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Romane

Lincoln im Bardo

3,5(53)
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Deutsch
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Über das Buch

Während des amerikanischen Bürgerkriegs stirbt Präsident Lincolns geliebter Sohn Willie mit elf Jahren. Als der trauernde Vater nachts allein das Grabmal aufsucht, um seinen Sohn noch einmal in den Armen zu halten, werden die Geister der Toten auf dem Friedhof wach, aber auch Stimmen aus der Geschichte und der Literatur, reale wie erfundene, mischen sich ein. Denn Willie befindet sich im Zwischenreich, in tibetischer Tradition Bardo genannt, und ein furioser Streit um die Seele des Jungen entbrennt, ein vielstimmiger Chor, der in die eine große Frage mündet: Warum lieben wir, wenn wir doch wissen, dass alles zu Ende gehen muss?

Editionen (3)

ISBN9783442718979
Verlagbtb
Erscheinungsdatum11.11.19
Seitenzahl448

Rezensionen & Bewertungen

53 Bewertungen

10 Rezensionen

3,5

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  • siralexfelixson
    siralexfelixson

    324 Follower

    4,0

    Ein sehr fordernder Roman.

    "Ich will mit alldem sagen, wir hatten etwas bedeutet. Wir waren geliebt worden. Waren nicht einsam, nicht verloren, nicht schuldig, sondern weise, jede und jeder auf ihre und seine Art. Dass wir abtraten tat weh." Ein sprachliches und poetisches Feuerwerk mit jeder Menge schwarzem Humor, originell, irgendwie auch faszinierend und stellenweise gar erhellend liefert uns George Saunders mit seinem Roman "Lincoln im Bardo". "Oh, wie pathetisch! - abgezehrt, von eingegrabenen Zügen unsagbarer Traurigkeit gezeichnet, das Aussehen eines einsamen Mannes, einer Seele mit so tiefem Kummer, so tiefer Bitternis, dass kein menschliches Mitgefühl je heranreichen könnte. Dies war weniger der Präsident der Vereinigten Staaten, besagte mein gewonnener Eindruck, als vielmehr der traurigste Mensch der Welt." Wir befinden uns in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Abraham Lincoln ist der amtierende Präsident und gibt einen Empfang, als eine Etage über ihm sein geliebter Sohn Willie an Typhus verstirbt. In den damaligen Zeitungsberichten ist zu lesen, dass der trauernde Vater das Grabmal seines Sohnes allein aufsuchte, um seinen Sohn noch einmal in den Armen zu halten. George Saunders beschäftigt sich in diesem Roman mit Abraham Lincolns Trauerprozess. Und so werden im Laufe dieser Nacht die Geister der Toten wach, denn Willie Lincoln befindet sich im Bardo, dem tibetischen Zwischenreich, in dem Verstorbene auf ihre Wiedergeburt warten. Und hier entbrennt schon bald ein großer Streit um die Seele des Jungen. "Am Tag, als Willie Lincoln begraben wurde, hob ein starker Wind überall Dächer von den Häusern und riss Fahnen in Streifen." Und ich muss auch direkt sagen, dass ich dieses Buch genau zur richtigen Zeit gelesen habe - nämlich im Urlaub. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mir zu einer anderen Zeit, in der ich vielleicht nicht die innere Ruhe dafür gehabt hätte, überhaupt nicht gefallen hätte. Denn dieser Roman liest sich ein wenig wie ein Drogenrausch und zugleich war es wie ein Theaterstück. Ich sah die drei Herren und auch die anderen Geister wie auf einer Bühne zusammenkommen und sich Sätze, Geschichten und Fragmente davon hin- und herwerfen, wie Kinder es mit einem Ball tun. Es war einerseits verwirrend und andererseits hatte es auch wieder etwas für sich. Es ist irre und wirr, poetisch und auch pathetisch, irgendwie auch genial, aber auch geistig sehr fordernd. "Und da saß der Mann, eine Last auf dem Haupt, über welche die Welt sich wundert - gekrümmt unter der Bürde auf Herz und Haupt -, taumelnd unter solchem Schlag, dass ihm sein Kind genommen ward!" Es fällt mir wirklich schwer, dieses Werk in Worte zu fassen. Ich kann nur jedem Interessierten raten sich eine Leseprobe zu besorgen. Denn das Buch ist schon sehr eigen und wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. "Flogen niedrig über Hügel uns Pfade, rauschten geschwind durch Kranken-Heimstätten und Schuppen und Bäume und sogar einen Hirsch aus jenem anderen Reich." Aus dem Amerikanischen übersetzt von Frank Heibert.

