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Gehört in den kalten Jahreszeiten auf den Lesestapel Meinung Was sich hinter dem Kapitel „Tanz in die Schlacht“ verbergen sollte, konnte ich nur erahnen. Als Einstieg in die Geschichte war es ziemlich pompös und turbulent zugleich. Der Duke und die Duchess of Richmond haben für den Herzog von Wellington zum Ball geladen. Auch Wellingtons Proviantmeister James Trenchard stand mit seiner Frau Anne Trenchard und Tochter Sophie auf der Gästeliste. Lord Viscont ist Sophies Verehrer. Auf dem Ball begegnen sie sich und die beiden waren sich sehr zugetan. Doch an diesem Abend sind Dinge geschehen, die Sophia ihm nicht verzeihen konnte. Sie fühlte sich von ihm hintergangen. Noch während des Balls näherten sich die Truppen von Napoleon Bonaparte und traten überraschend über die Grenze Brüssels. Der Ball kam zum Erliegen, dann brach das blanke Chaos los. Viele der anwesenden Männer mussten zu ihren Einheiten kehren, um sich der Schlacht zu stellen. Auch der Sohn der Schwester der Duchess, Lady Brockenhurst: Lord Viscont Bellasis. Es gab viele Tränen und ein großes Durcheinander. An dieser Stelle wurden schon Fragen aufgeworfen, die die Geschichte grundlegend im Verlauf beeinflussen. Viscont Bellasis und viele andere Männer mussten in der Schlacht von Waterloo im Juni 1815 auf dem Feld ihr Leben lassen. Zwischen dem Tod von Bellasis und dem Beginn der Handlung sind 25 Jahre vergangen. In dieser Zeit sind viele Dinge geschehen, die viele Fragen aufwarfen und die bis zum Schluss dafür gesorgt haben, dass sich sämtliche Familiendramen abspielen mussten. Zum Beispiel ist da das uneheliche Kind, dass Sophia von Bellasis empfangen und geboren hat. Der Junge wurde bei Pflegeeltern großgezogen. Die Trenchards erhielten regelmäßige Berichte vom Adoptivvater des Kindes. In diesem Vierteljahrhundert blieb es nicht aus, dass sich mehr Dinge zugetragen haben, die die Vergangenheit ans Tageslicht geführt haben und dunkle Geheimnisse gelüftet und böse Gerüchte gesät haben. Der Konflikt, der dadurch innerhalb der Familie Trenchard erstanden ist, hatte umfassende Auswirkungen. James hat seiner Frau vorenthalten, mehr Kontakt zu dem Enkel gehabt zu haben. Anne konnte das Geheimnis nicht länger für sich bewahren und hat in einem schwachen Moment mit Lady Brockenhurst über den Ball von Brüssel vor der Schlacht von Waterloo gesprochen und dabei kamen sie auf den Jungen zu sprechen. Dadurch ist ein gefährliches Spiel um den Jungen — Charles Pope — entstanden. Er erhielt urplötzlich „zu viel“ Aufmerksamkeit aus den guten Kreisen der Gesellschaft. Neben finanzieller Unterstützung für seine Baumwollfabrik bekam Charles einmalige Einladungen, die in seiner Stellung als Baumwollfabrikant oder Unternehmer nicht üblich waren. Böse Zungen versuchten mit allen Mitteln an Informationen zu kommen, weshalb Mr. Pope so interessant ist. Der Aufbau der Gesamtgeschichte ist sinnvoll gegliedert. Da das Buch recht dick ist, fallen die Kapitel auch entsprechend groß aus. Es gibt gerade mal 11 Kapitel darin. Deswegen benötigte ich beim Lesen manchmal eine Pause zwischendurch. Für Leser, die nicht gerne aufhören mitten im Kapitel ist das schon eine Herausforderung. Dennoch hat das Buch eine angenehme, aufbauende Spannungskurve, die nie wirklich abbricht. Die Informationen und die Geschichte sind so interessant aufgebaut, dass vieles nur erahnt werden kann. Die Lösungen finden sich zudem nicht immer direkt, manchmal dauert es auch eine Weile, bis es wieder Erwähnung findet — in der Zwischenzeit grübelte ich fleißig mit und versuchte selbst auf die Lösung zu kommen. Das Netz aus Lügen und Intrigen, das sich immer zu vergrößern scheint, sorgt für Abwechslung. An manchen Stellen war es fast unerträglich mit zu verfolgen, wie verquer die Situation doch ist. Meine Emotionen wurden voll und ganz mitgerissen und ich folgte der Handlung so aufmerksam wie möglich, um ja kein Detail zu verpassen und zwischen all den Halbwahrheiten die Wahrheit zu finden. Die Sprache des Buches ist sehr zeitgemäß und authentisch verfasst. Beim Lesen entführt Julian Fellowes den Leser förmlich in das 19. Jahrhundert. Beschreibt sehr detailreich und szenisch, dass sich alle Bilder wie ein Film vor Augen abspielen. Die historischen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und regen sogar zur weiteren Selbstrecherche an. Obendrein sind viele Begriffe aus dem Lateinischen und Französischen in den Sprachgebrauch — wie zu der Zeit