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Fremde Gäste

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Über das Buch

London, 1922. Die 28-jährige Frances Wray und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem Stadthaus aufzunehmen, um über die Runden zu kommen, seit der Vater und die beiden Brüder im Krieg gefallen sind. Mit der Ankunft von Lilian und Leonard Barber, einem modernen jungen Ehepaar, ändern sich die Atmosphäre und die Routinen des Hauses auf ungeahnte Weise. Und als sich eine zarte Liaison zwischen den beiden jungen Frauen anbahnt und das anfängliche Misstrauen des Ehemannes in blanken Hass umschlägt, nimmt eine Tragödie unaufhaltsam ihren Lauf ...

Editionen (2)

ISBN9783732523047
VerlagBastei Lübbe
Erscheinungsdatum14.07.16
Seitenzahl820

Rezensionen & Bewertungen

11 Bewertungen

1 Rezensionen

2,7

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  • fraumarsupilami
    fraumarsupilami

    187 Follower

    4,0

    Ab der Hälfte geht’s bergauf

    London, 1920er Jahre: Die 28-jährige Frances und ihre Mutter sind gezwungen, Untermieter in ihrem ursprünglichen sehr noblen, mittlerweile leicht altbackenen Stadthaus aufzunehmen. Das Geld ist rar seit die beiden Brüder im Krieg gefallen sind und der Vater ebenfalls verstorben ist, jedoch nicht ohne die gesamten finanziellen Rücklagen zuvor verpulvert zu haben. So ziehen Lilian und Leonard Barber, ein junges, modernes Ehepaar, inklusive lauter Grammophonmusik, Lebensfreude und Gelächter als Untermieter ein. Schnell leckt die etwas prüde und altbackene Francis Blut und lernt eine völlig neue Lebenseinstellung und fremde Gewohnheiten kennen - und entdeckt ihr sexuelles (und emotionales) Interesse an der neuen Untermieterin. Besonders vor Sarah Waters eigenem biografischen Hintergrund thematisiert der Roman nichts überraschend Neues: Gleichgeschlechtliche Liebe unter Frauen in einer Zeit, in der es sowas nicht geben darf. Es gibt eindeutige Sexszenen, verpackt in teils ellenlangen Beschreibungen der Gefühlswelten der beiden Frauen. Insbesondere die erste Buchhälfte „tröpfelt“ dahin und wirkt bisweilen ziemlich kitschig und schnulzig. Die Handlung ist größtenteils vorhersehbar und langatmig. Ab der Hälfte wird es jedoch spannend. Waters verfasst damit einen Genremix aus Krimi, Justizthrilller, Liebesgeschichte und historischem Drama. Die starke Charakterzeichnung der Figuren fand ich sehr erfrischend. Sarah Waters gelingt eine historisch einprägsame Darstellung der damaligen Zeit: Mrs Wray hängt den altmodischen Idealen des viktorianischen Englands nach, der insbesondere die eigene Außendarstellung und das Wahren des äußerlichen Scheins („Was sollen nur die Nachbarn denken?“) wichtig ist. Sie hat stark damit zu kämpfen nicht mehr zu den oberen Kreisen zu gehören und sich bedingt durch den Tod der männlichen Familienoberhäupter nun mit ihrer neuen Stellung in der Mittelschicht zufrieden geben zu müssen. Lil wirkt wie das komplette Gegenteil: sie ist jung, modern, ein wenig ausflippt, tanzt gerne, trägt Lippenstift und zeigt ihre kosmopolitische Einstellung durch die Wahl ihrer Einrichtungsgegenstände. Damit repräsentieren die Figuren den historisch-gesellschaftlichen Bruch zur damaligen Zeit - das alte England und das neue England. Francis bemerkt diesen Bruch und sehnt sich selbst nach einer neuen Zeit, der Erfüllung ihrer gesellschaftlich unterdrückten und tabuisierten Sexualität und bewundert Lil für ihre „Stärke“ - bei der nach und nach jedoch auch die Frage in den Raum gestellt wird, was eigentlich „Stärke“ ist. Generell behandelt der Roman viele „Trigger-Themen“: lesbische Sexualität, sozialer Konformismus, weibliche Unterdrückung in der Ehe, die Frage nach Gerechtigkeit und bietet in alldem einen großen Interpretationsspielraum. Damit bietet das Buch literarische „Simpsons-Momente“: ein einfach gehaltener Plot und je nach Lesart und Tiefe ergeben sich daraus viele unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten – von „Liebesgeschichte“ bishin zur eindeutigen Gesellschaftskritik. ⭐️⭐️⭐️⭐️

    5. Apr. 2023

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