    Ein sehr fordernder Roman.

    21. Juli 2025

  • kingofmusic
    kingofmusic

    224 Follower

    5,0

    Überragend „Seltsam, nicht wahr? Dass man sein Leben einem ganz bestimmten Ziel verschreibt, dafür andere Seiten seines Lebens vernachlässigt, und am Ende bleibt von diesem Ziel einfach nichts übrig, die Früchte der eigenen Arbeit geraten restlos in Vergessenheit?“ (S. 270) Willie Lincoln – geboren am 21. Dezember 1850, gestorben am 20. Februar 1862. Moment mal – Lincoln? War das nicht…? Ja, genau – der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln, war der Vater des kleinen Willie, der an Typhus gestorben ist. Soweit die Fakten. Wie es als Eltern ist, ein geliebtes Kind zu verlieren – nun, diese Erfahrung will man gar nicht erst machen. Doch manchmal schreibt das Leben seine eigenen Regeln. Wie sich aber ein Vater fühlen könnte (oder auch getan hat), dem selbiges widerfahren ist, ist Teil von George Saunders überragendem – ja, was ist es eigentlich? Roman? Theaterstück? Ich würde sagen: eine Mischung aus beidem – „Lincoln im Bardo“. Es gibt kaum längere Textpassagen – hier regiert „In der Kürze liegt die Würze“. Das mag auf den ersten Blick verwirrend, zusammenhanglos, zerstückelt wirken, ergibt aber in der Summe ein grandioses Stimmenwirrwarr. George Saunders gibt hier nämlich den Toten eine Stimme, die im Bardo „hängen“. „Bardo“ ist die Bezeichnung für die nach der Lehre des Tibetischen Buddhismus möglichen Bewusstseinszustände im Diesseits wie im Jenseits. Klingt skurril? Oh ja, das ist es. Aber es ist mit dem nötigen Respekt geschrieben – Respekt vor den Menschen, die ALLE Fehler haben und damit umgehen müssen (egal ob es ein Reverend ist oder ein Leutnant, ein Druckereiarbeiter oder ein Wissenschaftler, dessen Arbeit nicht anerkannt wurde) und gleichzeitig eben skurril, abgedreht, einzigartig. Saunders verbindet auf grandiose Art und Weise erfundene „Lebensläufe“ mit realen und fiktiven Quellen über den Tod von Willie (wobei die geneigte Leserschaft nie weiß, welche Quellen real und welche erfunden sind), die tief empfundene Trauer von Abraham Lincoln und bindet selbst den zu der Zeit herrschenden Krieg zwischen Nord- und Südstaaten in die Handlung mit ein. Auch bezieht Saunders klar Stellung gegen Rassismus mit ein. Dieser erschütternde, nichts desto trotz wohlschmeckende Cocktail ergibt das mit Abstand außergewöhnlichste Buch, das ich jemals gelesen habe. Es wird einen Ehrenplatz in meinem Regal erhalten und trotz des immens hohen SuBs DEFINITIV ein weiteres Mal gelesen werden. 5* deluxe und eine absolute Leseempfehlung! ©kingofmusic

    1. Dez. 2023

  • saiya
    saiya

    15 Follower

    2,0

    Literarische Sensation? Kunst? Eher nicht. Aber ich bin ja auch Banausin. ;-) Nett und von der Idee her nicht schlecht. Manche Figuren mochte ich, aber mir ist es zu abgehackt geschrieben und teilweise belanglos oder oberflächlich, was dem Schreibstil geschuldet ist. Sprachlich hat es mich nicht überzeugt.

    25. Aug. 2022

3 von 10 Rezensionen

Autorin / Autor

Über George Saunders

George Saunders wurde 1958 in Amarillo, Texas, geboren, lebt heute mit seiner Frau und zwei Töchtern in Oneonta, New York, und ist Dozent an der Syracuse University. Er hat mehrere Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht, erhielt u.a. 2013 den PEN/Malamud Award und 2014 den Folio Prize. Das Echo auf seinen ersten Roman »Lincoln im Bardo« war überwältigend: Man Booker Prize 2017, Shortlist für den Golden Man Booker Prize, Premio Gregor von Rezzori 2018, New York Times-Nr.1-Bestseller, SWR-Bestenliste Platz 1 und SPIEGEL-Bestseller.

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