Als der Psychologe Kris Kelvin auf einer Forschungsstation auf dem Planeten Solaris eintrifft, findet er eine demoralisierte und psychisch labile Mannschaft vor. Wie Kelvin bald feststellt, halten sich, neben ihm und den beiden Forschern, noch weitere Personen auf der Station auf, was seine Kollegen anfangs jedoch abstreiten. Als plötzlich Kelvins ehemalige Freundin Harey auftaucht – die sich vor einigen Jahren das Leben genommen hat –, wähnt er sich bereits wahnsinnig. Dann findet Kelvin jedoch heraus, was es mit den ungebetenen "Gästen" auf sich hat.
Anspruchsvoller Sci-Fi-Klassiker mit spannenden Passagen und zähflüssigen Längen. Stanislav Lem beamt mich auf den Planeten Solaris, dessen einziger Ureinwohner Polytheria, ein scheinbar allmächtiger, riesiger Ozean aus Plasma ist. Was tut Mensch hier? Übel bringen wie überall. Und so ist einiges aus dem Ruder gelaufen bei der Erforschung dieser extraterrestrischen Lebensform. Aus dem Ruder läuft zuweilen auch die Geschichte, etwa wenn seitenlang über wissenschaftliche Abhandlungen der solaristischen Forschung gefachsimpelt wird. Dennoch bilden die geschilderten phantastischen Phänomene gerade in ihrer intensiven Beschreibung einen psychologisch-philosophischen Kern, der Fragen nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis aufwirft und es allemal wert ist, sich auch ein bisschen durchzukämpfen. Sympathiepunkt: echte Bücher auf Solaris.
25. Dez. 2025
3,5
Anspruchsvoller Sci-Fi-Klassiker mit spannenden Passagen und zähflüssigen Längen. Stanislav Lem beamt mich auf den Planeten Solaris, dessen einziger Ureinwohner Polytheria, ein scheinbar allmächtiger, riesiger Ozean aus Plasma ist. Was tut Mensch hier? Übel bringen wie überall. Und so ist einiges aus dem Ruder gelaufen bei der Erforschung dieser extraterrestrischen Lebensform. Aus dem Ruder läuft zuweilen auch die Geschichte, etwa wenn seitenlang über wissenschaftliche Abhandlungen der solaristischen Forschung gefachsimpelt wird. Dennoch bilden die geschilderten phantastischen Phänomene gerade in ihrer intensiven Beschreibung einen psychologisch-philosophischen Kern, der Fragen nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis aufwirft und es allemal wert ist, sich auch ein bisschen durchzukämpfen. Sympathiepunkt: echte Bücher auf Solaris.
Stanisław Lem hat in meinen Augen mit "Solaris" ein düsteres und eindrucksvolles Werk über das Verhältnis zwischen Mensch und Universum geschrieben. Häufig wird es als ein Meisterwerk der frühen Science-Fiction gehandelt. Doch diese hohe Auszeichnung würde ich dem Buch nicht unbedingt zuschreiben. Es handelt sich um einen anspruchsvollen Text, bei dem die Handlung nach und nach in den Hintergrund tritt. Umso fesselnder sind jedoch die Gedanken und Fragen, die sich beim Leser auftun.
Vor allem geht es um die Fragen, was der Mensch im Universum und in sich selbst sucht. Wie deutet er die Phänomene um ihn herum? Besonders interessant fand ich, wie stark sich meine eigenen Empfindungen während des Lesens veränderten. Anfangs empfand ich die unerklärliche Präsenz der sogenannten "Gäste" auf der Raumstation als beklemmend und grauenerregend. Doch je mehr der Eindruck entstand, es handle sich dabei um eine absichtslose Wesen, desto mehr verloren diese Erscheinungen an Dramatik. Jedoch nicht an Faszination. Ich denke, dass dies vom Autor beabsichtigt ist. Oft neigen wir dazu, in ein naives Schwarz-Weiß-Denkmuster (z. B. Gut/Böse) zu verfallen, in dem alles einem Zweck dienen muss. Umso verwirrender ist es für uns, wenn beispielsweise eine scheinbar existenzbedrohliche Tatsache nicht in dieses Schema passt. Könnte es etwa sein, dass es Bereiche und Phänomene im Universum gibt, die so weit ab von unserem menschlichen Erleben und Selbstverständnis existieren?
"Wir sind alltäglich. Wir sind das Gras des Weltalls und werden uns unserer Alltäglichkeit nicht bewusst. Diese Alltäglichkeit scheint universell zu sein. Und wir haben gedacht, dass darin alles Platz findet. Das war ein Schema, mit dem die Leute mutig und freudig in die Ferne zogen. Andere Welten. Also los, was ist das schon, diese anderen Welten. Wir erobern sie oder werden von ihnen erobert. Sonst war nichts in diesen unglücklichen Köpfen. Ach, es hat keinen Sinn. Es hat keinen Sinn."
