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Romane

Die Menschliche Komödie. Die großen Romane und Erzählungen

3,5(8)
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Über das Buch

Wie vieles, was Honoré de Balzac geschrieben hat, beruht auch dieser empfindsame Roman auf biographischen Erlebnissen des Autors und bringt die landschaftlich herrliche Touraine, seine Heimat, in stimmungsvollen Bildern in Szene. Erzählt wird in geradezu minutiöser Ausfächerung die Liebesgeschichte des jungen Felix de Vandenesse zu der tugendstrengen Frau des Comte de Mortsauf, einem grämlichen Aristokraten, der seine Frau tyrannisiert. Sie erträgt seine Launen geduldig und widersteht der feurigen Liebe des jungen Vandenesse als fromme Christin. Wenn diese »Lilie im Tal« auch die so jählings geweckten Leidenschaften niederkämpft, auf ihrem Sterbebett bricht die Wahrheit durch: ihr Jammer über das versäumte, verlorene Liebesglück, ein Wehruf der um die Erfüllung ihrer geheimsten Wünsche betrogenen Kreatur.

Editionen (24)

ISBN9783458336167
VerlagInsel Verlag
Erscheinungsdatum01.10.96
Seitenzahl344

Rezensionen & Bewertungen

8 Bewertungen

5 Rezensionen

3,5

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  • semjon
    semjon

    73 Follower

    2,0

    Ich würde gerne Balzac mögen, denn ich kann durchaus seine Bedeutung für die Literaturgeschichte erkennen. Sein unbändiger Drang, dem Mensch und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, ist beachtlich. In den beiden bislang von mir gelesenen Werken Eugenie Grandet und Tante Lisbeth ist die Darstellung der Realität im Frankreich der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich so treffend und schonungslos überspitzt, dass es fast schon unwirklich wirkt. Der Vater Grandet ist nicht nur geizig, er ist krankhaft aufs Geld fixiert. Die Männerfiguren in Tante Lisbeth sind nicht verlogen, sie sind pathologisch selbstverliebt und schwanzgesteuert. Und damit ist mein Problem schon angesprochen. Mir ist die Handlung einfach zu überdreht bei Tante Lisbeth, so dass es wirkt wie eine Mischung aus Big Brother und billiger Soap Opera. Ich hätte gerne, dass Balzac für mich wie arte schauen wäre und nicht wie RTL 2. Vielleicht gehe ich mit falschen Erwartungen an seine Romane, aber ich finde, dass die Geschichten sich als Bühnenstücke besser eigenen würden. Sie enthalten alles, was ein Drama benötigt. Womöglich ist die Handlung in Paris zwischen Dirnen, Kurtisanen, Aristokraten und hinterhältigen, alten Jungfern auch nicht das, was mich fesselt. Das war bereits bei Zolas Nana so. Aber die Tatsache, dass hässliche, alte Männer, teilweise auf die 80 zugehend, ihre sexuelle Anziehungsfähigkeit so hoch einschätzen, dass es sie nach jeder Ertappung sofort wieder so einem unbescholtenen Fräulein hinzieht und die Ehefrau dies so gar noch zum x-ten mal entschuldigt, lässt mich kopfschüttelnd zurück. Aus heutiger Sicht wirkt das alles klischeehaft und überzeichnet. Balzac bleibt trotzdem in meinem Fokus, denn womöglich bin ich einfach noch nicht reif genug, seine Genialität zu erkennen, die alle schriftstellerischen Größen der letzten 150 Jahre so stark hervorheben.

    23. Feb. 2024

  • semjon
    semjon

    73 Follower

    4,0

    Dies war mein erster Roman aus dem sehr umfangreichen Werk de Blazacs, und ich war sehr angenehm überrascht. Obwohl das Buch schon 1833 geschrieben wurde, enthält es erstaunlich viele Züge des Realismus, aber man kann auch genug romantische Elemente finden. Quasi ein Buch im Spannungsfeld der Epochen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht über weite Strecken dabei gar nicht die junge titelgebende Protagonistin, sondern vielmehr ihr alter, vom Geiz zerfressener Vater, der als Weinbauer, Großgrundbesitzer und Spekulant in einem Städtchen im Loiretal mit Frau und Kind lebt. Trotz seiner Reichtümer sind die Lebensverhältnisse spartanisch und dieser Geiz, der über die uns bekannte schwäbische Sparsamkeit deutlich hinausgeht, treibt die Familie an den Rand der Gesellschaft und in schäbigen Verhältnisse wohnend. Der Alte bettelt sogar noch das Haushaltsgeld der Frau ab, obwohl er über Millionen verfügt. Balzac übertreibt die Charakterzeichnung dieses von einer der Todsünden befallenen Menschen maßlos. Aber das ist wohl auch Sinn und Zweck: der nach der Revolution und dem Verlust der monarchischen-religiösen Strukturen niedergehenden französischen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Es regieren die Ellbogen und die Macht- und Geldgier. Anstrengend sind die vielen Details über das damalige Konkurs-, Handels- und Erbschaftsrecht Frankreichs. Das liest sich dann auch mal so spannend wie der Finanzteil des Handelsblatts. Auf der anderen Seite gibt es auch wieder Passagen von romantischer Schwulstigkeit, wenn Eugénie ihrem gerade erst in ihr Leben erschienen Cousin aus dem fernen Paris die ewige Liebe schwört. Aber die Spannung zwischen den Schreibstilen macht auch das Besondere des Buchs aus. Ab und zu war ich mir aber auch nicht sicher, ob Balzac fasziniert oder abgestoßen vom Vater Grandet war. Auf jeden Fall ein Klassiker, der heute noch lesenswert ist. Das war bestimmt nicht das letzte Buch aus Reihe der menschlichen Komödie von Honoré de Balzac für mich.

