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Romane

Die Gabe

4,0(4)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

"Die Gabe", geschrieben Mitte der dreißiger Jahre in Berlin, ist der neunte unt letzte von Nabokovs russischsprachigen Romanen und, obwohl er auf den ersten Blick als altmodischer realistischer Roman daherkommt, der komplexeste - sein "Portrait des Künstlers als junger Mann", ein Liebesroman, ein Künstlerroman, der Roman einer gelungenen Identitätssuche. Der Held, ein junger Mann aus einer materiell begüterten Petersburger Familie, den die Revolution zum Untermieter in Berlin gemacht hat, findet beides: seinen Stil und seine Frau. Der verliebte Poet trägt den Kopf hoch in den Wolken der russischer Dichtung. Seine publizierten Gedichte genügen ihm nicht mehr;
er schreibt eine Biographie seines bewunderten Vaters und gibt sie wieder auf, da sie ihm anmaßend erscheint. "Die Gabe", das "Geschenk" besteht aus dreierlei: es ist eine dichterische Begabung, deren Selbstvergewisserung der Roman beschreibt. Es ist eine Frau, mit dem ein freundlich gesinntes Schicksal den Dichter verkuppelt. Und es ist das reiche Bewusstsein, mit dem ihm das Leben begabt hat und das ihn befähigt, auch unter widrigen Umständen Glück zu empfinden. Dies ist die erste deutschsprachige Ausgabe der "Gabe". Ein ausführlicher Anmerkungsteil geht den vielen Spuren in die russische Kulturgeschichte nach, die der Autor gelegt hat.

Editionen (4)

ISBN9783498046439
VerlagRowohlt
Erscheinungsdatum10.09.93
Seitenzahl800

Rezensionen & Bewertungen

4 Bewertungen

1 Rezensionen

4,0

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  • tante_tanja
    tante_tanja

    542 Follower

    5,0

    Alle Härchen auf der Seele stehen zu Berge ... - Zitat, Kapitel 5

    Diesen wahren Gänsehautmoment, wenn man großartige Literatur vor Augen hat - diesen Moment beschert uns Vladimir Nabokov in seinem letzten Roman, den er in russischer Sprache verfasst hat. Wie sein begabter Protagonist lebte und schrieb auch der Schriftsteller in den 1920er Jahren in Berlin, "aber weder diese Tatsache noch dass ich [Nabokov] einige seiner Interessen teile - wie die Literatur und die Lepidopteren - sollten jemanden veranlassen, >aha< zu sagen und den Gestalter mit der Gestalt zu identifizieren." So grenzt sich der Autor bewusst in seinem Vorwort zur englischsprachigen Ausgabe, veröffentlicht 1962, von seinem Protagonisten Fjodor Godunow-Tscherdynzew ab. Und was ist mit der zarten Liebesgeschichte zwischen Fjodor und der Tochter seiner Vermieterin? "Seine [gemeint ist der Roman] Heldin ist nicht Sina, sondern die russische Literatur." Die geliebte russische Literatur steht also im Zentrum des Romans. Und der Autor fügt ein Buch im Buch ein. Der junge Dichter lässt die Lyrik hinter sich und versucht sich an einer Biografie über den berühmten Schriftsteller und Literaturkritiker Nikolai Gawrilowitsch Tschernyschewski (1828 - 1889), dessen Werk "Was tun?" (1863) mit der Figur Rachmetow, der als Idealtyp eines Revolutionärs, perfekt in die sowjetische Ideologie passte. Doch ... "Wieder ist etwas schiefgegangen, und man hört das respektlos flache Stimmchen des Rezensenten (vielleicht sogar weiblichen Geschlechts)." Auf jeden Fall wurde, sehr zum Ärger und Missfallen Nabokovs, bei der Erstveröffentlichung von "Die Gabe" in der Pariser Emigrantenzeitschrift das bewusste 4. Kapitel ausgenommen, welches über 140 Seiten einen satirischen und mit zahlreichen Spitzen versehenen Abriss der Biografie des Lieblingsschriftstellers Lenins enthält. Erst 1952 wurde der Roman durch einen New Yorker Verlag in einer vollständigen Ausgabe gedruckt. Für heutige Lesende wäre es vielleicht nicht ganz so übel gewesen, auf dieses 4. Kapitel verzichten zu müssen, auch wenn der Autor so großen Wert darauf legt. Die wahre Wonne jedoch beginnt im letzten und 5. Kapitel mit einem Ausflug des Protagonisten in den Grunewald (Berlin) als die auktoriale Erzählweise wieder spielerisch zur Ich-Perspektive wechselt: "Gib mir deine Hand, lieber Leser, und lass uns zusammen in den Wald gehen." Und da der Roman im Zeichen der russischen Literatur steht, lässt es sich der Autor natürlich nicht nehmen, mit einer Referenz an den sehr verehrten Meister Puschkin sein Werk zu beschließen: "Leb wohl, Buch! ... Vom wachen Geist erzwingt mein Text, der so geendet hat, nicht, diesen Punkt als Schluss zu sehen: Des Daseins Truggestalten wehen blauschimmernd übers schwarze Blatt wie Morgenwolken ohne Eile, und niemals endet eine Zeile." FAZIT Dieses Buch ist tatsächlich ein Geschenk. Es ist, als würde man einem talenierten Klavierspieler lauschen: das Herz klopft bei jeder Note und selbst wenn einem das Stück vertraut erscheint, hält man vor Spannung den Atem an und gibt sich dann ganz der Kaskade der Klänge hin. So mitreißend ist auch das Schreiben von Vladimir Nabokov. Und zu seinem Talent für das geschriebene Wort kommt sein göttlicher Sinn für Humor. Zum Beispiel wie er die absurde Polizeikontrolle beschreibt, weil unser Protagonist nach seinem Badeaufenthalt seiner Kleider beraubt durch die Berliner Innenstadt nur in Badehose bekleidet nach Hause läuft - einfach unwiderstehlich! Es ist übrigens ein netter Zufall, dass meine Lektüre und die letzten zwei Tage im Roman kalendarisch fast zusammenfallen. Ob an diesem 28. Juni 2026 auch Regen am Abend fallen wird? - Eine Abkühlung von der Hitze wäre wünschenswert. Und wie ist das bei Dir, welche Lektüre bereitet Dir Herzklopfen? Hast du bereits einen Roman von Nabokov gelesen?

    26. Juni 2026

Autorin / Autor

Über Vladimir Nabokov

Vladimir Nabokov wird am 22. April 1899 in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution flieht die Familie 1919 nach Westeuropa. 1919-1922 in Cambridge Studium der russischen und französischen Literatur. 1922-1937 in Berlin, erste Veröffentlichungen, meist unter dem Pseudonym W. Sirin. 1937-1940 nach der Flucht aus Nazideutschland in Südfrankreich und in Paris, seit 1940 in den USA. 1961-1977 wohnt Nabokov im Palace Hotel in Montreux. Er stirbt am 2. Juli 1977.

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