Mir haben diese Gedankengänge und die generell düstere Atmosphäre sehr gefallen. Dennoch gab es auch schwächere Passagen. Zwar teile ich nicht die Meinung einiger Rezensenten, dass die überall auftauchende Pseudowissenschaft dem Roman erheblich schadet, doch manchmal verliert sich Lem tatsächlich in langweiligen und überflüssigen Details über die Forschung auf Solaris. Seitenlang wird über die verschiedenen Aufzeichnungen und Forschungsergebnisse bekannter "Solaristen" berichtet. Sicherlich sollte damit die Immersion verstärkt werden, als ob es einen solchen Planeten tatsächlich geben könnte. Aber ich denke, das wäre absolut nicht notwendig gewesen. Es hätte mir gereicht, wenn der Autor sich fast ausschließlich auf die philosophische und psychologische Tiefe beschränkt hätte, denn darin liegt definitiv die große Stärke des Buches.
Wer eine spannende und unterhaltsame Science-Fiction-Geschichte sucht, wird definitiv enttäuscht werden. Doch wen eine atmosphärische Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz auf kosmischer Ebene begeistern könnte, wird viel Freude an der Lektüre haben.
30. Aug. 2023
4,0
Der kindliche Schöpfer grausamer Wunder
Stanisław Lem hat in meinen Augen mit "Solaris" ein düsteres und eindrucksvolles Werk über das Verhältnis zwischen Mensch und Universum geschrieben. Häufig wird es als ein Meisterwerk der frühen Science-Fiction gehandelt. Doch diese hohe Auszeichnung würde ich dem Buch nicht unbedingt zuschreiben. Es handelt sich um einen anspruchsvollen Text, bei dem die Handlung nach und nach in den Hintergrund tritt. Umso fesselnder sind jedoch die Gedanken und Fragen, die sich beim Leser auftun.
Vor allem geht es um die Fragen, was der Mensch im Universum und in sich selbst sucht. Wie deutet er die Phänomene um ihn herum? Besonders interessant fand ich, wie stark sich meine eigenen Empfindungen während des Lesens veränderten. Anfangs empfand ich die unerklärliche Präsenz der sogenannten "Gäste" auf der Raumstation als beklemmend und grauenerregend. Doch je mehr der Eindruck entstand, es handle sich dabei um eine absichtslose Wesen, desto mehr verloren diese Erscheinungen an Dramatik. Jedoch nicht an Faszination. Ich denke, dass dies vom Autor beabsichtigt ist. Oft neigen wir dazu, in ein naives Schwarz-Weiß-Denkmuster (z. B. Gut/Böse) zu verfallen, in dem alles einem Zweck dienen muss. Umso verwirrender ist es für uns, wenn beispielsweise eine scheinbar existenzbedrohliche Tatsache nicht in dieses Schema passt. Könnte es etwa sein, dass es Bereiche und Phänomene im Universum gibt, die so weit ab von unserem menschlichen Erleben und Selbstverständnis existieren?
"Wir sind alltäglich. Wir sind das Gras des Weltalls und werden uns unserer Alltäglichkeit nicht bewusst. Diese Alltäglichkeit scheint universell zu sein. Und wir haben gedacht, dass darin alles Platz findet. Das war ein Schema, mit dem die Leute mutig und freudig in die Ferne zogen. Andere Welten. Also los, was ist das schon, diese anderen Welten. Wir erobern sie oder werden von ihnen erobert. Sonst war nichts in diesen unglücklichen Köpfen. Ach, es hat keinen Sinn. Es hat keinen Sinn."
Mir haben diese Gedankengänge und die generell düstere Atmosphäre sehr gefallen. Dennoch gab es auch schwächere Passagen. Zwar teile ich nicht die Meinung einiger Rezensenten, dass die überall auftauchende Pseudowissenschaft dem Roman erheblich schadet, doch manchmal verliert sich Lem tatsächlich in langweiligen und überflüssigen Details über die Forschung auf Solaris. Seitenlang wird über die verschiedenen Aufzeichnungen und Forschungsergebnisse bekannter "Solaristen" berichtet. Sicherlich sollte damit die Immersion verstärkt werden, als ob es einen solchen Planeten tatsächlich geben könnte. Aber ich denke, das wäre absolut nicht notwendig gewesen. Es hätte mir gereicht, wenn der Autor sich fast ausschließlich auf die philosophische und psychologische Tiefe beschränkt hätte, denn darin liegt definitiv die große Stärke des Buches.
Wer eine spannende und unterhaltsame Science-Fiction-Geschichte sucht, wird definitiv enttäuscht werden. Doch wen eine atmosphärische Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz auf kosmischer Ebene begeistern könnte, wird viel Freude an der Lektüre haben.