Blick ins Buch

Romane

Halber Stein

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Über das Buch

Sine, eine junge Frau, die nach Abschluss ihres Studiums auf der Suche nach ihrem beruflichen Weg ist, kehrt nach über 20 Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihre Großmutter Agneta ist gestorben, und gemeinsam mit ihrem Vater Johann ist sie zu deren Begräbnis nach Siebenbürgen gereist. Das Haus der Großmutter zieht sie vom ersten Augenblick an in ihren Bann: das Gebäude mit seiner geheimnisvollen Architektur, dem vermauerten Eingang zur ehemaligen Familienfärberei, den verschiedenfarbigen Räumen, Winkeln, Aufböden und Treppen erinnert sie an ihre Kindheit, die Zugehörigkeit zu Natur und Landschaft, das Spiel in Haus und Garten. In die Trauer um ihre Großmutter mischt sich die Trauer über die verloren geglaubte Heimat. Die Wiederbegegnung mit Julian, dem Freund der Kindheit, die Auseinandersetzung mit der Lebensgeschichte der Großmutter und die Erzählungen der Dorfbewohner lassen ein Bild der reichen kulturellen Vergangenheit Siebenbürgens entstehen. Details der Landschaft werden zu Metaphern einer Suche nach der eigenen Identität, und setzen in Sine einen Reifeprozess in Gang, der sie auch sich selbst näher bringt. Der in Michelsberg gelegene „Halbe Stein“, ein jahrhundertealtes Naturmonument, öffnet Sine den Blick für das Wesentliche: „Wenn man erinnert, kann man nicht verlieren.“ Iris Wolff gelingt in ihrem literarischen Debüt ein Roman von großer erzählerischer Stärke. In poetischen Landschaftsbildern wird die Familiengeschichte Sines geschildert, die Orte und Menschen werden durch die große Sprachkraft mit allen Sinnen erlebbar.

Editionen (4)

ISBN9783701313198
VerlagOtto Müller Verlag GmbH
Erscheinungsdatum22.03.24
Seitenzahl294

Rezensionen & Bewertungen

36 Bewertungen

9 Rezensionen

3,9

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  • gaiasolisko
    gaiasolisko

    115 Follower

    4,0

    "Jede Geschichte hat ihren Anfang in der Geschichte, die ihr vorangeht."

    Nach sehr langer Zeit kehrt Sine, anlässlich des Begräbnisses ihrer Großmutter, nach Siebenbürgen zurück. Hier angekommen, spürt sie den Erinnerungen an ihre Heimat und an ihre Großmutter Agneta nach. “Wo bist du so lange gewesen, schien es mir aus jedem Zimmer zuzuflüstern.” Dieses Buch ist kein Pageturner, dass einen atemlos durch die Seiten hasten lässt. Vielmehr gleitet man durch dieses Buch. Es erlaubt einem, bei einer wunderbar poetischen Formulierung zu verweilen und einem Gedanken nachzugehen, um dann nahtlos mit der Erzählung fortzufahren. Ich habe dieses Buch nicht am Stück gelesen, obwohl dies durchaus möglich ist, sondern habe mir Zeit genommen, um die Bilder in meinem Kopf wirken zu lassen. In diesem leicht melancholischen Roman erfährt man ganz nebenbei noch viele interessante Dinge über die Geschichte und die Kultur Siebenbürgens. In ihrem einzigartigen, bildhaften und poetischen Schreibstil erweckt Iris Wolff die Landschaft, die Orte und die Menschen zum Leben. “Und manche Bücher, vor allem jene, bei denen das Lesen eigentlich ein Wiedererkennen ist, müssen einem immer erreichbar sein.” Mit diesem Buch kann man sich aus der Hektik des Alltags forttragen lassen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Freude an ruhig und einfühlsam erzählten Romanen hat. Mir hat dieses Buch auf jeden Fall viel Freude bereitet. *Danke an Vorablesen für das Rezensionsexemplar*

    3. Feb. 2026

  • shizu_reads
    shizu_reads

    120 Follower

    2,5

    Poetisch, bildgewaltig, sanft – aber leider zum falschen Zeitpunkt zu mir gekommen. Nachdem mir Lichtungen von Iris Wolff richtig gut gefallen hatte, habe ich beschlossen, auch ihre anderen Bücher zu lesen. Halber Stein begleitet Edda und ihren Vater zurück in die Heimat, die sie verlassen haben, als Edda noch ganz klein war. Es ist ihr erster Besuch seit Jahren, denn ihre Großmutter ist gestorben. Man begleitet sie dabei, wie sie Haus und Gegend neu erkundet und dabei auf alte Erinnerungen stößt. Es geht um Familie, Heimat und Nachlass. Iris Wolff schreibt so fein und detailreich, dass die Bilder ganz leicht im Kopf entstehen. Das ist einerseits wunderschön, andererseits zieht sich die Geschichte dadurch etwas in die Länge. Manchmal fühlte ich mich in den Details verloren – und damit auch in der Geschichte selbst. Die Handlung rückte für mich in den Hintergrund, und ich hatte keine klare Vorstellung davon, worauf alles hinauslaufen sollte. Das ist an sich nichts Schlechtes, aber es hat mich leider überhaupt nicht abgeholt. Ich mag es eigentlich sehr, wenn ein Text umschreibend und detailreich ist. Doch dieses Mal hat es mich eher blockiert. Ich begann, über Zeilen zu springen – und schließlich habe ich das Buch abgebrochen. Ich wurde einfach nicht warm mit der Geschichte und den Charakteren. Sie blieben für mich so sehr auf Abstand, dass ich keine echte Verbindung aufbauen konnte. Die Umgebung wirkte greifbarer als die Personen, die eher leise mitschwingen. Für mich war es einfach der falsche Zeitpunkt für dieses Buch. Im Sommer werde ich ihm noch einmal eine Chance geben, denn es zieht mich immer noch an – aber gerade passt es einfach nicht.