üblich — übernommen worden. Das verfeinert das Gesamtbild. Ich liebe es sehr, wenn Worte und Sätze zu ganzen traumhaft schön formulierten Absätzen verschmelzen und sich so Seite um Seite ohne Aussetzer lesen lassen. Alleine der Erzähler macht schon einiges her. Er ist geschickt eingesetzt, lenkt und führt die Geschichte, wie es sich gerade angeboten hat. Kommentiert an manchen Stellen und erstellt somit vorausblicke und macht Verknüpfungen. Es war gerade zu perfekt für diese Geschichte. Die richtige Sprache hat den richtigen Ton bekommen und dann war es schon um mich geschehen. Was für viele Leser sicher ein großes Manko ist, ist der große Stempel „Donwton Abbey“, der schon auf dem Cover damit wirbt. Das weckt natürlich große Erwartungen und man versucht Parallelen zu ziehen. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich mich davon bewusst habe nicht leiten lassen, da ich nicht enttäuscht werden wollte. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und es gibt durchaus wiederkehrende Elemente, zum Beispiel, dass die Dienstboten eine zentrale Rolle in der Geschichte spielen. Aber weites gehend bin ich davon überzeugt, dass die Geschichte etwas ganz eigenes ist. Julian Fellowes hat ein großes Talent für Familiendramen in der englischen Gesellschaft, das was er schreibt, liebt er. Damit kennt er sich aus. In der Serie hat er es gut beweisen können und mit diesem Buch ebenfalls. Ich kann nur jedem raten, nicht danach zu suchen, wo die Parallelen sind und stattdessen die eigentliche Geschichte zu verfolgen. Fazit Mit diesem Roman hat Fellowes nicht nur eine Unterhaltungslektüre geschaffen, sondern eine kurze Reise in eine glanzvolle und längst vergangene Zeit verbunden mit historischen Elementen. Diese Kombination gestaltet das Ganze ansprechend. Das Buch liegt auf einem sprachlich hohen Niveau und wirkt dabei sehr authentisch, wie es sich für das Genre gehört. Dieses Buch ist für alle Leser, die es lieben, sich den englischen Gesellschaftsdramen des 19. Jahrhunderts hinzugeben. Die es lieben, sich sprachlich verzaubern zu lassen. Belgravia bietet all das, was in den kalten Jahreszeiten auf den Lesestapel gehört und unbedingt gelesen werden sollte. Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
29. Juni 2025
Gehört in den kalten Jahreszeiten auf den Lesestapel Meinung Was sich hinter dem Kapitel „Tanz in die Schlacht“ verbergen sollte, konnte ich nur erahnen. Als Einstieg in die Geschichte war es ziemlich pompös und turbulent zugleich. Der Duke und die Duchess of Richmond haben für den Herzog von Wellington zum Ball geladen. Auch Wellingtons Proviantmeister James Trenchard stand mit seiner Frau Anne Trenchard und Tochter Sophie auf der Gästeliste. Lord Viscont ist Sophies Verehrer. Auf dem Ball begegnen sie sich und die beiden waren sich sehr zugetan. Doch an diesem Abend sind Dinge geschehen, die Sophia ihm nicht verzeihen konnte. Sie fühlte sich von ihm hintergangen. Noch während des Balls näherten sich die Truppen von Napoleon Bonaparte und traten überraschend über die Grenze Brüssels. Der Ball kam zum Erliegen, dann brach das blanke Chaos los. Viele der anwesenden Männer mussten zu ihren Einheiten kehren, um sich der Schlacht zu stellen. Auch der Sohn der Schwester der Duchess, Lady Brockenhurst: Lord Viscont Bellasis. Es gab viele Tränen und ein großes Durcheinander. An dieser Stelle wurden schon Fragen aufgeworfen, die die Geschichte grundlegend im Verlauf beeinflussen. Viscont Bellasis und viele andere Männer mussten in der Schlacht von Waterloo im Juni 1815 auf dem Feld ihr Leben lassen. Zwischen dem Tod von Bellasis und dem Beginn der Handlung sind 25 Jahre vergangen. In dieser Zeit sind viele Dinge geschehen, die viele Fragen aufwarfen und die bis zum Schluss dafür gesorgt haben, dass sich sämtliche Familiendramen abspielen mussten. Zum Beispiel ist da das uneheliche Kind, dass Sophia von Bellasis empfangen und geboren hat. Der Junge wurde bei Pflegeeltern großgezogen. Die Trenchards erhielten regelmäßige Berichte vom Adoptivvater des Kindes. In diesem Vierteljahrhundert blieb es nicht aus, dass sich mehr Dinge zugetragen haben, die die Vergangenheit ans Tageslicht geführt haben und dunkle Geheimnisse gelüftet und böse Gerüchte gesät haben. Der Konflikt, der dadurch innerhalb der Familie Trenchard erstanden ist, hatte umfassende Auswirkungen. James hat seiner Frau vorenthalten, mehr Kontakt zu dem Enkel gehabt zu haben. Anne konnte das Geheimnis nicht länger für sich bewahren