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Hat sich bemüht …
Eigentlich mag ich Bücher, die in keine Kategorie passen. Verlage versuchen natürlich dennoch jedes Buch einem Genre zuzuordnen - Fachbuch, Roman & Erzählung, Erotischer Roman, Fantasy oder was immer. Die Welt der Literatur muss schließlich ihre Ordnung haben. Wie alles. Marc Elsberg’s neuestes Werk „Gier“ bietet auf den ersten Blick eine bunte Mischung unterschiedlichster Stilrichtungen. Vordergründig findet man sich in erster Linie schnell in einem Thriller wieder mit allem, was dazu gehört. Internationale Politik- und Wirtschaftsintrigen, böse Geschäftemacher a la Gordon Gekko/Michael Douglas in Wall Street, schöne Frauen, eine bärbeissige Einzelgänger-Kommissarin, wilde Verfolgungsjagden und Muskel bepackte, schießwütige Handlanger. So weit so gut, Thriller-Business as usual. Nett. Marc Elberg wäre jedoch nicht Marc Elsberg, wenn er nicht versuchen würde, auch in diesen Roman ein gesellschaftskritisches Thema zu integrieren, so wie wir es von Blackout, Zero und Helix bereits kennen. Dieses Mal hat sich Marc Elsberg das Ziel gesetzt, dem Leser nicht nur die fatalen Fallstricke und finalen Auswirkungen eines ungezügelten Kapitalismus zu erklären, sondern auch gleich die Lösung mitzuliefern. Und damit beginnt das Problem dieses Romans. Elsberg will - wie immer - seine Sache gut machen. Um die Crux des derzeitigen kapitalistischen Systems grundlegend aufzuarbeiten, lässt er seine Protagonisten seitenlang wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsmathematische Grundlagendiskussionen führen mit Stichworten wie Biases, Wahrscheinlichkeitsvernachlässigung, Irrationalitäten bei Verlustversionen, Hyperbolic Discounting, um nur einige zu nennen. Dagegen entwickelt er als genial einfaches Gegenmodell die Zusammenarbeit von vier Bauernhöfen bei der Weizenernte. Aber auch das läuft literarisch so sehr aus dem Ruder, dass es einer Vielzahl an Skizzen im Buch bedarf, um dem Leser überhaupt noch eine Chance des vagen Verstehens zu geben. Irgendwann ahnt man, dass es sich bei der zukunftsträchtigen und heilbringenden Alternative zur klassischen Ökonomie um die genossenschaftliche Kooperation handeln könnte. Ok… Gibt es das nicht auch schon seit geraumer Zeit mit all seinen Vorteilen, aber auch Schwächen….? Wie auch immer - seitenlang hat man eher das Gefühl, in einem Sachbuch für Ökonomie angekommen zu sein und bereut, dass man den Band Grundlagen der Ökonomie nicht vorher gelesen hat. Wir wissen seit Blackout, dass Marc Elsberg den Spagat aus spannender Handlung einerseits und heissen gesellschaftlichen Themen anderseits hervorragend beherrscht. Zeigte er bei Helix und Zero bereits leichte Schwächen, muss man jetzt resümieren, dass dies bei Gier leider ziemlich mißlungen ist. Unrund. Verkrampft. Bestenfalls - hat sich bemüht. Vielleicht mit zu heisser Nadel gestrickt, weil der Verlag die Marc Elsberg-Welle weiter abreiten will. So gesehen bekommt der Buchtitel dann doch noch einen Sinn.
7 Tage vor
Hat sich bemüht …
Eigentlich mag ich Bücher, die in keine Kategorie passen. Verlage versuchen natürlich dennoch jedes Buch einem Genre zuzuordnen - Fachbuch, Roman & Erzählung, Erotischer Roman, Fantasy oder was immer. Die Welt der Literatur muss schließlich ihre Ordnung haben. Wie alles. Marc Elsberg’s neuestes Werk „Gier“ bietet auf den ersten Blick eine bunte Mischung unterschiedlichster Stilrichtungen. Vordergründig findet man sich in erster Linie schnell in einem Thriller wieder mit allem, was dazu gehört. Internationale Politik- und Wirtschaftsintrigen, böse Geschäftemacher a la Gordon Gekko/Michael Douglas in Wall Street, schöne Frauen, eine bärbeissige Einzelgänger-Kommissarin, wilde Verfolgungsjagden und Muskel bepackte, schießwütige Handlanger. So weit so gut, Thriller-Business as usual. Nett. Marc Elberg wäre jedoch nicht Marc Elsberg, wenn er nicht versuchen würde, auch in diesen Roman ein gesellschaftskritisches Thema zu integrieren, so wie wir es von Blackout, Zero und Helix bereits kennen. Dieses Mal hat sich Marc Elsberg das Ziel gesetzt, dem Leser nicht nur die fatalen Fallstricke und finalen Auswirkungen eines ungezügelten Kapitalismus zu erklären, sondern auch gleich die Lösung mitzuliefern. Und damit beginnt das Problem dieses Romans. Elsberg will - wie immer - seine Sache gut machen. Um die Crux des derzeitigen kapitalistischen Systems grundlegend aufzuarbeiten, lässt er seine Protagonisten seitenlang wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftsmathematische Grundlagendiskussionen führen mit Stichworten wie Biases, Wahrscheinlichkeitsvernachlässigung, Irrationalitäten bei Verlustversionen, Hyperbolic Discounting, um nur einige zu nennen. Dagegen entwickelt er als genial einfaches Gegenmodell die Zusammenarbeit von vier Bauernhöfen bei der Weizenernte. Aber auch das läuft literarisch so sehr aus dem Ruder, dass es einer Vielzahl an Skizzen im Buch bedarf, um dem Leser überhaupt noch eine Chance des vagen Verstehens zu geben. Irgendwann ahnt man, dass es sich bei der zukunftsträchtigen und heilbringenden Alternative zur klassischen Ökonomie um die genossenschaftliche Kooperation handeln könnte. Ok… Gibt es das nicht auch schon seit geraumer Zeit mit all seinen Vorteilen, aber auch Schwächen….? Wie auch immer - seitenlang hat man eher das Gefühl, in einem Sachbuch für Ökonomie angekommen zu sein und bereut, dass man den Band Grundlagen der Ökonomie nicht vorher gelesen hat. Wir wissen seit Blackout, dass Marc Elsberg den Spagat aus spannender Handlung einerseits und heissen gesellschaftlichen Themen anderseits hervorragend beherrscht. Zeigte er bei Helix und Zero bereits leichte Schwächen, muss man jetzt resümieren, dass dies bei Gier leider ziemlich mißlungen ist. Unrund. Verkrampft. Bestenfalls - hat sich bemüht. Vielleicht mit zu heisser Nadel gestrickt, weil der Verlag die Marc Elsberg-Welle weiter abreiten will. So gesehen bekommt der Buchtitel dann doch noch einen Sinn.
7 Tage vor






