Blick ins Buch

Romane

Ein altes Haus am Hudson River

4,0(2)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Für Vance Weston, Sohn eines Immobilienspekulanten, hält die Zukunft ein komfortables Leben in der amerikanischen Provinz bereit. Doch der 19-Jährige mit der lebhaften Fantasie hat eigene Pläne: Vance will nach New York und dort Schriftsteller werden. Tatsächlich gelingt ihm in der pulsierenden Metropole der kometenhafte Aufstieg zum Liebling der Society. Doch allzu rasch folgt die große Ernüchterung, und Vance muss sich zwischen kommerziellem Erfolg und seinen literarischen Grundsätzen entscheiden. Der einzige Mensch, der ihm Orientierung bietet, ist Héloïse, die kluge und schöne Frau seines Verlegers.

Editionen (2)

ISBN9783442746064
Verlagbtb
Erscheinungsdatum09.09.13
Seitenzahl624

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1 Rezensionen

4,0

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  • tante_tanja
    tante_tanja

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    4,0

    Der Originaltitel des 1929 erschienenen Romans lautet "Hudson River Bracketed" und bezieht sich auf einen Begriff aus der Architektur, wie ihn der amerikanische Landschaftsarchitekt A.J. Downing in seinem Werk über Gartenanlagen von 1842 beschreibt. Der ironische Blick der Autorin auf diesen "Fachbegriff" lässt sich nicht durch eine direkte Übersetzung ins deutsche übertragen, aber die einfühlsame Übersetzung von Andrea Ott mit den vielen Anmerkungen zum Roman, bringt die Geschichte um den angehenden Schriftsteller Vance Weston zum Glänzen. Das Haus "The Willows" scheint hier nicht nur ein zentrales Motiv zu sein, sondern selbst ein literarisches Eigenleben zu führen: "Eine Veranda mit Bögen zog sich quer über das ganze Haus, und an ihr entlang wand eine Glyzinie ihre riesigen, verdrehten Zweige wie rheumatische Arme von Konsole zur anderen, von einem Balkon zum nächsten, bis zu den Dachrinnen hinauf, und schmeckte emporwachsend alles irgendwie Hervorstehende mit Girlanden aus langen bläulichen Fransen - als ob eine Horde uralter Affen den Befehl erhalten hätte, hinaufzuklettern und die Fassade für die Ankunft einer Majestät zu dekorieren..." (Seiten 77,78). Dieser besondere Ort mit seiner faszinierenden Geschichte und seiner unkonventionell aufgebauten Bibliothek wird für den Protagonisten Vance zum Schicksalsort. In diesem ungewöhnlichen Paradies begegnet ihm Heloise "Halo" Spear ("Name und Spitzname sind beide gleich lächerlich"), die sich als Seelenverwandte erweisen wird, auch wenn die Beziehung der beiden durch verschiedene Faktoren durchaus kompliziert gestaltet. Im Verlauf der Geschichte wird der Fokus auf die Herausforderungen des angehenden Schriftstellers gelegt, der zwischen die Mühlen des Literaturbetriebs gerät und zwischen Kunst und drohender Armut in innere Konflikte stürzt. Haarnadelgenaue Beschreibungen der Gesellschaft in einem New York Anfang des 20. Jahrhunderts mischen sich mit fast nostalgischen Bildern amerikanischer Landschaft. Edith Wharton hat einen unglaublich bildhaften Schreibstil, der immer wieder überrascht und zum Lachen bringt. Sie nimmt ihre Figuren alle unglaublich ernst, bis auf einige wenige Karikaturen zeigt sie viel Verständnis für deren Stärken und Schwächen. Und sie zeigt auf, wie unsere Illusionen einer anderen Person, einen Schleier auf die Wirklichkeit legt. Der Roman hat einige Längen, was einerseits dem Geschmack des damaligen Publikums, aber auch der Schreibfülle der Autorin geschuldet sein mag. Es lohnt sich jedoch durchzuhalten. Das Ende erscheint sehr dramatisch, doch das Nachwort lässt auf ein Wiedersehen mit dem Protagonisten hoffen. FAZIT Ein Roman von Edith Wharton ist ein besonderes Erlebnis für den Leser. Unbedingt lesenswert!

    31. Jan. 2024

Autorin / Autor

Über Edith Wharton

Edith Wharton (1862 - 1937) entstammte der New Yorker Patrizierschicht. Als Kind verbrachte sie längere Zeit in Frankreich, Deutschland und Italien, so dass sie, wie sie später meinte, Europa "unausrottbar im Blut" hatte. Sie genoss eine sorgfältige Erziehung, ihre frühen literarischen Neigungen wurden jedoch kaum gefördert; schriftstellerische Ambitionen ziemten sich für Töchter aus ihren Kreisen nicht. Edith Wharton übersiedelte nach einer schwierigen Ehe 1906 nach Paris. Sie widmete sich nun ganz ihrer dichterischen Aufgabe, schrieb Romane, Erzählungen, Reiseberichte, kulturhistorische Essays.Ihre Vielseitigkeit und ihr Erzähltalent wurden mehrfach geehrt: 1921 erhielt sie den Pulitzerpreis, 1923 verlieh ihr die Yale University als erster Frau die Ehrendoktorwürde; es folgten die Goldene Medaille des National Institute of Arts and Letters und die Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters. Edith Wharton gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Amerikas.

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