erreicht haben und in perfektem Familienglück schwelgen, während man selbst nicht vollkommen und das eigene Leben unperfekt und unerfüllt ist.
Eva und Linn beäugen einander wie Konkurrentinnen.
Eva, zweifache Mutter,
Linn, kinderlos mit Kinderwunsch.
Was der einen über den Kopf wächst, ist dass wonach sich die andere sehnt.
Das war gut geschrieben, die innere Zerrissenheit beider Protagonistinnen beim lesen spürbar, die Sichtweise auf die Dinge besonders, aber immer authentisch.
Die Männer eher Randfiguren in der Handlung der Story.
Gegen Ende wurde es mir jedoch leider zu merkwürdig und lässt mich ein wenig ratlos zurück, was meine Begeisterung etwas schmälert, obwohl ich von der Thematik, dem Sprachstil und der Umsetzung bis dato sehr angetan war.
Es ist doch schön, wie wertschätzend die beiden Frauen übereinander denken.
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Autorin / Autor
Über Dita Zipfel
Dita Zipfel, 1981 in Kiel geboren, schreibt Theaterstücke, Drehbücher, Essays und Literatur. 2020 wurde sie für ihren Jugendroman »Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte« unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Ihre Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sie schreibt Geschichten, die ein bisschen wie Filme sind, vielleicht, weil sie sich das Erzählen im Kino ihres Opas beigebracht hat.