Blick ins Buch

Romane

Das Mädchen

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Über das Buch

Die Mutter terrorisiert ihre Kinder, der Vater trinkt – wenn er überhaupt da ist. Aber ›das Mädchen‹ arbeitet sich mit Mut und unbeugsamem Lebenswillen durch die niederdrückenden Verhältnisse einer Jugend und rettet sich in »Brehms Tierleben« und Grimms Märchen. Schon am Anfang scheint hier alles zu Ende zu sein, aber ist das Ende doch ein Anfang?
Mit ihrer klaren, knappen, präzisen Prosa, großer Lakonie und trockenem Humor versetzt Angelika Klüssendorf den Leser in eine Kindheitswelt, die das Kindsein kaum zulässt – und in der sich ›das Mädchen‹ dennoch behauptet.

Editionen (4)

ISBN9783596194551
VerlagFISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum20.06.13
Seitenzahl192

Rezensionen & Bewertungen

38 Bewertungen

7 Rezensionen

3,9

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  • kuestenkind
    kuestenkind

    26 Follower

    5,0

    Das Mädchen hat eine wahrhaft schreckliche Kindheit. Selbst wenn man schon Anteil an so einigen schrecklichen Kindheiten hatte, was das Mädchen erleben, wohl eigentlich eher erdulden und ertragen muss, ist stellenweise nicht zu ertragen. Auch Angelika Küssendorf hatte eine schwierige Kindheit, die viele Parallelen zum Mädchen hat. Wieviel Leben Autorin und Figur miteinander teilen, hat sie nie verraten. Schnörkellos, in kurzen Sätzen, fast vollkommen entbildlichter Sprache konnte ich als Lesende den Schmerz spüren. Die andauernden Zurückweisungen, die Erniedrigungen, das Ausgestoßen werden, ausgestoßen sein und sich ausgestoßen und liebensunwert fühlen. Resilienz gibt es viel, Hoffnung zumindest in diesem ersten Teil der Trilogie nur wenig. Und doch ist dieses Buch so lesenswert, wenn auch zeitweise nur in homöopathischen Dosen, weil Herz und Verstand einfach nicht mehr aufnehmen können. Denn Kindheiten wie diese gibt es immer noch und mit diesem Buch gibt Angelika Küssendorf all den darin gefangenen Mädchen und Jungen eine Stimme. Eine Stimme, die meiner Erfahrung nach so oft im Behörden- und Paragrafendschungel ungehört verstummt.

    1. Sept. 2024

  • daughterofhel
    daughterofhel

    12 Follower

    5,0

    Ein Buch wie eine Rasierklinge

    Der Auftakt dieser Reihe von Angelika Klüssendorf legt sich dem Leser wie eine unerbittliche eiskalte Hand um den Hals. Auf nicht einmal 200 Seiten versammelt die Autorin ein Kindheitstrauma neben dem anderen. In der Tristesse der ehemaligen DDR angesiedelt, erlebt die namenlose Protagonistin Misshandlungen und Übergriffe sowie entsetzliche emotionale Grausamkeit von all denen, die dazu verpflichtet wären, sie zu schützen. Die Folge sind Aggression, Depression und Vereinzelung. Die Geschichte des Mädchens wird im 2. Band mit dem Titel "April" fortgesetzt. Bevor ich diesen beginne, muss ich jedoch all die Trigger, die in diesem Buch enthalten sind, erst einmal verarbeiten.

    29. Mai 2026

  • semjon
    semjon

    73 Follower

    5,0

    Dieses Buch über das Erwachsenwerden eines namenlosen Mädchens in asozialen Familienverhältnissen in der DDR der 70er Jahre ist absolut herausragend. Romane über häusliche Gewalt gegen Kinder und deren frühes Ausbrechen aus dem Martyrium der eigenen Familie gibt es viele. Warum sticht diesen Buch dann besonders hervor? Zum einen ist es die absolute Glaubwürdigkeit der auftretenden Personen, insbesondere die starke Figur des Mädchens, deren Leben man zwischen ihrem 12. bis 17. Lebensjahr begleitet. Nichts ist überspitzt oder komplex auf verschiedenen Erzählebenen dargestellt. Interessanterweise verwendet die Autorin die dritte Person als Erzählstimme, obwohl nur aus Sicht des Mädchens die Situationen beschrieben werden. Mit der Distanz schaffenden Erzählung durch die dritte Person gelingt es Angelika Klüssendorf auf Reflektionen, Wertung und Gedankenströme weitgehend zu verzichten. Stattdessen bleibt man als Leser ständig auf der schnell fortschreitenden Handlungsebene. Ich habe habe die anderen Ebenen nicht vermisst. Obwohl ich kein Freund des Präsens in Romanen bin, ist die gewählte Zeitform für mich überraschenderweise für diese Art der Erzählung absolut passend. Das Buch hatte auf mich einen unheimlichen Sog. Das Mädchen lebt die meiste Zeit mit ihrer alleinerziehenden Mutter, die emotional total abgestumpft dem Alkohol verfallen ist, und ihrem Bruder in einer kleinen Wohnung. Das Mädchen erträgt die täglichen Schläge, Arreste und Erniedrigungen mit einer scheinbaren Gleichgültigkeit. Sie verschafft sich Parallelwelten durch ihre Phantasie und ihrem Interesse für die Literatur. Es ist erstaunlich, wie ein emotional so verwahrlostes Kind einen derartigen Überlebenswillen entwickeln kann, der in eine Rebellion gegen die Mutter und die Gesellschaft mündet. Das Buch hätte auch in jedem anderen Land spielen können und es jedes andere Kind sein können. Daher spielt der Handlungsort in der DDR oder die Frage nach dem Namen des Mädchens keine Rolle. Ihre Namenlosigkeit habe ich als Platzhalter für jedes andere Kind, dass unter den Schlägen der Eltern zu leiden hat, verstanden. Das Buch hatte es zurecht auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Ich werde zeitnah zu den beiden nachfolgenden Bänden der Trilogie greifen. Da rücken die eigenen, kleinen Probleme schnell in den Hintergrund, wenn man liest, in welcher Lieblosigkeit Kinder aufwachsen müssen. Nach der Lektüre erfuhr ich aus einem Interview mit der Autorin, dass das Buch weitgehend autobiographische Züge trägt. Das erklärte mir dann auch die Authentizität des Geschilderten. Unbedingte Leseempfehlung.

    23. Feb. 2024

3 von 7 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Angelika Klüssendorf

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie bei Berlin. Sie veröffentlichte unter anderem den Roman »Alle leben so« und die Erzählungsbände »Aus allen Himmeln« und »Amateure«. Zuletzt erschienen die Romane »Das Mädchen« und »April«, die beide auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises standen, und »Jahre später«, der auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand.Literaturpreise:2004 Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim2011 Shortlist des Deutschen Buchpreises mit »Das Mädchen«2013/14 Stadtschreiberin von Bergen2014 Hermann-Hesse-Literaturpreis2014 Shortlist des Deutschen Buchpreises mit »April«2014 Preis der SWR-Bestenliste2014 Hertha Koenig-Literaturpreis2019 Marie Luise Kaschnitz-Preis

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