Blick ins Buch

Romane

Die Welt im Rücken

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Über das Buch

«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Er erzählt schonungslos und sprachlich brillant von seinem Umgang mit der Krankheit, von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt so einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft.
Das Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016 und hat Presse und Leser gleichermaßen begeistert.

Editionen (5)

ISBN9783499272943
VerlagROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum20.02.18
Seitenzahl352

Rezensionen & Bewertungen

99 Bewertungen

24 Rezensionen

4,0

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  • stier
    stier

    246 Follower

    4,0

    Hörbuch. Dem Autor ist es hoch anzurechnen, seine schizomanischen Episoden ebenso wie die Depressionen nachfühlbar und dennoch in aller Drastizität zu schildern, zu schreiben, wie er seine Phasen erlebt hat - eine Befähigung, die den meisten Erkrankten mangels sprachlichem Talent eben abgeht.

    10. Dez. 2025

  • laroute
    laroute

    131 Follower

    4,5

    Dies ist ein Erfahrungsbericht einer langjährigen bipolaren Erkrankung. Der Autor gibt vor allem Einblick in die magischen Phasen und ist dabei schonungslos ehrlich. Unter anderem wird die Schwierigkeit beleuchtet, jemanden gegen seinen aktuellen Willen in der Klinik zu behalten. Auch kommt die Frage auf: Was ist der eigene Wille und inwiefern existiert ein freier Wille in einer manischen Phase. Viele der geschehenen Dinge sind ihm unangenehm, er erklärt aber auch, dass sie teilweise in Krankheitsphasen geschehen sind, in denen er die Kontrolle verloren hatte. Mit den Folgen hat er bis heute zu tun. Das Buch fördert auf jeden Fall das Verständnis für die Erkrankung.

    9. Dez. 2025

  • ro_ke
    ro_ke

    483 Follower

    5,0

    Schonungslos ehrlicher Einblick in das Leben mit bipolarer Störung zwischen Manie, Depression und Identitätsverlust - bewegend und literarisch beeindruckend!

    14. März 2026

3 von 24 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 7421%
rafawoz
rafawoz3. Feb. 2026

Es ist echt erstaunlich, wie wenig gesellschaftlich bekannt diese Krankheit ist.

Autorin / Autor

Über Thomas Melle

Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzte u. a. William T. Vollmanns Roman «Huren für Gloria». Sein Debütroman «Sickster» (2011) war für den Deutschen Buchpreis nominiert und wurde mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman «3000 Euro», der auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand. 2015 erhielt Thomas Melle, der in Berlin lebt, den Kunstpreis Berlin.

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