    16. Feb. 2026

  • 5,0

    Eine Hommage an Siebenbürgen

    "Einer der Träume, die länger bleiben, heißt Heimat, auch wenn dieses Wort über die Jahrhunderte mit so unterschiedlichen Bedeutung verwendet wurde, dass es sich fast gänzlich aufgelöst hat. Ich hatte dieses Wort gehütet und mit mir herumgetragen und hatte es verloren geglaubt, als ich dort ankam, wo ich es vermutete." (S. 103) "Halber Stein“ führt die Lesenden in eine besondere Familiengeschichte aus Siebenbürgen, Rumänien. Sine, die Protagonistin des Romans, fährt mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hermannstadt. Der Grund der Reise ist allerdings ein sehr trauriger, denn ihre Großmutter ist verstorben, und so muss die Beerdigung in der alten Heimat organisiert werden. Sine fährt mit sehr konträren Gefühlen nach Rumänien, da sie auf der einen Seite noch schöne Kindheitserinnerungen in sich trägt, auf der anderen Seite aber auch eine große Wehmut in ihr wohnt, da sie das Land seit ihrer Ausreise als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor 20 Jahren nicht wieder besucht hat. In Michelsberg angekommen überkommen Sine viele Kindheitserinnerungen in dem Haus ihrer Großmutter Agneta. Warum hatte sie es innerhalb der letzten 20 Jahre nach ihrem Umzug nach Deutschland nicht mehr geschafft, hierher zu kommen? Wir begleiten sie durch die Erinnerungen ihrer Kindheit im kommunistischen Rumänien der 80er Jahre, auch insbesondere an die dörfliche Gemeinschaft und die innige Beziehung zu ihrer Großmutter in Siebenbürgen. Sie trifft während ihres Besuchs unter anderem auf Julian Eminescu, ihren besten Freund aus Kindertagen. Aber auch andere Dorfbewohnende, die ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatten, kommen Sine näher. Sie begibt sich während dieser Tage auf eine Spurensuche, die Suche nach den Wurzeln der Familie, ihrer Sehnsucht sowie ihrer eigenen Identität. Sie erfährt mehr über ihre Großmutter, dieser imposanten Frau, die bereits zu Zeiten des Krieges das Familienunternehmen, eine Färbereit alleine geführt hat, während ihr Großvater im Krieg war und später verändert als gebrochener Mann zurückkam. Sie erkennt, dass ihre Großmutter zu diesen Zeiten bereits eigene Wege gegangen ist und sich auch durch die Enteignung des Kommunismus nicht unterkriegen ließ. Sine bekommt auch einen neuen Blick auf die eigene Auswanderung nach Deutschland, stellt sich und ihrem Vater die Frage: "Würde man es nach dem Wissen heute und seinen Erfahrungen genauso machen?" Hätte man nicht in der Heimat bleiben sollen? Eine innige Auseinandersetzung mit der Identität der Siebenbürger Sachsen und Siebenbürgen im Allgemeinen. "Halber Stein" ist das vierte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Wie bereits in den anderen Werken kommt hier die besondere poetische und bildhafte Sprache zum Ausdruck. Iris Wolff schreibt nicht nur, sie erschafft Landschaften, die ich mir wahrlich bildhaft vorstellen kann, und verknüpftet diese auf wunderbare Weise mit dem inneren Gefühlserleben ihrer Protagonistin. Das Werk ist für mich eine Hommage an Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen. Die über 800-jährige Geschichte der Sachsen sowie ihrer Bräuche und sprachliche Gegebenheiten kommen in dem Roman so wundervoll zum Ausdruck als auch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Auswanderung der Aussiedler*innen aus Rumänien. Für alle, die sich damit näher befassen möchten, ist dieser Roman eine ganz klare Einladung dazu. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine absolute Empfehlung dafür aus.

    10. Feb. 2026

3 von 9 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Iris Wolff

Iris Wolff geboren 1977 in Hermannstadt/Siebenbürgen, Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Malerei in Marburg an der Lahn. Neben dem Schreiben ist sie am Deutschen Literaturarchiv Marbach als Museumspädagogin tätig. Halber Stein ist ihr erster Roman.

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