und hat in einem schwachen Moment mit Lady Brockenhurst über den Ball von Brüssel vor der Schlacht von Waterloo gesprochen und dabei kamen sie auf den Jungen zu sprechen. Dadurch ist ein gefährliches Spiel um den Jungen — Charles Pope — entstanden. Er erhielt urplötzlich „zu viel“ Aufmerksamkeit aus den guten Kreisen der Gesellschaft. Neben finanzieller Unterstützung für seine Baumwollfabrik bekam Charles einmalige Einladungen, die in seiner Stellung als Baumwollfabrikant oder Unternehmer nicht üblich waren. Böse Zungen versuchten mit allen Mitteln an Informationen zu kommen, weshalb Mr. Pope so interessant ist. Der Aufbau der Gesamtgeschichte ist sinnvoll gegliedert. Da das Buch recht dick ist, fallen die Kapitel auch entsprechend groß aus. Es gibt gerade mal 11 Kapitel darin. Deswegen benötigte ich beim Lesen manchmal eine Pause zwischendurch. Für Leser, die nicht gerne aufhören mitten im Kapitel ist das schon eine Herausforderung. Dennoch hat das Buch eine angenehme, aufbauende Spannungskurve, die nie wirklich abbricht. Die Informationen und die Geschichte sind so interessant aufgebaut, dass vieles nur erahnt werden kann. Die Lösungen finden sich zudem nicht immer direkt, manchmal dauert es auch eine Weile, bis es wieder Erwähnung findet — in der Zwischenzeit grübelte ich fleißig mit und versuchte selbst auf die Lösung zu kommen. Das Netz aus Lügen und Intrigen, das sich immer zu vergrößern scheint, sorgt für Abwechslung. An manchen Stellen war es fast unerträglich mit zu verfolgen, wie verquer die Situation doch ist. Meine Emotionen wurden voll und ganz mitgerissen und ich folgte der Handlung so aufmerksam wie möglich, um ja kein Detail zu verpassen und zwischen all den Halbwahrheiten die Wahrheit zu finden. Die Sprache des Buches ist sehr zeitgemäß und authentisch verfasst. Beim Lesen entführt Julian Fellowes den Leser förmlich in das 19. Jahrhundert. Beschreibt sehr detailreich und szenisch, dass sich alle Bilder wie ein Film vor Augen abspielen. Die historischen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und regen sogar zur weiteren Selbstrecherche an. Obendrein sind viele Begriffe aus dem Lateinischen und Französischen in den Sprachgebrauch — wie zu der Zeit üblich — übernommen worden. Das verfeinert das Gesamtbild. Ich liebe es sehr, wenn Worte und Sätze zu ganzen traumhaft schön formulierten Absätzen verschmelzen und sich so Seite um Seite ohne Aussetzer lesen lassen. Alleine der Erzähler macht schon einiges her. Er ist geschickt eingesetzt, lenkt und führt die Geschichte, wie es sich gerade angeboten hat. Kommentiert an manchen Stellen und erstellt somit vorausblicke und macht Verknüpfungen. Es war gerade zu perfekt für diese Geschichte. Die richtige Sprache hat den richtigen Ton bekommen und dann war es schon um mich geschehen. Was für viele Leser sicher ein großes Manko ist, ist der große Stempel „Donwton Abbey“, der schon auf dem Cover damit wirbt. Das weckt natürlich große Erwartungen und man versucht Parallelen zu ziehen. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich mich davon bewusst habe nicht leiten lassen, da ich nicht enttäuscht werden wollte. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht und es gibt durchaus wiederkehrende Elemente, zum Beispiel, dass die Dienstboten eine zentrale Rolle in der Geschichte spielen. Aber weites gehend bin ich davon überzeugt, dass die Geschichte etwas ganz eigenes ist. Julian Fellowes hat ein großes Talent für Familiendramen in der englischen Gesellschaft, das was er schreibt, liebt er. Damit kennt er sich aus. In der Serie hat er es gut beweisen können und mit diesem Buch ebenfalls. Ich kann nur jedem raten, nicht danach zu suchen, wo die Parallelen sind und stattdessen die eigentliche Geschichte zu verfolgen. Fazit Mit diesem Roman hat Fellowes nicht nur eine Unterhaltungslektüre geschaffen, sondern eine kurze Reise in eine glanzvolle und längst vergangene Zeit verbunden mit historischen Elementen. Diese Kombination gestaltet das Ganze ansprechend. Das Buch liegt auf einem sprachlich hohen Niveau und wirkt dabei sehr authentisch, wie es sich für das Genre gehört. Dieses Buch ist für alle Leser, die es lieben, sich den englischen Gesellschaftsdramen des 19. Jahrhunderts hinzugeben. Die es lieben, sich sprachlich verzaubern zu lassen. Belgravia bietet all das, was in den kalten Jahreszeiten auf den Lesestapel gehört und unbedingt gelesen werden sollte. Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
29. Juni 2025





