
421 Follower
Von jetzt auf gleich in ein anderes Leben
Wenn man in meinem Alter ist, dann überlegt man hin und wieder schon mal, dass man in den gefährlichen Jahren ist und einen jeden Tag der Schlag treffen könnte. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Welch grauenhafte Vorstellung, dass man vielleicht seine Sprache verliert und die Fähigkeit zu lesen. An Joachim Meyerhoff ist der Kelch ganz knapp vorbeigegangen. Ein Schock war es trotzdem. Es ist kurz nach seinem 51. Geburtstag als ihm in Anwesenheit seiner Töchter und der Kindsmutter das Gleichgewicht entgleitet. Er weiß sofort, was ihm wiederfährt, und schnell wird der Krankenwagen gerufen. Nach einigem hin und her findet er sich in einer Klinik auf der Intensivstation wieder. Ein Schlaganfall, aber das dachte er sich ja schon. Wir verbringen nun neun Tage mit ihm dort, begleiten ihn bei allen Untersuchungen, bei seinen Beobachtungen bezüglich anderer Patienten, Ärzte und Therapeuten . Wir erleben die Besuche seiner Kinder und der Partner*in. Als Schauspieler ist natürlich seine Sorge groß, dass seine Sprache in Mitleidenschaft gezogen ist aber dem ist nicht der Fall, doch der linke Arm macht ihm große Probleme und da ist dieses elektrische Summen in seinem Kopf. Während er versucht, wieder Herr über seinen Körper zu werden, verreist er mit uns gedanklich in andere Gefilde. Eine Reise nach Norwegen, mit seinem Bruder, eine mit seiner Freundin in den Senegal. Er erzählt uns, was für eine Art von Partner und Vater er ist. Überhaupt erzählt er viel über seine Kinder und deren Besonderheiten und Vorlieben (für Slime, zB). Und immer wieder Szenen, die die Banalität eines Krankenhauses und die Fragilität eines Körpers deutlich machen. Es gibt auch sehrlustige Szenen, ich sag nur Dusche! Ich hab auf dem Boden gelegen, als Meyerhoff uns mit spöttisch Humor erzählt, wie er sich hat säubern lassen. Es mangelt ihm dabei nie an der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Er kennt sich gut mit all seinen Unzulänglichkeiten. Doch schwebt auch sehr viel Sorge und Melancholie zwischen den Zeilen mit, und seine Analyse der Mitpatienten sowie der Struktur eines Hospitals ist ernüchternd. Ich mag diese Reihe über Meyerhoffs Leben und wie er es nieder schreibt. Ab und an driftet er ab und ich mit ihm. Nicht jeder Gedankengang hat mich gleich stark interessiert, aber er konnte mich immer wieder einfangen. Das Buch war nicht leicht für mich zu lesen, denn auch ich hab wie jeder Mensch in meinem Alter Sorge, dass einem plötzlich die Natur die Grenze setzt und man sich auf der Intensivstation wiederfindet. Hoffentlich bleibe ich davor verschont. Unwahrscheinlich, aber möglich. Ein Buch mit vielen Facetten, voller Humor und Leichtigkeit, aber auch mit ausreichend Tiefgang und Schwere. Ausbalanciert wie das Leben
16. Feb. 2025
Von jetzt auf gleich in ein anderes Leben
Wenn man in meinem Alter ist, dann überlegt man hin und wieder schon mal, dass man in den gefährlichen Jahren ist und einen jeden Tag der Schlag treffen könnte. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Welch grauenhafte Vorstellung, dass man vielleicht seine Sprache verliert und die Fähigkeit zu lesen. An Joachim Meyerhoff ist der Kelch ganz knapp vorbeigegangen. Ein Schock war es trotzdem. Es ist kurz nach seinem 51. Geburtstag als ihm in Anwesenheit seiner Töchter und der Kindsmutter das Gleichgewicht entgleitet. Er weiß sofort, was ihm wiederfährt, und schnell wird der Krankenwagen gerufen. Nach einigem hin und her findet er sich in einer Klinik auf der Intensivstation wieder. Ein Schlaganfall, aber das dachte er sich ja schon. Wir verbringen nun neun Tage mit ihm dort, begleiten ihn bei allen Untersuchungen, bei seinen Beobachtungen bezüglich anderer Patienten, Ärzte und Therapeuten . Wir erleben die Besuche seiner Kinder und der Partner*in. Als Schauspieler ist natürlich seine Sorge groß, dass seine Sprache in Mitleidenschaft gezogen ist aber dem ist nicht der Fall, doch der linke Arm macht ihm große Probleme und da ist dieses elektrische Summen in seinem Kopf. Während er versucht, wieder Herr über seinen Körper zu werden, verreist er mit uns gedanklich in andere Gefilde. Eine Reise nach Norwegen, mit seinem Bruder, eine mit seiner Freundin in den Senegal. Er erzählt uns, was für eine Art von Partner und Vater er ist. Überhaupt erzählt er viel über seine Kinder und deren Besonderheiten und Vorlieben (für Slime, zB). Und immer wieder Szenen, die die Banalität eines Krankenhauses und die Fragilität eines Körpers deutlich machen. Es gibt auch sehrlustige Szenen, ich sag nur Dusche! Ich hab auf dem Boden gelegen, als Meyerhoff uns mit spöttisch Humor erzählt, wie er sich hat säubern lassen. Es mangelt ihm dabei nie an der Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Er kennt sich gut mit all seinen Unzulänglichkeiten. Doch schwebt auch sehr viel Sorge und Melancholie zwischen den Zeilen mit, und seine Analyse der Mitpatienten sowie der Struktur eines Hospitals ist ernüchternd. Ich mag diese Reihe über Meyerhoffs Leben und wie er es nieder schreibt. Ab und an driftet er ab und ich mit ihm. Nicht jeder Gedankengang hat mich gleich stark interessiert, aber er konnte mich immer wieder einfangen. Das Buch war nicht leicht für mich zu lesen, denn auch ich hab wie jeder Mensch in meinem Alter Sorge, dass einem plötzlich die Natur die Grenze setzt und man sich auf der Intensivstation wiederfindet. Hoffentlich bleibe ich davor verschont. Unwahrscheinlich, aber möglich. Ein Buch mit vielen Facetten, voller Humor und Leichtigkeit, aber auch mit ausreichend Tiefgang und Schwere. Ausbalanciert wie das Leben
16. Feb. 2025






