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Romane

Anna Karenina

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Über das Buch

Anna Karenina ist neben Effi Briest und Madame Bovary die wohl berühmteste Ehebrecherin der Weltliteratur. Glücklos mit einem hohen Beamten verheiratet, verfällt die bezaubernde, kluge und sanftmütige Anna dem jungen Offizier Graf Wronski in unwiderstehlicher Liebe. Eine leidenschaftliche Affäre, die sie weder vor ihrem Mann noch vor der Gesellschaft verheimlicht, nimmt ihren Lauf. Anna Karenina ist bereit, dieser Liebe alles zu opfern …

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ISBN9783730609828
VerlagAnaconda Verlag
Erscheinungsdatum26.04.21
Seitenzahl1248

Rezensionen & Bewertungen

540 Bewertungen

96 Rezensionen

4,1

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  • emilo
    emilo

    434 Follower

    Hot Take: Genialer psychologischer Roman, unerträgliche Figuren

    ​Ich bin erst bei 80%, aber mein Gott, sind diese Leute nervig! ​Anna: Die egoistische, manipulative Hauptfigur mit Opfermentalität. Anna ist extrem egozentrisch. Sie will die wilde Affäre mit Wronski, aber auch ihr Kind als emotionales Trostpflaster behalten und gleichzeitig den Applaus der High Society. Sie bricht alle Regeln, verlässt ihr Kind und jammert dann wie ein trotziges Kleinkind, weil die Gesellschaft sie meidet. ​ ​Lewin: Ein emotionaler Pflegefall. Der angebliche „weise Denker“ des Buches ist eigentlich eine der dümmsten Figuren. Ein arroganter Gutsherr, der am Sterbebett seines Bruders grundlegende Hygiene als „weibliche Oberflächlichkeit“ abtut. Emotional agiert er wie ein eifersüchtiger Teenager. Er denkt nur an sich (WIR brauchen keinen Arzt / keine Schule, denn ICH brauche sie nicht... Toll, Lewin) und verschließt sich gegen alles Wissenschaftliche. ​Tolstoi: Der predigende Egomane. Er missbraucht den Roman ständig für seitenlange, sterbenslangweilige Werbeunterbrechungen über seine privaten Hobbys: endlose Exkurse über Landwirtschaft, Kunsttheorie oder religiöse Hochzeitspredigten. ​Ich frage mich ernsthaft, ob Anna Karenina, wenn es heute erscheinen würde, von Lektoren nicht radikal gekürzt worden wäre. Es ist ein handwerkliches Meisterwerk und verdient seinen Respekt, keine Frage. Aber Mannomann, sind diese Figuren und dieser Autor Jammerlappen! 🤷‍♂️📚