    23. Feb. 2024

  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    2,0

    Ich würde gerne Balzac mögen, denn ich kann durchaus seine Bedeutung für die Literaturgeschichte erkennen. Sein unbändiger Drang, dem Mensch und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, ist beachtlich. In den beiden bislang von mir gelesenen Werken Eugenie Grandet und Tante Lisbeth ist die Darstellung der Realität im Frankreich der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich so treffend und schonungslos überspitzt, dass es fast schon unwirklich wirkt. Der Vater Grandet ist nicht nur geizig, er ist krankhaft aufs Geld fixiert. Die Männerfiguren in Tante Lisbeth sind nicht verlogen, sie sind pathologisch selbstverliebt und schwanzgesteuert. Und damit ist mein Problem schon angesprochen. Mir ist die Handlung einfach zu überdreht bei Tante Lisbeth, so dass es wirkt wie eine Mischung aus Big Brother und billiger Soap Opera. Ich hätte gerne, dass Balzac für mich wie arte schauen wäre und nicht wie RTL 2. Vielleicht gehe ich mit falschen Erwartungen an seine Romane, aber ich finde, dass die Geschichten sich als Bühnenstücke besser eigenen würden. Sie enthalten alles, was ein Drama benötigt. Womöglich ist die Handlung in Paris zwischen Dirnen, Kurtisanen, Aristokraten und hinterhältigen, alten Jungfern auch nicht das, was mich fesselt. Das war bereits bei Zolas Nana so. Aber die Tatsache, dass hässliche, alte Männer, teilweise auf die 80 zugehend, ihre sexuelle Anziehungsfähigkeit so hoch einschätzen, dass es sie nach jeder Ertappung sofort wieder so einem unbescholtenen Fräulein hinzieht und die Ehefrau dies so gar noch zum x-ten mal entschuldigt, lässt mich kopfschüttelnd zurück. Aus heutiger Sicht wirkt das alles klischeehaft und überzeichnet. Balzac bleibt trotzdem in meinem Fokus, denn womöglich bin ich einfach noch nicht reif genug, seine Genialität zu erkennen, die alle schriftstellerischen Größen der letzten 150 Jahre so stark hervorheben.

    14. Apr. 2024

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Honoré de Balzac

Honoré de Balzac wurde am 20. Mai 1799 in Tours geboren. 1816 begann er ein Jurastudium an der École de Droit in Paris auf und besuchte daneben Vorlesungen an der Faculté des lettres und am Collège de France, was ihn dazu veranlaßte, neben seinem Jurastudium philosophische Überlegungen niederzuschreiben. Schließlich brach er das Studium ab, um sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Sein Vater finanzierte ihm die ersten zwei Jahre, die Balzac schreibend in einer Mansarde verbrachte. Das Ergebnis war allerlei Feuilletonistisches und Lyrisches, Fragmente eines Opernlibrettos und einer Tragödie. 1823 verdiente er sein Geld vor allem mit Beiträgen für das Feuilleton littéraire. Den erhofften Durchbruch als Romanautor schaffte er erst 1829 mit dem historischen Roman Le dernier Chouan, ou La Bretagne en 1800. In den folgenden Jahren schrieb Balzac wie besessen. Die Comédie Humaine sollte Balzacs Lebenswerk werden, das er jedoch nicht mehr vollenden konnte. 91 der geplanten 137 Romane und Erzählungen wurden fertiggestellt. Ab 1843 bekam Balzac aufgrund seiner ständigen Überanstrengung und seines exzessiven Kaffeeverbrauchs ernsthafte gesundheitliche Probleme, von denen er sich nicht mehr erholte. Er starb am 18. August 1850 in Paris.

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