    23. Mai 2026

  • bookswithchristina
    bookswithchristina

    149 Follower

    5,0

    Wenn Liebe nicht genügt

    Anna Karenina von Leo Tolstoi ist eines jener Bücher, die weit mehr sind als die Geschichte einer unglücklichen Liebe. Obwohl der Roman oft auf die tragische Affäre zwischen Anna Karenina und Graf Wronski reduziert wird (was mir durchaus passiert ist), interessiert sich Tolstoi eigentlich für etwas viel Größeres: die Frage, wie Menschen ein erfülltes Leben führen können und warum sie trotz Liebe, Wohlstand oder gesellschaftlichem Erfolg oft unglücklich bleiben. Im Zentrum steht durchaus Anna, eine Frau, die zu Beginn des Romans alles besitzt, was ihre Gesellschaft als erstrebenswert betrachtet: Sie ist schön, intelligent, angesehen und mit einem einflussreichen Mann verheiratet. Doch ihre Begegnung mit Wronski löst eine Kettenreaktion aus, die ihr gesamtes Leben verändert. Tolstoi zeichnet Anna dabei weder als sündige Ehebrecherin noch als reine Heldin. Vielmehr zeigt er eine Frau, die sich nach echter emotionaler Erfüllung sehnt und nicht bereit ist, ein Leben in emotionaler Leere zu akzeptieren. Als Leser versteht man ihre Entscheidungen, selbst wenn man ihre Handlungen nicht immer gutheißen kann. Besonders bemerkenswert ist, wie Tolstoi die gesellschaftlichen Doppelmoralvorstellungen seiner Zeit offenlegt, denn Männer dürfen Affären haben, ohne ihren sozialen Status zu verlieren. Frauen hingegen riskieren ihre gesamte Existenz. Das wird schon gleich zu Anfang des Romans ersichtlich mit Annas Bruder und geht weiter mit Wronski, denn während Wronski trotz seiner Beziehung zu Anna weitgehend Teil der Gesellschaft bleibt, wird Anna zunehmend ausgeschlossen, verurteilt und isoliert. Ihr sozialer Tod beginnt lange vor ihrer eigentlichen Tragödie. Tolstoi zeigt dabei eindrucksvoll, wie stark gesellschaftliche Normen das Leben eines Menschen bestimmen können und wie grausam Gemeinschaften gegenüber denen werden, die ihre Regeln verletzen. Doch Anna Karenina ist nicht nur Annas Geschichte. Tatsächlich bildet Konstantin Lewin den zweiten großen Mittelpunkt mit seiner zunächst unerfüllten Liebe zu Kitty. Während Anna nach persönlichem Glück sucht und daran zerbricht, beschäftigt sich Lewin mit existenziellen Fragen: Was gibt dem Leben Sinn? Wie soll man leben? Was bedeutet Liebe, Arbeit und Glaube? Seine Handlung wirkt auf den ersten Blick oft unspektakulär (ziemlich eintönig und oft leider zäh) als Annas dramatische Geschichte, doch sie bildet das philosophische Herzstück des Romans, was ich auch nach und nach realisiert habe. Lewins Suche nach Sinn steht irgendwie in direktem Kontrast zu Annas Entwicklung. Beide Figuren sehnen sich nach Wahrheit und Authentizität. Der Unterschied besteht darin, dass Anna ihre Erfüllung fast ausschließlich in einer romantischen Beziehung sucht, während Lewin allmählich erkennt, dass Glück nicht aus Leidenschaft allein entstehen kann. Für Tolstoi scheint Liebe zwar wichtig zu sein, aber nicht ausreichend, um ein stabiles Leben aufzubauen. Diese Gegenüberstellung macht den Roman so komplex. Er erzählt nicht einfach von einer tragischen Affäre, sondern stellt verschiedene Lebensentwürfe nebeneinander und untersucht, welche davon tragfähig sind. Ein weiterer zentraler Aspekt des Romans ist Tolstois außergewöhnliche psychologische Genauigkeit. Die Figuren wirken auch heute noch erstaunlich modern, weil Tolstoi ihre Gedanken und Widersprüche mit großer Ehrlichkeit beschreibt. Besonders Anna entwickelt sich nicht geradlinig. Ihre anfängliche Leidenschaft verwandelt sich nach und nach in Unsicherheit, Eifersucht, Obsession und Angst. Je stärker sie von der Gesellschaft ausgeschlossen wird, desto mehr beginnt sie, sich auf Wronski als einzige Quelle ihres Glücks zu konzentrieren. Genau das macht ihre Situation so tragisch: Die Liebe, die sie befreien sollte, wird zunehmend zu einem Gefängnis. Tolstoi beschreibt diesen Prozess mit bemerkenswerter Sensibilität. Anna wird nicht einfach „wahnsinnig“, vielmehr zeigt der Roman, wie Isolation, soziale Ächtung und emotionale Abhängigkeit einen Menschen langsam zermürben können. Ihre psychische Entwicklung gehört bis dato zu den eindrucksvollsten Darstellungen innerer Verzweiflung in der Literatur, das ich je lesen durfte. Gleichzeitig schildert Anna Karenina das Leben des russischen Adels ebenso wie politische Debatten, Landwirtschaft, Familienstrukturen, Religion und gesellschaftlichen Wandel. Man bekommt in den Zeilen einen sehr guten und vor allem authentischen Eindruck über das damalige Leben in Russland. Dadurch wirkt der Roman allerdings auch fast überladen, insbesondere für moderne Leser, die vor allem an Annas Geschichte interessiert sind. Doch gerade diese Vielfalt macht deutlich, dass Tolstoi nicht nur einzelne Schicksale beschreiben wollte, sondern als Ganzes die Tragödien der Familien, Freunde und Bekannte schildern wollte. Was den Roman besonders zeitlos macht, ist seine Weigerung, einfache Antworten zu liefern. Tolstoi verurteilt Anna nicht eindeutig, glorifiziert sie aber auch nicht. Ebenso wenig präsentiert er Lewins Lebensweg als perfekte Lösung. Stattdessen zeigt er Menschen, die versuchen, Sinn, Liebe und Glück zu finden, und dabei immer wieder an ihren eigenen Widersprüchen scheitern. Anna Karenina ist ein Roman über die Sehnsucht nach einem authentischen Leben, über die zerstörerische Kraft gesellschaftlicher Erwartungen und über die Frage, ob Liebe allein jemals genug sein kann. Hinter der berühmten Liebestragödie verbirgt sich letztlich eine tiefgründige Untersuchung menschlicher Existenz und genau darin liegt die außergewöhnliche Größe dieses Werkes.

    Wenn Liebe nicht genügt

    18. Juni 2026

  • mrs.blackwood
    mrs.blackwood

    437 Follower

    5,0

    5 🌟 Wenn Worte zu schwer werden und warum Tolstoi mir den Atem für jedes andere Buch geraubt hat.

    Ich bin offiziell ein Wrack!!! Nachdem ich die letzte Seite zugeklappt hatte, ist in meinem Kopf eine Sicherung durchgebrannt! Ungelogen saß ich drei Tage lang in einer Schockstarre aus russischer Melancholie und existenziellen Fragen fest. Ich war in einer emotionale Quarantäne, die absolut nötig war, um dieses tonnenschwere Erbe irgendwie zu verdauen. ​Ich habe danach alles versucht, um mich aus diesem Gedankenstrudel freizuschaufeln. Ich wollte mein Gehirn mit irgendwas Belanglosem resetten, bin aber kläglich gescheitert. Selbst meine geliebten Hildegard-Romanzen (mein absoluter Safe-Place) wirkten plötzlich wie blasse Skizzen. Wenn man gerade ein gewaltiges Orchester in voller Lautstärke im Kopf hatte, klingt jede andere Geschichte wie ein kaputtes Blockflöten-Solo. Ich musste erst mal mühsam wieder lernen, wie man im 21. Jahrhundert existiert ohne bei jedem Bahngleis, an dem ich zufällig vorbei fahre, in Tränen auszubrechen. ​Ich liebe diese ausufernden Handlungen in denen man nicht nur liest, sondern regelrecht ertrinkt. Tolstoi erschafft kein Buch, er erschafft ein ganzes Universum, das mich mit seiner Detailbesessenheit und den unerbittlichen Regeln der damaligen Zeit mit Haut und Haaren aufgesaugt hat. Aber das eigentlich Unheimliche ist dieser psychologische Fleischwolf, durch den man gedreht wird. Man sitzt nicht mehr auf seinem Sofa, man hockt direkt im Kopf dieser Menschen und spürt ihren Wahnsinn als wäre es der eigene. ​Man nimmt diese krankhafte Besessenheit wahr, diese alles verzehrende Leidenschaft und die quälende Zerrissenheit. Dass Anna meine Namensvetterin ist hat das Ganze für mich fast schon beängstigend persönlich gemacht. Man beobachtet ihren Zerfall nicht mit kühler Distanz. Man atmet ihre Verzweiflung mit jedem einzelnen Satz ein bis man selbst keine Luft mehr bekommt. Ob es nun Annas radikale Hingabe ist, Alexej Karenins bizarre Fixierung auf die gesellschaftliche Form oder Lewins schmerzhafte Suche nach einem Sinn. Tolstoi hält uns einen Spiegel vor, der heute noch genauso scharf und grausam ist wie damals. ​Diese Rezension ist mein Versuch, endlich mit der Geschichte abzuschließen und die Geister von St. Petersburg aus meinem Kopf zu werfen. Vielleicht finde ich ja jetzt den Weg zurück zu meinen Romanzen. Ich werde wohl noch lange an diesem fiktiven Bahnsteig stehen bleiben und darüber nachdenken, wie viel „Anna“ eigentlich in uns allen steckt.

    5 🌟 Wenn Worte zu schwer werden und warum Tolstoi mir den Atem für jedes andere Buch geraubt hat.

    20. März 2026

3 von 96 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Leo Tolstoi

Leo Tolstoi (1828–1910) entstammte einem alten russischen Adelsgeschlecht. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa zog er sich auf sein Familiengut Jasnaja Poljana zurück und verfasste dort seine berühmten Romane und Erzählungen.

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